Text zu "Bibellehre - Was ist Liebe? Was ist Barmherzigkeit?"
Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=HnqOmHf--Kw
Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
In diesem Video werden wir anhand von Bibeltexten ein besseres Verständnis dafür entwickeln, was mit Liebe gemäß Gottes Erwartungen gemeint ist, und was Barmherzigkeit bedeutet. Denn diese Werte sind sehr fundamental in der Lehre von Jesus, wie wir wissen. Es hat schon sehr zeitig ein Video mit einem solchen Inhalt hier auf diesem Kanal gegeben, doch es ist der Beschluss ergangen, dass einige überflüssige Worte aus dem Video herausgenommen werden sollen und andere Stellen ausgebessert werden müssen, sodass man sich leichter auf das Wesentliche konzentrieren kann.
Die Bedeutung der Liebe ist leicht durch die Bibel herauszufinden, denn Paulus konnte einen Text aufschreiben, der dieses Wort auf eine akzeptable Weise definiert. Und wenn wir erstmal wissen, was Liebe ist und woran man sie erkennt, dann können wir auch verstehen, was genau es eigentlich bedeutet, selbst in Liebe zu wandeln und deswegen den Menschen um uns herum mit Liebe in unserem Inneren zu begegnen. Es steht im ersten Brief an die Korinther in Kapitel 13 Folgendes geschrieben ab Vers 4 bis zum vorderen Teil von Vers 8:
Die Liebe ist langmütig und gütig,
die Liebe beneidet nicht,
die Liebe prahlt nicht, sie bläht sich nicht auf;
sie ist nicht unanständig,
sie sucht nicht das Ihre,
sie lässt sich nicht erbittern,
sie rechnet das Böse nicht zu;
sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit;
sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
Die Liebe hört niemals auf.
Da haben wir's.
Schauen wir uns das Ganze mal ein bisschen näher an! Die erste Aussage lautet: Die Liebe ist langmütig. Das ist im Grunde nichts Anderes als geduldig sein. Egal, ob man langmütig ist oder geduldig: Wer so ist, der kann warten, der wird nicht sofort zornig, wenn eine Sache nicht so läuft, wie er will. Wer geduldig oder langmütig ist, der hat zwar eigene Erwartungen und Wünsche, aber wenn diese nicht sofort in Erfüllung gehen, dann bleibt er trotzdem ruhig und wird nicht unverschämt oder wütend. Wer geduldig ist, der wünscht sich, dass eine Sache möglichst schnell und ohne Verzögerung gelingen muss, aber wenn zwischendrin viel Unerfreuliches passiert, bleibt er trotzdem gelassen. Und wer Langmut hat, der kann einer Sache sehr viel Zeit geben, bis sie gelingt, ohne sich dabei aufzuregen.
Das zweite Kennzeichen lautet: Die Liebe ist gütig. Wer also Liebe in sich hat, der ist wohlwollend. Der will, das alles gut wird und zwar am liebsten für alle Menschen. Das Gegenteil davon wäre, dass es einem Mensch egal ist, ob andere leiden, so lange es einem selber gut geht. Das wäre Egoismus, hat aber nichts mit Liebe zu tun. Denn echte Liebe ist gütig, wie wir gerade gelernt haben.
Die Liebe beneidet nicht, heißt es weiter. Wenn du es also jemand anderem nicht gönnen kannst, dass er etwas hat, was du nicht hast, dann hast du keine echte Liebe in dir. Ebenso wenn du dich nicht für andere freuen kannst, sobald diese erfolgreich mit ihren gut gemeinten Anstrengungen sind, auch dann hast du keine echte Liebe in dir. Neid ist ein Gefühl, das einen Mensch gewissermaßen von innen her zerfrisst und ihn dazu motivieren kann, wirklich schlimme Dinge zu tun. Daher sollte man versuchen, dieses Gefühl gar nicht erst wachsen zu lassen. Es ist wie bei einem Jugendlichen, der aus einer reichen Familie kommt und einem Jugendlichen, der aus einer armen Familie kommt. Der Jugendliche aus der reichen Familie muss sich immer anständig benehmen und Forderungen von strengen Eltern erfüllen. Er muss immer die besten Kleider tragen, sich gewählt ausdrücken und der Welt demonstrieren, dass er zur hohen Klasse gehört, weil das in der Familie üblich ist. Wenn dieser nun den Jugendlichen aus der armen Familie sieht, der sich absichtlich so anzieht, wie es den Leuten missfällt und der frei nach seinem Herzen redet, weil es sowieso niemanden gibt, dessen Verhaltensregeln er befolgen muss, um zu Hause seine Ruhe zu haben, dann könnte der wohlhabende Jugendliche denken: „Dem geht’s besser als mir. Der muss nicht ständig von allen Leuten Forderungen erfüllen und sich überall wie die Nummer eins aufspielen.“
Gleichzeitig würde aber der Jugendliche aus der armen Familie über den aus der reichen Familie denken: „Also Geldsorgen hat der keine. Er kann sich alles kaufen, was er will. Und er ist etwas Besseres als alle anderen. Er hat ein viel größeres Selbstwertgefühl als ich.“
Wie man nun vielleicht erkennt, beneiden die beiden einander. Der eine will das haben, was er beim anderen sieht, aber bei sich selber nicht. Letzten Endes ist es aber so, dass jeder von uns irgendwas in seinem Leben hat, worum andere ihn nur beneiden könnten. Es wird aber auch immer Dinge geben, die wir nicht haben können, obwohl sie uns besonders vorkommen. Das ist so und wird immer so bleiben. Wir müssen uns daran gewöhnen. So, als sei es gar nicht erst der Rede wert. Und die Gewissheit, dass es den Menschen um uns herum gut geht, kann auch für uns selbst ein Gewinn sein. Denn es macht keinen Spaß, andere leiden zu sehen. Menschen, die man mag, will man überhaupt nicht leiden sehen. Menschen, die man nicht ausstehen kann, würde man vielleicht schon mal leiden sehen wollen, aber auch da käme der Punkt, wo das Leiden zu viel werden würde und wir uns denken würden: „Jetzt reicht's aber langsam mal. Das ist nicht mehr lustig.“
Letztlich will ja jeder von uns ohne Leid leben. Aber Neid hat Leiden zur Folge. Deswegen heißt es: Die Liebe beneidet nicht.
Es heißt auch: Die Liebe prahlt nicht und bläht sich nicht auf. Genau so hat Jesus ja gesagt: Wer sich selbst erniedrigt, der wird erhöht werden. Wer aber sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Jesus redet dabei von der Art und Weise, wie Gott auf die Menschen reagieren wird. Gott kann es nicht ausstehen, wenn Menschen hochmütig und überheblich sind, aber er ehrt die jenigen, die sich selbst erniedrigen, obwohl sie wissen, dass sie eigentlich große Dinge getan haben und gute Charaktereigenschaften aufweisen.
Deswegen ist es auch ein Zeichen von Liebe, wenn ein Mensch davon absieht, sich selbst in den Mittelpunkt zu stellen und sich selbst für seine Errungenschaften oder seine eigenen Besitztümer zu loben. Denn das wäre Prahlerei. Noch schlimmer ist es, wenn er deswegen verkündet, dass er sich selber anderen für überlegen hält und verlangt, dass andere ihm Respekt bekunden müssen. All dies hat mit Liebe nichts zu tun.
Es ist zwar so, dass gute Taten und gute Charaktereigenschaften wertvoll sind, genau so wie Momente, in denen man der Versuchung widerstanden hat, etwas Falsches zu tun, aber den Lohn dafür sollte man nicht darin suchen, von anderen Menschen Anerkennung zu erhalten. Gott weiß, was man tut und wird zur richtigen Zeit seine Anerkennung dafür ausdrücken. Aber das muss reichen. Alles, was man richtig macht, sollte man nicht zugunsten seiner eigenen Ehre machen, sondern zu Ehren dessen, den man liebt. Zur Ehre von Jesus und zur Ehre Gottes. Die Liebe prahlt nicht, Leute. Wer sich selbst lobt, der hat keine echte Liebe in sich. Wenn du etwas gut gemacht hast, dann reicht es, dass du das selber weißt. Du musst es nicht in die Welt hinaus posaunen. Das Echo davon wird sowieso nur höchst selten den Klang haben, den du dir wünschst. Denn es gibt so einige Menschen, die mit Missgunst, Meckerei oder Spott reagieren, wenn jemand prahlt.
Als nächstes erfahren wir: Die Liebe ist nicht unanständig. Sie lacht also niemanden aus, sie erzählt keine schweinischen Witze, sie spricht keine frechen und provokanten Worte, sondern eher das Gegenteil ist ein Zeichen von Liebe. Wer einen Mensch nicht auslacht sondern ermutigt, wer keine schweinischen Witze erzählt, sondern sie kritisiert und wer freundlich redet, anstatt zu provozieren, der hat Liebe in sich.
Jetzt kommt noch ein weiterer wichtiger Punkt: Die Liebe sucht nicht das Ihre. Das bedeutet also: Wenn ein liebevoller Mensch jemandem hilft, dann tut er dies nicht, weil er seinen Blick auf seine Belohnung gerichtet hat. Ein liebevoller Mensch wird nicht sagen: „Was springt denn für mich bei der Sache raus? Welcher Lohn erwartet mich, wenn ich das tue?“, sondern ein liebevoller Mensch verzichtet sogar notfalls darauf, für seine Mühe belohnt zu werden und denkt sich: „Ich bin froh, wenn ich helfen kann“.
Und auch bei wohltätigen Aktionen, an denen man sich beteiligt, sollte man nicht das Seine suchen.
Wenn meinetwegen ein Altenheim renoviert werden müsste, aber die Leute können es nicht bezahlen, also tun es die fachkundigen Menschen aus Liebe zu ihren Mitmenschen kostenlos, dann sollte keiner von ihnen hinterher durch die Gegend laufen und sagen: „Den Gemeinschaftsraum habe ich gemacht. Sieht gut aus, oder?“, um dann Ruhm und Lob zu ernten. Und noch schlimmer wäre es, würde er sagen: „Der Gemeinschaftsraum sieht von allen Räumen am schönsten aus, denn ich habe meine Arbeit am besten gemacht!“. Das wäre kein Zeichen von Liebe. Selbst wenn es wirklich so sein sollte, dass man besser gearbeitet hat als andere, so will ein liebevoller Mensch keine Anerkennung dafür haben. Viel mehr freut er sich, wenn alle fertig sind und das Altenheim wieder gut aussieht. Denn die Liebe sucht nicht das Ihre.
Es heißt auch: Die Liebe lässt sich nicht erbittern. Die meisten lassen sich ja durch Undankbarkeit oder Rücksichtslosigkeit erbittern. Wenn also jemand in einem Büro meinetwegen vier prall gefüllte Ordner bearbeiten muss und hat dafür nur einen Tag Zeit, weil am nächsten Tag schon wieder eine andere große Aufgabe wartet, aber dann kommt der Chef und legt nochmal drei dicke Ordner auf den Tisch mit der Bemerkung: „Die müssen auch noch bearbeitet werden!“, obwohl man eigentlich schon mit den ersten vier überlastet ist, dann ist es extrem rücksichtslos, was einem da zugemutet wird. Aber die Liebe lässt sich nicht erbittern. Und wenn man dann an dem Tag länger arbeitet und entgegen aller Erwartungen tatsächlich mit allen sieben Ordnern fertig wird, aber als der Chef es gesagt kriegt, meint er nur: „Dann machen Sie jetzt mit den nächsten weiter und beeilen Sie sich!“, dann ist das extrem undankbar. Aber die Liebe lässt sich nicht erbittern. Man bleibt trotzdem locker. Man schimpft nicht, man tobt nicht, man tut einfach seine Pflicht. Es gibt viele Dinge auf dieser Welt, die uns extrem die Laune verderben können. Aber wir sollten uns möglichst nicht davon verbittern lassen, sondern an den Lohn denken, der uns nach diesem Leben erwartet, wenn wir die Sünde überwinden.
Es steht auch geschrieben: Die Liebe rechnet das Böse nicht zu. Das heißt also: Selbst wenn jemand euch etwas Böses antun wollte oder wenn er euch sogar mit Erfolg etwas Böses angetan hat, so solltet ihr keine Rachepläne schmieden oder gar ausführen. Wir sind auch angewiesen, uns vom Bösen fernzuhalten und in keiner Weise mit denen Gemeinschaft zu haben, die etwas Böses tun. Daran sollten wir uns auf jeden Fall halten. Aber wenn es mal kurz notwendig sein sollte, mit jemandem ein neutrales Gespräch zu haben, von dem man Böses erlitten hat, so sollte man diesen Moment nicht dazu nutzen, um Verurteilungen auszusprechen und Schimpf und Schande über denjenigen zu bringen, durch den man leiden musste. Man sollte stattdessen so schnell wie möglich das Notwendige hinter sich bringen und sich dann wieder von dem entfernen, von dem man weiß, dass er das Böse tut. Aber man sollte keine Gelegenheit zur Vergeltung suchen. Nicht gegen die, durch die man Schaden genommen hat und auch nicht gegen die, die zwar nichts Böses taten, aber mit deren Art, wie sie sich benehmen, man ein Problem hat und bei denen man es einfach mal lustig fände, wenn sie geschädigt werden. Das wäre lieblos. Als echte Christen sollten wir aber Liebe in uns haben, genau wie Jesus auch Liebe in sich hatte, als er auf Erden wandelte. Und die Liebe rechnet das Böse nicht zu. Wir können also darauf verzichten, Böses zu vergelten und wir können auch darauf verzichten, andere Menschen anzuschnauzen. Man kann ein einziges Mal, wenn man mag, auf nüchterne Weise jemandem begreiflich machen, dass es eine böse Tat war, was er da getan hat und dass es besser wäre, er hätte dies nie getan. Falls er Reue empfindet und um Entschuldigung bittet, so sollte man ihm vergeben. Wenn er aber weiter macht wie gewohnt, so muss man ihn nicht ständig wieder darauf aufmerksam machen. Wenn er es nach dem ersten gut gemeinten Hinweis nicht kapiert, wird er es nie kapieren und man muss es eben weiterlaufen lassen, ohne sich aufzuregen. Die Liebe rechnet das Böse nicht zu. Außer vor Gottes Gericht. Dort muss jeder Mensch Rechenschaft ablegen. Denn Gott ist voller Liebe, aber gleichzeitig ist er auch gerecht und er belohnt das Böse nicht. Die Erde ist dem Teufel übergeben, deshalb haben die Bösen hier Erfolg. Aber bei Gott gibt es nichts Böses. Und während die Erde verdirbt und vergeht, ist Gottes Reich unvergänglich.
Als nächstes lernen wir über die Liebe: Sie freut sich nicht an der Ungerechtigkeit, sie freut sich aber an der Wahrheit.
Hierbei sollte man überlegen, ob die biblische Ungerechtigkeit gemeint ist, welche bedeutet, dass jemand die Gebote nicht einhalten will, oder ob die irdische Ungerechtigkeit gemeint ist, welche bedeutet, dass Menschen das bekommen, was sie nicht verdient haben.
Ich denke mal, die Liebe erfreut sich weder an dem einen noch an dem anderen, aber die Wahrheit wird ein Mensch mit Liebe immer wertschätzen.
Weiterhin lernen wir über die Liebe: Sie erträgt alles, sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erduldet alles.
Das kann man wohl so zusammenfassen, dass man als liebevoller Mensch niemals die Fähigkeit verliert, sich positive Ziele zu setzen, egal welche Lasten man zu tragen hat. Sei es nun durch Geldmangel oder durch unliebsame Mitmenschen oder durch Stress oder durch Müdigkeit oder durch Verluste jeglicher Art. Wer echte Liebe in sich hat, kann alles tragen, ohne zu zerbrechen. Denn wir wissen ja: Am Ende der unzumutbaren Durststrecke wartet das Wasser des Lebens auf unsere Seele.
Was wir sonst noch über die Liebe lernen, ist etwas, was sie sowohl der Fähigkeit zur Weissagung und Sprachenrede als auch der Erkenntnis voraus hat: Sie hört nicht auf. Die Liebe hört niemals auf. Sie ist ein Hauch von Ewigkeit, den wir spüren können, wenn wir sie in unserem Inneren suchen. All die Dinge, die wir bis hierher besprochen haben, sollten wir nicht nur mal einen Tag im Jahr haben, sondern bestenfalls ein ganzes Leben lang. Natürlich sind Menschen bequem und eigensinnig, weswegen es ihnen gefällt, keine Liebe zu haben und hier auf der Erde ein Leben in selbstgefälliger Fülle und Freude zu genießen, aber man muss sich eben immer vor Augen halten, dass die ganze Welt sich im Bösen befindet und man selbst dadurch unweigerlich auch im Bösen ist, wenn man Liebe verachtet und in den leeren Hoffnungen dieser Welt schwelgen will. Jeder muss sich sehr genau darüber im Klaren sein, was von beidem sich auf lange Sicht mehr lohnt. Ein Wandel in Liebe, oder ein liebesverachtender Wandel.
Jedenfalls haben wir nun alles näher beleuchtet, was laut dem ersten Brief an die Korinther zu Liebe dazugehört. Ich bin aber auch noch auf einen Vers im Brief von Paulus an die Römer gestoßen und diesen möchte ich ergänzen. Im zehnten Vers des dreizehnten Kapitels lesen wir:
Die Liebe tut dem Nächsten nichts Böses. So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung.
Das spricht eine deutliche Sprache. Während lieblose Menschen absolut kein Problem damit haben, böse Dinge zu tun, die ihnen selbst einen Gewinn bescheren, würde hingegen ein liebevoller Mensch um keinen Preis irgendeinem Mensch etwas Böses antun wollen. Das sollte soweit klar sein. Und wenn jemand das Gesetz einhalten will, aber es nicht aus Liebe tut, so ist das Halten des Gesetzes unerfüllt.
Wer aber auf christliche Weise in Liebe lebt, wird von vielen Menschen voraussichtlich keine Anerkennung dafür bekommen, denn ein Wandel, wie wir ihn gerade besprochen haben, ist in dieser Welt fremdartig. Daher soll sich niemand verwundern, wenn er um der Nachfolge Jesu willen schlechte Reaktionen von seinen Mitmenschen erntet. Jesus selbst wird es am Ende sehr hoch anerkennen, wenn wir in der Liebe waren und sind, und er würdigt es auch schon auf Erden bei denen, die ihn wirklich lieben und ihn an erster Stelle haben, denn er ist ja der lebendige Sohn Gottes.
Schauen wir uns nun aber mal etwas näher an, was es mit der Barmherzigkeit auf sich hat! Liebe und Barmherzigkeit sind sich ziemlich ähnlich. Aber die Liebe ist eher passiv, die zeigt man durch seine innere Einstellung und durch die damit einhergehende Selbstbeherrschung, Barmherzigkeit hingegen ist eher aktiv. Die zeigt man durch seine Taten und durch Entscheidungen, die man trifft, wenn Handeln gefragt ist.
Um Barmherzigkeit besser zu verstehen, werden wir uns mal nacheinander drei Geschichten anschauen, die Jesus erzählte. Zuerst schauen wir uns die Geschichte vom unbarmherzigen Knecht an. Sie steht im Evangelium des Matthäus, Kapitel 18, Vers 21 bis 35. Dort lesen wir Folgendes:
Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Bis siebenmal?
Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal!
Darum gleicht das Reich der Himmel einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte.
Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war 10000 Talente schuldig.
Weil er aber nicht bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und so zu bezahlen.
Da warf sich der Knecht nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen!
Da erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld.
Als aber dieser Knecht hinausging, fand er einen Mitknecht, der war ihm 100 Denare schuldig; den ergriff er, würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du schuldig bist!
Da warf sich ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen!
Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war.
Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, kamen und berichteten ihrem Herrn den ganzen Vorfall.
Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest;
solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe?
Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war.
So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.
Jesus erklärt, dass Gott über uns genau so Gericht halten wird, wie der König aus dem Gleichnis über seinen Knecht Gericht hielt. Wir sind Gott einiges schuldig durch die ganzen Sünden, die wir im Laufe unseres Lebens begangen haben. Wir müssten dafür bestraft werden. Aber weil Gott Erbarmen hat, kann es möglich sein, dass Jesus unsere Schuld auf sich nimmt. Dadurch ist uns unsere Schuld erlassen und wir müssen dafür nicht bezahlen. Allerdings sind wir es nur wert, dass uns dies zuteil wird, wenn auch wir ebenso handeln gegenüber Menschen, die uns etwas schulden. Auch denen sollten wir ihre Schulden erlassen, wenn wir merken, dass die nie und nimmer im Stande sein werden, uns jemals zurückzuzahlen, was wir von ihnen kriegen würden. Ähnlich ist es auch, wenn andere sich an uns versündigen und wir ihnen Vergebung in unserem eigenen Herzen zugestehen sollen. Wenn wir da keine Barmherzigkeit haben, dann sind wir es auch nicht wert, dass Jesus unsere Schuld auf sich nimmt.
Aber eigentlich möchte ich auf etwas Anderes hinaus. Wenn man davon ausginge, auch wenn es nicht so gemeint ist, der König aus dem Gleichnis würde nicht für den heiligen Schöpfer stehen, sondern es würde sich um einen Mensch handeln, dann muss man sich Folgendes vor Augen halten: Der Mensch braucht die Fähigkeit zur Selbstüberwindung und ein Verständnis für die Situation eines Anderen, um diese gutmütige Entscheidung treffen zu können, dass er eine Schuld erlässt. Vor allem, wenn die Schuld groß ist. Normalerweise ticken wir Menschen so, dass wir sagen: „Ich will haben, was mir zusteht! Ohne Diskussionen!“
Barmherzigkeit erweist man aber dadurch, dass man verzichtet und Verständnis für einen anderen aufbringt. Jesus redet in dem Gleichnis ja von Menschen, die Schulden haben, aber nicht bezahlen können. Das heißt also: Selbst wenn sie den Wunsch haben, ihre Schulden tatsächlich zu tilgen, so ist es gar nicht möglich. Vielleicht weil sie krank sind und es nicht hinbekommen, alles abzuleisten, was sie schuldig sind. Oder vielleicht weil sie nicht nur dir etwas schulden, sondern auch ganz vielen anderen Leuten und diese stellen auch alle Forderungen.
Da sollte man eigentlich schon an den Punkt kommen, wo man sagt: „Na schön! Wenn's nicht geht, dann geht’s eben nicht. Pfeif drauf!“
Einen Mensch mit Barmherzigkeit erkennt man also daran, dass er nichts erzwingt, wovon offensichtlich ist, dass es sowieso nicht klappen wird. Und außerdem ist er selbstlos. Er versteift sich nicht auf sein Recht oder beharrt nicht immer wieder auf seinen Forderungen, sondern er gibt etwas auf, was ihm eigentlich zukommen sollte, um seinem Nächsten das Leben leichter zu machen. Also nochmal in Kurzform: Die Barmherzigkeit erzwingt nichts Unmögliches, die Barmherzigkeit will den Leidenden Erleichterung verschaffen, und die Barmherzigkeit ist fähig, auf etwas zu verzichten.
Nun widmen wir uns mal dem zweiten Gleichnis, das Jesus gelehrt hat, um Barmherzigkeit besser zu erklären. Dieses finden wir im Evangelium des Lukas, Kapitel 10, Vers 30 bis 37. Folgendes lesen wir:
Da erwiderte Jesus und sprach: Es ging ein Mensch von Jerusalem nach Jericho hinab und fiel unter die Räuber; die zogen ihn aus und schlugen ihn und liefen davon und ließen ihn halb tot liegen, so wie er war. Es traf sich aber, dass ein Priester dieselbe Straße hinabzog; und als er ihn sah, ging er auf der anderen Seite vorüber. Ebenso kam auch ein Levit, der in der Gegend war, sah ihn und ging auf der anderen Seite vorüber. Ein Samariter aber kam auf seiner Reise in seine Nähe, und als er ihn sah, hatte er Erbarmen. Und er ging zu ihm hin, verband ihm die Wunden und goss Öl und Wein darauf, hob ihn auf sein eigenes Tier, führte ihn in eine Herberge und pflegte ihn. Und am anderen Tag, als er fortzog, gab er dem Wirt zwei Denare und sprach zu ihm: Verpflege ihn! Und was du mehr aufwendest, will ich dir bezahlen, wenn ich wiederkomme. Welcher von diesen dreien ist deiner Meinung nach nun der Nächste dessen gewesen, der unter die Räuber gefallen ist? Er sprach: Der, welcher die Barmherzigkeit an ihm geübt hat! Da sprach Jesus zu ihm: So geh du hin und handle ebenso!
Wie ihr vielleicht wisst, sind die Samariter damals ein Volk gewesen, mit dem die Juden keinen Umgang haben wollten. Die zwei Völker mochten sich gegenseitig überhaupt nicht. Wir lesen im Gleichnis davon, dass ein Priester an dem hilflosen Mann ignorant vorbei ging. Das ist eine ziemliche Schande. Ein Priester ist ja jemand, der immer Predigten hält und den Leuten sagt, was sie tun sollen und dann kriegt er es nichtmal hin, den Verunglückten wenigstens anzusprechen oder zurück in die Stadt zu gehen, und Hilfe zu holen, falls er keine Transportmöglichkeit dabei hatte. Dann kam ein Levit, also ein Mensch, der als Diener im Gotteshaus arbeitet und die kleineren Aufgaben erledigt. Und auch dieser geht einfach ignorant an dem Mann vorbei, der halb tot geschlagen war. Das ist auch ziemlich übel. Wer im Gotteshaus arbeitet, der möge doch wenigstens die wichtigsten Gebote auswendig kennen. Und dann kam ein Samariter, also einer, der mit so jemandem wie dem Verunglückten keinen Umgang pflegte, weil sie aus verfeindeten Völkern stammten. Und eben dieser legt den Mann auf sein Lasttier und bezahlt dafür, dass er gesund gepflegt wird. Daran erkennen wir Barmherzigkeit. Barmherzigkeit konzentriert sich nicht auf Feindschaft. Barmherzigkeit ist immer hilfsbereit. Ich meine: Auch der Samariter hatte sicher eigene Pläne an dem Tag. Der ist bestimmt nicht losgezogen mit dem Gedanke: „Ach, ich suche jetzt mal irgendwen, den ich retten kann!“.
Er war auf einer Reise und wollte bestimmt schnellstmöglich seinen Zielort erreichen, aber dieses Vorhaben hat er an die zweite Stelle gesetzt, weil es ihm wichtiger war, dem Verunglückten zu helfen, auch wenn dadurch sein ganzer Tagesablauf ruiniert sein würde.
Und jetzt schauen wir uns auch noch das dritte Gleichnis an, das Jesus im Hinblick auf Barmherzigkeit erzählt hat. Dieses steht auch im Evangelium des Lukas, nämlich in Kapitel 15 in den Versen 11 bis 32. Es steht geschrieben:
Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut.
Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben.
Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und auch er fing an, Mangel zu leiden.
Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Äcker, die Schweine zu hüten.
Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, welche die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm.
Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber verderbe vor Hunger!
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,
und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen!
Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Festgewand her und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße;
und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es; und lasst uns essen und fröhlich sein!
Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Aber sein älterer Sohn war auf dem Feld; und als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz.
Und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was das sei.
Der sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat!
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater nun ging hinaus und redete ihm zu.
Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann.
Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet!
Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
Du solltest aber fröhlich sein und dich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden!
Diese Geschichte ist sehr gut für alle Eltern. Denn Kinder müssen die Welt erst kennenlernen und ihre eigenen Fehler machen, um zu merken, dass hinter allen mahnenden Worten der Alten wirklich Wahrheit steckt. Wenn man nämlich einem Mensch etwas verbietet, weil man weiß, wie gefährlich es ist, aber der Mensch selber weiß es nicht und hat es noch nie gesehen, dann wird dieser Mensch glauben, dass man ihm das nicht verbietet, um ihn zu beschützen, sondern um ihn einzuschränken. So ist auch der eine Sohn in diesem Gleichnis nicht einsichtig genug gewesen, um zu wissen, dass es ein böses Ende nimmt, wenn man verschwenderisch lebt und in den eigenen Gelüsten schwelgt. Denn das klappt eine Zeit lang, aber dann klappt es nicht mehr. Und außer verblassenden Erinnerungen bleibt nichts übrig. Man steht hinterher nur noch mit leeren Händen da und kommt vielleicht bei irgendeinem Typ unter, von dem man einen Hungerlohn bezahlt bekommt und dem man egal ist. Und wie groß ist doch die Schande, die man da aufgeladen hat und die man vor dem Guten bekennen muss, den man verlassen hat? Der Vater aber hatte große Barmherzigkeit. Er hätte eigentlich wütend auf seinen Sohn sein sollen. Welcher Mensch hätte dem Sohn nicht Vorwürfe gemacht, als dieser gebrochen und beschämt zurückkehrte? Die einen hätten stundenlang an ihm herum gemeckert, die anderen hätten ihn gar nicht erst auf den eigenen Hof gelassen, sondern nur gesagt: „Du bist nicht mehr mein Sohn! Geh zu deinen Huren und sieh zu, ob sie dir Unterkunft gewähren!“.
Der barmherzige Vater aber hat seinen Sohn ohne jeden Vorwurf wieder aufgenommen und sich gefreut, dass er zurückkehrte. Wahrscheinlich hat in dem Vater nicht der Gedanke dominiert, wie schändlich sich der Sohn entschieden hat, sondern weil er seinen Sohn so sehr liebt, hatte er nur die ganze Zeit Angst darum, dass er ihn nie wieder sehen würde. Und als der Vater den Sohn erblickte, merkte er bestimmt sofort, dass dieser unter der Welt gelitten hat. Das ist ja unvermeidlich. Der andere Sohn war die ganze Zeit beim Vater. Deshalb hatte er keinen Mangel erlitten. Und er hätte bestimmt auch mal mit seinen Freunden ein eigenes Fest veranstalten dürfen, bei dem ein gemästetes Kalb geschlachtet wird. Er hätte nur fragen müssen, hat er aber nicht.
Am Verhalten des Vaters aus dem Gleichnis sehen wir weitere Eigenschaften der Barmherzigkeit: Die Barmherzigkeit ist nicht vorwurfsvoll, sondern nachsichtig. Sie schmäht den Leidenden nicht, sondern empfängt ihn mit offenen Armen. Die Barmherzigkeit freut sich über jede gute Wendung. Denn der Vater hatte bestimmt schon damit gerechnet, dass der Sohn auf seinen Reisen in fragwürdige Kreise gerät, wo es ihm nicht gut geht oder dass der Sohn stirbt. Das hätte locker passieren können, aber es kam nicht dazu und deswegen hat der Vater sich so sehr gefreut.
Und mit diesen Worten endet das Video über Liebe und Barmherzigkeit gemäß der Bibel.
Danke für's Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!
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