Text zu "Bibellehre - Das Leben von Joseph, dem Sohn Jakobs"
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Hallo Leute und
willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
Im heutigen Video
werden wir uns mal eine von den Geschichten aus dem alten Testament
anschauen, die mit Treue zu tun haben. Der gottestreue Mensch, dessen
Geschichte wir heute durchlesen werden, ist Joseph, der Sohn von
Jakob. Einige von euch wissen bestimmt schon, dass Jakob der Mann
ist, dessen zwölf Söhne zu den Stammvätern der zwölf Stämme
Israels geworden sind. Denn Jakob erhielt von einem Engel Gottes den
Name Israel. Das können wir selbst nachlesen im ersten Buch Mose,
Kapitel 32, Vers 28 und 29, denn dort steht geschrieben:
Da fragte er ihn:
Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob!
Da sprach er: Dein
Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit
Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!
Die Stelle in Vers
29 ist etwas schlampig übersetzt. Es müsste eigentlich dort stehen:
Du hast mit einem Engel Gottes und mit Menschen gekämpft, und hast
gewonnen.
Denn Jakob wurde
durch schwierige Lebenslagen auf die Probe gestellt, um zu sehen, ob
er weiter Gott anhängen würde. Und zuletzt begegnete ihm auch ein
Engel, der einen Ringkampf gegen Jakob ausfechten musste. Vielleicht
werden wir eines Tages diese Sache ein wenig näher beleuchten. Heute
ist erstmal nur wichtig, dass Jakob auch den Name Israel bekam. Und
Jakob ist einer der zwei wichtigen Söhne von Isaak. Isaak aber ist
der erstgeborene Sohn von Abraham. Und deswegen, weil Abraham der
Großvater von Jakob war, welcher Israel heißt, deshalb bezeichnen
sich die Israeliten, besonders die Juden, als Söhne Abrahams.
Abraham war nämlich ein ziemlich treuer und wichtiger Prophet in
alten Zeiten.
Aber lasst uns nun
mal die Geschichte von Jakob's Sohn Joseph anschauen! Joseph ist
einer der zwölf Söhne Israels. Ich blende euch mal die Namen aller
zwölf Söhne ein, die Jakob hatte, falls ihr die Namen dieser
Männer noch nie gesehen habt, denn auch von diesen werden wir heute
teilweise lesen.
Da wir die
Geschichte von Joseph erfahren wollen, lesen wir nun im ersten Buch
Mose in Kapitel 37 ab Vers 1. Es steht geschrieben:
Jakob aber wohnte in
dem Land, in dem sein Vater ein Fremdling war, im Land Kanaan.
Dies ist die
Geschichte Jakobs: Joseph war 17 Jahre alt, als er mit seinen Brüdern
das Vieh hütete, und er war als Knabe bei den Söhnen Bilhas und
Silpas, den Frauen seines Vaters; und Joseph brachte vor ihren Vater,
was man ihnen Schlimmes nachsagte.
Israel aber hatte
Joseph lieber als alle seine Söhne, weil er ihn in seinem Alter
bekommen hatte; und er hatte ihm einen bunten Leibrock machen lassen.
Hierbei gibt es ein
paar wichtige Dinge zu erklären. Jakob hatte mit insgesamt vier
Frauen Kinder zeugen müssen, weil die Frau, die er liebte, lange
Zeit unfruchtbar war. Als sie aber fruchtbar wurde durch Gottes
Wirken, da gebar die Frau, die Jakob liebte, zwei Söhne. Zuerst
Joseph und dann Benjamin. Die ganzen anderen Söhne Israels waren
aber zu dieser Zeit schon da. Denn Benjamin war der jüngste von
allen, und Joseph war der zweitjüngste. Und weil Joseph der
erstgeborene Sohn von der Frau war, die Jakob wirklich liebte,
deshalb liebte Jakob natürlich Joseph am meisten, was ja bei
fleischlichen Gefühlsregungen nur allzu normal ist. Vom geistlichen
Aspekt her, wenn man so gnädig und liebevoll wie Gott sein wollte,
müsste man sich bemühen, alle zwölf Söhne gleich liebevoll zu
behandeln, besonders so lange sie kein Unheil anrichten. Egal, von
welcher Frau die geboren wurden. Aber Jakob, auch wenn er als eine
Art Prophet zählt, war offensichtlich ein fleischlich gesinnter
Mensch und machte seine Liebe davon abhängig, wer die Mutter des
Sohnes ist. Jedenfalls sind die anderen Söhne logischerweise sehr
neidisch auf Joseph, besonders weil Jakob ihm sogar ein besonderes
Kleidungsstück angefertigt hat, um aller Welt zur Schau zu stellen,
dass Joseph der Lieblingssohn ist.
Lesen wir nun mal
weiter! In Vers 4 bis 8 erfahren wir Folgendes:
Als nun seine Brüder
sahen, dass ihr Vater ihn lieber hatte als alle seine Brüder,
hassten sie ihn und wollten ihn nicht mehr mit dem Friedensgruß
grüßen.
Joseph aber hatte
einen Traum und verkündete ihn seinen Brüdern; da hassten sie ihn
noch mehr.
Er sprach nämlich
zu ihnen: Hört doch, was für einen Traum ich gehabt habe:
Siehe, wir banden
Garben auf dem Feld, und siehe, da richtete sich meine Garbe auf und
blieb stehen; und siehe, eure Garben stellten sich ringsumher und
warfen sich vor meiner Garbe nieder!
Da sprachen seine
Brüder zu ihm: Willst du etwa unser König werden? Willst du über
uns herrschen? Darum hassten sie ihn noch mehr, wegen seiner Träume
und wegen seiner Reden.
Joseph hat also von
Garben geträumt, und vor seiner Garbe fielen alle anderen nieder.
Dies erzählt er seinen Brüdern, und sie verstehen sofort, welche
Bedeutung dieser Traum hat, darum hassen sie ihn sogar noch mehr,
denn nichts würde sie mehr ankotzen, als dass Joseph nicht nur
Papa's Liebling ist, sondern obendrein auch noch über sie König
sein darf.
Es gab auch einen
zweiten Traum, den Joseph hatte, darüber lesen wir in Vers 9 bis 11
Folgendes:
Er hatte aber noch
einen anderen Traum, den erzählte er seinen Brüdern auch und
sprach: Seht, ich habe wieder geträumt, und siehe, die Sonne und der
Mond und elf Sterne beugten sich vor mir nieder!
Als er aber das
seinem Vater und seinen Brüdern erzählte, tadelte ihn sein Vater
und sprach zu ihm: Was ist das für ein Traum, den du geträumt hast?
Sollen etwa ich und deine Mutter und deine Brüder kommen und uns vor
dir bis zur Erde niederbeugen?
Und seine Brüder
waren eifersüchtig auf ihn; sein Vater aber bewahrte das Wort im
Gedächtnis.
Ich denke es dürfte
sich jedem erschließen, dass in dem Traum die Sonne und der Mond für
die Eltern von Joseph stehen, und die 11 Sterne sollen für seine
Brüder stehen. Seine Brüder verstehen die Bedeutung des Traumes
sofort, und sein Vater ebenfalls. Darum werden seine Brüder nur noch
eifersüchtiger und hasserfüllter, und sogar sein Vater tadelt ihn.
Es ist aber abzusehen, dass es nicht ewig gut gehen wird, wenn Joseph
von seinen elf Brüdern gehasst wird. Und was deswegen eines Tages
geschah, das erfahren wir in den Versen 12 bis 24. Es steht
geschrieben:
Als aber seine
Brüder nach Sichem gegangen waren, um die Schafe ihres Vaters zu
weiden,
da sprach Israel zu
Joseph: Weiden nicht deine Brüder die Herde in Sichem? Komm, ich
will dich zu ihnen senden! Er aber sprach: Hier bin ich!
Da sprach er zu ihm:
Geh doch und sieh, ob es gut steht um deine Brüder und ob es gut
steht um die Herde, und bring mir Bescheid! So sandte er ihn aus dem
Tal Hebron, und er wanderte nach Sichem.
Da traf ihn ein
Mann, als er umherirrte auf dem Feld; der fragte ihn und sprach: Was
suchst du?
Er antwortete: Ich
suche meine Brüder; sage mir doch, wo sie weiden!
Der Mann antwortete:
Sie sind von hier fortgezogen; denn ich hörte sie sagen: Lasst uns
nach Dotan ziehen! Da ging Joseph seinen Brüdern nach und fand sie
in Dotan.
Als sie ihn nun von
ferne sahen, ehe er in ihre Nähe kam, beschlossen sie, ihn heimlich
umzubringen.
Und sie sprachen
zueinander: Seht, da kommt der Träumer daher!
Und nun kommt und
lasst uns ihn töten und in eine Zisterne werfen und sagen, ein böses
Tier habe ihn gefressen; dann wollen wir sehen, was aus seinen
Träumen wird!
Als Ruben dies
hörte, rettete er ihn aus ihren Händen, indem er sprach: Wir wollen
ihn nicht ums Leben bringen!
Und weiter sprach
Ruben zu ihnen: Vergießt kein Blut! Werft ihn in die Zisterne dort
in der Wüste, aber legt nicht Hand an ihn! Er wollte ihn aber aus
ihrer Hand erretten und ihn wieder zu seinem Vater bringen.
Und es geschah, als
Joseph zu seinen Brüdern kam, da zogen sie ihm das Gewand aus, den
bunten Leibrock, den er trug;
und sie ergriffen
ihn und warfen ihn in die Zisterne; die Zisterne aber war leer, und
es war kein Wasser darin.
Der Hass der elf
Brüder hat sie also dazu getrieben, Joseph umbringen zu wollen. Und
einer von ihnen, nämlich Ruben, war der einzige, dem diese Idee
nicht gefiel, darum überredete er die anderen, dass Joseph lieber in
eine Zisterne, also in eine Art Wassergrube geworfen werden soll. Und
das taten sie auch. Vermutlich wollte aber Ruben wiederkommen, wenn
die anderen zehn Brüder weg waren, um ihn allein aus der Zisterne
herauszuholen.
Weiter lesen wir in
den Versen 25 bis 28:
Darauf setzten sie
sich nieder, um zu essen. Als sie aber ihre Augen hoben und sich
umsahen, siehe, da kam eine Karawane von Ismaelitern von Gileat
daher, deren Kamele trugen Tragakanth, Balsam und Ladanum, und sie
zogen hinab, um es nach Ägypten zu bringen.
Da sprach Juda zu
seinen Brüdern: Was gewinnen wir damit, dass wir unseren Bruder
töten und sein Blut verbergen?
Kommt, wir wollen
ihn den Ismaelitern verkaufen und nicht selbst Hand an ihn legen;
denn er ist unser Bruder, unser Fleisch! Und seine Brüder stimmten
zu.
Als nun die
midianitischen Kaufleute vorbeikamen, zogen sie Joseph aus der
Zisterne herauf und verkauften ihn den Ismaelitern für 20
Silberlinge; und diese brachten Joseph nach Ägypten.
Von diesem Tag an
war also Joseph nicht mehr behütet von seinem Vater, sondern befand
sich als Sklave im Besitz von midianitischen Kaufleuten. Das muss
ziemlich erschütternd für ihn gewesen sein. Besonders da er ja
gerade mal 17 Jahre alt war.
Natürlich mussten
die elf Söhne aber irgendwie ihrem Vater eine Erklärung geben,
warum sein Lieblingssohn plötzlich verschwunden ist. Und
diesbezüglich lesen wir Folgendes in den Versen 29 bis 35:
Als nun Ruben zur
Zisterne zurückkam, siehe, da war Joseph nicht mehr in der Zisterne!
Da zerriss er sein Gewand,
kehrte zu seinen
Brüdern zurück und sprach: Der Knabe ist verschwunden! Und ich, wo
soll ich hin?
Sie aber nahmen
Josephs Leibrock und schlachteten einen Ziegenbock, tauchten den
Leibrock in das Blut;
und sie schickten
den bunten Leibrock ihrem Vater und ließen ihm sagen: Das haben wir
gefunden; sieh doch, ob es der Leibrock deines Sohnes ist oder nicht!
Und er erkannte ihn
und sprach: Es ist der Leibrock meines Sohnes! Ein wildes Tier hat
ihn gefressen! Joseph ist gewiss zerrissen worden!
Und Jakob zerriss
seine Kleider und legte Sacktuch um seine Lenden und trug lange Zeit
Leid um seinen Sohn.
Da machten sich alle
seine Söhne und Töchter auf, um ihn zu trösten; er aber wollte
sich nicht trösten lassen, sondern sprach: Ich höre nicht auf zu
trauern, bis ich zu meinem Sohn hinabfahre ins Totenreich! So
beweinte ihn sein Vater.
Jakob wurde
offensichtlich davon überzeugt, dass Joseph von einem wilden Tier
zerrissen wurde. Und er trauerte so sehr und so intensiv um ihn, dass
keiner ihn trösten konnte, und seine Trauer schien kein Ende zu
nehmen.
Lasst uns aber mal
schauen, wir es mit Joseph weiterging! In Kapitel 39 steht Folgendes
geschrieben in den Versen 1 bis 6:
Joseph aber war nach
Ägypten hinabgeführt worden, und Potiphar, ein Kämmerer des
Pharao, der Oberste der Leibwache, ein Ägypter, hatte ihn aus der
Hand der Ismaeliter erworben, die ihn dorthin gebracht hatten.
Und der HERR war mit
Joseph, und er war ein Mann, dem alles gelang; und so durfte er im
Haus seines ägyptischen Herrn bleiben.
Und als sein
Gebieter sah, dass der HERR mit ihm war und dass der HERR in seiner
Hand alles gelingen ließ, was er unternahm,
da fand Joseph Gnade
in seinen Augen und durfte ihn bedienen; und er setzte ihn zum
Aufseher über sein Haus und gab alles, was er hatte, in seine Hand.
Und von der Zeit an,
da er ihn über sein Haus und über alle seine Güter gesetzt hatte,
segnete der HERR das Haus des Ägypters um Josephs willen, und der
Segen des HERRN war auf allem, was er hatte, im Haus und auf dem
Feld.
Da überließ er
alles, was er hatte, der Hand Josephs und kümmerte sich um gar
nichts mehr als um das Brot, das er aß. Joseph aber war von schöner
Gestalt und gutem Aussehen.
Hier merken wir
also, dass Joseph als Sklave weiterverkauft worden war, und zwar an
den Kämmerer des Pharao, welcher Potiphar hieß. Joseph war also in
einem fremden Land, als Sklave bei einem völlig fremden Mensch, aber
das Entscheidende ist: Gott war mit ihm. Und auf die eine oder andere
Art muss Joseph wohl auch auf Gott vertraut haben, denn sonst wäre
er vielleicht in seiner Situation depressiv geworden.
Joseph gab sich aber
Mühe, aus seiner Situation das Beste zu machen. Und alles, was
Joseph anpackte, das gelang ihm, weil Gott ihm half. Und als Potiphar
das bemerkte, wie alles gut wird, was Joseph anrührt, da überließ
er ihm mehr und mehr Verantwortung über das Haus und die anfallenden
Arbeiten. Und schließlich haben wir gelesen, dass Joseph sich sogar
um alles kümmern sollte, was irgendwie erledigt werden musste im
Haus von Potiphar, und Potiphar kümmerte sich nach seiner Arbeit zu
Hause um gar nichts mehr, sondern nur noch darum, sein Brot zu essen.
Als nächstes
erfahren wir von einem ärgerlichen Umstand, mit dem Joseph leben
musste. In den Versen 7 bis 9 steht:
Es geschah aber nach
diesen Begebenheiten, dass die Frau seines Herrn ihre Augen auf
Joseph warf und zu ihm sprach: Lege dich zu mir!
Er aber weigerte
sich und sprach zu der Frau seines Herrn: Siehe, mein Herr verlässt
sich auf mich und kümmert sich um nichts, was im Haus vorgeht, und
hat alles in meine Hand gegeben, was ihm gehört;
es ist niemand
größer in diesem Haus als ich, und es gibt nichts, das er mir
vorenthalten hätte, ausgenommen dich, weil du seine Frau bist! Wie
sollte ich nun eine so große Missetat begehen und gegen Gott
sündigen?
Die Frau von
Potiphar wollte also mit Joseph Ehebruch begehen. Und obwohl Joseph
das Gesetz, also die Thora, noch gar nicht kennen konnte, denn Moses
hatte zu dieser Zeit noch gar nicht gelebt, weigerte er sich
trotzdem. Er wusste vermutlich aus seinem eigenen Herzen heraus, dass
er nicht auf die Forderung der Frau hören durfte, weil er einerseits
den Hausherr Potiphar dadurch bitterlichst enttäuschen würde, und
weil andererseits auch Gott von solch einer Tat entsetzt wäre.
In den Versen 10 bis
15 lesen wir weiter:
Und obwohl sie ihm
Tag für Tag zuredete, hörte er doch nicht auf sie, dass er sich zu
ihr gelegt oder sich an ihr vergangen hätte.
Es geschah aber an
einem solchen Tag, als er ins Haus kam, um seine Arbeit zu tun, und
niemand von den Leuten des Hauses anwesend war,
dass sie ihn bei
seinem Obergewand ergriff und zu ihm sprach: Lege dich zu mir! Er
aber ließ das Obergewand in ihrer Hand und floh und lief hinaus.
Als sie nun sah,
dass er das Obergewand in ihrer Hand gelassen hatte und entflohen
war,
da rief sie die
Leute ihres Hauses herbei und sprach zu ihnen: Seht, er hat uns den
Hebräer ins Haus gebracht, damit er Mutwillen mit uns treibt! Er kam
zu mir herein, um bei mir zu liegen; ich aber habe aus Leibeskräften
geschrien!
Als er nun hörte,
dass ich meine Stimme erhob und schrie, ließ er sein Obergewand
neben mir liegen und floh hinaus!
Potiphar's Frau hat
also ständig Joseph angebaggert, und an einem Tag rannte er davon,
da tat sie so, als sei sie das Opfer, und als hätte Joseph ihr etwas
antun wollen, obwohl in Wahrheit sie die jenige ist, die sich ihm an
den Hals warf ohne Ende. Sie unterstellt also Joseph die Tat, die sie
selber tun wollte. Und die gerufenen Leute, die sie erblicken, wie
sie da mit einem Stück Obergewand von Joseph sitzt, glauben diese
Lügen natürlich, die sie erzählt.
In den Versen 16 bis
20 lesen wir dann:
Und sie ließ sein
Obergewand neben sich liegen, bis sein Herr nach Hause kam.
Dem erzählte sie
die gleiche Geschichte und sprach: Der hebräische Knecht, den du uns
gebracht hast, ist zu mir hereingekommen, um Mutwillen mit mir zu
treiben;
als ich aber meine
Stimme erhob und schrie, ließ er sein Obergewand neben mir liegen
und entfloh nach draußen!
Als nun sein Herr
die Rede seiner Frau hörte, als sie sprach: So und so hat mir dein
Knecht getan!, da entbrannte sein Zorn.
Und der Herr Josephs
nahm ihn und warf ihn ins Gefängnis, dorthin, wo die Gefangenen des
Königs gefangen lagen; so war er dort im Gefängnis.
Da also leider
Potiphar dem Geschwätz seiner Frau glaubte, war er sehr wütend auf
Joseph und warf ihn ins Gefängnis. Und dort saß Joseph nun, in
einem äußerst unangenehmen Kerker, ohne zu wissen, wie es mit ihm
weitergeht. Das war gewiss keine leichte Situation, und manch einer
möge vielleicht sogar befürchten, dass Joseph nun endgültig die
guten Tage seines Lebens hinter sich hat.
Lasst uns mal in den
restlichen Versen des Kapitels lesen, wie sich die Zeit im Gefängnis
für Joseph gestaltete! Es steht geschrieben:
Aber der HERR war
mit Joseph und verschaffte ihm Gunst und schenkte ihm Gnade vor den
Augen des Kerkermeisters.
Und der
Kerkermeister gab alle Gefangenen, die im Kerker waren, in Josephs
Hand; und alles, was es dort zu tun gab, geschah durch ihn.
Der Kerkermeister
kümmerte sich nicht im Geringsten um irgendetwas, das Joseph in die
Hand nahm; denn der HERR war mit ihm, und der HERR ließ alles
gelingen, was er tat.
Also diese Situation
ist schon ein bisschen sonderbar, oder? Joseph war zwar ein
Gefangener, aber gleichzeitig war er wie so eine Art Verwalter, der
dort Verantwortung übernehmen durfte. Ich nehme an, wenn man unter
solchen Umständen im Gefängnis sitzt, ist das deutlich leichter zu
ertragen, als wenn man einsam in einer Zelle hockt und Tag für Tag
die Wand anstarren muss.
Wenn wir erfahren
wollen, was auch noch im Gefängnis geschah, müssen wir in das
nächste Kapitel schauen. In Kapitel 40 steht Folgendes in den Versen
1 bis 8:
Nach diesen
Begebenheiten geschah es, dass der Mundschenk des Königs von Ägypten
und der oberste Bäcker sich gegen ihren Herrn, den König von
Ägypten, versündigten.
Da wurde der Pharao
zornig über seine beiden Hofbeamten, den obersten Mundschenk und den
obersten Bäcker,
und er ließ sie in
Haft setzen im Haus des Obersten der Leibwache, in den Kerker, in dem
Joseph gefangen lag.
Und der Oberste der
Leibwache übertrug Joseph die Sorge für sie, und er diente ihnen,
und sie waren längere Zeit im Gefängnis.
Und sie hatten beide
einen Traum in derselben Nacht, jeder einen Traum von besonderer
Bedeutung, der Mundschenk und der Bäcker des Königs von Ägypten,
die in dem Kerker gefangen lagen.
Als nun Joseph am
Morgen zu ihnen kam, sah er sie an, und siehe, sie waren bedrückt.
Da fragte er die
Höflinge des Pharao, die mit ihm im Gefängnis seines Herrn waren,
und sprach: Warum macht ihr heute ein so finsteres Gesicht?
Sie antworteten ihm:
Wir haben einen Traum gehabt, und keiner ist da, der ihn deuten kann!
Joseph sprach zu ihnen: Kommen die Deutungen nicht von Gott? Erzählt
es mir doch!
Wir merken daran,
dass Joseph darauf vertraut, Gott würde ihm die Bedeutung der Träume
verraten, wegen welchen die zwei ehemaligen Beamten des Pharao
betrübt waren. So viel Vertrauen setzt er auf Gott, und man merkt
daran auch, dass Joseph allgemein ein gottestreuer Mensch ist.
Schauen wir mal, was
das für Träume sind, die den beiden ehemaligen Beamten so eine
schlechte Laune bereitet hatten! Wir lesen in den Versen 9 bis 19:
Da erzählte der
oberste Mundschenk dem Joseph seinen Traum und sprach: In meinem
Traum, siehe, da war ein Weinstock vor mir,
und an dem Weinstock
waren drei Reben; und als er knospte, gingen die Blüten auf, und
seine Trauben bekamen reife Beeren.
Ich aber hatte den
Becher des Pharao in der Hand, und ich nahm die Weintrauben und
presste sie aus in den Becher des Pharao und reichte den Becher dem
Pharao.
Da sprach Joseph zu
ihm: Dies ist die Deutung: Die drei Reben sind drei Tage.
In drei Tagen wird
der Pharao dein Haupt erheben und dich wieder in dein Amt einsetzen,
sodass du dem Pharao den Becher reichen wirst, wie du es früher zu
tun pflegtest, als du noch sein Mundschenk warst.
Solltest du dann
etwa an mich denken, wenn es dir gut geht, so erweise mir
Barmherzigkeit und erwähne mich bei dem Pharao, und bringe mich aus
diesem Haus heraus!
Denn ich bin aus dem
Land der Hebräer geraubt worden und habe auch hier gar nichts getan,
weswegen man mich einsperren müsste!
Als nun der oberste
Bäcker sah, dass Joseph eine gute Deutung gegeben hatte, sprach er
zu ihm: Siehe, in meinem Traum trug ich drei Körbe mit Weißbrot auf
meinem Kopf,
und im obersten Korb
war allerlei Backwerk, Speise für den Pharao; aber die Vögel fraßen
es mir aus dem Korb, der auf meinem Kopf war.
Da antwortete Joseph
und sprach: Dies ist die Deutung: Die drei Körbe sind drei Tage.
In drei Tagen wird
der Pharao dein Haupt erheben und wird dich ans Holz hängen lassen,
dass die Vögel dein Fleisch fressen werden!
Joseph konnte also
beide Träume deuten, und der Mundschenk, also der Typ, der dem
Pharao Speise serviert, kann sich freuen. Aber der Bäcker kann sich
leider überhaupt nicht freuen, da ihm durch seinen Traum angekündigt
wurde, dass er in drei Tagen stirbt. Weil aber Joseph merkt, dass der
Mundschenk seinen Posten zurück erhalten wird, darum bittet er ihn,
an ihn zu denken, denn offensichtlich ist Joseph trotz aller
Verantwortung sehr ungern im Gefängnis, was wohl jeder
nachvollziehen kann. Wer hält sich schon gerne in einem Gefängnis
auf?
Und obendrein hat
Joseph sicher auch Heimweh, denn er ist in Ägypten, weit weg von zu
Hause, und hat sowohl seinen Vater Jakob, als auch seine restlichen
Familienmitglieder schon lange nicht mehr gesehen. Wir erfahren
leider gar nicht, wie alt er mittlerweile ist, aber es ist möglich,
dass schon mehrere Jahre vergangen waren.
Als nächstes
schauen wir mal, ob die Deutungen von Joseph wirklich korrekt waren,
die er abgegeben hat. In den restlichen Versen des Kapitels steht
geschrieben:
Und es geschah am
dritten Tag, dem Geburtstag des Pharao, als er für alle seine
Knechte ein Mahl veranstaltete, dass er das Haupt des obersten
Mundschenken und des obersten Bäckers erhob unter allen seinen
Knechten.
Und den obersten
Mundschenk setzte er wieder ein in sein Amt, sodass er dem Pharao den
Becher reichen durfte;
aber den obersten
Bäcker ließ er hängen – so wie Joseph es ihnen gedeutet hatte.
Aber der oberste
Mundschenk dachte nicht an Joseph, sondern vergaß ihn.
Es war demnach genau
so gekommen, wie es die Träume ankündigten und wie Joseph es
gedeutet hatte, aber der Mundschenk dachte nicht daran, dass er dies
vor dem Pharao erwähnen sollte. Somit blieb Joseph weiter im
Gefängnis. Zwei Jahre später geschah aber wieder etwas Wichtiges,
und davon lesen wir in Kapitel 41.
Wir erfahren dort,
dass der Pharao einen sehr eigenartigen Traum hatte. Diesen Traum
konnte niemand deuten. Und der Pharao war wegen dem Traum sehr
beunruhigt. Sein Mundschenk erinnerte sich dadurch dann doch noch an
Joseph und erzählte dem Pharao von ihm. Ab Vers 14 in Kapitel 41
lesen wir dann:
Da sandte der Pharao
hin und ließ Joseph rufen. Und sie entließen ihn schnell aus dem
Loch. Er aber ließ sich scheren und wechselte seine Kleider und ging
zum Pharao hinein.
Und der Pharao
sprach zu Joseph: Ich habe einen Traum gehabt, aber es kann ihn
niemand deuten; nun habe ich über dich vernommen, dass du einen
Traum zu deuten vermagst, wenn du ihn hörst.
Joseph antwortete
dem Pharao und sprach: Das steht nicht bei mir. Gott wird
verkündigen, was dem Pharao zum Wohl dient!
Da sprach der Pharao
zu Joseph: Siehe, in meinem Traum stand ich am Ufer des Nils;
und siehe, da
stiegen aus dem Nil sieben wohlgenährte Kühe von schöner Gestalt
herauf, die im Nilgras weideten.
Und siehe, nach
ihnen stiegen sieben andere Kühe herauf, dürftig und von sehr
hässlicher Gestalt und magerem Leib; im ganzen Land Ägypten habe
ich keine so hässlichen gesehen.
Und diese mageren,
hässlichen Kühe fraßen die sieben ersten, wohlgenährten Kühe.
Als sie aber diese
verschlungen hatten, merkte man nichts davon; denn sie waren so
hässlich wie zuvor. Da erwachte ich.
Und ich sah weiter
in meinem Traum, und siehe, sieben volle und gute Ähren wuchsen auf
an einem einzigen Halm.
Und siehe, nach
ihnen sprossten sieben dürre Ähren hervor, mager und vom Ostwind
versengt;
und die mageren
Ähren verschlangen die sieben guten Ähren. Und ich habe es den
Wahrsagern erzählt, aber keiner kann es mir erklären!
Da sprach Joseph zum
Pharao: Was der Pharao geträumt hat, bedeutet dasselbe: Gott hat den
Pharao wissen lassen, was er tun will.
Die sieben schönen
Kühe sind sieben Jahre, und die sieben schönen Ähren sind auch
sieben Jahre; es ist ein und derselbe Traum.
Die sieben mageren
und hässlichen Kühe, die nach jenen heraufkamen, sind sieben Jahre;
ebenso die sieben leeren, vom Ostwind versengten Ähren; es werden
sieben Hungerjahre sein.
Darum sagte ich zu
dem Pharao: Gott hat den Pharao sehen lassen, was er tun will.
Siehe, es kommen
sieben Jahre, da wird großer Überfluss herrschen im ganzen Land
Ägypten.
Aber nach ihnen
werden sieben Hungerjahre eintreten, und all dieser Überfluss wird
vergessen sein im Land Ägypten; und die Hungersnot wird das Land
aufzehren,
sodass man nichts
mehr merken wird von dem Überfluss im Land wegen der Hungersnot, die
danach kommt; denn sie wird sehr drückend sein.
Dass aber der Pharao
den Traum zweimal hatte, das bedeutet, dass die Sache bei Gott fest
beschlossen ist und dass Gott es rasch ausführen wird.
Und nun möge der
Pharao nach einem verständigen und weisen Mann sehen und ihn über
das Land Ägypten setzen.
Der Pharao möge
handeln und Aufseher über das Land setzen; und er lasse in den
sieben Jahren des Überflusses den fünften Teil des Ertrages erheben
vom Land Ägypten.
So soll man alle
Nahrung dieser sieben künftigen guten Jahre sammeln und Getreide
speichern zur Verfügung des Pharao, und diese Nahrung in den Städten
aufbewahren.
Und diese Nahrung
soll dem Land als Vorrat dienen für die sieben Hungerjahre, die im
Land Ägypten eintreten werden, damit das Land durch die Hungersnot
nicht zugrunde geht!
Hier ist erkennbar,
dass Joseph den Traum dank Gottes Eingabe nicht nur richtig deuten
konnte, sondern auch gleich einen klugen Vorschlag machte, was man
deswegen am besten tun sollte, um auf die kommende Hungersnot gut
vorbereitet zu sein. Schauen wir uns mal an, wie der Pharao auf diese
Rede von Joseph reagiert hat!
Wir lesen Folgendes
in den Versen 37 bis 46:
Diese Rede gefiel
dem Pharao und allen seinen Knechten gut.
Und der Pharao
sprach zu seinen Knechten: Können wir einen Mann finden wie diesen,
in dem der Geist Gottes ist?
Und der Pharao
sprach zu Joseph: Nachdem Gott dir dies alles mitgeteilt hat, ist
keiner so verständig und weise wie du.
Du sollst über mein
Haus sein, und deinem Befehl soll mein ganzes Volk gehorchen; nur um
den Thron will ich höher sein als du!
Und der Pharao
sprach zu Joseph: Siehe, ich setze dich über das ganze Land Ägypten!
Und der Pharao nahm
den Siegelring von seiner Hand und steckte ihn an die Hand Josephs,
und er bekleidete ihn mit weißer Leinwand und legte eine goldene
Kette um seinen Hals;
und er ließ ihn auf
seinem zweiten Wagen fahren; und man rief vor ihm aus: »Beugt eure
Knie!« Und so wurde er über das ganze Land Ägypten gesetzt.
Und der Pharao
sprach zu Joseph: Ich bin der Pharao, aber ohne dich soll niemand im
ganzen Land Ägypten die Hand oder den Fuß erheben!
Und der Pharao gab
Joseph den Namen Zaphenat-Paneach und gab ihm Asnath zur Frau, die
Tochter Potipheras, des Priesters von On. Und Joseph zog aus durch
das ganze Land Ägypten.
Und Joseph war 30
Jahre alt, als er vor dem Pharao, dem König von Ägypten stand. Und
Joseph ging vom Pharao hinweg und bereiste das ganze Land Ägypten.
Mittlerweile war
Joseph also schon 30 Jahre alt. Der kleine Sklave, der einst von
midianitischen Kaufleuten gebracht wurde, und der jahrelang im
Gefängnis gesessen hatte, war nun zum zweitmächtigsten Mensch in
ganz Ägypten erhoben worden. Nur der Pharao selbst stand noch über
ihm.
So eine Geschichte
passiert gewiss nicht jedem von uns, sondern es ist schon ein
besonderer Einzelfall. Aber wir merken daran, dass keine schwere
Situation umsonst ist, so lange man den Wille Gottes sucht. Denn das
hatte Joseph getan, sowohl als seine Brüder ihn als Sklave verkauft
hatten, als auch während seiner Zeit im Gefängnis. Und nun hatte er
eine deutlich angenehmere Lebenssituation, die er nicht durch seine
eigenen Anstrengungen erreicht hatte, sondern weil Gott mit ihm war.
Natürlich ist es
aber auch interessant, zu erfahren, was nun aus der Vorhersage über
die drohende Hungersnot wurde. Um das herauszufinden, werden wir noch
mehr im ersten Buch Mose lesen.
In den folgenden
Versen, nämlich in Vers 47 bis 57 steht geschrieben:
Und das Land trug in
den sieben Jahren reichen Überfluss.
Und er sammelte
allen Ertrag der sieben Jahre, die im Land Ägypten waren, und
schaffte die Nahrungsmittel in die Städte; den Ertrag der
umliegenden Felder brachte er in die Städte.
Und Joseph
speicherte Getreide auf wie Sand am Meer, über die Maßen viel, bis
man es nicht mehr messen konnte; denn es war unermesslich viel.
Bevor aber das Jahr
der Hungersnot kam, wurden dem Joseph zwei Söhne geboren; die gebar
ihm Asnath, die Tochter Potipheras, des Priesters von On.
Und Joseph gab dem
Erstgeborenen den Namen Manasse; denn er sprach: Gott hat mich alle
meine Mühsal vergessen lassen und das ganze Haus meines Vaters.
Dem zweiten aber gab
er den Namen Ephraim; denn er sprach: Gott hat mich fruchtbar gemacht
im Land meines Elends.
Als nun die sieben
Jahre des Überflusses im Land Ägypten zu Ende gegangen waren,
da brachen die
sieben Hungerjahre an, wie Joseph vorausgesagt hatte. Und es entstand
eine Hungersnot in allen Ländern; aber im ganzen Land Ägypten gab
es Brot.
Und als das ganze
Land Ägypten Hunger litt und das Volk zum Pharao um Brot schrie, da
sprach der Pharao zu allen Ägyptern: Geht hin zu Joseph! Was er euch
sagt, das tut!
Und als die
Hungersnot im ganzen Land herrschte, öffnete Joseph alle Speicher
und verkaufte den Ägyptern Getreide; denn die Hungersnot nahm
überhand im Land Ägypten.
Und alle Welt kam
nach Ägypten, um bei Joseph Korn zu kaufen; denn es herrschte große
Hungersnot auf der ganzen Erde.
Es war also alles so
gekommen, wie es durch Joseph in der Traumdeutung angekündigt wurde.
Es hatte sieben Jahre des Überflusses gegeben. Und in dieser Zeit
bekam Joseph auch zwei Söhne, nämlich zuerst Manasse, und danach
Ephraim.
Dann gingen aber die
Jahre des Hungers los, und das galt für die gesamte Erde. Es hatten
also überall die Menschen an Hunger zu leiden, und nur in Ägypten
war Weizen aufgespeichert. Von diesen Umständen sind unweigerlich
auch die Menschen betroffen, mit denen Joseph verwandt war, und die
im Land Kanaan wohnten. Und welche Auswirkungen das hatte, lesen wir
beginnend ab Kapitel 42. In Vers 1 bis 6 steht geschrieben:
Und Jakob sah, dass
es in Ägypten Korn gab. Da sprach Jakob zu seinen Söhnen: Was seht
ihr einander an?
Siehe, ich höre,
dass es in Ägypten Korn gibt; zieht hinab und kauft uns dort
Getreide, damit wir leben und nicht sterben!
So machten sich zehn
der Brüder Josephs auf den Weg, um in Ägypten Getreide zu kaufen.
Benjamin aber, den
Bruder Josephs, sandte Jakob nicht mit den Brüdern; denn er sprach:
Es könnte ihm ein Unfall begegnen!
So kamen nun die
Söhne Israels, um Getreide zu kaufen, mit anderen, die auch
hingingen, weil im Land Kanaan Hungersnot herrschte.
Joseph aber war
Regent über das Land; er allein verkaufte dem ganzen Volk des Landes
Korn. Darum kamen die Brüder Josephs und beugten sich vor ihm
nieder, das Angesicht zur Erde gewandt.
Na sieh mal einer
an! Joseph hatte in jüngeren Jahren einen Traum, der andeutete, dass
sich seine Brüder vor ihm niederbeugen werden. Und damals haben sie
ihn deswegen gehasst, nun aber geht der Traum in Erfüllung.
Allerdings wissen die zehn Brüder gar nicht, dass es Joseph ist. Sie
sehen einfach nur irgendeinen königlichen Typ vor sich, der
herrliche Kleidung trägt und große Macht hat, sie sehen einen
ägyptischen Regent, und sie haben keine Ahnung, was es mit diesem
Mann auf sich hat. Sie hoffen einfach nur, dass sie Getreide kaufen
dürfen, und sie wissen, dass es eine sehr gute Idee ist, vor dem
Pharao und vor allen, die seine Beamten sind, niederzuknien. Deshalb
tun sie es.
Schauen wir mal, wie
Joseph reagiert! Wir lesen folgende Worte in den Versen 7 bis 20:
Als nun Joseph seine
Brüder sah, erkannte er sie; aber er verstellte sich und redete hart
mit ihnen und fragte sie: Wo kommt ihr her? Sie antworteten: Aus dem
Land Kanaan, um Nahrung einzukaufen!
Und Joseph erkannte
seine Brüder, sie aber erkannten ihn nicht.
Und Joseph dachte an
die Träume, die er von ihnen geträumt hatte, und sprach zu ihnen:
Ihr seid Kundschafter; ihr seid gekommen, um zu sehen, wo das Land
offen ist!
Sie antworteten ihm:
Nein, mein Herr! Deine Knechte sind gekommen, um Nahrung zu kaufen!
Wir sind alle Söhne
eines Mannes; wir sind aufrichtig; deine Knechte sind niemals
Kundschafter gewesen!
Er aber sprach zu
ihnen: Nein, sondern ihr seid gekommen, um zu sehen, wo das Land
offen ist!
Sie antworteten:
Wir, deine Knechte, sind zwölf Brüder, die Söhne eines einzigen
Mannes im Land Kanaan, und siehe, der jüngste ist gegenwärtig bei
unserem Vater, und der eine ist nicht mehr.
Aber Joseph sprach
zu ihnen: Es ist so, wie ich euch gesagt habe: Ihr seid Kundschafter!
Daran will ich euch
prüfen: So wahr der Pharao lebt, ihr sollt von hier nicht fortgehen,
es sei denn, euer jüngster Bruder kommt her!
Schickt einen von
euch hin, damit er euren Bruder holt, ihr aber sollt in Haft behalten
werden. So sollen eure Worte geprüft werden, ob ihr wahrhaftig seid;
wenn aber nicht, dann seid ihr Kundschafter, so wahr der Pharao lebt!
Und er setzte sie
alle zusammen in Gewahrsam, drei Tage lang.
Am dritten Tag aber
sprach Joseph zu ihnen: Wenn ihr am Leben bleiben wollt, so tut nun
dies – denn ich fürchte Gott:
Wenn ihr aufrichtig
seid, so lasst einen von euch Brüdern hier gebunden im Gefängnis
zurück; ihr anderen aber geht hin und bringt Getreide heim, um den
Hunger eurer Familien zu stillen.
Euren jüngsten
Bruder aber bringt zu mir, damit eure Worte sich als wahr erweisen,
und dann sollt ihr nicht sterben! Und sie handelten danach.
Joseph entschied
sich merklich dazu, hart mit seinen Brüdern zu reden, denn sie
erkannten ihn nicht, er aber wusste ganz genau, wer diese Männer
sind, die vor ihn traten. Und Joseph unterstellt ihnen, sie seien
Spione, die Ägypten auskundschaften wollen. Und da Joseph sich dafür
interessiert, was aus Benjamin geworden ist, welcher nicht mit den
zehn Brüdern ging, verlangt er, sie sollen ihn herbringen, nachdem
sie drei Tage in Haft waren.
Nun zeigen sich die
zehn Brüder zwar willig, aber es wird ein ziemlich schwieriger Akt
werden, Jakob dazu zu überreden, dass er Benjamin nach Ägypten
reisen lässt. Denn ich habe ja vorhin schon erwähnt, dass Joseph
und Benjamin die liebsten Söhne von Jakob waren, weil sie von der
Frau geboren worden waren, die Jakob wirklich liebte. Deswegen war
Joseph der absolute Liebling und Benjamin der zweitliebste. Weil aber
Jakob der festen Überzeugung war, Joseph sei von einem wilden Tier
zerrissen worden, während seine 10 großen Brüder auf ihn hätten
aufpassen müssen, deshalb behütete er jetzt Benjamin noch mehr als
seinen eigenen Augapfel. Es würde also nicht einfach sein, Benjamin
irgendwie nach Ägypten zu bringen.
Lesen wir am besten
mal weiter! In den Versen 21 bis 24 steht Folgendes:
Sie sagten aber
zueinander: Wahrlich, wir sind schuldig wegen unseres Bruders! Denn
wir sahen die Drangsal seiner Seele, als er uns um Erbarmen anflehte;
wir aber hörten nicht auf ihn. Darum ist diese Drangsal über uns
gekommen!
Und Ruben antwortete
und sprach zu ihnen: Habe ich euch nicht zugeredet und gesagt:
Versündigt euch nicht an dem Knaben? Aber ihr wolltet ja nicht
hören! Und seht, nun wird sein Blut gefordert!
Sie wussten aber
nicht, dass Joseph sie verstand; denn er verkehrte mit ihnen durch
einen Dolmetscher.
Und er wandte sich
von ihnen ab und weinte, kehrte aber wieder zu ihnen zurück und
redete mit ihnen. Darauf nahm er Simeon von ihnen weg und band ihn
vor ihren Augen.
Die Brüder glaubten
also wirklich, dass nur irgendein fremder Ägypter vor ihnen steht,
und um den Schein zu wahren, redete Joseph in einer ägyptischen
Sprache, die ein Dolmetscher in Hebräisch übersetzen sollte.
Als sie sich aber
auf Hebräisch untereinander über Joseph unterhielten, wie sie ihn
damals als Sklave verkauft hatten, schien es Joseph ziemlich zu
treffen.
Schließlich mussten
sie einen Bruder als Pfand da lassen, und weiterhin erfahren wir
folgendes in den restlichen Versen des Kapitels:
Und Joseph gab
Befehl, dass man ihre Gefäße mit Getreide fülle und jedem sein
Geld wieder in seinen Sack lege und ihnen auch Verpflegung mit auf
die Reise gebe; und so machte man es mit ihnen.
Da luden sie ihr
Getreide auf ihre Esel und gingen davon.
Als aber einer
seinen Sack öffnete, um in der Herberge seinem Esel Futter zu geben,
da sah er sein Geld, und siehe, es lag oben im Sack!
Und er sprach zu
seinen Brüdern: Mein Geld ist mir zurückgegeben worden; seht, es
ist in meinem Sack! Da verging ihnen der Mut, und sie sprachen
zitternd einer zum anderen: Was hat uns Gott da getan!
Als sie aber zu
ihrem Vater Jakob ins Land Kanaan kamen, erzählten sie ihm alles,
was ihnen begegnet war, und sprachen:
Der Mann, der Herr
des Landes ist, redete hart mit uns und behandelte uns als
Kundschafter des Landes.
Wir aber sagten: Wir
sind aufrichtig und sind keine Kundschafter!
Wir sind zwölf
Brüder, Söhne unseres Vaters; einer ist nicht mehr, der jüngste
aber ist gegenwärtig bei unserem Vater im Land Kanaan.
Da sprach der Mann,
der Herr des Landes, zu uns: Daran will ich erkennen, ob ihr
aufrichtig seid: Lasst einen eurer Brüder bei mir zurück und geht
und nehmt mit, was ihr für eure Familien braucht;
und bringt euren
jüngsten Bruder zu mir, damit ich erkenne, dass ihr keine
Kundschafter, sondern aufrichtig seid! Dann will ich euch euren
Bruder herausgeben, und ihr könnt ungehindert im Land verkehren.
Und es geschah, als
sie ihre Säcke ausleerten, siehe, da hatte jeder seinen Beutel mit
Geld in seinem Sack! Als sie und ihr Vater ihre Beutel mit Geld
sahen, erschraken sie.
Und ihr Vater Jakob
sprach zu ihnen: Ihr habt mich meiner Kinder beraubt! Joseph ist
nicht mehr, Simeon ist nicht mehr, und Benjamin wollt ihr mir nehmen;
dies alles ist über mich gekommen!
Da sprach Ruben zu
seinem Vater: Du kannst meine beiden Söhne töten, wenn ich ihn dir
nicht wiederbringe! Übergib ihn nur meiner Hand, ich will ihn dir
wiederbringen!
Er aber sprach: Mein
Sohn soll nicht mit euch hinabziehen; denn sein Bruder ist tot, und
er ist allein übrig geblieben. Sollte ihm ein Unfall begegnen auf
dem Weg, den ihr geht, so würdet ihr meine grauen Haare vor Kummer
ins Totenreich hinunterbringen!
Jakob ist also, wie
es zu erwarten war, sehr verärgert über seine Söhne, denn jetzt
fehlen schon zwei seiner Kinder. Erst hat er Joseph verloren, und
jetzt ist auch noch Simeon verschwunden. Obendrein wollen die
restlichen Söhne Benjamin mitnehmen, und Jakob weigert sich mit
aller Kraft.
Das Problem ist
aber: So lange sie Benjamin nicht mitnehmen, können sie auch kein
Getreide mehr kaufen.
Wir werden sehen,
was von beidem bei Jakob größer ist: Der Hunger, oder die Trauer um
Joseph, welche ihn dazu verleitet, Benjamin niemals aus den Augen zu
lassen. Diesbezüglich lesen wir in Kapitel 43 Folgendes in Vers 1
bis 15:
Aber die Hungersnot
lastete auf dem Land.
Und es geschah, als
sie alles Korn aufgezehrt hatten, das sie aus Ägypten hergebracht
hatten, da sprach ihr Vater zu ihnen: Geht und kauft uns wieder ein
wenig Speise!
Aber Juda antwortete
und sprach zu ihm: Der Mann hat uns ernstlich bezeugt und gesagt: Ihr
sollt mein Angesicht nicht sehen, wenn euer Bruder nicht bei euch
ist!
Wenn du nun unseren
Bruder mit uns sendest, so wollen wir hinabziehen und dir Speise
kaufen.
Wenn du ihn aber
nicht gehen lässt, so ziehen wir nicht hinab; denn der Mann hat zu
uns gesagt: Ihr sollt mein Angesicht nicht sehen, wenn euer Bruder
nicht bei euch ist!
Da sprach Israel:
Warum habt ihr mir das zuleide getan, dem Mann zu verraten, dass ihr
noch einen Bruder habt?
Sie sprachen: Der
Mann forschte so genau nach uns und unserer Verwandtschaft und
sprach: Lebt euer Vater noch? Habt ihr noch einen Bruder? Da gaben
wir ihm Auskunft, wie es sich verhielt. Konnten wir denn wissen, dass
er sagen würde: Bringt euren Bruder herab?
Und Juda sprach zu
seinem Vater Israel: Gib mir den Knaben mit, so wollen wir uns auf
den Weg machen, damit wir leben und nicht sterben, wir und du und
unsere Kinder!
Ich will für ihn
bürgen, von meiner Hand sollst du ihn fordern; wenn ich ihn dir
nicht wiederbringe und ihn vor dein Angesicht stelle, so will ich die
Schuld tragen vor dir mein ganzes Leben lang.
Wenn wir nicht
gezögert hätten, so wären wir gewiss jetzt schon zweimal
zurückgekehrt!
Da sprach ihr Vater
Israel zu ihnen: Wenn es denn doch sein muss, dann macht es so: Nehmt
in eure Säcke von den berühmtesten Erzeugnissen des Landes und
bringt sie dem Mann als Geschenk: ein wenig Balsam, ein wenig Honig,
Tragakanth und Ladanum, Pistazien und Mandeln.
Nehmt auch den
doppelten Betrag Geld mit euch und erstattet das zurückerhaltene
Geld, das oben in euren Säcken war, eigenhändig wieder; vielleicht
war es ein Versehen.
Und nehmt euren
Bruder mit, macht euch auf und kehrt zu dem Mann zurück!
Und Gott, der
Allmächtige, gebe euch Barmherzigkeit vor dem Mann, dass er euch
euren anderen Bruder wieder mitgibt und Benjamin! Ich aber, wenn ich
doch der Kinder beraubt sein soll, so sei ich ihrer beraubt!
Da nahmen die Männer
dieses Geschenk und doppelt so viel Geld mit sich, und auch Benjamin;
und sie machten sich auf und reisten hinab nach Ägypten und traten
vor Joseph.
Jakob hat sich also
dazu überwunden, auch wenn ihm sicher etwas mulmig dabei zumute ist,
Benjamin mit den 9 noch übrigen Brüdern reisen zu lassen,
ungeachtet der Tatsache, dass seine Söhne immer weniger wurden
bisher.
Lesen wir uns nun
mal durch, was geschah, als sie alle in Ägypten wieder vor Joseph
getreten waren! Es steht geschrieben in den Versen 16 bis 30:
Als nun Joseph den
Benjamin bei ihnen sah, sprach er zu seinem Verwalter: Führe die
Männer ins Haus hinein, schlachte und bereite ein Essen zu; denn sie
sollen mit mir zu Mittag essen!
Der Mann tat, wie
ihm Joseph gesagt hatte, und führte die Männer in das Haus Josephs.
Da fürchteten sich
die Männer, weil sie in das Haus Josephs geführt wurden, und
sprachen: Man führt uns hinein wegen des Geldes, welches das erste
Mal wieder in unsere Säcke gekommen ist, um über uns herzufallen
und uns zu überwältigen und uns zu Sklaven zu machen samt unseren
Eseln!
Darum wandten sie
sich an den Mann, der über das Haus Josephs gesetzt war, und redeten
vor der Haustür mit ihm,
und sie sprachen:
Bitte, mein Herr, wir sind schon einmal hier gewesen, um Speise zu
kaufen;
und es geschah, als
wir in die Herberge kamen und unsere Säcke öffneten, siehe, da lag
das Geld von jedem oben in seinem Sack, unser Geld nach seinem vollen
Gewicht.
Nun haben wir es
wieder mit uns gebracht und anderes Geld dazu, um Speise zu kaufen;
wir wissen nicht, wer unser Geld in unsere Säcke gelegt hat!
Er sprach zu ihnen:
Friede sei mit euch! Fürchtet euch nicht! Euer Gott und der Gott
eures Vaters hat euch einen Schatz in eure Säcke gegeben. Euer Geld
ist mir zugekommen! Und er brachte Simeon zu ihnen hinaus.
Und der Mann führte
die Männer in das Haus Josephs und gab ihnen Wasser, dass sie ihre
Füße waschen konnten, und gab ihren Eseln Futter.
Sie aber machten das
Geschenk bereit, bis Joseph zur Mittagszeit kam; denn sie hatten
gehört, dass sie dort essen sollten.
Als nun Joseph nach
Hause kam, brachten sie ihm das Geschenk, das in ihren Händen war,
ins Haus und beugten sich vor ihm zur Erde nieder.
Und er fragte nach
ihrem Wohlergehen und sprach: Geht es auch eurem alten Vater gut, von
dem ihr mir erzähltet? Lebt er noch?
Sie antworteten: Es
geht deinem Knecht, unserem Vater, gut; er lebt noch! Und sie
verneigten sich und beugten sich vor ihm nieder.
Als er aber seine
Augen erhob und seinen Bruder Benjamin sah, den Sohn seiner Mutter,
fragte er: Ist das euer jüngster Bruder, von dem ihr mir gesprochen
habt? Und er sprach: Gott sei dir gnädig, mein Sohn!
Danach aber zog sich
Joseph zurück, denn sein Innerstes war aufgewühlt wegen seines
Bruders; und er suchte einen Ort auf, wo er weinen konnte, und ging
in sein Gemach und weinte dort.
Die Brüder machten
sich also Sorgen, als sie gebeten wurden, ins Haus zu kommen, weil
sie glaubten, dass sie wegen des Geldes Ärger bekommen, das ohne ihr
Wissen in ihrem Beutel gelandet war. Aber dann stellte sich heraus,
dass sie von dem ägyptischen Obersten, von dem sie nicht wussten,
dass es Joseph war, zum Essen eingeladen wurden. Für die Ägypter,
die dabei standen, muss dieses Schauspiel irgendwie seltsam gewesen
sein, aber sie befolgten trotzdem alle Befehle, die Joseph gab.
Als aber Joseph
seinen kleinen Bruder Benjamin sah, erschütterte es ihn sehr im
Herzen und er konnte sich nicht mehr zusammenreißen. Ich glaube, nur
wenige von uns können sich vorstellen, wie er sich in dem Moment
gefühlt hatte, als er nach Jahrzehnten des Exils Benjamin
wiedersehen, aber nicht offen mit ihm reden durfte, weil er sich
seinen Brüdern nicht zu erkennen geben konnte vor all den
ägyptischen Königsleuten.
Wie es weitergeht,
lesen wir in den restlichen Versen des Kapitels. Es steht
geschrieben:
Dann aber wusch er
sein Angesicht, ging hinaus, überwand sich und sprach: Tragt das
Essen auf!
Und man trug ihm
besonders auf und ihnen besonders und ebenso den Ägyptern, die mit
ihm aßen, besonders; denn die Ägypter dürfen nicht mit den
Hebräern zusammen essen, denn das ist für die Ägypter ein Gräuel.
Und sie saßen vor
ihm, der Erstgeborene zuoberst und der Jüngste zuunterst, und die
Männer schauten einander verwundert an.
Und man trug ihnen
besondere Gerichte von dem auf, was vor seinem Angesicht gestanden
hatte; das besondere Gericht für Benjamin aber war fünfmal größer
als die besonderen Gerichte von ihnen allen. Und sie tranken und
wurden fröhlich mit ihm.
Interessant ist,
dass hier erzählt wird: Es war damals für die Ägypter ein Gräuel,
mit Hebräern zusammen am selben Tisch zu sitzen. Das hängt
höchstwahrscheinlich damit zusammen, dass die Hebräer Schafe
züchteten, hüteten und teils schlachteten, während die Ägypter
dies als respektlos empfanden. Denn ihr wisst ja, das die Ägypter
ihre eigenen Götter erfunden hatten, welche oft Mischformen aus
Mensch und Tier waren. Und da gab es vermutlich auch eine Gottheit,
die halb Mensch und halb Schaf gewesen ist, deswegen empfanden
Ägypter es als eine Frechheit, Schafe zu weiden, aber für die
Hebräer war das ganz normal.
Nach dem Mittagessen
war es aber Zeit, die Heimreise anzutreten, und es war für die Söhne
Jakobs von entscheidender Wichtigkeit, dass Benjamin auf jeden Fall
unbeschadet wieder nach Hause gebracht werden muss.
Wir schauen uns nun
aber an, was geschah, bevor die Männer wieder nach Hause geschickt
wurden. In Kapitel 44 steht geschrieben:
Und Joseph befahl
seinem Verwalter und sprach: Fülle den Männern die Säcke mit
Speise, so viel sie tragen können, und lege das Geld eines jeden
oben in seinen Sack!
Meinen Becher aber,
den silbernen Becher, lege oben in den Sack des Jüngsten samt dem
Geld für das Korn! Und er handelte nach dem Wort Josephs, das er
gesprochen hatte.
Und als der Morgen
anbrach, ließ man die Männer ziehen samt ihren Eseln.
Als sie aber zur
Stadt hinausgekommen und noch nicht weit entfernt waren, sprach
Joseph zu seinem Verwalter: Mache dich auf, jage den Männern nach,
und wenn du sie eingeholt hast, sprich zu ihnen: Warum habt ihr Gutes
mit Bösem vergolten?
Ist das nicht
derjenige, aus dem mein Herr trinkt und aus dem er wahrzusagen
pflegt? Da habt ihr Böses getan!
Als er sie nun
eingeholt hatte, redete er mit ihnen diese Worte.
Sie aber sprachen:
Warum redet mein Herr solche Worte? Das sei ferne von deinen
Knechten, so etwas zu tun!
Siehe, wir haben dir
das Geld, das wir oben in unseren Säcken fanden, aus dem Land Kanaan
wieder zurückgebracht; wie sollten wir denn aus dem Haus deines
Herrn Silber oder Gold gestohlen haben?
Bei welchem von
deinen Knechten aber etwas gefunden wird, der soll sterben, und wir
anderen wollen die Knechte deines Herrn sein!
Er aber sprach: Nach
eurem Wort, so soll es sein! Bei wem er gefunden wird, der sei mein
Knecht; ihr anderen aber sollt ungestraft bleiben!
Da ließ sogleich
jeder seinen Sack zur Erde gleiten, und jeder öffnete seinen Sack.
Er aber fing an zu
suchen beim Ältesten und kam bis zum Jüngsten. Da fand sich der
Becher in Benjamins Sack.
Da zerrissen sie
ihre Kleider, und jeder legte seine Last auf seinen Esel, und sie
kehrten wieder in die Stadt zurück.
Und Juda ging mit
seinen Brüdern in das Haus Josephs – denn er war noch dort, und
sie fielen vor ihm auf die Erde nieder.
Joseph aber sprach
zu ihnen: Was ist das für eine Tat, die ihr begangen habt? Wusstet
ihr nicht, dass ein solcher Mann, wie ich es bin, wahrsagen kann?
Juda antwortete: Was
sollen wir meinem Herrn sagen? Was sollen wir reden, und wie sollen
wir uns rechtfertigen? Gott hat die Schuld deiner Knechte gefunden!
Siehe, wir sind die Knechte unseres Herrn, wir und der, in dessen
Hand der Becher gefunden worden ist!
Er aber sprach: Das
sei ferne von mir, so etwas zu tun! Der Mann, in dessen Hand der
Becher gefunden worden ist, soll mein Knecht sein; ihr aber zieht in
Frieden zu eurem Vater hinauf!
Da trat Juda näher
zu ihm hinzu und sprach: Bitte, mein Herr, lass deinen Knecht ein
Wort reden vor den Ohren meines Herrn, und dein Zorn entbrenne nicht
über deine Knechte; denn du bist wie der Pharao!
Mein Herr fragte
seine Knechte und sprach: Habt ihr noch einen Vater oder Bruder?
Da antworteten wir
meinem Herrn: Wir haben einen alten Vater und einen jungen Knaben,
der ihm in seinem Alter geboren wurde, und dessen Bruder ist tot, und
er ist allein übrig geblieben von seiner Mutter, und sein Vater hat
ihn lieb.
Da sprachst du zu
deinen Knechten: Bringt ihn zu mir herab, damit ich ihn sehen kann!
Da sprachen wir zu
meinem Herrn: Der Knabe kann seinen Vater nicht verlassen; wenn er
seinen Vater verließe, so würde dieser sterben!
Du aber sprachst zu
deinen Knechten: Wenn euer jüngster Bruder nicht mit euch
herabkommt, so sollt ihr mein Angesicht nicht mehr sehen!
Als wir nun zu
deinem Knecht, unserem Vater, kamen, da verkündeten wir ihm die
Worte unseres Herrn;
und als unser Vater
sprach: Geht hin und kauft uns wieder etwas zu essen!,
da antworteten wir:
Wir können nicht hinabziehen! Wenn unser jüngster Bruder bei uns
ist, dann wollen wir hinabziehen; denn wir dürfen das Angesicht des
Mannes nicht sehen, wenn unser jüngster Bruder nicht bei uns ist!
Da sprach dein
Knecht, unser Vater, zu uns: Ihr wisst, dass mir meine Frau zwei
Söhne geboren hat;
der eine ist von mir
weggegangen, und ich musste mir sagen: Gewiss ist er zerrissen
worden!, und ich habe ihn bis heute nicht wiedergesehen.
Wenn ihr nun diesen
auch von mir nehmt und es stößt ihm ein Unglück zu, so werdet ihr
meine grauen Haare durch ein solches Unglück ins Totenreich
hinunterbringen!
Wenn ich nun zu
deinem Knecht, meinem Vater, käme, und der Knabe wäre nicht bei
mir, an dessen Seele doch seine Seele gebunden ist,
so würde es
geschehen, dass er stirbt, wenn er sieht, dass der Knabe nicht da
ist; und so würden wir, deine Knechte, die grauen Haare deines
Knechtes, unseres Vaters, vor Kummer ins Totenreich hinunterbringen.
Denn dein Knecht hat
sich bei meinem Vater für den Knaben verbürgt und versprochen: Wenn
ich ihn dir nicht wiederbringe, so will ich vor meinem Vater die
Schuld tragen mein ganzes Leben lang!
Darum will nun dein
Knecht als Sklave meines Herrn hierbleiben anstatt des Knaben; der
Knabe aber soll mit seinen Brüdern hinaufziehen.
Denn wie könnte ich
zu meinem Vater hinaufziehen, ohne dass der Knabe bei mir wäre? Ich
möchte das Leid nicht sehen, das meinen Vater träfe!
An diesem Text
merken wir, dass Joseph sich unbedingt mit seinem kleinen Bruder
Benjamin unterhalten will. Die übrigen aber wollen auf keinen Fall
ohne Benjamin gehen und stecken ziemlich in der Patsche, wenn sie
sich ohne ihn auch nur auf den Weg machen würden. Daher wird sehr
viel diskutiert und gefleht. Juda gibt sich sehr große Mühe, Joseph
umzustimmen, von dem er nicht weiß, dass es Joseph ist. Aber wie
reagiert Joseph darauf?
Davon lesen wir in
Kapitel 45, Vers 1 bis 3:
Da konnte sich
Joseph nicht länger bezwingen vor allen, die um ihn herstanden, und
er rief: Lasst jedermann von mir hinausgehen! Und es stand kein
Mensch bei ihm, als Joseph sich seinen Brüdern zu erkennen gab.
Und er weinte laut,
sodass die Ägypter und das Haus des Pharao es hörten.
Und Joseph sprach zu
seinen Brüdern: Ich bin Joseph! Lebt mein Vater noch? Aber seine
Brüder konnten ihm nicht antworten, so bestürzt waren sie vor ihm.
Für die Ägypter
muss es echt verrückt gewesen sein, als sie den Raum verließen, und
dann weint Joseph so laut, dass es im ganzen Haus hörbar ist. Aber
jedenfalls merken wir, dass Joseph sich nun seinen Brüdern zu
erkennen gibt, weil er diese ganze Heimlichtuerei nicht mehr
aushalten kann. Und seine Brüder sind sehr bestürzt.
Ich denke mal, die
Situation ist für alle im Raum noch anwesenden Menschen sehr
erschütternd gewesen.
Da wir das heutige
Video nicht übertrieben in die Länge ziehen wollen, lesen wir jetzt
nur noch die Verse 4 bis 12 und dann sage ich abschließend etwas
dazu, wie die Geschichte ausgegangen ist.
Folgendes lesen wir:
Da sprach Joseph zu
seinen Brüdern: Tretet doch her zu mir! Als sie nun näher kamen,
sprach er zu ihnen: Ich bin Joseph, euer Bruder, den ihr nach Ägypten
verkauft habt!
Und nun bekümmert
euch nicht und macht euch keine Vorwürfe darüber, dass ihr mich
hierher verkauft habt; denn zur Lebensrettung hat mich Gott vor euch
hergesandt!
Denn dies ist das
zweite Jahr, dass die Hungersnot im Land herrscht, und es werden noch
fünf Jahre ohne Pflügen und Ernten sein.
Aber Gott hat mich
vor euch hergesandt, um euch einen Überrest zu sichern auf Erden,
und um euch am Leben zu erhalten zu einer großen Errettung.
Und nun, nicht ihr
habt mich hierher gesandt, sondern Gott: Er hat mich dem Pharao zum
Vater gesetzt und zum Herrn über sein ganzes Haus und zum Herrscher
über das ganze Land Ägypten.
Zieht nun schnell zu
meinem Vater hinauf und sagt ihm: So spricht dein Sohn Joseph: Gott
hat mich zum Herrn über ganz Ägypten gesetzt; komm zu mir herab,
zögere nicht!
Und du sollst im
Land Gosen wohnen und nahe bei mir sein, du und deine Kinder und
deine Kindeskinder, deine Schafe und deine Rinder und alles, was dir
gehört!
Ich will dich dort
mit Nahrung versorgen – denn es sind noch fünf Jahre Hungersnot,
damit du nicht verarmst, du und dein Haus und alles, was dir gehört!
Und siehe, eure
Augen sehen es und die Augen meines Bruders Benjamin, dass mein Mund
es ist, der zu euch redet.
Joseph gibt also den
Befehl, dass seine Brüder Jakob holen sollen. Und als Jakob erfährt,
dass Joseph lebt, kann er es erst gar nicht glauben, aber letztlich
kommt er doch zu ihm und ihm fällt natürlich ein großer Stein vom
Herzen, wie man es sprichwörtlich zu sagen pflegt.
Und er und seine
Nachkommen dürfen alle ins Land Ägypten ziehen, wo es Nahrung gibt,
und werden dort sesshaft. Und so lange Joseph der vom Pharao
eingesetzte Verwalter war, ging es den Kindern Israels in Ägypten
ziemlich gut.
Das wichtigste für
uns an dieser Geschichte ist aber, dass Gott von Anfang an diesen
Lebensweg für Joseph geplant hatte, was man an den Träumen merkt,
die Joseph in seiner Jugend hatte. Und Joseph musste einige sehr
unangenehme Jahre erleben, aber letztlich waren diese nötig, um ihn
in eine bessere Situation hinein zu führen. Und auch, als er in
schlechten Lebenslagen war, ging es ihm dadurch, dass er immer Gott
nahe war, besser als jemandem, der ohne Gott in solche Situationen
gekommen wäre. Aus diesem Grund kann man aus dieser Geschichte
lernen, egal wie schwierig das eigene Leben auch sein mag, dass es im
Grunde nichts Sinnvolleres gibt, als allezeit Gott nahe sein zu
wollen. Und für uns gibt es einen einzigen Weg zu Gott, der
zuverlässig ist. Nämlich der Weg mit Jesus Christus.
Und mit dieser
Erkenntnis endet das heutige Video über die Geschichte von Joseph.
Danke für's Zuhören
und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus
Christus mit euch sein!
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