Text zu "Bibellehre - Die Geschichte des Propheten Jona"

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=6gdr1Nu1FdE

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In diesem Video werden wir uns die Geschichte des Propheten Jona anschauen und ich werde ein paar wichtige Dinge dazu erklären. Die Geschichte von Jona umfasst lediglich 4 Kapitel, deshalb lesen wir sie uns komplett durch, wie sie geschrieben steht.

Folgende Worte lesen wir in Kapitel 1, Vers 1 bis 3:

Und das Wort des HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais, folgendermaßen:
Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!
Da machte sich Jona auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen; und er ging nach Japho hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarsis fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des HERRN.

Hier erfahren wir nicht wirklich etwas über den Lebenshintergrund dieses Mannes namens Jona, aber wir erfahren, dass er zu einer großen Stadt gehen sollte, die Ninive hieß. Aber Jona hatte absolut keine Lust, gegen diese Stadt zu weissagen in Gottes Namen, und wir werden später auch den Grund dafür erfahren. Deshalb meinte Jona, er könnte vor Gott fliehen, verließ seine Heimat und machte sich auf den Weg zu einer Stadt mit einem großen Hafen, um als Seemann zu leben, und so lebte er auf einem Schiff. Auf diese Art wollte er vor seiner Berufung flüchten, die ihm nicht gefiel.

Weiterhin steht geschrieben in den Versen 4 bis 16:

Aber der HERR schleuderte einen starken Wind auf das Meer, sodass ein großer Sturm auf dem Meer entstand und das Schiff zu zerbrechen drohte.
Da fürchteten sich die Schiffsleute und schrien, jeder zu seinem Gott; und sie warfen die Geräte, die im Schiff waren, ins Meer, um es dadurch zu erleichtern. Jona aber war in den untersten Schiffsraum hinabgestiegen, hatte sich niedergelegt und war fest eingeschlafen.
Da trat der Schiffskapitän zu ihm und sprach: Was ist mit dir, dass du so schläfst? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott an uns gedenken, dass wir nicht untergehen!
Und sie sprachen einer zum anderen: Kommt, wir wollen Lose werfen, damit wir erfahren, um wessentwillen uns dieses Unglück getroffen hat! Und sie warfen Lose, und das Los fiel auf Jona.
Da sprachen sie zu ihm: Sage uns doch, um wessentwillen uns dieses Unglück getroffen hat! Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Was ist dein Land, und von welchem Volk bist du?
Er aber sprach zu ihnen: Ich bin ein Hebräer; und ich fürchte den HERRN, den Gott des Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.
Da gerieten die Männer in große Furcht und sprachen: Was hast du da getan? Denn die Männer wussten, dass er vor dem Angesicht des HERRN floh; denn er hatte es ihnen erzählt.
Und sie fragten ihn: Was sollen wir mit dir machen, damit das Meer uns in Ruhe lässt? Denn das Meer tobte immer schlimmer.
Er sprach zu ihnen: Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer euch in Ruhe lassen! Denn ich weiß wohl, dass dieser große Sturm um meinetwillen über euch gekommen ist.
Da ruderten die Leute mit aller Kraft, um das Ufer wieder zu erreichen; aber sie konnten es nicht; denn das Meer tobte immer schlimmer gegen sie.
Da schrien sie zu dem HERRN und sprachen: »Ach, HERR! lass uns doch nicht um der Seele dieses Mannes willen untergehen, rechne uns aber auch nicht unschuldiges Blut an; denn du, HERR, hast getan, was dir wohlgefiel!«
Darauf nahmen sie Jona und warfen ihn ins Meer; und das Meer hörte auf mit seinem Wüten.
Da bekamen die Männer große Ehrfurcht vor dem HERRN und brachten dem HERRN ein Schlachtopfer dar und legten Gelübde ab.

Die anderen Männer auf dem Schiff schienen zwar keine Juden zu sein, aber sie waren wohl darüber informiert, dass Jona einer ist, und dass die Juden dem Gott dienen, der tatsächlich echt ist. Deswegen sprachen sie zu Gott, obwohl sie eigentlich nicht sein Volk sind, und bekamen umso größere Ehrfurcht, als der Sturm sich legte, weil Jona nicht mehr auf dem Schiff war. Zuerst hatten sie Mitleid gehabt und wollten ihn nicht ins Meer werfen, da sie ja wissen, dass dann die Überlebens-Chancen von Jona auf ein winziges Minimum herabsinken, aber letztlich blieb ihnen nichts Anderes übrig, als Jona ins Meer zu werfen. So war Jona nun also im Meer, und viele von euch wissen sicher schon, was als nächstes passierte. Wir lesen aber trotzdem die Geschichte ganz normal weiter. In Kapitel 2 steht geschrieben:

Und der HERR entsandte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte; und Jona war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte lang.
Und Jona betete aus dem Bauch des Fisches zu dem HERRN, seinem Gott, und sprach:
Aus meiner Drangsal rief ich zu dem HERRN, und er erhörte mich; aus dem Schoß des Totenreiches schrie ich, und du hörtest meine Stimme!
Denn du hattest mich in die Tiefe geschleudert, mitten ins Meer, dass mich die Strömung umspülte; alle deine Wogen und Wellen gingen über mich.
Und ich sprach: Ich bin von deinen Augen verstoßen; dennoch will ich fortfahren, nach deinem heiligen Tempel zu schauen!
Die Wasser umringten mich bis an die Seele, die Tiefe umgab mich, Meergras umschlang mein Haupt.
Zu den Gründen der Berge sank ich hinunter; die Erde war auf ewig hinter mir verriegelt – da hast du, HERR, mein Gott, mein Leben aus dem Grab heraufgeführt!
Als meine Seele in mir verschmachtete, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu dir in deinen heiligen Tempel.
Die Verehrer nichtiger Götzen verlassen ihre Gnade;
ich aber will dir mit lauter Stimme Lob opfern; was ich gelobt habe, das will ich bezahlen. Die Rettung kommt von dem HERRN!
Und der HERR gebot dem Fisch; und der spie Jona ans Land.

Dieses Gebet, das Jona gesprochen hat, wirkt auf den ersten Blick ein wenig eigenartig. Man müsste eigentlich davon ausgehen, dass er Angst hat, nachdem er von einem Riesenfisch verschlungen wurde und in dessen Magen festsaß. Und doch lobt er Gott für die Rettung.
Ich vermute sehr stark, dass Jona, als er hilflos im Meer umhertrieb, Gott um Rettung bat. Wahrscheinlich war er sogar kurz vor dem Ertrinken, und war schon ins Wasser hinab gesunken. Und dann kam der Riesenfisch, und in dessen Magen war Luft, deswegen überlebte Jona. So wird zwar die Geschichte nicht erzählt, aber so würde sein Gebet sehr viel Sinn machen. Was bei dem Gebet am meisten heraussticht, ist die Aussage in Vers 9. Es steht geschrieben, dass die Verehrer von Götzen ihre Gnade verlassen. Dies ist es also, was geschieht, wenn ein Mensch eine Figur oder ein sonstiges Objekt anbetet: Man verlässt durch diese Tat die Gnade Gottes. Natürlich haben die Menschen das in dem Moment gar nicht vor, aus der Gnade zu fallen, sondern sie glauben sogar irrtümlicherweise, sie würden dadurch Gott näher kommen, aber wichtig ist ja nicht, was die Menschen aufgrund des Irrsinns in ihrem eigenen Kopf glauben, sondern wichtig ist das, was tatsächlich passiert. Und wenn jemand eine Figur oder ein sonstiges irdisches Objekt anbetet, das Gott darstellen soll oder etwas Gottverbundenes, dann passiert es tatsächlich, dass der Mensch sich selbst aus der Gnade Gottes herausnimmt durch sein Tun. Das ist bemerkenswert und sollte jeden von uns deutlich ermahnen.

Wir lesen aber auch im letzten Vers, dass der Fisch Jona an das Land ausspie. Was danach geschah, erfahren wir in Kapitel 3. Folgendes lesen wir in den Versen 1 bis 4:

Und das Wort des HERRN erging zum zweiten Mal an Jona folgendermaßen:
Mache dich auf, geh nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige ihnen die Botschaft, die ich dir sagen werde!
Da machte sich Jona auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des HERRN. Ninive aber war eine sehr große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß.
Und Jona fing an, eine Tagereise weit in die Stadt hineinzugehen, und er rief und sprach: »Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!«

Wir sehen also, dass Jona den selben Auftrag nochmal bekam, den Gott ihm schon zuerst gegeben hatte. Und diesmal tat es Jona. Er ging in die riesengroße Stadt hinein, die in diesen Tagen voller Sünde war, und rief umher, dass Ninive in 40 Tagen untergehen wird.
Und wir wissen, dass die Menschen allgemein nicht dazu neigen, solche Warnungen ernstzunehmen. Stattdessen meinen viele, dass Gott doch viel zu gut ist, also würde er niemals eine ganze Stadt untergehen lassen. Und andere nehmen vielleicht die Drohung ernst, haben aber trotzdem keine Lust, sich zu ändern, und sie bleiben weiter im Bösen. Und wenn man mit solchen Leuten redet, dann ist es, als würde man mit einer Wand reden. Es hat einfach keinerlei Wirkung und führt niemals die Reaktion herbei, die notwendig ist. Mit sowas hat Gott schon tausende Male Erfahrungen gemacht, dass er die Menschen zu Buße ermahnt, und ihnen sagt, dass er sie andernfalls bestrafen muss, aber die Menschen hörten nicht auf die Ermahnungen und hörten nicht damit auf, zu sündigen. Sondern sie hatten entweder faule Ausreden parat, oder sie versuchten, ihr böses Verhalten irgendwie zu rechtfertigen, um so zu tun, als wären ihre bösen Taten unbedenklich. Das ist dieses endlose Drama, welches unser Vater im Himmel schon unzählige Male erlebt hat, dass die Menschen nach der Ermahnung, die ihnen gegeben wurde, immernoch genau so verdorben sind wie vor der Ermahnung. Und sie machen auch nicht die geringsten Anstalten, sich zu bessern, und dann muss letztlich tatsächlich ein heftiges Strafgericht kommen, weil Gott die Nerven verliert mit diesen Leuten, und weil er es nicht mehr mit ansehen kann, was die Menschen für abscheuliche Verhaltensweisen praktizieren. Denn ihr müsst bedenken, dass Gott alles sieht, was auf der Erde abgeht. Jeden einzelnen Handgriff sieht er, und jedes einzelne Wort der Menschen hört er. Und dabei endet es nicht, sondern Gott sieht sogar gleichzeitig unsere Herzen und was darin wohnt. Und all das muss er verkraften, und er verkraftet es und bleibt trotzdem in seinem Inneren liebevoll und wartet mit so viel Geduld auf Umkehr, wie er nur haben kann.
Aber er machte ständig nur die Erfahrung, dass es den Leuten am Allerwertesten vorbei geht, wenn sie zur Buße aufgerufen werden, selbst unter Androhung von Strafen, die er ja nur sehr ungern über die Menschen bringt.
Und wir schauen uns jetzt an, wie die Reaktion der Menschen in Ninive war.

Es steht geschrieben in den Versen 5 bis 9:

Und die Leute von Ninive glaubten Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten Sacktuch an, vom Größten bis zum Kleinsten unter ihnen.
Und das Wort gelangte bis zum König von Ninive; und er stand von seinem Thron auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich in die Asche.
Und er ließ ausrufen und sagen in Ninive, auf Befehl des Königs und seiner Großen: »Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken;
sondern Menschen und Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem Unrecht, das an seinen Händen klebt!
Wer weiß, Gott könnte anderen Sinnes werden, es sich gereuen lassen und ablassen von seinem grimmigen Zorn, sodass wir nicht untergehen!«

Hier sehen wir etwas Spektakuläres. Die Menschen, die in diesen Tagen in Ninive lebten, die haben nicht so gehandelt wie der ganze Rest der Menschheit es immer tut, sondern sie haben die Worte ernstgenommen und haben sofort Reue gezeigt und mit ihren bösen Taten aufgehört, um stattdessen zu fasten. Und alle Menschen aus der Stadt haben mitgemacht, sogar die Tiere wurden entsprechend behandelt. Das ist ein sehr besonderes Ereignis, als diese Menschen auf Gottes Warnung hin, die von Jona überbracht wurde, wahrhaftig ihr Verhalten änderten, indem sie davon abließen, Böses zu tun und indem sie in aufrichtiger Reue verharrten über dem, was sie falsch gemacht haben. Wer hätte gedacht, dass es eine Bevölkerung gibt, die sowas wirklich tut? Es hat ja sogar der König selbst, der in dieser Stadt war, ein Zeichen der Buße und Trauer getragen. Diesen Verlauf hat bestimmt niemand erwartet, und doch ist es diesmal geschehen. Es ist wie ein Wunder.
Im letzten Vers des Kapitels lesen wir dann diese Worte:

Und Gott sah ihre Taten, dass sie umkehrten von ihren bösen Wegen, und ihn reute das Übel, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.

An diesen Worten erkennen wir deutlich, dass Gott sehr beeindruckt war von dem reumütigen Verhalten der Menschen. Und das führte nicht nur dazu, dass er das Unheil ganz zurückhielt, sondern auch sogar dazu, dass Gott es bereute. Er bereute den Fakt, dass er überhaupt erst die Absicht gehabt hatte, Ninive zu vernichten. Daran merkt man deutlich, wie ungern Gott anderen Leid zufügt, wenn ein Strafgericht kommen muss. Gott hat es theoretisch nicht nötig, Reue über irgendwas zu empfinden, was er tut. Denn er ist allmächtig und niemand kann ihn maßregeln. Und trotzdem, obwohl das so ist, hat Gott Reue empfunden wegen dem geplanten Übel, denn Gott ist kein psychopathischer Tyrann, und ihm ist es ein Ärgernis, wenn er gerechterweise irgendwen bestrafen muss. Gott, unser Vater im Himmel, ist ein gütiges und liebevolles Wesen, denn ein böses Wesen empfindet niemals Reue wegen irgendwas.

Als aber Jona merkte, dass Gott seine Drohung nicht bewahrheiten wird, reagierte er auf eine bestimmte Weise, und davon lesen wir in Kapitel 4. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 3:

Das aber missfiel Jona sehr, und er wurde zornig.
Und Jona betete zum HERRN und sprach: Ach, HERR, ist’s nicht das, was ich mir sagte, als ich noch in meinem Land war, dem ich auch durch die Flucht nach Tarsis zuvorkommen wollte? Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade, und das Unheil reut dich!
Und nun, HERR, nimm doch meine Seele von mir; denn es ist besser, ich sterbe, als dass ich lebe!

Hier erfahren wir nun den Grund, warum Jona zuerst nicht tun wollte, was Gott befiehlt.
Jona weiß, wie barmherzig und gnädig Gott ist, und er hat sich gedacht, dass Gott die Drohung ja sowieso nicht bewahrheitet. Deswegen wollte Jona nicht die ganzen Strapazen auf sich nehmen, den weiten Weg bis zu der Stadt Ninive zu reisen, und dort dann mitten in der Stadt die Stimme zu erheben vor all den Leuten, die er nicht kennt und von denen er nicht wusste, wie sie reagieren würden. Das Ganze erschien ihm wie eine völlig überflüssige Maßnahme, weil eine Drohung, die nicht umgesetzt wird, ja auch gar nicht erst ausgesprochen werden muss. Deshalb wollte er es nicht tun. Allerdings war der Gedankengang von Jona nicht ganz angemessen, auch wenn die Niniviten am Ende wirklich ohne Strafe blieben.
Denn es konnte ja keiner wissen, dass die Niniviten tatsächlich Buße tun würden. Diese Menschen wussten nicht wirklich etwas von dem, was der heilige Schöpfer geboten hat, es war ihnen fremd. Und immer, wenn jemand mit fremden Ermahnungen ankommt, die komplett gegen das sprechen, was die Menschen in ihrer Fleischeslust verüben und gewohnt sind, wird normalerweise nur darüber gespottet, und mehr auch nicht.
Das heißt: Die Wahrscheinlichkeit lag bei 99,9 %, dass die Menschen nichtmal im Traum daran denken würden, Buße zu tun, und daraus ergibt sich, dass Gott das ganze Strafgericht dann auch ausgeführt hätte. Und genau da lag der Denkfehler von Jona. Jona erwartete, dass Gott überhaupt kein Strafgericht bringen wird, selbst dann nicht, wenn die Menschen weiter unablässig Böses tun. Das war der Grund, warum Jona nicht gehen wollte. Weil er meinte: Egal, ob die Menschen auf Gott hören oder nicht, er wird ihnen in jedem Fall keine Strafe zufügen. Damit lag Jona falsch, denn Gott hätte tatsächlich das Strafgericht über Ninive gebracht, das geplant war und vor dem auch der Prophet Nahum gewarnt hat in seinen Aufzeichnungen. Aber dann geschah dieses besondere und sehr bemerkenswerte Ereignis, dass die Niniviten entgegen sämtlicher Wahrscheinlichkeiten eben doch Buße taten. Und weil sie Buße taten, wurden sie verschont.
Das ist etwas Anderes, als wenn jemand von Anfang an sowieso nicht die Absicht hat, eine Drohung in die Tat umzusetzen. Aber dies versteht Jona überhaupt nicht, sondern er fühlt sich in seiner Ansicht bestätigt, dass Gott doch sowieso kein Strafgericht ausgeübt hätte, egal unter welchen Umständen.
Und Gott weiß, was im Kopf von Jona vorgeht, darum versucht er ihn aufzuklären darüber, wie es wirklich ist. Demgemäß lesen wir Folgendes in den Versen 4 bis 11:

Da sprach der HERR: Ist es recht, dass du so zornig bist?
Hierauf ging Jona zur Stadt hinaus und ließ sich östlich von der Stadt nieder und machte sich dort eine Hütte und saß unter ihrem Schatten, bis er sähe, wie es der Stadt ergehen würde.
Da entsandte Gott, der HERR, eine Rizinusstaude, die wuchs über Jona empor, um seinem Haupt Schatten zu spenden und ihn von seiner üblen Laune zu befreien; und Jona freute sich sehr über den Rizinus.
Da entsandte Gott einen Wurm, als die Morgenröte am anderen Morgen aufstieg; der stach den Rizinus, sodass er verdorrte.
Und es geschah, als die Sonne aufging, da entsandte Gott einen heißen Ostwind, und die Sonne stach Jona aufs Haupt, sodass er ganz matt wurde; und er wünschte sich den Tod und sprach: Es ist besser, dass ich sterbe, als dass ich am Leben bleibe!
Da sprach Gott zu Jona: Ist es recht, dass du so zornig bist wegen des Rizinus? Da sprach er: Ja, ich bin mit Recht zornig bis zum Tod!
Da sprach der HERR: Du hast Mitleid mit dem Rizinus, um den du dich doch nicht bemüht und den du nicht großgezogen hast, der in einer Nacht entstanden und in einer Nacht zugrunde gegangen ist.
Und ich sollte kein Mitleid haben mit der großen Stadt Ninive, in der mehr als 120000 Menschen sind, die ihre rechte Hand nicht von ihrer linken unterscheiden können, dazu so viel Vieh!

Offensichtlich lagerte sich Jona außerhalb der Stadt und Gott ließ eine Rizinusstaude wachsen, die ihm Schatten inmitten des prallen Sonnenscheins spendete. Aber dann ließ Gott die Rizinusstaude kaputt gehen und sandte einen heißen Wüstenwind zu Jona. Das tat Gott, um Jona zu verdeutlichen, wie es sich anfühlt, wegen einer Sache Leid zu erleben, die man hätte verhindern können. Denn Jona hätte sich ja um die Riziniusstaude kümmern können, indem er sie mit Wasser gießt und sämtliches Ungeziefer von ihr fernhält. Aber das hat Jona nicht getan, und dann ging die Rizinusstaude zugrunde. Und das allein machte Jona schon traurig, aber der heiße Ostwind war dann endgültig zu viel.
Für Gott ist es ähnlich mit der Stadt Ninive. Gott hat sich nicht um diese Stadt gekümmert. Die Leute dort wussten nichts von den Geboten, und Gott hatte ihnen zuvor keine Propheten gesandt, um das Volk zu ermahnen. Jona war seit sehr langer Zeit der erste Prophet, der in Ninive auftrat und das echte Wort Gottes redete. Vorher war die Stadt vernachlässigt, die Leute dort waren sich selbst überlassen, sie hatten keine Anleitung. Und inmitten eines solchen Zustandes, da die Menschen aus ihrer eigenen Intelligenz heraus niemals darauf kommen werden, was wirklich gut ist, kann es gar nicht anders laufen, als dass die dort wohnenden Menschen verderben. Wenn man nicht die Gebote Gottes verbreitet, die dem Wandel in Liebe dienen, dann ist das Verderben der dortigen Menschen auf Dauer unvermeidbar. Besonders dort, wo eine sehr große Anzahl Menschen zusammen lebt. Gott hat sich also kein bisschen um Ninive gekümmert, aufgrund der Erwartung, dass es ja sowieso nichts nützen würde, dann aber gibt er ihnen nur eine einzige Warnung, und sie bekehren sich sofort. Das macht sehr stark den Eindruck, dass es bei den Menschen dieses Ortes vielleicht auch schon zeitiger geholfen hätte, sich um sie zu kümmern, indem ihnen Gerechtigkeit nach Gottes Maßstäben gelehrt wird. Dann wäre die Stadt vielleicht gar nicht erst in den Zustand geraten, der ein Strafgericht nötig macht. Und das ist ein bitterer Gedanke, dass ein Ort verdorben ist, weil man es verpasst hat, sich ordentlich darum zu kümmern. Besonders für Gott ist dieser Gedanke bitter. Aber es ist genau der Gedanke, den er hatte. Hätte er doch bloß den Leuten in Ninive mehr Aufmerksamkeit geschenkt! Dann wären die Zustände vielleicht gar nicht erst so übel geworden. Es ist also gewissermaßen so, dass Gott sich selbst die Schuld dafür gibt, wie verdorben die Menschen in Ninive vor der Buße waren. Und das an sich ist auch ein sehr großes Anzeichen davon, wie liebevoll unser Vater im Himmel eigentlich ist. Überlegt euch das mal!
Gott sieht ein Volk, das viel Schlimmes tut, ermahnt sie und erlebt, dass sie umkehren von ihrem bösen Weg, und er empfindet nicht nur Reue für sein geplantes Strafgericht, sondern er hat sogar großes Mitleid mit den Menschen und gibt sich selbst die Schuld für den Zustand der Menschen, weil er sich nicht gut genug um sie gekümmert hat. Denn genau so, wie Jona seine Rizinusstaude vernachlässigt hat, und dann wurde sie schlecht, so hat Gott auch die Menschen in Ninive vernachlässigt. Und deswegen schämt er sich schon fast, und erkennt, wie nachlässig er war und dass er viel mehr hätte tun können. Und Gott erkennt, wie liebenswert diese Menschen eigentlich sind, auch wenn es am Anfang nicht danach aussah. Denn sie haben sofort gehört, als er sie warnte, sie waren überhaupt nicht widerspenstig. Wie sollte Gott es jemals übers Herz bringen, derartige Menschen zu schlagen? Es passiert ohnehin schon viel zu selten, dass Menschen überhaupt Reue zeigen, aber wenn sie dann obendrein auch noch aus Unwissenheit Fehler machten, weil sie nicht richtig aufgeklärt waren, wäre eine Strafe noch bitterer. Auf so eine Art würde unser Vater im Himmel nicht handeln wollen.
Ich sage euch aber eins: Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals Eltern in dieser Welt gesehen, die, als ihr Kind reuevoll zu ihnen kam, in ihren Herzen zutiefst berührt waren und großes Mitleid hatten und bei sich selbst die Schuld dafür suchten, warum es mit dem Verhalten des Kindes überhaupt so schlimm wurde. Sowas gibt es bei den Menschen nicht. Sowas gibt es nur bei Gott. Denn wenn die Menschen eine derartige Reue sehen, dann sagen sie im positivsten Fall: „Gut, dass du endlich auf mich hörst!“
und im schlimmsten Fall sagen sie sowas wie: „Da hast du gerade nochmal Glück gehabt! Eigentlich würdest du es verdienen, dass dir jemand eine Tracht Prügel verpasst. Du kannst wirklich von Glück reden, dass ich das nicht tue!“
Wenn aber unser Vater im Himmel einen Mensch zu sich kommen sieht, der Gott nicht kannte, und dieser Mensch ist voll Reue und guter Vorsätze, dann würde unser Vater sowas sagen wie: „Ich selbst empfinde auch Reue, weil ich dir kein guter Vater gewesen bin, ich hätte dich viel besser anleiten sollen.“
Soetwas würde Gott bestimmt zu den Menschen in Ninive sagen, denn dort wird es wohl so einige Menschen gegeben haben, die tun würden, was er sagt, und die nicht davon abweichen, sobald er ihnen einfach nur offenbart, was er eigentlich von ihnen will. Wenn er zu diesen gesagt hätte, dass sie sich immer über Notleidende erbarmen sollen, und jedem Mensch, egal wer es ist, mit Liebe im Inneren begegnen sollen, und weder rachsüchtig noch hochmütig sein sollen, und jegliche Unzucht und jeglichen Götzendienst und alle Habsucht und das Erzählen von Lügen vermeiden müssen, dann würden diese Menschen das alles tun. Und derartige Menschen in einem Strafgericht zu töten, wäre echt eine fiese Nummer gewesen.

Und nachdem ich all dies erwähnt habe, endet unsere heutige Studie im Buch des Propheten Jona.

Danke für's Zuhören uns bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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