Text zu "Bibellehre - Die Geschichte des Propheten Jona"
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Hallo Leute und
willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
In diesem Video
werden wir uns die Geschichte des Propheten Jona anschauen und ich
werde ein paar wichtige Dinge dazu erklären. Die Geschichte von Jona
umfasst lediglich 4 Kapitel, deshalb lesen wir sie uns komplett
durch, wie sie geschrieben steht.
Folgende Worte lesen
wir in Kapitel 1, Vers 1 bis 3:
Und das Wort des
HERRN erging an Jona, den Sohn Amittais, folgendermaßen:
Mache dich auf, geh
nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige gegen sie; denn
ihre Bosheit ist vor mein Angesicht heraufgekommen!
Da machte sich Jona
auf, um von dem Angesicht des HERRN weg nach Tarsis zu fliehen; und
er ging nach Japho hinab und fand dort ein Schiff, das nach Tarsis
fuhr. Da bezahlte er sein Fahrgeld und stieg ein, um mit ihnen nach
Tarsis zu fahren, weg von dem Angesicht des HERRN.
Hier erfahren wir
nicht wirklich etwas über den Lebenshintergrund dieses Mannes namens
Jona, aber wir erfahren, dass er zu einer großen Stadt gehen sollte,
die Ninive hieß. Aber Jona hatte absolut keine Lust, gegen diese
Stadt zu weissagen in Gottes Namen, und wir werden später auch den
Grund dafür erfahren. Deshalb meinte Jona, er könnte vor Gott
fliehen, verließ seine Heimat und machte sich auf den Weg zu einer
Stadt mit einem großen Hafen, um als Seemann zu leben, und so lebte
er auf einem Schiff. Auf diese Art wollte er vor seiner Berufung
flüchten, die ihm nicht gefiel.
Weiterhin steht
geschrieben in den Versen 4 bis 16:
Aber der HERR
schleuderte einen starken Wind auf das Meer, sodass ein großer Sturm
auf dem Meer entstand und das Schiff zu zerbrechen drohte.
Da fürchteten sich
die Schiffsleute und schrien, jeder zu seinem Gott; und sie warfen
die Geräte, die im Schiff waren, ins Meer, um es dadurch zu
erleichtern. Jona aber war in den untersten Schiffsraum
hinabgestiegen, hatte sich niedergelegt und war fest eingeschlafen.
Da trat der
Schiffskapitän zu ihm und sprach: Was ist mit dir, dass du so
schläfst? Steh auf, rufe deinen Gott an! Vielleicht wird dieser Gott
an uns gedenken, dass wir nicht untergehen!
Und sie sprachen
einer zum anderen: Kommt, wir wollen Lose werfen, damit wir erfahren,
um wessentwillen uns dieses Unglück getroffen hat! Und sie warfen
Lose, und das Los fiel auf Jona.
Da sprachen sie zu
ihm: Sage uns doch, um wessentwillen uns dieses Unglück getroffen
hat! Was ist dein Gewerbe, und wo kommst du her? Was ist dein Land,
und von welchem Volk bist du?
Er aber sprach zu
ihnen: Ich bin ein Hebräer; und ich fürchte den HERRN, den Gott des
Himmels, der das Meer und das Trockene gemacht hat.
Da gerieten die
Männer in große Furcht und sprachen: Was hast du da getan? Denn die
Männer wussten, dass er vor dem Angesicht des HERRN floh; denn er
hatte es ihnen erzählt.
Und sie fragten ihn:
Was sollen wir mit dir machen, damit das Meer uns in Ruhe lässt?
Denn das Meer tobte immer schlimmer.
Er sprach zu ihnen:
Nehmt mich und werft mich ins Meer, so wird das Meer euch in Ruhe
lassen! Denn ich weiß wohl, dass dieser große Sturm um meinetwillen
über euch gekommen ist.
Da ruderten die
Leute mit aller Kraft, um das Ufer wieder zu erreichen; aber sie
konnten es nicht; denn das Meer tobte immer schlimmer gegen sie.
Da schrien sie zu
dem HERRN und sprachen: »Ach, HERR! lass uns doch nicht um der Seele
dieses Mannes willen untergehen, rechne uns aber auch nicht
unschuldiges Blut an; denn du, HERR, hast getan, was dir wohlgefiel!«
Darauf nahmen sie
Jona und warfen ihn ins Meer; und das Meer hörte auf mit seinem
Wüten.
Da bekamen die
Männer große Ehrfurcht vor dem HERRN und brachten dem HERRN ein
Schlachtopfer dar und legten Gelübde ab.
Die anderen Männer
auf dem Schiff schienen zwar keine Juden zu sein, aber sie waren wohl
darüber informiert, dass Jona einer ist, und dass die Juden dem Gott
dienen, der tatsächlich echt ist. Deswegen sprachen sie zu Gott,
obwohl sie eigentlich nicht sein Volk sind, und bekamen umso größere
Ehrfurcht, als der Sturm sich legte, weil Jona nicht mehr auf dem
Schiff war. Zuerst hatten sie Mitleid gehabt und wollten ihn nicht
ins Meer werfen, da sie ja wissen, dass dann die Überlebens-Chancen
von Jona auf ein winziges Minimum herabsinken, aber letztlich blieb
ihnen nichts Anderes übrig, als Jona ins Meer zu werfen. So war Jona
nun also im Meer, und viele von euch wissen sicher schon, was als
nächstes passierte. Wir lesen aber trotzdem die Geschichte ganz
normal weiter. In Kapitel 2 steht geschrieben:
Und der HERR
entsandte einen großen Fisch, der Jona verschlingen sollte; und Jona
war im Bauch des Fisches drei Tage und drei Nächte lang.
Und Jona betete aus
dem Bauch des Fisches zu dem HERRN, seinem Gott, und sprach:
Aus meiner Drangsal
rief ich zu dem HERRN, und er erhörte mich; aus dem Schoß des
Totenreiches schrie ich, und du hörtest meine Stimme!
Denn du hattest mich
in die Tiefe geschleudert, mitten ins Meer, dass mich die Strömung
umspülte; alle deine Wogen und Wellen gingen über mich.
Und ich sprach: Ich
bin von deinen Augen verstoßen; dennoch will ich fortfahren, nach
deinem heiligen Tempel zu schauen!
Die Wasser umringten
mich bis an die Seele, die Tiefe umgab mich, Meergras umschlang mein
Haupt.
Zu den Gründen der
Berge sank ich hinunter; die Erde war auf ewig hinter mir verriegelt
– da hast du, HERR, mein Gott, mein Leben aus dem Grab
heraufgeführt!
Als meine Seele in
mir verschmachtete, gedachte ich an den HERRN, und mein Gebet kam zu
dir in deinen heiligen Tempel.
Die Verehrer
nichtiger Götzen verlassen ihre Gnade;
ich aber will dir
mit lauter Stimme Lob opfern; was ich gelobt habe, das will ich
bezahlen. Die Rettung kommt von dem HERRN!
Und der HERR gebot
dem Fisch; und der spie Jona ans Land.
Dieses Gebet, das
Jona gesprochen hat, wirkt auf den ersten Blick ein wenig eigenartig.
Man müsste eigentlich davon ausgehen, dass er Angst hat, nachdem er
von einem Riesenfisch verschlungen wurde und in dessen Magen festsaß.
Und doch lobt er Gott für die Rettung.
Ich vermute sehr
stark, dass Jona, als er hilflos im Meer umhertrieb, Gott um Rettung
bat. Wahrscheinlich war er sogar kurz vor dem Ertrinken, und war
schon ins Wasser hinab gesunken. Und dann kam der Riesenfisch, und in
dessen Magen war Luft, deswegen überlebte Jona. So wird zwar die
Geschichte nicht erzählt, aber so würde sein Gebet sehr viel Sinn
machen. Was bei dem Gebet am meisten heraussticht, ist die Aussage in
Vers 9. Es steht geschrieben, dass die Verehrer von Götzen ihre
Gnade verlassen. Dies ist es also, was geschieht, wenn ein Mensch
eine Figur oder ein sonstiges Objekt anbetet: Man verlässt durch
diese Tat die Gnade Gottes. Natürlich haben die Menschen das in dem
Moment gar nicht vor, aus der Gnade zu fallen, sondern sie glauben
sogar irrtümlicherweise, sie würden dadurch Gott näher kommen,
aber wichtig ist ja nicht, was die Menschen aufgrund des Irrsinns in
ihrem eigenen Kopf glauben, sondern wichtig ist das, was tatsächlich
passiert. Und wenn jemand eine Figur oder ein sonstiges irdisches
Objekt anbetet, das Gott darstellen soll oder etwas Gottverbundenes,
dann passiert es tatsächlich, dass der Mensch sich selbst aus der
Gnade Gottes herausnimmt durch sein Tun. Das ist bemerkenswert und
sollte jeden von uns deutlich ermahnen.
Wir lesen aber auch
im letzten Vers, dass der Fisch Jona an das Land ausspie. Was danach
geschah, erfahren wir in Kapitel 3. Folgendes lesen wir in den Versen
1 bis 4:
Und das Wort des
HERRN erging zum zweiten Mal an Jona folgendermaßen:
Mache dich auf, geh
nach Ninive, in die große Stadt, und verkündige ihnen die
Botschaft, die ich dir sagen werde!
Da machte sich Jona
auf und ging nach Ninive, nach dem Wort des HERRN. Ninive aber war
eine sehr große Stadt vor Gott, drei Tagereisen groß.
Und Jona fing an,
eine Tagereise weit in die Stadt hineinzugehen, und er rief und
sprach: »Noch 40 Tage, und Ninive wird zerstört!«
Wir sehen also, dass
Jona den selben Auftrag nochmal bekam, den Gott ihm schon zuerst
gegeben hatte. Und diesmal tat es Jona. Er ging in die riesengroße
Stadt hinein, die in diesen Tagen voller Sünde war, und rief umher,
dass Ninive in 40 Tagen untergehen wird.
Und wir wissen, dass
die Menschen allgemein nicht dazu neigen, solche Warnungen
ernstzunehmen. Stattdessen meinen viele, dass Gott doch viel zu gut
ist, also würde er niemals eine ganze Stadt untergehen lassen. Und
andere nehmen vielleicht die Drohung ernst, haben aber trotzdem keine
Lust, sich zu ändern, und sie bleiben weiter im Bösen. Und wenn man
mit solchen Leuten redet, dann ist es, als würde man mit einer Wand
reden. Es hat einfach keinerlei Wirkung und führt niemals die
Reaktion herbei, die notwendig ist. Mit sowas hat Gott schon tausende
Male Erfahrungen gemacht, dass er die Menschen zu Buße ermahnt, und
ihnen sagt, dass er sie andernfalls bestrafen muss, aber die Menschen
hörten nicht auf die Ermahnungen und hörten nicht damit auf, zu
sündigen. Sondern sie hatten entweder faule Ausreden parat, oder sie
versuchten, ihr böses Verhalten irgendwie zu rechtfertigen, um so zu
tun, als wären ihre bösen Taten unbedenklich. Das ist dieses
endlose Drama, welches unser Vater im Himmel schon unzählige Male
erlebt hat, dass die Menschen nach der Ermahnung, die ihnen gegeben
wurde, immernoch genau so verdorben sind wie vor der Ermahnung. Und
sie machen auch nicht die geringsten Anstalten, sich zu bessern, und
dann muss letztlich tatsächlich ein heftiges Strafgericht kommen,
weil Gott die Nerven verliert mit diesen Leuten, und weil er es nicht
mehr mit ansehen kann, was die Menschen für abscheuliche
Verhaltensweisen praktizieren. Denn ihr müsst bedenken, dass Gott
alles sieht, was auf der Erde abgeht. Jeden einzelnen Handgriff sieht
er, und jedes einzelne Wort der Menschen hört er. Und dabei endet es
nicht, sondern Gott sieht sogar gleichzeitig unsere Herzen und was
darin wohnt. Und all das muss er verkraften, und er verkraftet es und
bleibt trotzdem in seinem Inneren liebevoll und wartet mit so viel
Geduld auf Umkehr, wie er nur haben kann.
Aber er machte
ständig nur die Erfahrung, dass es den Leuten am Allerwertesten
vorbei geht, wenn sie zur Buße aufgerufen werden, selbst unter
Androhung von Strafen, die er ja nur sehr ungern über die Menschen
bringt.
Und wir schauen uns
jetzt an, wie die Reaktion der Menschen in Ninive war.
Es steht geschrieben
in den Versen 5 bis 9:
Und die Leute von
Ninive glaubten Gott; und sie riefen ein Fasten aus und legten
Sacktuch an, vom Größten bis zum Kleinsten unter ihnen.
Und das Wort
gelangte bis zum König von Ninive; und er stand von seinem Thron
auf, legte seinen Mantel ab, hüllte sich in Sacktuch und setzte sich
in die Asche.
Und er ließ
ausrufen und sagen in Ninive, auf Befehl des Königs und seiner
Großen: »Menschen und Vieh, Rinder und Schafe sollen nichts
genießen, sie sollen weder weiden noch Wasser trinken;
sondern Menschen und
Vieh sollen sich in Sacktuch hüllen und mit aller Kraft zu Gott
rufen und sollen umkehren, jeder von seinem bösen Weg und von dem
Unrecht, das an seinen Händen klebt!
Wer weiß, Gott
könnte anderen Sinnes werden, es sich gereuen lassen und ablassen
von seinem grimmigen Zorn, sodass wir nicht untergehen!«
Hier sehen wir etwas
Spektakuläres. Die Menschen, die in diesen Tagen in Ninive lebten,
die haben nicht so gehandelt wie der ganze Rest der Menschheit es
immer tut, sondern sie haben die Worte ernstgenommen und haben sofort
Reue gezeigt und mit ihren bösen Taten aufgehört, um stattdessen zu
fasten. Und alle Menschen aus der Stadt haben mitgemacht, sogar die
Tiere wurden entsprechend behandelt. Das ist ein sehr besonderes
Ereignis, als diese Menschen auf Gottes Warnung hin, die von Jona
überbracht wurde, wahrhaftig ihr Verhalten änderten, indem sie
davon abließen, Böses zu tun und indem sie in aufrichtiger Reue
verharrten über dem, was sie falsch gemacht haben. Wer hätte
gedacht, dass es eine Bevölkerung gibt, die sowas wirklich tut? Es
hat ja sogar der König selbst, der in dieser Stadt war, ein Zeichen
der Buße und Trauer getragen. Diesen Verlauf hat bestimmt niemand
erwartet, und doch ist es diesmal geschehen. Es ist wie ein Wunder.
Im letzten Vers des
Kapitels lesen wir dann diese Worte:
Und Gott sah ihre
Taten, dass sie umkehrten von ihren bösen Wegen, und ihn reute das
Übel, das er ihnen angedroht hatte, und er tat es nicht.
An diesen Worten
erkennen wir deutlich, dass Gott sehr beeindruckt war von dem
reumütigen Verhalten der Menschen. Und das führte nicht nur dazu,
dass er das Unheil ganz zurückhielt, sondern auch sogar dazu, dass
Gott es bereute. Er bereute den Fakt, dass er überhaupt erst die
Absicht gehabt hatte, Ninive zu vernichten. Daran merkt man deutlich,
wie ungern Gott anderen Leid zufügt, wenn ein Strafgericht kommen
muss. Gott hat es theoretisch nicht nötig, Reue über irgendwas zu
empfinden, was er tut. Denn er ist allmächtig und niemand kann ihn
maßregeln. Und trotzdem, obwohl das so ist, hat Gott Reue empfunden
wegen dem geplanten Übel, denn Gott ist kein psychopathischer
Tyrann, und ihm ist es ein Ärgernis, wenn er gerechterweise
irgendwen bestrafen muss. Gott, unser Vater im Himmel, ist ein
gütiges und liebevolles Wesen, denn ein böses Wesen empfindet
niemals Reue wegen irgendwas.
Als aber Jona
merkte, dass Gott seine Drohung nicht bewahrheiten wird, reagierte er
auf eine bestimmte Weise, und davon lesen wir in Kapitel 4. Es steht
geschrieben in den Versen 1 bis 3:
Das aber missfiel
Jona sehr, und er wurde zornig.
Und Jona betete zum
HERRN und sprach: Ach, HERR, ist’s nicht das, was ich mir sagte,
als ich noch in meinem Land war, dem ich auch durch die Flucht nach
Tarsis zuvorkommen wollte? Denn ich wusste, dass du ein gnädiger und
barmherziger Gott bist, langmütig und von großer Gnade, und das
Unheil reut dich!
Und nun, HERR, nimm
doch meine Seele von mir; denn es ist besser, ich sterbe, als dass
ich lebe!
Hier erfahren wir
nun den Grund, warum Jona zuerst nicht tun wollte, was Gott befiehlt.
Jona weiß, wie
barmherzig und gnädig Gott ist, und er hat sich gedacht, dass Gott
die Drohung ja sowieso nicht bewahrheitet. Deswegen wollte Jona nicht
die ganzen Strapazen auf sich nehmen, den weiten Weg bis zu der Stadt
Ninive zu reisen, und dort dann mitten in der Stadt die Stimme zu
erheben vor all den Leuten, die er nicht kennt und von denen er nicht
wusste, wie sie reagieren würden. Das Ganze erschien ihm wie eine
völlig überflüssige Maßnahme, weil eine Drohung, die nicht
umgesetzt wird, ja auch gar nicht erst ausgesprochen werden muss.
Deshalb wollte er es nicht tun. Allerdings war der Gedankengang von
Jona nicht ganz angemessen, auch wenn die Niniviten am Ende wirklich
ohne Strafe blieben.
Denn es konnte ja
keiner wissen, dass die Niniviten tatsächlich Buße tun würden.
Diese Menschen wussten nicht wirklich etwas von dem, was der heilige
Schöpfer geboten hat, es war ihnen fremd. Und immer, wenn jemand mit
fremden Ermahnungen ankommt, die komplett gegen das sprechen, was die
Menschen in ihrer Fleischeslust verüben und gewohnt sind, wird
normalerweise nur darüber gespottet, und mehr auch nicht.
Das heißt: Die
Wahrscheinlichkeit lag bei 99,9 %, dass die Menschen nichtmal im
Traum daran denken würden, Buße zu tun, und daraus ergibt sich,
dass Gott das ganze Strafgericht dann auch ausgeführt hätte. Und
genau da lag der Denkfehler von Jona. Jona erwartete, dass Gott
überhaupt kein Strafgericht bringen wird, selbst dann nicht, wenn
die Menschen weiter unablässig Böses tun. Das war der Grund, warum
Jona nicht gehen wollte. Weil er meinte: Egal, ob die Menschen auf
Gott hören oder nicht, er wird ihnen in jedem Fall keine Strafe
zufügen. Damit lag Jona falsch, denn Gott hätte tatsächlich das
Strafgericht über Ninive gebracht, das geplant war und vor dem auch
der Prophet Nahum gewarnt hat in seinen Aufzeichnungen. Aber dann
geschah dieses besondere und sehr bemerkenswerte Ereignis, dass die
Niniviten entgegen sämtlicher Wahrscheinlichkeiten eben doch Buße
taten. Und weil sie Buße taten, wurden sie verschont.
Das ist etwas
Anderes, als wenn jemand von Anfang an sowieso nicht die Absicht hat,
eine Drohung in die Tat umzusetzen. Aber dies versteht Jona überhaupt
nicht, sondern er fühlt sich in seiner Ansicht bestätigt, dass Gott
doch sowieso kein Strafgericht ausgeübt hätte, egal unter welchen
Umständen.
Und Gott weiß, was
im Kopf von Jona vorgeht, darum versucht er ihn aufzuklären darüber,
wie es wirklich ist. Demgemäß lesen wir Folgendes in den Versen 4
bis 11:
Da sprach der HERR:
Ist es recht, dass du so zornig bist?
Hierauf ging Jona
zur Stadt hinaus und ließ sich östlich von der Stadt nieder und
machte sich dort eine Hütte und saß unter ihrem Schatten, bis er
sähe, wie es der Stadt ergehen würde.
Da entsandte Gott,
der HERR, eine Rizinusstaude, die wuchs über Jona empor, um seinem
Haupt Schatten zu spenden und ihn von seiner üblen Laune zu
befreien; und Jona freute sich sehr über den Rizinus.
Da entsandte Gott
einen Wurm, als die Morgenröte am anderen Morgen aufstieg; der stach
den Rizinus, sodass er verdorrte.
Und es geschah, als
die Sonne aufging, da entsandte Gott einen heißen Ostwind, und die
Sonne stach Jona aufs Haupt, sodass er ganz matt wurde; und er
wünschte sich den Tod und sprach: Es ist besser, dass ich sterbe,
als dass ich am Leben bleibe!
Da sprach Gott zu
Jona: Ist es recht, dass du so zornig bist wegen des Rizinus? Da
sprach er: Ja, ich bin mit Recht zornig bis zum Tod!
Da sprach der HERR:
Du hast Mitleid mit dem Rizinus, um den du dich doch nicht bemüht
und den du nicht großgezogen hast, der in einer Nacht entstanden und
in einer Nacht zugrunde gegangen ist.
Und ich sollte kein
Mitleid haben mit der großen Stadt Ninive, in der mehr als 120000
Menschen sind, die ihre rechte Hand nicht von ihrer linken
unterscheiden können, dazu so viel Vieh!
Offensichtlich
lagerte sich Jona außerhalb der Stadt und Gott ließ eine
Rizinusstaude wachsen, die ihm Schatten inmitten des prallen
Sonnenscheins spendete. Aber dann ließ Gott die Rizinusstaude kaputt
gehen und sandte einen heißen Wüstenwind zu Jona. Das tat Gott, um
Jona zu verdeutlichen, wie es sich anfühlt, wegen einer Sache Leid
zu erleben, die man hätte verhindern können. Denn Jona hätte sich
ja um die Riziniusstaude kümmern können, indem er sie mit Wasser
gießt und sämtliches Ungeziefer von ihr fernhält. Aber das hat
Jona nicht getan, und dann ging die Rizinusstaude zugrunde. Und das
allein machte Jona schon traurig, aber der heiße Ostwind war dann
endgültig zu viel.
Für Gott ist es
ähnlich mit der Stadt Ninive. Gott hat sich nicht um diese Stadt
gekümmert. Die Leute dort wussten nichts von den Geboten, und Gott
hatte ihnen zuvor keine Propheten gesandt, um das Volk zu ermahnen.
Jona war seit sehr langer Zeit der erste Prophet, der in Ninive
auftrat und das echte Wort Gottes redete. Vorher war die Stadt
vernachlässigt, die Leute dort waren sich selbst überlassen, sie
hatten keine Anleitung. Und inmitten eines solchen Zustandes, da die
Menschen aus ihrer eigenen Intelligenz heraus niemals darauf kommen
werden, was wirklich gut ist, kann es gar nicht anders laufen, als
dass die dort wohnenden Menschen verderben. Wenn man nicht die Gebote
Gottes verbreitet, die dem Wandel in Liebe dienen, dann ist das
Verderben der dortigen Menschen auf Dauer unvermeidbar. Besonders
dort, wo eine sehr große Anzahl Menschen zusammen lebt. Gott hat
sich also kein bisschen um Ninive gekümmert, aufgrund der Erwartung,
dass es ja sowieso nichts nützen würde, dann aber gibt er ihnen nur
eine einzige Warnung, und sie bekehren sich sofort. Das macht sehr
stark den Eindruck, dass es bei den Menschen dieses Ortes vielleicht
auch schon zeitiger geholfen hätte, sich um sie zu kümmern, indem
ihnen Gerechtigkeit nach Gottes Maßstäben gelehrt wird. Dann wäre
die Stadt vielleicht gar nicht erst in den Zustand geraten, der ein
Strafgericht nötig macht. Und das ist ein bitterer Gedanke, dass ein
Ort verdorben ist, weil man es verpasst hat, sich ordentlich darum zu
kümmern. Besonders für Gott ist dieser Gedanke bitter. Aber es ist
genau der Gedanke, den er hatte. Hätte er doch bloß den Leuten in
Ninive mehr Aufmerksamkeit geschenkt! Dann wären die Zustände
vielleicht gar nicht erst so übel geworden. Es ist also
gewissermaßen so, dass Gott sich selbst die Schuld dafür gibt, wie
verdorben die Menschen in Ninive vor der Buße waren. Und das an sich
ist auch ein sehr großes Anzeichen davon, wie liebevoll unser Vater
im Himmel eigentlich ist. Überlegt euch das mal!
Gott sieht ein Volk,
das viel Schlimmes tut, ermahnt sie und erlebt, dass sie umkehren von
ihrem bösen Weg, und er empfindet nicht nur Reue für sein geplantes
Strafgericht, sondern er hat sogar großes Mitleid mit den Menschen
und gibt sich selbst die Schuld für den Zustand der Menschen, weil
er sich nicht gut genug um sie gekümmert hat. Denn genau so, wie
Jona seine Rizinusstaude vernachlässigt hat, und dann wurde sie
schlecht, so hat Gott auch die Menschen in Ninive vernachlässigt.
Und deswegen schämt er sich schon fast, und erkennt, wie nachlässig
er war und dass er viel mehr hätte tun können. Und Gott erkennt,
wie liebenswert diese Menschen eigentlich sind, auch wenn es am
Anfang nicht danach aussah. Denn sie haben sofort gehört, als er sie
warnte, sie waren überhaupt nicht widerspenstig. Wie sollte Gott es
jemals übers Herz bringen, derartige Menschen zu schlagen? Es
passiert ohnehin schon viel zu selten, dass Menschen überhaupt Reue
zeigen, aber wenn sie dann obendrein auch noch aus Unwissenheit
Fehler machten, weil sie nicht richtig aufgeklärt waren, wäre eine
Strafe noch bitterer. Auf so eine Art würde unser Vater im Himmel
nicht handeln wollen.
Ich sage euch aber
eins: Ich habe in meinem ganzen Leben noch niemals Eltern in dieser
Welt gesehen, die, als ihr Kind reuevoll zu ihnen kam, in ihren
Herzen zutiefst berührt waren und großes Mitleid hatten und bei
sich selbst die Schuld dafür suchten, warum es mit dem Verhalten des
Kindes überhaupt so schlimm wurde. Sowas gibt es bei den Menschen
nicht. Sowas gibt es nur bei Gott. Denn wenn die Menschen eine
derartige Reue sehen, dann sagen sie im positivsten Fall: „Gut,
dass du endlich auf mich hörst!“
und im schlimmsten
Fall sagen sie sowas wie: „Da hast du gerade nochmal Glück gehabt!
Eigentlich würdest du es verdienen, dass dir jemand eine Tracht
Prügel verpasst. Du kannst wirklich von Glück reden, dass ich das
nicht tue!“
Wenn aber unser
Vater im Himmel einen Mensch zu sich kommen sieht, der Gott nicht
kannte, und dieser Mensch ist voll Reue und guter Vorsätze, dann
würde unser Vater sowas sagen wie: „Ich selbst empfinde auch Reue,
weil ich dir kein guter Vater gewesen bin, ich hätte dich viel
besser anleiten sollen.“
Soetwas würde Gott
bestimmt zu den Menschen in Ninive sagen, denn dort wird es wohl so
einige Menschen gegeben haben, die tun würden, was er sagt, und die
nicht davon abweichen, sobald er ihnen einfach nur offenbart, was er
eigentlich von ihnen will. Wenn er zu diesen gesagt hätte, dass sie
sich immer über Notleidende erbarmen sollen, und jedem Mensch, egal
wer es ist, mit Liebe im Inneren begegnen sollen, und weder
rachsüchtig noch hochmütig sein sollen, und jegliche Unzucht und
jeglichen Götzendienst und alle Habsucht und das Erzählen von Lügen
vermeiden müssen, dann würden diese Menschen das alles tun. Und
derartige Menschen in einem Strafgericht zu töten, wäre echt eine
fiese Nummer gewesen.
Und nachdem ich all
dies erwähnt habe, endet unsere heutige Studie im Buch des Propheten
Jona.
Danke für's Zuhören
uns bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus
Christus mit euch sein!
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