Text zu "Bibellehre - Das Leben des Propheten Hesekiel"

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In diesem Video werden wir uns einiges über den Prophet Hesekiel anschauen. Und eins kann ich euch jetzt schon sagen: Dieser Mann hatte ein paar echt abgefahrene Erlebnisse.
Es wäre zu viel, wenn wir alles durchgehen, was in seinem Buch auffindbar ist, sondern wir werden wie bei allen anderen Propheten nur eine Sammlung von besonders bemerkenswerten Erzählungen betrachten, aber das an sich sollte erstmal reichen, und man kann das Buch ja jederzeit selbst lesen, wenn man noch mehr entdecken will.

Hesekiel war einer von den mehr als 10.000 Juden, die aus Jerusalem als Gefangene weggeführt wurden, nachdem der König von Babel die Stadt überwältigt hatte. Davon liest man in Kapitel 24 vom zweiten Buch der Könige. Es geschah aber, während Hesekiel mit allen anderen zusammen als Fremdling in einem Land wohnte, das nicht sein Heimatland war, dass er dort ein sehr außergewöhnliches Erlebnis hatte. Und dieses wird bereits im ersten Kapitel seines Buches berichtet. Deswegen werden wir jetzt das ganze Kapitel lesen. Es steht geschrieben:

Und es geschah im dreißigsten Jahr, am fünften Tag des vierten Monats, als ich unter den Weggeführten am Fluss Kebar war, da öffnete sich der Himmel, und ich sah Gesichte Gottes.
Am fünften Tag jenes Monats – es war das fünfte Jahr seit der Wegführung des Königs Jojachin,
da erging das Wort des HERRN ausdrücklich an Hesekiel, den Sohn Busis, den Priester, im Land der Chaldäer am Fluss Kebar; und die Hand des HERRN kam dort über ihn.
Und ich schaute, und siehe, ein Sturmwind kam von Norden her, eine große Wolke und loderndes Feuer, von einem Strahlenglanz umgeben; aus seiner Mitte aber glänzte es wie Goldschimmer, mitten aus dem Feuer.
Und mitten aus diesem erschien die Gestalt von vier lebendigen Wesen, und dies war ihr Aussehen: Sie hatten Menschengestalt.
Und jedes von ihnen hatte vier Gesichter, und jedes von ihnen hatte vier Flügel.
Ihre Füße standen gerade, und ihre Fußsohlen glichen der Fußsohle eines Kalbes, und sie funkelten wie der Schimmer von blankem Erz.
Unter ihren Flügeln befanden sich Menschenhände an ihren vier Seiten, und alle vier Seiten hatten ihre Gesichter und ihre Flügel.
Ihre Flügel waren miteinander verbunden; wenn sie gingen, wandten sie sich nicht um; jedes ging gerade vor sich hin.
Ihre Gesichter aber waren so gestaltet: vorn das Gesicht eines Menschen; auf der rechten Seite, bei allen vieren, das Gesicht eines Löwen; zur Linken, bei allen vieren, das Gesicht eines Stieres; hinten aber hatten alle vier das Gesicht eines Adlers.
Ihre Gesichter aber und ihre Flügel waren nach oben ausgebreitet; je zwei Flügel waren miteinander verbunden, und zwei bedeckten ihre Leiber.
Und jedes ging gerade vor sich hin; wo der Geist hingehen wollte, da gingen sie hin; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen.
Und dies war die Gestalt der lebendigen Wesen: Ihr Aussehen war wie brennende Feuerkohlen, wie das Aussehen von Fackeln; und die Feuerkohle fuhr zwischen den lebendigen Wesen hin und her; und das Feuer hatte einen strahlenden Glanz, und von dem Feuer gingen Blitze aus.
Die lebendigen Wesen aber liefen hin und her, sodass es aussah wie Blitze.
Als ich nun die lebendigen Wesen betrachtete, siehe, da war je ein Rad auf der Erde neben jedem der lebendigen Wesen, bei ihren vier Gesichtern.
Das Aussehen der Räder und ihre Gestaltung war wie der Schimmer eines Chrysoliths, und alle vier hatten die gleiche Gestalt. Sie sahen aber so aus und waren so gemacht, als wäre ein Rad mitten in dem anderen Rad.
Wenn sie gingen, so liefen sie nach ihren vier Seiten hin; sie wandten sich nicht um, wenn sie gingen.
Und ihre Felgen waren hoch und furchtgebietend; und ihre Felgen waren voller Augen ringsum bei allen vier.
Und wenn die lebendigen Wesen gingen, so liefen auch die Räder neben ihnen, und wenn sich die lebendigen Wesen von der Erde erhoben, so erhoben sich auch die Räder.
Wo der Geist hingehen wollte, da gingen sie hin, wohin der Geist gehen wollte; und die Räder erhoben sich vereint mit ihnen, denn der Geist des lebendigen Wesens war in den Rädern.
Wenn jene gingen, so gingen auch sie, und wenn jene stillstanden, standen auch sie still; und wenn jene sich von der Erde erhoben, so erhoben sich auch die Räder vereint mit ihnen; denn der Geist des lebendigen Wesens war in den Rädern.
Und über den Häuptern des lebendigen Wesens befand sich etwas, das einer Himmels-Ausdehnung glich, wie der Anblick eines Kristalls, ehrfurchterregend, ausgebreitet oben über ihren Häuptern.
Und unter der Himmels-Ausdehnung waren ihre Flügel ausgestreckt, einer zum anderen hin: Jedes hatte zwei Flügel, womit sie ihre Leiber auf der einen Seite, und zwei, womit sie sie auf der anderen Seite bedeckten.
Und ich hörte das Rauschen ihrer Flügel wie das Rauschen großer Wasser und wie die Stimme des Allmächtigen; wenn sie gingen, so gab es ein Geräusch wie das Getümmel eines Heerlagers; wenn sie aber stillstanden, ließen sie ihre Flügel sinken.
Und es kam eine Stimme oben von der Himmels-Ausdehnung her, die über ihren Häuptern war; wenn sie stillstanden, ließen sie ihre Flügel sinken.
Und oberhalb der Himmels-Ausdehnung, die über ihren Häuptern war, war das Gebilde eines Thrones, anzusehen wie ein Saphirstein. Oben auf dem Gebilde des Thrones aber saß eine Gestalt, anzusehen wie ein Mensch.
Ich sah auch etwas wie Goldschimmer, wie das Aussehen eines Feuers inwendig ringsum; von der Erscheinung seiner Lenden nach oben hin und von der Erscheinung seiner Lenden nach unten hin sah ich wie das Aussehen eines Feuers, und ein Glanz war rings um ihn her.
Wie der Bogen aussieht, der an einem Regentag in den Wolken erscheint, so war auch der Glanz ringsum anzusehen. So war das Aussehen der Erscheinung der Herrlichkeit des HERRN. Als ich sie sah, fiel ich auf mein Angesicht; und ich hörte die Stimme von einem, der redete.

Allein diese Erzählung ist schonmal echt umwerfend. Ich könnte nichtmal ansatzweise ein Bild davon aufmalen, wie das ausgesehen haben muss, was Hesekiel sah. Aber er sah unseren Vater im Himmel zusammen mit seinen vier Cherubim, die immer direkt bei ihm sind. Von diesen liest man in ähnlicher Weise auch in der Offenbarung, aber wir bleiben heute bei dem Text aus dem Buch von Hesekiel.
Es gibt ein paar verrückte Menschen in unserer heutigen Zeit, die sich besonders fragen, was es mit den Rädern auf sich hat, die bei den Cherubim sind. Und sie behaupten, es würde sich dabei um Ufos handeln, weil von vielen Augen geredet wird, und von Felgen, was ihrer Meinung nach dem Aussehen eines klischeehaften Ufos gleichkommt.
Allerdings handelt es sich dabei, wie es in dieser Welt üblich ist, auch nur wieder um eine peinliche und eigenwillige Fehlinterpretation. Denn bei den Ufos, die die Menschen gebaut haben und von denen gemeint wird, es wäre Technologie von Außerirdischen, da sind an der Seite viele Lichter. Und wenn Hesekiel sowas gesehen hätte, dann hätte er es gesagt. Er hätte gesagt, dass die Räder der Cherubim voller Lichter waren. Das hat Hesekiel aber nicht gesagt, sondern er sagte, die Räder sind voller Augen. Allein aus diesem Grund kann das Gerede von Ufos schonmal nicht stimmen.
Übrigens hat Hesekiel die gleiche Erscheinung zum Beispiel in Kapitel 10 und in Kapitel 43 nochmal beschrieben, aber das überspringen wir.

Es stellt sich aber in jedem Fall die Frage, was genau es nun überhaupt mit diesen Rädern auf sich hat. Warum hat jeder Cherub ein eigenes Rad? Und warum haben sie diese Räder immer bei sich?
Hesekiel hat mehrmals gesagt, dass der Geist der Wesen in den Rädern ist. Das klingt sehr geheimnisvoll, so als wären die Räder praktisch eine Quelle der Lebenskraft für die Cherubim.
Und warum sowohl die Cherubim als auch ihre Räder voller Augen sind, das weiß nur Gott. Ich kann euch nicht sagen, aus welchem Anlass er dies so geschaffen hat. Es wird wohl irgendeine sinnbildliche Botschaft verkörpern, zum Beispiel dass die Augen des HERRN überall sind und sowohl die Guten als auch die Bösen erspähen, oder etwas Ähnliches.

Ihr könnt euch aber sicherlich denken, dass Gott nicht mit seinen vier Cherubim erschienen ist, um gut auszusehen, sondern um Hesekiel zu berufen. Und was genau Gott zu Hesekiel sagte, um ihn zum Prophet zu ernennen, das lesen wir in Kapitel 2 und 3. Es steht im zweiten Kapitel Folgendes geschrieben:

Und er sprach zu mir: Menschensohn, stelle dich auf deine Füße, so will ich mit dir reden!
Und als er zu mir redete, kam der Geist in mich und stellte mich auf meine Füße; und ich hörte dem zu, der mit mir redete.
Und er sprach zu mir: Menschensohn, ich sende dich zu den Kindern Israels, zu den abtrünnigen Heidenstämmen, die sich gegen mich empört haben; sie und ihre Väter sind von mir abgefallen bis zu diesem heutigen Tag.
Und diese Kinder haben ein trotziges Angesicht und ein verstocktes Herz; zu ihnen sende ich dich, und ihnen sollst du sagen: »So spricht GOTT, der Herr!«
Sie aber, ob sie nun darauf hören oder es bleiben lassen – denn sie sind ein widerspenstiges Haus, sie sollen doch wissen, dass ein Prophet in ihrer Mitte gewesen ist.
Du aber, Menschensohn, fürchte dich nicht vor ihnen, und fürchte dich auch nicht vor ihren Worten, wenn sie auch wie Disteln und Dornen gegen dich sind und du unter Skorpionen wohnst. Fürchte dich nicht vor ihren Worten und erschrick nicht vor ihrem Angesicht; denn sie sind ein widerspenstiges Haus.
Und du sollst meine Worte zu ihnen reden, ob sie nun darauf hören oder es bleiben lassen; denn sie sind widerspenstig!
Du aber, Menschensohn, höre auf das, was ich zu dir rede; sei nicht widerspenstig wie das widerspenstige Haus! Tu deinen Mund auf und iss, was ich dir gebe!
Da schaute ich, und siehe, eine Hand war zu mir ausgestreckt, und siehe, sie hielt eine Buchrolle.
Und er breitete sie vor mir aus; sie war aber auf der Vorderseite und auf der Rückseite beschrieben, und es waren Klagen, Seufzer und Weherufe darauf geschrieben.

An dieser Stelle halten wir erstmal kurz an. Man erkennt an dieser Rede bestens, wie sehr sich Gott darüber im Klaren ist, dass sein eigenes ausgewähltes Volk ihn verachtet und dass sie nicht aufhören, widerspenstig zu sein und sich übelst verkorkst zu verhalten. Hesekiel aber soll sich davon nicht entmutigen lassen, sondern trotzdem unablässig zu ihnen reden, wie Gott es gebietet. Denn offensichtlich hatte Gott sein Volk immernoch nicht aufgegeben, obwohl schon viel Schlimmes wegen der Sünden der Juden geschehen war, denn es waren schon viele aus Jerusalem gefangen weggeführt worden, aber die restlichen Einwohner sündigten unbekümmert weiter. Und mit den anderen Stämmen von Israel verhielt es sich genau so schlimm.

Da Gott noch mehr zu Hesekiel sagte, lesen wir in Kapitel 3 weiter. Dort steht Folgendes in den Versen 1 bis 7:

Und er sprach zu mir: Menschensohn, iss, was du hier vorfindest; iss diese Rolle und geh hin, rede zum Haus Israel!
Da tat ich meinen Mund auf, und er gab mir jene Rolle zu essen.
Und er sprach zu mir: Menschensohn, speise deinen Bauch und fülle deinen Leib mit dieser Rolle, die ich dir gebe! Da aß ich, und es war in meinem Mund so süß wie Honig.
Da sprach er zu mir: Menschensohn, geh hin zum Haus Israel und rede zu ihnen mit meinen Worten!
Denn du wirst nicht zu einem Volk mit unverständlicher Sprache und schwerer Zunge gesandt, sondern zum Haus Israel;
nicht zu vielen Nationen, die eine unverständliche Sprache und schwere Zunge haben, deren Worte du nicht verstehen könntest – wahrlich, wenn ich dich zu solchen Leuten senden würde, so würden sie auf dich hören!
Aber das Haus Israel wird nicht auf dich hören wollen, sie wollen ja auch auf mich nicht hören; denn das ganze Haus Israel hat eine harte Stirn und ein verstocktes Herz.

Hier wird also zuerst das Erlebnis im Geist berichtet, wie Hesekiel die Worte von Gott in den Mund gelegt bekam. Dies geschah nicht materiell, sondern geistlich, denn eine echte Schriftrolle von unserer Welt kann man logischerweise nicht einfach essen. Zumindest würde mir der Mensch ziemlich leidtun, dem solch eine Aufgabe gegeben werden würde.
Aber im Himmel ist die Beschaffenheit der Dinge offenbar anders. Gott sagt auch, dass es theoretisch mehr Sinn machen würde, Hesekiel zu einem Volk zu senden, das seine Sprache nicht kennt, weil selbst diese Leute mit größerer Aufmerksamkeit zuhören würden als die Israeliten vom Stamm Juda. Aber dennoch soll Hesekiel sich um die Juden bemühen.

Was Gott weiterhin zu sagen hatte, lesen wir ab Vers 8. Es steht geschrieben:

Doch siehe, ich habe dein Angesicht so hart gemacht wie ihr Angesicht und deine Stirn so hart wie ihre Stirn.
Wie Diamant und härter als Fels mache ich deine Stirn. Fürchte sie nicht und erschrick nicht vor ihrem Angesicht! Denn sie sind ein widerspenstiges Haus.
Und er sprach zu mir: Menschensohn, alle meine Worte, die ich zu dir rede, sollst du in dein Herz aufnehmen und mit deinen Ohren hören!
Und du sollst hingehen zu den Weggeführten, zu den Kindern deines Volkes, und sollst zu ihnen reden und zu ihnen sagen: So spricht GOTT, der Herr! - ob sie nun darauf hören oder es bleiben lassen.
Da hob mich der Geist empor, und ich hörte hinter mir eine Stimme, ein gewaltiges Getöse: Gepriesen sei die Herrlichkeit des HERRN von seiner Wohnstätte her!
Ich hörte auch das Rauschen der Flügel der lebendigen Wesen, die einander berührten, und das Geräusch der Räder neben ihnen, und den Schall eines gewaltigen Getöses.
Da hob mich der Geist empor und nahm mich hinweg; und ich fuhr dahin, erbittert in der Glut meines Geistes, und die Hand des HERRN lag fest auf mir.
Und ich kam zu den Weggeführten nach Tel-Abib, zu denen, die am Fluss Kebar wohnen; und da sie dort saßen, setzte ich mich auch dorthin und war sieben Tage lang in Entsetzen versunken unter ihnen.

Hier liest es sich ganz so, als wäre Hesekiel zurück in sein Lager gebracht worden, was bedeuten würde, dass er vorher entrückt war. Und er war betroffen von seinem Erlebnis und schwieg sieben Tage lang in Entsetzen. Ich frage mich, ob das den ganzen anderen Leuten komisch vorkam, als sie ihn die ganze Zeit erlebten, wie er kein einziges Wort sagte. Als aber die Tage vorbei waren, erschien Gott ihm erneut, denn wir lesen Folgendes in den Versen 16 bis 27:

Und es geschah nach sieben Tagen, da erging das Wort des HERRN an mich folgendermaßen:
Menschensohn, ich habe dich zum Wächter gesetzt für das Haus Israel; wenn du aus meinem Mund ein Wort gehört hast, so sollst du sie in meinem Auftrag warnen!
Wenn ich zu dem Gottlosen sage: »Du musst gewisslich sterben!«, und du warnst ihn nicht und sagst es ihm nicht, um den Gottlosen vor seinem gottlosen Weg zu warnen und ihn am Leben zu erhalten, so wird der Gottlose um seiner Missetat willen sterben; aber sein Blut werde ich von deiner Hand fordern!
Warnst du aber den Gottlosen und er kehrt doch nicht um von seiner Gottlosigkeit und von seinem gottlosen Weg, so wird er um seiner Missetat willen sterben; du aber hast deine Seele gerettet!
Wenn aber ein Gerechter sich von seiner Gerechtigkeit abkehrt und Unrecht tut, und ich lege einen Anstoß vor ihn hin, so wird er sterben; wenn du ihn nicht warnst, wird er um seiner Sünde willen sterben, und an seine Gerechtigkeit, die er getan hat, wird nicht gedacht werden; aber sein Blut will ich von deiner Hand fordern!
Wenn du aber den Gerechten gewarnt hast, dass der Gerechte nicht sündigen soll, und er dann nicht sündigt, so wird er gewisslich am Leben bleiben, weil er sich hat warnen lassen; und du hast deine Seele gerettet!
Und die Hand des HERRN kam dort über mich, und er sprach zu mir: Mach dich auf, geh in die Talebene hinaus; dort will ich mit dir reden!
Als ich mich nun aufgemacht hatte und in die Talebene hinausgegangen war, siehe, da stand dort die Herrlichkeit des HERRN, gleich der Herrlichkeit, die ich beim Fluss Kebar gesehen hatte; und ich fiel auf mein Angesicht nieder.
Und der Geist kam in mich und stellte mich auf meine Füße; und er redete mit mir und sprach zu mir: Geh hin und schließe dich in dein Haus ein!
Und du, Menschensohn, siehe, man wird dir Stricke anlegen und dich damit binden, sodass du nicht mitten unter sie wirst hinausgehen können.
Und ich will deine Zunge an deinem Gaumen kleben lassen, sodass du verstummst und sie nicht mehr zurechtweisen kannst; denn sie sind ein widerspenstiges Haus!
Aber wenn ich zu dir reden werde, so will ich deinen Mund auftun, dass du zu ihnen sagen sollst: »So spricht GOTT, der Herr! Wer hören will, der höre, wer es aber unterlassen will, der unterlasse es!« Denn sie sind ein widerspenstiges Haus.

An dem letzten Vers erkennen wir, dass der Prophet Hesekiel stumm gemacht wurde und nur noch dann reden konnte, wenn eine Weissagung Gottes verkündet werden musste. Ich nehme an, dass dies so gemacht wurde, weil die Leute dann umso aufmerksamer zuhören würden. Wenn sie jemanden, den sie täglich sehen, als einen Mann kennen, der nie ein Wort sagt, und dann fängt dieser plötzlich an zu reden, so ist es zu erwarten, dass die Leute eine größere Aufmerksamkeit zeigen, weil es sich dabei um ein ungewöhnliches Ereignis handelt. Und obwohl Gott seinen Prophet stumm werden ließ, hat er ihn gleichzeitig deutlich ermahnt, dass er als Wächter zählt und die Pflicht hat, jeden Sünder zu warnen, sodass der Sünder theoretisch umkehren kann von seinem bösen Weg, und wenn Hesekiel den Sünder nicht warnt, wird ihm selbst Schuld angerechnet für den Tod des Sünders. Da kann Hesekiel schon fast sich selbst als gesegneten Mann betrachten, weil Gott ihn verstummen ließ. Denn man muss sich das mal vor Augen halten, wie schlimm das wäre, wenn Hesekiel normal reden könnte und jeden einzelnen Sünder verwarnen müsste, den er trifft. Da hätte er jeden Tag von morgens bis abends nichts Anderes zu tun, als nur zu warnen, und zu warnen, und zu warnen. Das wäre wirklich eine Last.
Allerdings darf man nicht vergessen, dass Jesus, als er hier war, die stummen Menschen redend machte, daher ist es für manch einen Gläubigen vermutlich erschreckend, wie unser Vater seinen Prophet Hesekiel persönlich verstummen ließ. Würde man den Hintergrund nicht kennen, dass Hesekiel für jeden Sünder, der ohne Warnung stirbt, Schuld angerechnet bekommen soll, so könnte man glauben, dass Gott hier etwas Böses tat, indem er Hesekiel verstummen ließ.

Hesekiel musste dann in Kapitel 4 die bevorstehende Belagerung Jerusalems materiell veranschaulichen, indem er die Stadt mit Ziegelsteinen darstellt. Und außerdem musste er sich neben diese kleine Stadt legen, um die Schuld von Israel zu symbolisieren und musste sehr abartige Speise zu sich nehmen, um den Israeliten in seiner Nähe anzukündigen, was für abartige Speise sie selbst essen müssen, wenn sie alle unter die Heidenvölker verteilt wurden.

Es ist allgemein so, dass Hesekiel ein Wahrzeichen für seine Mitgefangenen war, sodass diese erkennen, welche schlimmen Tage ihnen und den anderen Israeliten um ihrer Sünde willen bevorstehen. Das merkt man besonders in Kapitel 12, wo Hesekiel auch wieder eine Aufgabe bekommt, um die Zukunft der Juden Jerusalems anzudeuten. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 11:

Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermaßen:
Menschensohn, du wohnst inmitten eines widerspenstigen Hauses, das Augen hat zum Sehen und doch nicht sieht, Ohren zum Hören und doch nicht hört; denn sie sind ein widerspenstiges Haus.
Darum, du Menschensohn, bereite dir die Sachen zum Fortziehen und zieh bei Tag vor ihren Augen fort! Vor ihren Augen sollst du von deinem Wohnort an einen anderen Ort ziehen; vielleicht werden sie es bemerken, denn sie sind ein widerspenstiges Haus.
Du sollst deine Sachen bei Tag vor ihren Augen heraustragen wie Sachen gepackt zum Auswandern; du aber sollst am Abend vor ihren Augen fortziehen, wie man auszieht, wenn man auswandern will!
Du sollst vor ihren Augen die Wand durchbrechen und deine Sachen durch sie hinaustragen.
Du sollst sie vor ihren Augen auf die Schulter nehmen und sie in der Finsternis hinaustragen. Verhülle aber dein Angesicht, damit du das Land nicht siehst; denn ich habe dich zu einem Wahrzeichen gemacht für das Haus Israel!
Da machte ich es so, wie mir befohlen war; meine Sachen brachte ich gepackt wie zum Auswandern bei Tag hinaus; und am Abend durchbrach ich mit der Hand die Wand; als es aber finster wurde, nahm ich sie auf meine Schulter und trug sie vor ihren Augen hinaus.
Aber am Morgen früh erging das Wort des HERRN an mich folgendermaßen:
Menschensohn, hat nicht das Haus Israel, das widerspenstige Haus, zu dir gesagt: »Was tust du da?«
Sage zu ihnen: So spricht GOTT, der Herr: Diese Last gilt dem Fürsten in Jerusalem und dem ganzen Haus Israel, in deren Mitte sie wohnen.
Sage: Ich bin für euch ein Wahrzeichen! Wie ich es gemacht habe, so soll es ihnen gehen! In die Verbannung, in die Gefangenschaft müssen sie wandern!

Hier hat Hesekiel es selbst erklärt, dass er allezeit ein Wahrzeichen für seine Nächsten ist, aber nicht zuerst für sie, sondern für die Einwohner, die in diesen Tagen noch in Jerusalem übrig waren. Denn es war schon viel Schlimmes in Jerusalem geschehen, aber es war noch Volk dort.

Wir können uns auch mal eine bemerkenswerte Weissagung durchlesen, die Hesekiel in Kapitel 5 über Juda offenbarte. Dort lesen wir Folgendes in den Versen 5 bis 11:

So spricht GOTT, der Herr: Das ist Jerusalem! Ich habe es mitten unter die Heidenvölker gesetzt und unter die Länder rings um es her.
Aber es hat meinen Rechtsbestimmungen frevelhaft widerstanden, mehr als die Heidenvölker, und meinen Satzungen, mehr als die Länder, die rings um es her liegen; denn sie haben meine Rechtsbestimmungen verachtet und sind nicht in meinen Satzungen gewandelt.
Darum, so spricht GOTT, der Herr: Weil ihr es schlimmer getrieben habt als die Heidenvölker um euch her; weil ihr nicht in meinen Satzungen gewandelt und meine Rechtsbestimmungen nicht gehalten habt, ja, weil ihr nicht einmal nach den Rechtsbestimmungen der Heidenvölker um euch her gehandelt habt,
darum, so spricht GOTT, der Herr: Siehe, auch ich will über dich kommen und will Gericht halten in deiner Mitte, vor den Augen der Heidenvölker;
und ich will so mit dir umgehen, wie ich es niemals getan habe und künftig auch nicht mehr tun werde, und dies um aller deiner Gräuel willen.
Darum werden in deiner Mitte Väter ihre Söhne essen, und Söhne werden ihre Väter essen; und ich will Gericht an dir üben und deinen ganzen Überrest in alle Winde zerstreuen.
Darum, so wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr: Wahrlich, weil du mein Heiligtum verunreinigt hast mit allen deinen Scheusalen und mit allen deinen Gräueln, deshalb will auch ich mich abwenden; mein Auge soll dich nicht verschonen, und ich will mich nicht erbarmen.

Unser Vater im Himmel ist zwar barmherzig, aber er ist kein Idiot. Er lässt sich nicht unaufhörlich ins Angesicht beleidigen ohne eine Reaktion zu zeigen, und sogar seine Barmherzigkeit hat irgendwann mal ein Ende, wie wir sehen. Und Gott kennt die Hungersnot, die er über Jerusalem bringen wird. Und er weiß, wie die Menschen ticken. Deshalb kann er jetzt schon sagen, dass sie böse und abartig genug sind, um sich gegenseitig zu essen. Und wenn ihr glaubt, dass diese Weissagung übertrieben wäre, dann muss ich euch enttäuschen. Denn es wird folgendes Ereignis berichtet im zweiten Buch der Könige, Kapitel 6, Vers 24 bis 30:

Und danach geschah es, dass Benhadad, der König von Aram, sein ganzes Heer versammelte und heraufzog und Samaria belagerte.
Da entstand in Samaria eine große Hungersnot; und siehe, sie belagerten die Stadt so lange, bis ein Eselskopf 80 Silberlinge und ein Viertel Kab Taubenmist 5 Silberlinge wert war.
Als aber der König von Israel auf der Mauer entlangging, flehte ihn eine Frau an und sprach: Hilf mir, mein Herr und König!
Er aber sprach: Wenn dir der HERR nicht hilft, von woher soll ich dir Hilfe bringen? Von der Tenne oder von der Kelter?
Und der König fragte sie: Was willst du? Sie sprach: Diese Frau da sprach zu mir: Gib deinen Sohn her, dass wir ihn heute essen; morgen wollen wir dann meinen Sohn essen!
So haben wir meinen Sohn gekocht und ihn gegessen; und am anderen Tag sprach ich zu ihr: Gib deinen Sohn her, dass wir ihn essen! Aber sie hat ihren Sohn versteckt!
Und es geschah, als der König die Worte der Frau hörte, da zerriss er seine Kleider, während er auf der Mauer entlangging. Da sah das Volk, dass er darunter auf seinem Leib Sacktuch trug.

Das waren echt heftige Tage, nicht wahr? Ich gebe zu, dass es hier nicht um Jerusalem geht, sondern um das Land vom abgespaltenen Israel, nämlich Samaria, aber genau das gleiche Elend, welches zuerst das abgespaltene Israel traf, kam beim Untergang Jerusalems auch über die Juden. Denn wir lesen im letzten Kapitel vom zweiten Buch der Könige davon, dass der Hunger sehr heftig war, als der König vom Babel zum letzten Mal die Stadt Jerusalem belagerte. Und dies werden wohl die Tage sein, in denen sich die Weissagung Hesekiels erfüllte.
Es ist auch sehr erschreckend, wie Hesekiel weissagt, dass die Taten von Israel im versprochenen Land noch schlimmer waren als die Taten der alten Heidenvölker, die vorher dort gewohnt hatten und welche zugunsten von Israel vertrieben worden waren. Das ist wirklich eine sehr üble Schande. Und doch, obwohl so unfassbare Schande geschehen ist, hat Gott Israel immernoch lieb, gleichwie er auch alle Menschen liebhat, die durch Jesus zu ihm kommen.

Jedenfalls haben trotz der schlimmen Zustände in Jerusalem, wegen denen die Strafe kommen sollte, die Ältesten des Volkes immer vor dem Volk so getan, als wären sie Männer Gottes. Denn sie genossen hohes Ansehen und das Volk glaubte, dass diese Leute gerechte Entscheidungen treffen. Aber Gott zeigte Hesekiel die Wahrheit, und davon lesen wir in Kapitel 8. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 12:

Und es geschah im sechsten Jahr, am fünften Tag des sechsten Monats, als ich in meinem Haus saß, und die Ältesten Judas saßen vor mir; da fiel dort die Hand GOTTES, des Herrn, auf mich.
Und ich schaute, und siehe, eine Gestalt, die aussah wie Feuer; von seinen Lenden abwärts war er anzusehen wie Feuer, von seinen Lenden aufwärts aber war er anzusehen wie ein Lichtglanz, gleich dem Anblick von Goldschimmer.
Und er streckte etwas wie eine Hand aus und ergriff mich bei dem Haar meines Hauptes, und der Geist hob mich empor zwischen Himmel und Erde und brachte mich in Gesichten Gottes nach Jerusalem, an den Eingang des inneren Tores, das nach Norden schaut, wo ein Götzenbild der Eifersucht, das die Eifersucht Gottes erregt, seinen Standort hatte.
Und siehe, dort war die Herrlichkeit des Gottes Israels, in derselben Gestalt, wie ich sie im Tal gesehen hatte.
Und er sprach zu mir: Menschensohn, hebe doch deine Augen auf nach Norden! Und ich hob meine Augen auf nach Norden, und siehe, da war nördlich vom Altartor dieses Götzenbild der Eifersucht, beim Eingang.
Da sprach er zu mir: Menschensohn, siehst du, was diese tun? Die großen Gräuel, welche das Haus Israel hier begeht, sodass ich mich von meinem Heiligtum entfernen muss? Aber du wirst noch mehr große Gräuel sehen!
Und er führte mich zum Eingang des Vorhofs; und ich schaute, und siehe, da war ein Loch in der Wand.
Da sprach er zu mir: Menschensohn, durchbrich doch die Wand! Als ich nun die Wand durchbrach, siehe, da war eine Tür.
Und er sprach zu mir: Geh hinein und sieh die schlimmen Gräuel, die sie hier verüben!
Da ging ich hinein und schaute, und siehe, da waren allerlei Bildnisse von Gewürm und gräulichem Getier, auch allerlei Götzen des Hauses Israel ringsum an die Wand gezeichnet.
Und vor ihnen standen 70 Männer von den Ältesten des Hauses Israel, und mitten unter ihnen stand Jaasanja, der Sohn Schaphans; und jeder von ihnen hatte eine Räucherpfanne in seiner Hand, und der Duft einer Weihrauchwolke stieg auf.
Da sprach er zu mir: Menschensohn, hast du gesehen, was die Ältesten des Hauses Israel im Finstern tun, jeder in seinen Bilderkammern? Denn sie sagen: Der HERR sieht uns nicht; der HERR hat dieses Land verlassen!

Hesekiel hatte also auch hier ein übernatürliches Erlebnis und wurde im Geist durch Jerusalem geführt, und er entdeckte unter Anderem, dass die hoch angesehenen Ältesten des Volkes sich eine geheime Kammer gemacht hatten, in der sie finstere Dinge trieben. Es klingt so, als hätten sie böse Geister beschworen. Aber nicht nur die Ältesten haben in aller Selbstverständlichkeit finstere und gotteslästerliche Dinge getrieben, sondern auch der Rest des Volkes. Denn Hesekiel bekommt auch noch ein paar andere Juden gezeigt, die sich anbetend vor der Sonne niederwerfen. Und Hesekiels Erlebnis geht in Kapitel 9 damit weiter, dass ein Engel durch die Stadt gehen soll, um jedem Mensch in der Stadt, der in diesen Tagen gerecht lebte und die ganze Bosheit beklagte, ein Siegel auf die Stirn zu geben. Und als er wieder zurück kam, war Hesekiel der einzige, der ein Siegel auf der Stirn hatte, und alle Bösen wurden in dem Gesicht getötet.

Nun haben wir also einen ziemlich genauen Eindruck, wie zahlreich die Sünder in Jerusalem waren, und auch die Ältesten des Volkes, egal ob in Jerusalem oder unter denen, die schon weggeführt waren, sind alle böse gewesen. Und obwohl sie böse waren, meinten sie, sie könnten einfach zu Hesekiel ankommen, als wäre nichts, und könnten durch ihn Gott befragen. Von dieser Situation lesen wir in Kapitel 20. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 4:

Und es geschah im siebten Jahr, am zehnten Tag des fünften Monats, dass etliche von den Ältesten Israels zu mir kamen, um den HERRN zu befragen; und sie setzten sich vor mir nieder.
Da erging das Wort des HERRN an mich folgendermaßen:
Menschensohn, rede zu den Ältesten Israels und sprich zu ihnen: So spricht GOTT, der Herr: Um mich zu befragen, seid ihr gekommen? So wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr, ich will mich von euch nicht befragen lassen!
Willst du sie richten? Willst du sie richten, Menschensohn? Halte ihnen die Gräuel ihrer Väter vor!

An diesen Worten merken wir deutlich, wie angewidert Gott von der Bosheit der Ältesten ist, sodass er sich gar nicht erst auf ihre Fragen einlassen will. Und Hesekiel soll vor ihnen ausführlich darüber reden, wie das Volk Israel schon seit Jahrhunderten gegen Gott sündigt, ohne aufzuhören. Davon liest man in den Folgeversen. Und ab Vers 30 lesen wir, wie Gott sagt:

Darum sprich zum Haus Israel: So spricht GOTT, der Herr: Verunreinigt ihr euch nicht nach der Weise eurer Väter und hurt ihren Götzen nach?
Ja, durch die Darbringung eurer Gaben, dadurch, dass ihr eure Kinder durchs Feuer gehen lasst, verunreinigt ihr euch an allen euren Götzen bis zu diesem Tag; und ich sollte mich von euch befragen lassen, ihr vom Haus Israel? So wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr, ich will mich von euch nicht befragen lassen!
Und was euch in den Sinn gekommen ist, dass ihr sagt: »Wir wollen sein wie die Heidenvölker, wie die Geschlechter der Länder, indem wir Holz und Stein dienen«, das soll nicht geschehen!
So wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr, ich will selbst mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arm und mit ausgeschüttetem Grimm über euch herrschen;
und ich will euch aus den Völkern herausführen und euch aus den Ländern sammeln, in die ihr zerstreut worden seid, mit starker Hand, mit ausgestrecktem Arm und mit ausgeschüttetem Grimm;
und ich will euch in die Wüste der Völker führen und dort mit euch ins Gericht gehen von Angesicht zu Angesicht.

Gott hat ganz offensichtlich so langsam echt keine Nerven mehr für das ununterbrochen abscheuliche Verhalten seines Volkes. Denn sie wollten wirklich nicht tun, was er sagte, sondern was sie selber wollen. Aber genau wie die anderen Propheten zu dieser Zeit, hat auch Hesekiel geweissagt, dass nach dem großen Unheil eine Zeit der Wiederherstellung für Israel kommen wird. Denn es steht geschrieben in Kapitel 11 in Vers 14 bis 25:

Da erging das Wort des HERRN an mich folgendermaßen:
Menschensohn, deine Brüder, ja deine Brüder, deine Verwandten und das ganze Haus Israel, sie alle sind es, von denen die Einwohner Jerusalems sagen: »Sie sind fern vom HERRN; uns aber ist dieses Land zum Besitztum gegeben!«
Darum sollst du zu ihnen sagen: So spricht GOTT, der Herr: Ich habe sie wohl in die Ferne unter die Heidenvölker gebracht und in die Länder zerstreut; aber ich bin ihnen doch für eine kurze Zeit zum Heiligtum geworden in den Ländern, in die sie gekommen sind.
Darum sprich: So spricht GOTT, der Herr: Ich will euch aus den Völkern sammeln und euch aus den Ländern, in die ihr zerstreut worden seid, wieder zusammenbringen und euch das Land Israel wieder geben!
Und sie werden dahin kommen und alle seine Scheusale und seine Gräuel daraus entfernen.
Ich aber will ihnen ein einiges Herz geben, ja, ich will einen neuen Geist in euer Innerstes legen; und ich will das steinerne Herz aus ihrem Leib nehmen und ihnen ein fleischernes Herz geben,
damit sie in meinen Satzungen wandeln und meine Rechtsordnungen bewahren und sie tun; und sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein.
Denen aber, deren Herz ihren Gräueln und Scheusalen nachwandelt, will ich ihren Wandel auf ihren Kopf vergelten! - spricht GOTT, der Herr.
Danach hoben die Cherubim ihre Flügel empor, und die Räder gingen vereint mit ihnen, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen.
Und die Herrlichkeit des HERRN stieg auf, mitten aus der Stadt, und blieb stehen auf dem Berg, der östlich von der Stadt liegt.
Mich aber nahm der Geist und führte mich im Gesicht, im Geist Gottes, wieder nach Chaldäa zu den Weggeführten; und die Erscheinung, die ich gesehen hatte, hob sich von mir hinweg.
Und ich redete zu den Weggeführten alle Worte des HERRN, die er mich hatte schauen lassen.

Gott ist hierbei also optimistisch genug, um zu verkünden, dass es helfen wird, wenn er seinen Geist in das Innere der jenigen Israeliten legt, die nach der Wegführung, wenn die angekündigten 70 Jahre vorbei sind, wieder zurück in ihr eigentliches Heimatland dürfen. Allerdings betont er auch deutlich, dass er sämtliche Götzendiener niemals ungestraft lassen wird.

Was ich auch bemerkenswert finde, ist, dass im Buch des Propheten Hesekiel ab Kapitel 40 das Aussehen des neuen Tempels beschrieben wird, welchen die Zurückgeholten Israeliten in Zukunft bauen müssen. Und dieser Bau ist später auch passiert, denn davon kann man im Buch Esra lesen. Ebenso beschreibt Hesekiel in den letzten paar Kapiteln seines Buches auch die Aufteilung der Länder bei der Rückführung und die Regeln für den Tempel.

Jedenfalls wissen wir dank dem Prophet Jeremia, dass vorher 70 Jahre Heimatlosigkeit auf alle Juden warteten. Und interessanterweise hat Gott sowas nicht nur über Juda beschlossen, sondern etwas Ähnliches auch über Ägypten. Denn über Ägypten ließ Gott durch Hesekiel Folgendes ausrichten in Kapitel 29 in Vers 9 bis 15:

Und das Land Ägypten soll zur Wüste und Einöde werden; und sie sollen erkennen, dass ich der HERR bin. Weil der Pharao sagt: »Der Strom gehört mir, und ich habe ihn gemacht!«,
darum, siehe, komme ich über dich und über deine Ströme, und ich will das Land Ägypten zu Trümmerstätten machen, zu einer schrecklichen Einöde, von Migdol bis nach Syjene, bis an die Grenze von Kusch.
Kein Fuß eines Menschen soll es durchwandern, auch kein Fuß eines Tieres soll es durchwandern, und es soll 40 Jahre lang unbewohnt bleiben.
Und ich will das Land Ägypten zu einer schrecklichen Wüste machen inmitten verwüsteter Länder, und seine Städte sollen unter zerstörten Städten 40 Jahre lang verwüstet sein. Aber die Ägypter will ich unter die Heidenvölker zerstreuen und in die Länder versprengen.
Dennoch spricht GOTT, der Herr, so: Wenn die 40 Jahre vollendet sind, will ich die Ägypter aus den Völkern, unter die sie zerstreut worden sind, wieder zusammenbringen;
und ich will das Geschick der Ägypter wenden; ja, in das Land Patros, in das Land ihres Ursprungs, will ich sie zurückbringen, dass sie dort ein geringes Königreich sein sollen.
Ja, es soll geringer sein als andere Königreiche, sodass es sich künftig nicht über die Völker erheben wird. Denn ich will sie so vermindern, dass sie nicht mehr über die Völker herrschen werden.

Ägypten war zur damaligen Zeit ein sehr mächtiges Land, aber heutzutage gibt es genug Länder, die viel mehr Wohlstand haben, darum ist davon auszugehen, dass diese Weissagung längst erfüllt wurde.

Nachdem wir nun all diese Dinge angeschaut haben, mit denen Hesekiel betraut war, lesen wir zum Abschluss mal eine besonders traurige Weissagung, die in Kapitel 34 steht. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 12:

Und das Wort des HERRN erging an mich folgendermaßen:
Menschensohn, weissage gegen die Hirten Israels, weissage und sprich zu ihnen, den Hirten: So spricht GOTT, der Herr: Wehe den Hirten Israels, die sich selbst weiden! Sollen die Hirten nicht die Herde weiden?
Das Fette verzehrt ihr, mit der Wolle bekleidet ihr euch, und das Gemästete schlachtet ihr, aber die Herde weidet ihr nicht!
Das Schwache stärkt ihr nicht, das Kranke heilt ihr nicht, das Verwundete verbindet ihr nicht, das Verscheuchte holt ihr nicht zurück, und das Verlorene sucht ihr nicht, sondern mit Gewalt und Härte herrscht ihr über sie!
Und so haben sie sich zerstreut, weil sie ohne Hirten waren, und sind allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden und haben sich zerstreut.
Auf allen Bergen und hohen Hügeln irren meine Schafe umher, und über das ganze Land sind meine Schafe zerstreut; und niemand ist da, der nach ihnen fragt, und niemand, der sie sucht.
Darum, ihr Hirten, hört das Wort des HERRN!
So wahr ich lebe, spricht GOTT, der Herr: Weil meine Schafe zum Raub geworden sind, ja, weil meine Schafe allen wilden Tieren des Feldes zum Fraß geworden sind, weil sie keinen Hirten haben und meine Hirten nicht nach meinen Schafen fragen, und weil die Hirten nur sich selbst weiden und nicht meine Schafe,
so hört, ihr Hirten, das Wort des HERRN!
So spricht GOTT, der Herr: Siehe, ich komme über die Hirten, und ich will meine Schafe von ihren Händen fordern und will ihrem Schafeweiden ein Ende machen, und die Hirten sollen nicht mehr sich selbst weiden; denn ich will meine Schafe aus ihrem Maul erretten, dass sie ihnen künftig nicht mehr zum Fraß dienen sollen.

Das Traurige an dieser in Sinnbildern ausgedrückten Weissagung ist, dass sie nicht nur damals auf das Volk Israel zugetroffen hat, sondern dass es auch heutzutage auf Gottes Volk zutrifft. Denn auch heutzutage ist es theoretisch dringend notwendig, dass Gott seine Schafe aus dem Maul der selbstsüchtigen Hirten rettet. Sowas versteht aber nur der Mensch, der für Gott mehr Liebe hat als für die Welt.

Und an dieser Stelle soll es genug sein, was wir uns über den Prophet Hesekiel angeschaut haben.

Danke für's Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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