Text zu "Bibellehre - Jakobs Flucht vor Esau"
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Hallo Leute und
willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
Im heutigen Video
machen wir uns mal mit einer komplexen Geschichte vertraut, die über
Jakob, den Sohn Isaaks, in der Bibel geschrieben steht. Dabei geht es
um die Geschichte, wie Jakob vor seinem Zwillingsbruder Esau flüchten
musste und sich lange Zeit von seinem Zuhause fernhielt.
Der Grund dafür,
dass Jakob fliehen musste, lag dabei, dass er seinen Zwillingsbruder
Esau sehr wütend gemacht hatte. Die Wut entstand hauptsächlich
durch zwei Ereignisse, welche für Esau höchst ärgerlich waren.
Von dem ersten
Ereignis liest man im ersten Buch Mose in Kapitel 25, wo geschrieben
steht in den Versen 27 bis 34:
Und als die Knaben
groß wurden, da wurde Esau ein tüchtiger Jäger, ein Mann des
freien Feldes; Jakob aber war ein sittsamer Mann, der bei den Zelten
blieb.
Und Isaak hatte den
Esau lieb, weil ihm das Wildbret mundete; Rebekka aber hatte den
Jakob lieb.
Und Jakob kochte ein
Gericht. Da kam Esau vom Feld und war erschöpft.
Und Esau sprach zu
Jakob: Lass mich von dem roten Gericht da hinunterschlingen, denn ich
bin erschöpft! Daher gab man ihm den Namen Edom.
Da sprach Jakob:
Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht!
Und Esau sprach zu
Jakob: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir das
Erstgeburtsrecht?
Jakob sprach: So
schwöre mir heute! Und er schwor ihm und verkaufte so dem Jakob sein
Erstgeburtsrecht.
Da gab Jakob dem
Esau Brot und das Linsengericht. Und er aß und trank und stand auf
und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.
An diesem Tag, als
Esau sein Erstgeburtsrecht gegen ein Mittagessen eintauschte, reute
es ihn zunächst nicht, aber später bedauerte er es dann sehr.
Und ein für Esau
weitaus schlimmeres Ereignis geschah, als Isaak, der Vater von Esau
und Jakob, schon ziemlich alt war. Wir lesen in Kapitel 27, Vers 1
bis 13:
Und es geschah, als
Isaak alt war und seine Augen dunkel wurden, sodass er nicht mehr
sehen konnte, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu
ihm: Mein Sohn! Er aber antwortete ihm: Hier bin ich!
Und er sprach:
Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe.
So nimm nun dein
Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen, und geh aufs Feld und
jage mir ein Wildbret,
und bereite mir ein
schmackhaftes Essen, wie ich es gern habe, und bring es mir herein,
dass ich esse, damit meine Seele dich segne, bevor ich sterbe!
Rebekka aber hörte
zu, als Isaak diese Worte zu seinem Sohn Esau sagte. Und Esau ging
aufs Feld, um ein Wildbret zu jagen und es heimzubringen.
Da redete Rebekka
mit ihrem Sohn Jakob und sprach: Siehe, ich habe gehört, wie dein
Vater mit deinem Bruder Esau redete und sagte:
»Bring mir ein
Wildbret und bereite mir ein schmackhaftes Gericht, dass ich esse und
dich segne vor dem Angesicht des HERRN, ehe ich sterbe!«
So gehorche nun,
mein Sohn, meiner Stimme und tue, was ich dir sage:
Geh hin zur Herde
und hole mir von dort zwei gute Ziegenböcklein, dass ich deinem
Vater ein schmackhaftes Gericht davon bereite, wie er es gern hat.
Das sollst du deinem
Vater hineintragen, damit er es isst und dich vor seinem Tod segnet!
Jakob aber sprach zu
seiner Mutter Rebekka: Siehe, mein Bruder Esau ist rau, und ich bin
glatt.
Vielleicht könnte
mein Vater mich betasten, da würde ich in seinen Augen als ein
Betrüger erscheinen; so brächte ich einen Fluch über mich und
nicht einen Segen!
Da sprach seine
Mutter zu ihm: Dein Fluch sei auf mir, mein Sohn! Gehorche du nur
meiner Stimme, geh hin und hole es mir!
Wie man an diesem
Text erkennt, wollte Isaak sich mal wieder ein Tier von Esau jagen
lassen und ein schmackhaftes Gericht essen, aber dies Mal auch mit
dem Versprechen, Segen über Esau auszurufen. Aber die Mutter von den
Zwillingsbrüdern, nämlich Rebekka, wollte lieber, dass Jakob den
Segen empfängt. Darum gab sie Jakob die Anweisung, seinen blinden
Vater zu betrügen. Sonderlich ehrenhaft ist das nicht. Sie hätte
vielmehr ins Gebet gehen sollen, um Gott darum anzuflehen, dass Jakob
diesen Segen erhalten soll. Aber das tat sie nicht, sondern wie immer
und wie alle anderen Menschen auch war sie der Meinung, diese Sache
aus ihrer eigenen Klugheit heraus erledigen zu müssen.
Wir werden aber auch
merken, dass Jakob leider sehr bereitwillig auf diesen Betrugsbefehl
reagierte, denn es steht geschrieben in den Versen 14 bis 29:
Da ging er hin und
holte es und brachte es seiner Mutter. Und seine Mutter machte ein
schmackhaftes Essen, wie es sein Vater gern hatte.
Rebekka nahm auch
die guten Kleider Esaus, ihres älteren Sohnes, die sie bei sich im
Haus hatte, und zog sie Jakob, ihrem jüngeren Sohn an.
Aber die Felle der
Ziegenböcklein legte sie ihm um die Hände, und wo er glatt war am
Hals;
und sie gab das
schmackhafte Essen und das Brot, das sie bereitet hatte, in die Hand
ihres Sohnes Jakob.
Und er ging hinein
zu seinem Vater und sprach: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich!
Wer bist du, mein Sohn?
Jakob sprach zu
seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener; ich habe getan, wie
du mir gesagt hast. Steh doch auf, setz dich und iss von meinem
Wildbret, damit mich deine Seele segne!
Isaak aber sprach zu
seinem Sohn: Mein Sohn, wie hast du es so bald gefunden? Er
antwortete: Der HERR, dein Gott, ließ es mir begegnen!
Da sprach Isaak zu
Jakob: Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du wirklich
mein Sohn Esau bist oder nicht!
Und Jakob trat zu
seinem Vater Isaak. Und als er ihn betastet hatte, sprach er: Die
Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände!
Aber er erkannte ihn
nicht, denn seine Hände waren rau, wie die Hände seines Bruders
Esau. Und so segnete er ihn.
Und er fragte ihn:
Bist du wirklich mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin’s!
Da sprach er: So
bringe es mir her, damit ich von dem Wildbret meines Sohnes esse,
dass dich meine Seele segne! Da brachte er es ihm, und er aß; er
reichte ihm auch Wein, und er trank.
Und Isaak, sein
Vater, sprach zu ihm: Komm her, mein Sohn, und küsse mich!
Und er trat hinzu
und küsste ihn. Und als er den Geruch seiner Kleider roch, segnete
er ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie ein Geruch
des Feldes, das der HERR gesegnet hat.
Gott gebe dir vom
Tau des Himmels und vom fettesten Boden und Korn und Most in Fülle!
Völker sollen dir
dienen und Geschlechter sich vor dir beugen; sei ein Herr über deine
Brüder, und die Söhne deiner Mutter sollen sich vor dir beugen.
Verflucht sei, wer dir fluucht, und gesegnet sei, wer dich segnet!
Durch diese
keineswegs vorbildlichen Verläufe war es also geschehen, dass Isaak
Segen über Jakob gesprochen hatte. Und Esau kam danach mit dem
Wildbret an und erfuhr, dass Isaak keinen Segen mehr sprechen kann
bzw. will, und Esau war hochgradig betrübt und entsetzt. Das
einzige, was Isaak noch über Esau aussprach, ist Folgendes laut den
Versen 39 und 40:
Da antwortete Isaak,
sein Vater, und sprach zu ihm: Siehe, fern vom Fett der Erde wird
dein Wohnsitz sein, und fern vom Tau des Himmels von oben.
Von deinem Schwert
wirst du leben und deinem Bruder dienen. Es wird aber geschehen, wenn
du dich befreien kannst, wirst du sein Joch von deinem Hals reißen.
Durch diese Worte
wird wohl ausgedrückt, dass die Nachkommen von Esau den nachkommen
Jakobs eine Zeit lang dienstbar sein müssen, aber doch irgendwann
Freiheit erlangen.
Und da diese Worte
jetzt nicht unbedingt ein Grund zu heller Freude sind, ist Esau
natürlich besonders wütend geworden und wir lesen in den Versen 41
bis 45:
Und Esau wurde dem
Jakob feind wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet hatte;
und Esau sprach in seinem Herzen: Die Zeit, da man um meinen Vater
trauern wird, ist nicht mehr weit; dann will ich meinen Bruder Jakob
umbringen!
Da wurden der
Rebekka die Worte Esaus, ihres älteren Sohnes, hinterbracht. Und sie
schickte hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sprach
zu ihm: Siehe, dein Bruder Esau will an dir Rache nehmen und dich
töten!
Und nun gehorche
meiner Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und flieh zu meinem Bruder
Laban, nach Haran,
und bleib eine Zeit
lang bei ihm, bis sich der Grimm deines Bruders gelegt hat
und bis sich sein
Zorn von dir wendet und er vergisst, was du ihm angetan hast; so will
ich dann nach dir schicken und dich von dort holen lassen. Warum
sollte ich an einem Tag euch beide verlieren?
An dieser Stelle
haben wir nun die Gründe für die Flucht erkannt, welche vor Jakob
lag. Esau war mordlüsternd geworden, weil Jakob ihm das
Erstgeburtsrecht und den Segen von Isaak genommen hatte. Isaak selbst
empfand es aber auch als das Beste, wenn Jakob die Heimat verlässt,
und demgemäß lesen wir Folgendes in Kapitel 28, Vers 1 bis 4:
Da rief Isaak den
Jakob, segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm keine Frau
von den Töchtern Kanaans!
Mache dich auf und
zieh nach Paddan-Aram, in das Haus Bethuels, des Vaters deiner
Mutter, und nimm dir von dort eine Frau von den Töchtern Labans, des
Bruders deiner Mutter!
Und Gott, der
Allmächtige, segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich,
dass du zu einer Menge von Völkern werdest,
und er gebe dir den
Segen Abraham, dir und deinem Samen mit dir, dass du das Land in
Besitz nimmst, in dem du als Fremdling lebst, das Gott dem Abraham
gegeben hat!
Dies sind also die
Worte, mit denen Jakob von seinem Vater verabschiedet wurde, als es
Zeit war, zu fliehen.
Über Jakobs Flucht
lesen wir zunächst Folgendes in den Versen 10 und 11:
Jakob aber zog von
Beerscheba aus und wanderte nach Haran.
Und er kam an einen
Ort, wo er über Nacht blieb; denn die Sonne war untergegangen. Und
er nahm von den Steinen jenes Orts und legte sie unter sein Haupt und
legte sich an dem Ort schlafen.
Diese Erzählung
klingt äußerst ungemütlich. Scheinbar ist Jakob ganz alleine
gegangen. Ohne Tiere, ohne Diener und ohne Reisebegleitung, auch ohne
Zelt oder sonstige Ausrüstung, sodass es nötig war, sich in die
freie Natur schlafen zu legen und einen Stein als Ersatz für ein
Kopfkissen zu benutzen. Das war bestimmt eine sehr unangenehme Nacht.
Was es aber über
diese Nacht sonst noch zu sagen gibt, darüber lesen wir ab Vers 12:
Und er hatte einen
Traum; und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, die reichte
mit der Spitze bis an den Himmel. Und siehe, auf ihr stiegen die
Engel Gottes auf und nieder.
Und siehe, der HERR
stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters
Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, will ich
dir und deinem Samen geben.
Und dein Same soll
werden wie der Staub der Erde, und nach Westen, Osten, Norden und
Süden sollst du dich ausbreiten; und in dir und in deinem Samen
sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!
Und siehe, ich bin
mit dir, und ich will dich behüten überall, wo du hinziehst, und
dich wieder in dieses Land bringen. Denn ich will dich nicht
verlassen, bis ich vollbracht habe, was ich dir zugesagt habe!
Wie wir sehen, hat
Gott sich dem Jakob in einem Traum offenbart und ihm zugesichert, ihn
zu behüten und seine Nachkommen zu mehren. Trotz des schlimmen
Zustandes, in dem Jakob die Nacht überstehen musste, war vermutlich
diese Zusage eine Ermutigung für ihn.
Wie Jakob nach dem
Aufwachen auf das Erlebte reagierte, lesen wir ab Vers 16. Es steht
geschrieben:
Als nun Jakob von
seinem Schlaf erwachte, sprach er: Wahrlich, der HERR ist an diesem
Ort, und ich wusste es nicht!
Und er fürchtete
sich und sprach: Wie furchtgebietend ist diese Stätte! Hier ist
nichts anderes als das Haus Gottes, und dies ist die Pforte des
Himmels!
Und Jakob stand am
Morgen früh auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt
hatte, und richtete ihn auf zu einem Gedenkstein und goss Öl auf
seine Spitze,
und er gab diesem
Ort den Namen Bethel; zuvor aber hieß die Stadt Lus.
Und Jakob legte ein
Gelübde ab und sprach: Wenn Gott mit mir sein und mich behüten wird
auf dem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen geben wird und
Kleider anzuziehen
und mich wieder mit
Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der HERR mein Gott sein;
und dieser Stein,
den ich als Gedenkstein aufgerichtet habe, soll ein Haus Gottes
werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir gewisslich den
Zehnten geben!
An dieser Erzählung
lässt sich feststellen, dass Jakob zuerst große Ehrfurcht hatte,
allerdings auch ein bisschen Zweifel, denn er sagt in seinem Gelübde,
dass er den Zehnten für Gott hergeben will, wenn Gott ihn
tatsächlich dadurch behütet, dass er ihm Speise und Kleidung
zukommen lässt und ihn eines Tages wieder nach Hause zu Isaak
bringt.
Jakob setzte dann
aber seine Reise fort und gelangte nahe an den Ort, wo der Bruder
seiner Mutter wohnte, nämlich Laban. Darüber lesen wir Folgendes in
Kapitel 29 Vers 1 bis 14:
Da machte sich Jakob
wieder auf den Weg und ging ins Land der Söhne des Ostens.
Und er sah sich um
und siehe, da war ein Brunnen auf dem Feld, und siehe, drei Herden
Schafe lagen dabei; denn von dem Brunnen mussten die Herden trinken.
Und ein großer Stein lag über der Öffnung des Brunnens.
Und sie pflegten
alle Herden dort zu versammeln und den Stein von der Öffnung des
Brunnens wegzuwälzen und die Schafe zu tränken, und dann brachten
sie den Stein wieder an seinen Ort, über die Öffnung des Brunnens.
Und Jakob sprach zu
ihnen: Meine Brüder, woher seid ihr? Sie antworteten: Wir sind von
Haran.
Er sprach zu ihnen:
Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors? Sie antworteten: Wir kennen
ihn wohl!
Er sprach zu ihnen:
Geht es ihm gut? Sie antworteten: Es geht ihm gut; und siehe, da
kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen!
Er sprach: Siehe, es
ist noch heller Tag und noch nicht Zeit, das Vieh einzutreiben;
tränkt die Schafe und geht hin, weidet sie!
Sie antworteten: Wir
können es nicht, ehe alle Herden zusammengebracht sind und sie den
Stein von der Öffnung des Brunnens wälzen; dann können wir die
Schafe tränken.
Als er noch mit
ihnen redete, kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters; denn sie war
eine Hirtin.
Und es geschah, als
Jakob Rahel sah, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und
die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, da trat er hinzu und
wälzte den Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkte die
Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter.
Und Jakob küsste
Rahel und erhob seine Stimme und weinte.
Da sagte Jakob der
Rahel, dass er der Bruder ihres Vaters und der Sohn der Rebekka sei.
Da lief sie und sagte es ihrem Vater.
Und es geschah, als
Laban die Nachricht von Jakob, dem Sohn seiner Schwester hörte, da
lief er ihm entgegen, umarmte und küsste ihn und führte ihn in sein
Haus. Da erzählte er Laban diese ganze Geschichte.
Da sprach Laban zu
ihm: Fürwahr, du bist mein Gebein und mein Fleisch! Und er blieb bei
ihm einen Monat lang.
Hier hat es ganz
schön viele Küsse gegeben. Es sind damit Aber Begrüßungsküsse
gemeint und keine lüsternen Küsse. Ich weiß auch nicht so recht,
warum Jakob weinte, aber ich kann mir vorstellen, dass es so war,
weil er auf der Flucht war und nicht wusste, wo er wohnen kann und ob
er im Haus von Laban überhaupt aufgenommen wird. Denn es hätte ja
auch sein können, dass Jakob abgewiesen wird. Dann hätte er nicht
gewusst, wo er hin soll, und er war ganz alleine unterwegs.
Jedenfalls nahm Laban ihn bereitwillig bei sich auf, und Jakob machte
sich wahrscheinlich jeden Tag dadurch nützlich, dass er beim
Versorgen der Schafe half. Somit war nun Jakob kein einsam
umherwandernder Verstoßener mehr, sondern hatte bei seinem Onkel
Laban Zuflucht gefunden.
Als nächstes lesen
wir in den Versen 15 bis 25:
Danach sprach Laban
zu Jakob: Solltest du mir darum umsonst dienen, weil du mein Neffe
bist? Sage mir, was soll dein Lohn sein?
Laban aber hatte
zwei Töchter; die ältere hieß Lea und die jüngere Rahel.
Und Lea hatte matte
Augen, Rahel aber hatte eine schöne Gestalt und ein schönes
Angesicht.
Und Jakob liebte
Rahel, und so sprach er: Ich will dir sieben Jahre lang dienen um
Rahel, deine jüngere Tochter!
Da antwortete Laban:
Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen Mann; bleibe bei
mir!
So diente Jakob um
Rahel sieben Jahre lang, und sie kamen ihm vor wie einzelne Tage, so
lieb hatte er sie.
Und Jakob sprach zu
Laban: Gib mir meine Frau, dass ich zu ihr eingehe, denn meine Zeit
ist erfüllt!
Da lud Laban alle
Leute des Ortes ein und machte ein Mahl.
Und es geschah am
Abend, da nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm hinein;
und er ging zu ihr ein.
Und Laban gab seine
Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd.
Und es geschah am
Morgen, siehe, da war es Lea! Und er sprach zu Laban: Warum hast du
mir das getan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du
mich denn betrogen?
Hier sehen wir nun,
dass Jakob betrogen wurde, gleichwie er auch selber ein Betrüger
gewesen war gegenüber seinem Bruder Esau. Jakob war dadurch von
Laban betrogen worden, dass er eigentlich die jüngere Schwester
heiraten wollte, nämlich Rahel, aber Laban hat ihm stattdessen
mitten in der Hochzeitsnacht die ältere Tochter in die Schlafkammer
geschickt. Und Jakob hatte es nicht erkannt. So wurde Jakob betrogen,
gleichwie er auch selbst Betrug verübt hatte in alten Tagen.
Welchen Grund aber
Laban für seine Entscheidung nannte, lesen wir ab Vers 26. Es steht
geschrieben:
Laban antwortete: Es
ist nicht Sitte in unserem Ort, dass man die Jüngere vor der Älteren
weggibt.
Vollende die
Hochzeits-Woche mit dieser, so wollen wir dir jene auch geben, für
den Dienst, den du mir noch weitere sieben Jahre lang leisten sollst!
Und Jakob machte es
so und vollendete die Hochzeits-Woche mit dieser. Da gab er ihm
Rahel, seine Tochter, zur Frau.
Und Laban gab seiner
Tochter Rahel seine Magd Bilha zur Magd.
So ging er auch zu
Rahel ein; und er hatte Rahel lieber als Lea. Und er diente ihm noch
weitere sieben Jahre lang.
Weil es also nicht
Sitte ist, durfte Jakob nicht zuerst die Jüngere nehmen, sondern
erst hinterher, und wurde zu weiteren sieben Jahren Dienst
verdonnert.
Es waren aber beide
Frauen unfruchtbar. Und da nun Jakob nur eine von beiden Frauen
liebte, nämlich Rahel, traf Gott die Entscheidung, der ungeliebten
Frau einen gewissen Vorteil zu verschaffen. Auch wenn das die
Eifersucht zwischen beiden Frauen nur noch mehr anfachen würde. Wir
lesen Folgendes in den Versen 31 bis 35:
Als aber der HERR
sah, dass Lea verschmäht war, da öffnete er ihren Mutterschoß;
Rahel aber war unfruchtbar.
Und Lea wurde
schwanger und gebar einen Sohn, dem gab sie den Namen Ruben. Denn sie
sprach: Weil der HERR mein Elend angesehen hat, so wird mich nun mein
Mann lieb gewinnen!
Und sie wurde wieder
schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Weil der HERR gehört hat,
dass ich verschmäht bin, so hat er mir auch diesen gegeben! Und sie
gab ihm den Namen Simeon.
Und sie wurde wieder
schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun wird mein Mann mir
anhänglich sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren! Darum gab
man ihm den Namen Levi.
Und sie wurde noch
einmal schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun will ich den
HERRN preisen! Darum gab sie ihm den Namen Juda; und sie hörte auf
mit Gebären.
Die ungeliebte Frau
Lea konnte also für Jakob 4 Söhne gebären, während Rahel
unfruchtbar blieb. Und dadurch wurden die Dinge sehr chaotisch, denn
Rahel wollte diesem Umstand unbedingt irgendwas entgegensetzen.
Deswegen entschied sie in ihrer Kleingeistigkeit Folgendes laut
Kapitel 30, Vers 1 bis 8:
Als aber Rahel sah,
dass sie dem Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf
ihre Schwester und sprach zu Jakob: Schaffe mir Kinder! Wenn nicht,
so sterbe ich!
Jakob aber wurde
sehr zornig auf Rahel und sprach: Bin ich denn an Gottes Stelle, der
dir Leibesfrucht versagt?
Sie aber sprach:
Siehe, da ist meine Magd Bilha, gehe zu ihr ein, dass sie in meinen
Schoß gebäre und ich doch durch sie Nachkommen erhalte!
Und sie gab ihm ihre
Magd Bilha zur Frau, und Jakob ging zu ihr ein.
Bilha aber wurde
schwanger und gebar dem Jakob einen Sohn.
Da sprach Rahel:
Gott hat mir Recht verschafft und meine Stimme erhört und mir einen
Sohn gegeben! Darum gab sie ihm den Namen Dan.
Und Bilha, die Magd
Rahels, wurde nochmals schwanger und gebar dem Jakob einen zweiten
Sohn.
Da sprach Rahel:
Kämpfe Gottes habe ich mit meiner Schwester gekämpft und habe auch
gewonnen! Darum gab sie ihm den Namen Naphtali.
Wie man sieht,
sollte Jakob auf den Befehl seiner Frau Rahel hin mit der Dienstmagd
ins Bett steigen, sodass Rahel sich die Kinder nehmen kann. Dieser
Verlauf ist weder heilig noch sonst in irgendeiner Weise vorbildlich.
Es ist wiedereinmal menschliche Idiotie, die von Gott nicht befohlen
war, aber offenbar geduldet wurde. Und wenn ihr meint, dass dies
bereits verrückt ist, dann muss ich euch sagen: Es geht sogar
schlimmer. Denn die Frau Lea, welche dem Jakob schon 4 Söhne geboren
hatte, zeigte folgende Reaktion laut den Versen 9 bis 13:
Als nun Lea sah,
dass sie aufgehört hatte zu gebären, nahm sie ihre Magd Silpa und
gab sie Jakob zur Frau.
Und Silpa, Leas
Magd, gebar dem Jakob einen Sohn.
Da sprach Lea: Ich
habe Glück! Und sie gab ihm den Namen Gad.
Danach gebar Silpa,
Leas Magd, dem Jakob einen zweiten Sohn.
Da sprach Lea: Wohl
mir! Die Töchter werden mich glücklich preisen! Und sie gab ihm den
Namen Asser.
Man merkt an dieser
Erzählung eigentlich nur, dass die Menschen zur damaligen Zeit enorm
verkorkste Individuen gewesen sind. Lea hat allen Ernstes befohlen,
dass Jakob auch mit ihrer eigenen Dienstmagd ins Bett steigen soll,
weil er mit der Dienstmagd von Rahel zwei Kinder hatte und sie
dagegen ankämpfen wollte. Bei solchem Verhalten kann man sich
eigentlich nur noch an den Kopf greifen. Und wir in unserer heutigen
Zeit können daraus überhaupt nichts Gutes lernen. Wir können es
nur nüchtern als Information hinnehmen, dass die Dinge damals so
gewesen sind.
Jedenfalls zeugte
Jakob dann zusammen mit Lea noch zwei weitere Söhne, nämlich einmal
Issaschar und dann noch Sebulon. Und es geschah auch, dass Lea dem
Jakob eine Tochter gebar, und diese bekam den Name Dina. Darüber
hinaus lesen wir auch Folgendes in den Versen 22 bis 24;
Aber Gott gedachte
an Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß.
Und sie wurde
schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von
mir genommen!
Und sie gab ihm den
Namen Joseph und sprach: Der HERR wolle mir noch einen Sohn
dazugeben!
Somit hatte nun also
auch endlich die einzige Frau, die wirklich von Jakob geliebt wurde,
einen eigenen Sohn gebären können. Und logischerweise war das dann
der Lieblingssohn.
In den weiteren
Versen des Kapitels liest man davon, dass der Onkel von Jakob, also
Laban, nicht gerade wohlhabend gewesen war, als Jakob ankam. Aber in
all den Jahren, die Jakob da war, war alles gesegnet und Jakob hatte
sich auch ordentlich um die Tiere gekümmert. Nun wollte Jakob das
Wagnis eingehen, wieder nach Hause zurückzukehren, zusammen mit
seinen Frauen und Kindern. Aber Laban war knausrig und wollte ihn
nicht wirklich gehen lassen, schon gar nicht mit großem Lohn. Da
diente Jakob noch länger, um sich einige Tiere als Bezahlung zu
verdienen. Und es wurde beschlossen, dass Jakob alle Tiere der Herde
bekommen sollte, die geflecktes oder gesprenkeltes Fell haben.
Nachdem aber dies beschlossen war, beging Jakob schonwieder einen
Betrug, indem er die Tiere manipulierte, sodass der Nachwuchs von den
gefleckten und gesprenkelten Tieren zahlreich, gesund und kräftig
wurde, die anderen aber nicht. Und deswegen war Laban immer
missmutiger und frustrierter gegenüber Jakob.
Schließlich liest
man in Kapitel 31 davon, dass Jakob seine Frauen samt den Kindern und
den erworbenen Tieren mitnehmen wollte, um ohne vorherige Erlaubnis
den Hof von Laban zu verlassen. Und Jakobs Frauen hielten zu ihm,
deswegen machten sich alle gemeinsam auf den Weg. Und Rahel hatte
ihrem Vater sogar ein Götzenbild von hohem Geldwert geklaut.
Da ging Laban mit
seinen Brüdern hin, um Jakob einzuholen. Aber Gott erschien vor
Laban und warnte ihn, dass er sich davor hüten soll, mit Jakob
anders als freundlich zu reden.
Jedenfalls hat Jakob
sich dann erstmal mit Laban gestritten, da Laban ein sehr geiziger
Mann war und die harte Arbeit nicht würdigte, welche Jakob insgesamt
20 Jahre lang geleistet hatte. Und letztlich kamen sie zu dem
Schluss, dass es für sie künftig besser sei, einander aus dem Weg
zu gehen.
Schließlich lesen
wir dann Folgendes laut Kapitel 32, Vers 1 bis 7:
Und Laban stand am
Morgen früh auf, küsste seine Enkel und seine Töchter und segnete
sie; dann ging er und kehrte wieder an seinen Ort zurück.
Jakob aber ging
seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes.
Und als er sie sah,
sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Und er gab jenem Ort den
Namen Mahanajim.
Und Jakob sandte
Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seir, in das Gebiet
von Edom.
Diesen gebot er und
sprach: So sollt ihr zu meinem Herrn Esau sagen: So spricht dein
Knecht Jakob: Ich bin bei Laban in der Fremde gewesen und habe mich
bisher bei ihm aufgehalten,
und ich habe Rinder,
Esel und Schafe, Knechte und Mägde erworben; und ich sende nun
Boten, um es meinem Herrn zu berichten, damit ich Gnade finde vor
deinen Augen!
Und die Boten
kehrten wieder zu Jakob zurück und berichteten ihm: Wir sind zu
deinem Bruder Esau gekommen; und er zieht dir auch schon entgegen und
400 Mann mit ihm!
Nachdem also Jakob
ungefähr 20 Jahre von Esau fern gewesen war, wollte er ihm nun
gegenübertreten und Geschenke geben. Aber die Boten, die voraus
gesandt waren, kamen wieder und berichteten, dass Esau ihm bereits
mit 400 Mann entgegen marschiert. Sonderlich Zuversicht erweckend
klingt das nicht. Eher so, als würde Esau einen Rachefeldzug
starten.
Einen großen Teil
der Reaktion Jakobs lesen wir uns als nächstes durch. Es steht
geschrieben in den Versen 8 bis 12:
Da fürchtete sich
Jakob sehr, und es wurde ihm angst. Und er teilte das Volk, das bei
ihm war, und die Schafe, Rinder und Kamele in zwei Lager;
denn er sprach: Wenn
Esau das eine Lager überfällt und es schlägt, so kann doch das
übrig gebliebene Lager entkommen!
Und Jakob sprach: Du
Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, HERR, der du
zu mir gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner
Verwandtschaft zurück; ich will dir wohltun!
Ich bin zu gering
für alle Gnade und Treue, die du an deinem Knecht bewiesen hast!
Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über diesen Jordan ging, und
nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden.
Errette mich doch
aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus; denn ich fürchte
ihn; er könnte kommen und mich erschlagen, die Mutter samt den
Kindern!
Jakob wandte sich
also in seiner Angst an Gott. Und am nächsten Morgen teilte er alle
Knechte samt Tieren und Gaben in Gruppen ein, und jede einzelne
Gruppe sollte vor ihm her gehen und Esau ankündigen, dass er
beschenkt wird. Auf diese Art war Jakob unterwegs, um Esau entgegen
zu reisen.
Als nächstes lesen
wir von einer Begebenheit, die während der Reise geschah und
reichlich ungenau aufgeschrieben wurde. Sie ist so verkorkst
aufgeschrieben, dass ich bis zum heutigen Tag keine Ahnung habe, was
damit nun wirklich gemeint ist. Es steht geschrieben in den Versen 22
bis 33:
Und das Geschenk zog
vor ihm hinüber; er aber blieb in jener Nacht im Lager.
Er stand aber noch
in derselben Nacht auf und nahm seine beiden Frauen und seine beiden
Mägde samt seinen elf Kindern und überschritt mit ihnen die Furt
Jabbok;
und er nahm sie und
führte sie über den Fluss und ließ alles, was er hatte,
hinübergehen.
Jakob aber blieb
allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte
anbrach.
Und als dieser sah,
dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk
an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm.
Und der Mann sprach:
Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach:
Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich!
Da fragte er ihn:
Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob!
Da sprach er: Dein
Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit
Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!
Jakob aber bat und
sprach: Lass mich doch deinen Namen wissen! Er aber antwortete: Warum
fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort.
Jakob aber nannte
den Ort Pniel; denn er sprach: Ich habe Gott von Angesicht zu
Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden!
Und die Sonne ging
ihm auf, als er an Pniel vorüberzog; und er hinkte wegen seiner
Hüfte.
Darum essen die
Kinder Israels bis zum heutigen Tag die Sehne nicht, die über das
Hüftgelenk läuft, weil Er Jakobs Hüftgelenk, die Hüftsehne,
angerührt hat.
Bei dieser Erzählung
wird wohl so ziemlich jeder Mensch mit einem Fragezeichen über dem
Kopf zurückbleiben. Ein Mann hatte einen Ringkampf gegen Jakob
ausgefochten, und dann wird gesagt, dass Jakob Gott gesehen und gegen
Gott gewonnen hat? Was ist das denn bitte für ein konfuses
Gequatsche? Und warum hatte das Wesen, das zu Jakob gekommen war, ein
Problem damit, dass das Sonnenlicht sich zeigte und die Morgenröte
anbrach? Und wie könnte überhaupt irgendwer davon ausgehen, dass
Gott unfähig ist, einen Ringkampf gegen Jakob zu gewinnen?
Irgendetwas stimmt
mit diesem Text nicht.
Ich kann euch aber
nun auch nicht mit Gewissheit sagen, was wirklich los war an diesem
Tag. Ich vermute, dass ein gefallener Engel ankam, um Jakob zu
attackieren, damit sich die Prophezeiungen über die Entstehung des
Volkes Israel nicht erfüllen, aber der gefallene Engel hatte eine so
geringe Kraft, dass er nichtmal einen Ringkampf gegen Jakob gewinnen
konnte. Eventuell hat auch Gott bei dem Kampf übernatürlich
eingegriffen, um Jakob zu beschützen. Somit war der gefallene Engel
machtlos. Und deswegen hat Jakob dann auch gestaunt, weil Gott ihm
durch eine Geisteswirkung die Unterstützung gab, die nötig war, um
gegen den gefallenen Engel zu bestehen.
Das wäre durchaus
möglich.
Und da wir dieses
höchst eigenartige Gerede aus dem ersten Buch Mose besprochen haben,
wollen wir mal schauen, was nun wirklich geschah als Jakob und Esau
aufeinander trafen. Es steht darüber folgendes geschrieben in
Kapitel 33, Vers 1 bis 9:
Und Jakob erhob
seine Augen und schaute, und siehe, Esau kam heran und 400 Mann mit
ihm. Da verteilte er die Kinder auf Lea und auf Rahel und auf die
beiden Mägde.
Und er stellte die
Mägde mit ihren Kindern voran und Lea mit ihren Kindern danach und
Rahel mit Joseph zuletzt.
Er selbst aber ging
ihnen voraus und verneigte sich siebenmal zur Erde, bis er nahe zu
seinem Bruder kam.
Da lief ihm Esau
entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn; und sie
weinten.
Als aber Esau seine
Augen erhob, sah er die Frauen und die Kinder und sprach: Gehören
diese dir? Er antwortete: Es sind die Kinder, mit denen Gott deinen
Knecht begnadigt hat!
Da traten die Mägde
herzu samt ihren Kindern und verneigten sich.
Auch Lea kam herbei
mit ihren Kindern, und sie verneigten sich; danach kam Joseph mit
Rahel herbei, und auch sie verneigten sich.
Und er fragte: Was
willst du denn mit jenem ganzen Heer, dem ich begegnet bin? Jakob
antwortete: Ich wollte Gnade finden in den Augen meines Herrn!
Esau antwortete: Ich
habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast!
Trotz der enormen
Ärgernisse, die Esau durch Jakob erlebt hatte, entschied er sich an
diesem Tag offensichtlich dazu, seinem Zwillingsbruder friedlich
gegenüberzutreten.
Es kann sich wohl
jeder denken, dass Jakob danach mit einem deutlich leichteren Herz
nach Hause reiste als zuvor. Esau war ihm vorausgegangen, und Jakob
musste sich erstmal in einer Stadt namens Sukkot niederlassen, damit
alle Weidentiere sich ausruhen können. Und als er weiter in Richtung
Heimat reiste, kam er auch zu einer Stadt namens Sichem, wo etwas
ziemlich Übles passierte. Es steht geschrieben in Kapitel 34, Vers 1
bis 27:
Dina aber, Leas
Tochter, die sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, um die Töchter
des Landes zu sehen.
Als nun Sichem, der
Sohn des hewitischen Landesfürsten Hemor, sie sah, nahm er sie und
legte sich zu ihr und tat ihr Gewalt an.
Und seine Seele hing
an Dina, der Tochter Jakobs, und er gewann das Mädchen lieb und
redete ihr zu.
Und Sichem sprach zu
seinem Vater Hemor: Nimm mir dieses Mädchen zur Frau!
Jakob aber hatte
vernommen, dass man seine Tochter Dina entehrt hatte. Weil aber seine
Söhne beim Vieh auf dem Feld waren, schwieg er, bis sie kamen.
Und Hemor, der Vater
Sichems, kam zu Jakob, um mit ihm zu reden.
Als aber die Söhne
Jakobs dies hörten, kamen sie vom Feld; und die Männer waren schwer
beleidigt und sehr entrüstet, dass man eine solche Schandtat an
Israel begangen und bei Jakobs Tochter gelegen hatte; denn dies
durfte man nicht tun.
Hemor aber redete
mit ihnen und sprach: Mein Sohn Sichem hängt an eurer Tochter; gebt
sie ihm doch zur Frau!
Verschwägert euch
mit uns; gebt uns eure Töchter und nehmt ihr unsere Töchter!
Bleibt bei uns; das
Land soll euch offenstehen; siedelt euch an, treibt Handel darin und
erwerbt Grundbesitz!
Und Sichem sprach zu
ihrem Vater und zu ihren Brüdern: Lasst mich Gnade finden vor euren
Augen; was ihr von mir fordert, das will ich geben!
Ihr könnt von mir
noch so viel Heiratsgaben und Geschenke verlangen, ich will es geben,
sobald ihr es fordert; gebt mir nur das Mädchen zur Frau!
Da antworteten die
Söhne Jakobs dem Sichem und seinem Vater Hemor in trügerischer
Weise, weil er ihre Schwester Dina entehrt hatte,
und sie sprachen zu
ihnen: Wir können das nicht tun, dass wir unsere Schwester einem
unbeschnittenen Mann geben; denn das wäre eine Schande für uns;
nur unter einer
Bedingung können wir eurem Wunsch entsprechen, dass ihr nämlich
werdet wie wir, indem ihr alles, was männlich ist, beschneiden
lasst!
Dann wollen wir euch
unsere Töchter geben und uns eure Töchter nehmen und mit euch
zusammenwohnen und zu einem Volk werden.
Wollt ihr aber nicht
auf uns hören, dass ihr euch beschneiden lasst, so nehmen wir unsere
Tochter und gehen!
Ihre Rede gefiel
Hemor und seinem Sohn Sichem gut;
und der junge Mann
zögerte nicht, dies zu tun; denn ihm gefiel die Tochter Jakobs, und
er war der Angesehenste vom Haus seines Vaters.
Als nun Hemor und
sein Sohn Sichem zum Tor ihrer Stadt kamen, redeten sie mit den
Bürgern ihrer Stadt und sprachen:
Diese Leute meinen
es gut mit uns; sie sollen im Land wohnen und darin Handel treiben!
Hat doch das Land Raum genug für sie. Wir wollen uns ihre Töchter
zu Frauen nehmen und ihnen unsere Töchter geben.
Nur das verlangen
sie von uns, wenn sie unter uns wohnen und sich mit uns zu einem Volk
verschmelzen sollen, dass wir alles, was unter uns männlich ist,
beschneiden, gleichwie auch sie beschnitten sind.
Ihre Herden und ihre
Habe und all ihr Vieh werden dann uns gehören; lasst uns nur ihrem
Wunsch entsprechen, damit sie bei uns bleiben!
Da hörten alle auf
Hemor und seinen Sohn Sichem, die im Tor seiner Stadt aus- und
eingingen, und alles, was männlich war, wurde beschnitten, alle, die
im Tor seiner Stadt aus- und eingingen.
Es geschah aber am
dritten Tag, als sie wundkrank waren, da nahmen die beiden Söhne
Jakobs, Simeon und Levi, Dinas Brüder, jeder sein Schwert und
drangen überraschend in die Stadt ein und brachten alles Männliche
um.
Auch Hemor und
dessen Sohn Sichem töteten sie mit der Schärfe des Schwertes, und
sie holten Dina aus dem Haus Sichems und gingen davon.
Die Söhne Jakobs
aber kamen über die Erschlagenen und plünderten die Stadt, weil man
ihre Schwester entehrt hatte.
Diese Geschichte ist
in jeder Hinsicht brutal, sowohl dadurch, dass die einzige Tochter
von Jakob in übelster Weise geschändet wurde, als auch durch die
grimmige Racheaktion der Söhne Jakobs. Gott selbst hatte zu dem
Geschehenen überhaupt nichts zu sagen, zumindest liest man nicht
davon, dass er einen Kommentar abgab.
Ein paar andere
Sachen sagte Gott aber zu Jakob, und davon liest man in Kapitel 35.
Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 12:
Und Gott sprach zu
Jakob: Mache dich auf, zieh hinauf nach Bethel und wohne dort und
baue dort einen Altar für den Gott, der dir erschienen ist, als du
vor deinem Bruder Esau geflohen bist!
Da sprach Jakob zu
seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut die fremden Götter
von euch weg, die in eurer Mitte sind, und reinigt euch und wechselt
eure Kleider!
So wollen wir uns
aufmachen und nach Bethel hinaufziehen, dass ich dort einen Altar
errichte für den Gott, der mir geantwortet hat zur Zeit meiner Not
und der mit mir gewesen ist auf dem Weg, den ich gezogen bin!
Da lieferten sie
Jakob alle fremden Götter aus, die in ihren Händen waren, samt den
Ringen, die sie an ihren Ohren trugen, und Jakob verbarg sie unter
der Terebinthe, die bei Sichem steht.
Danach brachen sie
auf; und der Schrecken Gottes fiel auf die umliegenden Städte,
sodass sie die Söhne Jakobs nicht verfolgten.
Als nun Jakob, er
und das ganze Volk, das bei ihm war, nach Lus kamen – das ist
Bethel – das im Land Kanaan liegt,
da baute er dort
einen Altar und nannte den Ort »El-Bethel«, weil sich Gott ihm dort
geoffenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh.
Da starb Debora, die
Amme der Rebekka, und wurde unterhalb von Bethel begraben, unter der
Eiche, die man Klageeiche nennt.
Und Gott erschien
Jakob zum zweiten Mal, seitdem er aus Paddan-Aramm gekommen war, und
segnete ihn.
Und Gott sprach zu
ihm: Dein Name ist Jakob, aber du sollst nicht mehr Jakob heißen,
sondern Israel soll dein Name sein! Und so gab er ihm den Namen
Israel.
Und Gott sprach zu
ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige, sei fruchtbar und mehre dich!
Ein Volk und eine Menge von Völkern soll von dir kommen, und Könige
sollen aus deinen Lenden hervorgehen;
das Land aber, das
ich Abraham und Isaak gegeben habe, das will ich dir und deinem Samen
nach dir geben!
Hier geschah es
offiziell, und zwar durch den echten lebendigen Gott, dass Jakob in
Israel umbenannt wurde und die Verheißung bestätigt bekam, die er
schon zuvor gehört hatte. Aber seine Frau Rahel, die nochmal
schwanger geworden war, starb bei der Geburt seines zweiten Sohnes,
und der Sohn wurde Benjamin genannt.
Somit hatte nun
Jakob einen Grund zur Trauer, aber es steht nicht wirklich etwas über
diese Trauer geschrieben.
Wir lesen aber
davon, dass auch Isaak einige Zeit später starb, und dass Jakob und
Esau ihn gemeinsam begruben, was ein Anzeichen dafür ist, dass sie
sich wirklich ausgesöhnt hatten, als Jakob wieder zu Hause war.
Und nachdem wir uns
nun all dies angeschaut haben, endet das heutige Video über Jakobs
Flucht vor Esau.
Danke für's Zuhören
und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus
Christus mit euch sein!
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