Text zu "Bibellehre - Jakobs Flucht vor Esau"

Link zum Video: https://www.youtube.com/watch?v=wFmSETjA7lQ

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Im heutigen Video machen wir uns mal mit einer komplexen Geschichte vertraut, die über Jakob, den Sohn Isaaks, in der Bibel geschrieben steht. Dabei geht es um die Geschichte, wie Jakob vor seinem Zwillingsbruder Esau flüchten musste und sich lange Zeit von seinem Zuhause fernhielt.

Der Grund dafür, dass Jakob fliehen musste, lag dabei, dass er seinen Zwillingsbruder Esau sehr wütend gemacht hatte. Die Wut entstand hauptsächlich durch zwei Ereignisse, welche für Esau höchst ärgerlich waren.

Von dem ersten Ereignis liest man im ersten Buch Mose in Kapitel 25, wo geschrieben steht in den Versen 27 bis 34:

Und als die Knaben groß wurden, da wurde Esau ein tüchtiger Jäger, ein Mann des freien Feldes; Jakob aber war ein sittsamer Mann, der bei den Zelten blieb.
Und Isaak hatte den Esau lieb, weil ihm das Wildbret mundete; Rebekka aber hatte den Jakob lieb.
Und Jakob kochte ein Gericht. Da kam Esau vom Feld und war erschöpft.
Und Esau sprach zu Jakob: Lass mich von dem roten Gericht da hinunterschlingen, denn ich bin erschöpft! Daher gab man ihm den Namen Edom.
Da sprach Jakob: Verkaufe mir heute dein Erstgeburtsrecht!
Und Esau sprach zu Jakob: Siehe, ich muss doch sterben; was soll mir das Erstgeburtsrecht?
Jakob sprach: So schwöre mir heute! Und er schwor ihm und verkaufte so dem Jakob sein Erstgeburtsrecht.
Da gab Jakob dem Esau Brot und das Linsengericht. Und er aß und trank und stand auf und ging davon. So verachtete Esau das Erstgeburtsrecht.

An diesem Tag, als Esau sein Erstgeburtsrecht gegen ein Mittagessen eintauschte, reute es ihn zunächst nicht, aber später bedauerte er es dann sehr.
Und ein für Esau weitaus schlimmeres Ereignis geschah, als Isaak, der Vater von Esau und Jakob, schon ziemlich alt war. Wir lesen in Kapitel 27, Vers 1 bis 13:

Und es geschah, als Isaak alt war und seine Augen dunkel wurden, sodass er nicht mehr sehen konnte, da rief er Esau, seinen älteren Sohn, und sprach zu ihm: Mein Sohn! Er aber antwortete ihm: Hier bin ich!
Und er sprach: Siehe, ich bin alt und weiß nicht, wann ich sterbe.
So nimm nun dein Jagdgerät, deinen Köcher und deinen Bogen, und geh aufs Feld und jage mir ein Wildbret,
und bereite mir ein schmackhaftes Essen, wie ich es gern habe, und bring es mir herein, dass ich esse, damit meine Seele dich segne, bevor ich sterbe!
Rebekka aber hörte zu, als Isaak diese Worte zu seinem Sohn Esau sagte. Und Esau ging aufs Feld, um ein Wildbret zu jagen und es heimzubringen.
Da redete Rebekka mit ihrem Sohn Jakob und sprach: Siehe, ich habe gehört, wie dein Vater mit deinem Bruder Esau redete und sagte:
»Bring mir ein Wildbret und bereite mir ein schmackhaftes Gericht, dass ich esse und dich segne vor dem Angesicht des HERRN, ehe ich sterbe!«
So gehorche nun, mein Sohn, meiner Stimme und tue, was ich dir sage:
Geh hin zur Herde und hole mir von dort zwei gute Ziegenböcklein, dass ich deinem Vater ein schmackhaftes Gericht davon bereite, wie er es gern hat.
Das sollst du deinem Vater hineintragen, damit er es isst und dich vor seinem Tod segnet!
Jakob aber sprach zu seiner Mutter Rebekka: Siehe, mein Bruder Esau ist rau, und ich bin glatt.
Vielleicht könnte mein Vater mich betasten, da würde ich in seinen Augen als ein Betrüger erscheinen; so brächte ich einen Fluch über mich und nicht einen Segen!
Da sprach seine Mutter zu ihm: Dein Fluch sei auf mir, mein Sohn! Gehorche du nur meiner Stimme, geh hin und hole es mir!

Wie man an diesem Text erkennt, wollte Isaak sich mal wieder ein Tier von Esau jagen lassen und ein schmackhaftes Gericht essen, aber dies Mal auch mit dem Versprechen, Segen über Esau auszurufen. Aber die Mutter von den Zwillingsbrüdern, nämlich Rebekka, wollte lieber, dass Jakob den Segen empfängt. Darum gab sie Jakob die Anweisung, seinen blinden Vater zu betrügen. Sonderlich ehrenhaft ist das nicht. Sie hätte vielmehr ins Gebet gehen sollen, um Gott darum anzuflehen, dass Jakob diesen Segen erhalten soll. Aber das tat sie nicht, sondern wie immer und wie alle anderen Menschen auch war sie der Meinung, diese Sache aus ihrer eigenen Klugheit heraus erledigen zu müssen.

Wir werden aber auch merken, dass Jakob leider sehr bereitwillig auf diesen Betrugsbefehl reagierte, denn es steht geschrieben in den Versen 14 bis 29:

Da ging er hin und holte es und brachte es seiner Mutter. Und seine Mutter machte ein schmackhaftes Essen, wie es sein Vater gern hatte.
Rebekka nahm auch die guten Kleider Esaus, ihres älteren Sohnes, die sie bei sich im Haus hatte, und zog sie Jakob, ihrem jüngeren Sohn an.
Aber die Felle der Ziegenböcklein legte sie ihm um die Hände, und wo er glatt war am Hals;
und sie gab das schmackhafte Essen und das Brot, das sie bereitet hatte, in die Hand ihres Sohnes Jakob.
Und er ging hinein zu seinem Vater und sprach: Mein Vater! Er antwortete: Hier bin ich! Wer bist du, mein Sohn?
Jakob sprach zu seinem Vater: Ich bin Esau, dein Erstgeborener; ich habe getan, wie du mir gesagt hast. Steh doch auf, setz dich und iss von meinem Wildbret, damit mich deine Seele segne!
Isaak aber sprach zu seinem Sohn: Mein Sohn, wie hast du es so bald gefunden? Er antwortete: Der HERR, dein Gott, ließ es mir begegnen!
Da sprach Isaak zu Jakob: Tritt herzu, mein Sohn, dass ich dich betaste, ob du wirklich mein Sohn Esau bist oder nicht!
Und Jakob trat zu seinem Vater Isaak. Und als er ihn betastet hatte, sprach er: Die Stimme ist Jakobs Stimme, aber die Hände sind Esaus Hände!
Aber er erkannte ihn nicht, denn seine Hände waren rau, wie die Hände seines Bruders Esau. Und so segnete er ihn.
Und er fragte ihn: Bist du wirklich mein Sohn Esau? Er antwortete: Ja, ich bin’s!
Da sprach er: So bringe es mir her, damit ich von dem Wildbret meines Sohnes esse, dass dich meine Seele segne! Da brachte er es ihm, und er aß; er reichte ihm auch Wein, und er trank.
Und Isaak, sein Vater, sprach zu ihm: Komm her, mein Sohn, und küsse mich!
Und er trat hinzu und küsste ihn. Und als er den Geruch seiner Kleider roch, segnete er ihn und sprach: Siehe, der Geruch meines Sohnes ist wie ein Geruch des Feldes, das der HERR gesegnet hat.
Gott gebe dir vom Tau des Himmels und vom fettesten Boden und Korn und Most in Fülle!
Völker sollen dir dienen und Geschlechter sich vor dir beugen; sei ein Herr über deine Brüder, und die Söhne deiner Mutter sollen sich vor dir beugen. Verflucht sei, wer dir fluucht, und gesegnet sei, wer dich segnet!

Durch diese keineswegs vorbildlichen Verläufe war es also geschehen, dass Isaak Segen über Jakob gesprochen hatte. Und Esau kam danach mit dem Wildbret an und erfuhr, dass Isaak keinen Segen mehr sprechen kann bzw. will, und Esau war hochgradig betrübt und entsetzt. Das einzige, was Isaak noch über Esau aussprach, ist Folgendes laut den Versen 39 und 40:

Da antwortete Isaak, sein Vater, und sprach zu ihm: Siehe, fern vom Fett der Erde wird dein Wohnsitz sein, und fern vom Tau des Himmels von oben.
Von deinem Schwert wirst du leben und deinem Bruder dienen. Es wird aber geschehen, wenn du dich befreien kannst, wirst du sein Joch von deinem Hals reißen.

Durch diese Worte wird wohl ausgedrückt, dass die Nachkommen von Esau den nachkommen Jakobs eine Zeit lang dienstbar sein müssen, aber doch irgendwann Freiheit erlangen.
Und da diese Worte jetzt nicht unbedingt ein Grund zu heller Freude sind, ist Esau natürlich besonders wütend geworden und wir lesen in den Versen 41 bis 45:

Und Esau wurde dem Jakob feind wegen des Segens, womit sein Vater ihn gesegnet hatte; und Esau sprach in seinem Herzen: Die Zeit, da man um meinen Vater trauern wird, ist nicht mehr weit; dann will ich meinen Bruder Jakob umbringen!
Da wurden der Rebekka die Worte Esaus, ihres älteren Sohnes, hinterbracht. Und sie schickte hin und ließ Jakob, ihren jüngeren Sohn, rufen und sprach zu ihm: Siehe, dein Bruder Esau will an dir Rache nehmen und dich töten!
Und nun gehorche meiner Stimme, mein Sohn: Mache dich auf und flieh zu meinem Bruder Laban, nach Haran,
und bleib eine Zeit lang bei ihm, bis sich der Grimm deines Bruders gelegt hat
und bis sich sein Zorn von dir wendet und er vergisst, was du ihm angetan hast; so will ich dann nach dir schicken und dich von dort holen lassen. Warum sollte ich an einem Tag euch beide verlieren?

An dieser Stelle haben wir nun die Gründe für die Flucht erkannt, welche vor Jakob lag. Esau war mordlüsternd geworden, weil Jakob ihm das Erstgeburtsrecht und den Segen von Isaak genommen hatte. Isaak selbst empfand es aber auch als das Beste, wenn Jakob die Heimat verlässt, und demgemäß lesen wir Folgendes in Kapitel 28, Vers 1 bis 4:

Da rief Isaak den Jakob, segnete ihn und gebot ihm und sprach zu ihm: Nimm keine Frau von den Töchtern Kanaans!
Mache dich auf und zieh nach Paddan-Aram, in das Haus Bethuels, des Vaters deiner Mutter, und nimm dir von dort eine Frau von den Töchtern Labans, des Bruders deiner Mutter!
Und Gott, der Allmächtige, segne dich und mache dich fruchtbar und mehre dich, dass du zu einer Menge von Völkern werdest,
und er gebe dir den Segen Abraham, dir und deinem Samen mit dir, dass du das Land in Besitz nimmst, in dem du als Fremdling lebst, das Gott dem Abraham gegeben hat!

Dies sind also die Worte, mit denen Jakob von seinem Vater verabschiedet wurde, als es Zeit war, zu fliehen.
Über Jakobs Flucht lesen wir zunächst Folgendes in den Versen 10 und 11:

Jakob aber zog von Beerscheba aus und wanderte nach Haran.
Und er kam an einen Ort, wo er über Nacht blieb; denn die Sonne war untergegangen. Und er nahm von den Steinen jenes Orts und legte sie unter sein Haupt und legte sich an dem Ort schlafen.

Diese Erzählung klingt äußerst ungemütlich. Scheinbar ist Jakob ganz alleine gegangen. Ohne Tiere, ohne Diener und ohne Reisebegleitung, auch ohne Zelt oder sonstige Ausrüstung, sodass es nötig war, sich in die freie Natur schlafen zu legen und einen Stein als Ersatz für ein Kopfkissen zu benutzen. Das war bestimmt eine sehr unangenehme Nacht.

Was es aber über diese Nacht sonst noch zu sagen gibt, darüber lesen wir ab Vers 12:

Und er hatte einen Traum; und siehe, eine Leiter war auf die Erde gestellt, die reichte mit der Spitze bis an den Himmel. Und siehe, auf ihr stiegen die Engel Gottes auf und nieder.
Und siehe, der HERR stand über ihr und sprach: Ich bin der HERR, der Gott deines Vaters Abraham und der Gott Isaaks; das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinem Samen geben.
Und dein Same soll werden wie der Staub der Erde, und nach Westen, Osten, Norden und Süden sollst du dich ausbreiten; und in dir und in deinem Samen sollen gesegnet werden alle Geschlechter der Erde!
Und siehe, ich bin mit dir, und ich will dich behüten überall, wo du hinziehst, und dich wieder in dieses Land bringen. Denn ich will dich nicht verlassen, bis ich vollbracht habe, was ich dir zugesagt habe!

Wie wir sehen, hat Gott sich dem Jakob in einem Traum offenbart und ihm zugesichert, ihn zu behüten und seine Nachkommen zu mehren. Trotz des schlimmen Zustandes, in dem Jakob die Nacht überstehen musste, war vermutlich diese Zusage eine Ermutigung für ihn.
Wie Jakob nach dem Aufwachen auf das Erlebte reagierte, lesen wir ab Vers 16. Es steht geschrieben:

Als nun Jakob von seinem Schlaf erwachte, sprach er: Wahrlich, der HERR ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!
Und er fürchtete sich und sprach: Wie furchtgebietend ist diese Stätte! Hier ist nichts anderes als das Haus Gottes, und dies ist die Pforte des Himmels!
Und Jakob stand am Morgen früh auf und nahm den Stein, den er unter sein Haupt gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Gedenkstein und goss Öl auf seine Spitze,
und er gab diesem Ort den Namen Bethel; zuvor aber hieß die Stadt Lus.
Und Jakob legte ein Gelübde ab und sprach: Wenn Gott mit mir sein und mich behüten wird auf dem Weg, den ich gehe, und mir Brot zu essen geben wird und Kleider anzuziehen
und mich wieder mit Frieden heim zu meinem Vater bringt, so soll der HERR mein Gott sein;
und dieser Stein, den ich als Gedenkstein aufgerichtet habe, soll ein Haus Gottes werden; und von allem, was du mir gibst, will ich dir gewisslich den Zehnten geben!

An dieser Erzählung lässt sich feststellen, dass Jakob zuerst große Ehrfurcht hatte, allerdings auch ein bisschen Zweifel, denn er sagt in seinem Gelübde, dass er den Zehnten für Gott hergeben will, wenn Gott ihn tatsächlich dadurch behütet, dass er ihm Speise und Kleidung zukommen lässt und ihn eines Tages wieder nach Hause zu Isaak bringt.

Jakob setzte dann aber seine Reise fort und gelangte nahe an den Ort, wo der Bruder seiner Mutter wohnte, nämlich Laban. Darüber lesen wir Folgendes in Kapitel 29 Vers 1 bis 14:

Da machte sich Jakob wieder auf den Weg und ging ins Land der Söhne des Ostens.
Und er sah sich um und siehe, da war ein Brunnen auf dem Feld, und siehe, drei Herden Schafe lagen dabei; denn von dem Brunnen mussten die Herden trinken. Und ein großer Stein lag über der Öffnung des Brunnens.
Und sie pflegten alle Herden dort zu versammeln und den Stein von der Öffnung des Brunnens wegzuwälzen und die Schafe zu tränken, und dann brachten sie den Stein wieder an seinen Ort, über die Öffnung des Brunnens.
Und Jakob sprach zu ihnen: Meine Brüder, woher seid ihr? Sie antworteten: Wir sind von Haran.
Er sprach zu ihnen: Kennt ihr auch Laban, den Sohn Nahors? Sie antworteten: Wir kennen ihn wohl!
Er sprach zu ihnen: Geht es ihm gut? Sie antworteten: Es geht ihm gut; und siehe, da kommt seine Tochter Rahel mit den Schafen!
Er sprach: Siehe, es ist noch heller Tag und noch nicht Zeit, das Vieh einzutreiben; tränkt die Schafe und geht hin, weidet sie!
Sie antworteten: Wir können es nicht, ehe alle Herden zusammengebracht sind und sie den Stein von der Öffnung des Brunnens wälzen; dann können wir die Schafe tränken.
Als er noch mit ihnen redete, kam Rahel mit den Schafen ihres Vaters; denn sie war eine Hirtin.
Und es geschah, als Jakob Rahel sah, die Tochter Labans, des Bruders seiner Mutter, und die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter, da trat er hinzu und wälzte den Stein von der Öffnung des Brunnens und tränkte die Schafe Labans, des Bruders seiner Mutter.
Und Jakob küsste Rahel und erhob seine Stimme und weinte.
Da sagte Jakob der Rahel, dass er der Bruder ihres Vaters und der Sohn der Rebekka sei. Da lief sie und sagte es ihrem Vater.
Und es geschah, als Laban die Nachricht von Jakob, dem Sohn seiner Schwester hörte, da lief er ihm entgegen, umarmte und küsste ihn und führte ihn in sein Haus. Da erzählte er Laban diese ganze Geschichte.
Da sprach Laban zu ihm: Fürwahr, du bist mein Gebein und mein Fleisch! Und er blieb bei ihm einen Monat lang.

Hier hat es ganz schön viele Küsse gegeben. Es sind damit Aber Begrüßungsküsse gemeint und keine lüsternen Küsse. Ich weiß auch nicht so recht, warum Jakob weinte, aber ich kann mir vorstellen, dass es so war, weil er auf der Flucht war und nicht wusste, wo er wohnen kann und ob er im Haus von Laban überhaupt aufgenommen wird. Denn es hätte ja auch sein können, dass Jakob abgewiesen wird. Dann hätte er nicht gewusst, wo er hin soll, und er war ganz alleine unterwegs. Jedenfalls nahm Laban ihn bereitwillig bei sich auf, und Jakob machte sich wahrscheinlich jeden Tag dadurch nützlich, dass er beim Versorgen der Schafe half. Somit war nun Jakob kein einsam umherwandernder Verstoßener mehr, sondern hatte bei seinem Onkel Laban Zuflucht gefunden.

Als nächstes lesen wir in den Versen 15 bis 25:

Danach sprach Laban zu Jakob: Solltest du mir darum umsonst dienen, weil du mein Neffe bist? Sage mir, was soll dein Lohn sein?
Laban aber hatte zwei Töchter; die ältere hieß Lea und die jüngere Rahel.
Und Lea hatte matte Augen, Rahel aber hatte eine schöne Gestalt und ein schönes Angesicht.
Und Jakob liebte Rahel, und so sprach er: Ich will dir sieben Jahre lang dienen um Rahel, deine jüngere Tochter!
Da antwortete Laban: Es ist besser, ich gebe sie dir als einem anderen Mann; bleibe bei mir!
So diente Jakob um Rahel sieben Jahre lang, und sie kamen ihm vor wie einzelne Tage, so lieb hatte er sie.
Und Jakob sprach zu Laban: Gib mir meine Frau, dass ich zu ihr eingehe, denn meine Zeit ist erfüllt!
Da lud Laban alle Leute des Ortes ein und machte ein Mahl.
Und es geschah am Abend, da nahm er seine Tochter Lea und brachte sie zu ihm hinein; und er ging zu ihr ein.
Und Laban gab seine Magd Silpa seiner Tochter Lea zur Magd.
Und es geschah am Morgen, siehe, da war es Lea! Und er sprach zu Laban: Warum hast du mir das getan? Habe ich dir nicht um Rahel gedient? Warum hast du mich denn betrogen?

Hier sehen wir nun, dass Jakob betrogen wurde, gleichwie er auch selber ein Betrüger gewesen war gegenüber seinem Bruder Esau. Jakob war dadurch von Laban betrogen worden, dass er eigentlich die jüngere Schwester heiraten wollte, nämlich Rahel, aber Laban hat ihm stattdessen mitten in der Hochzeitsnacht die ältere Tochter in die Schlafkammer geschickt. Und Jakob hatte es nicht erkannt. So wurde Jakob betrogen, gleichwie er auch selbst Betrug verübt hatte in alten Tagen.
Welchen Grund aber Laban für seine Entscheidung nannte, lesen wir ab Vers 26. Es steht geschrieben:

Laban antwortete: Es ist nicht Sitte in unserem Ort, dass man die Jüngere vor der Älteren weggibt.
Vollende die Hochzeits-Woche mit dieser, so wollen wir dir jene auch geben, für den Dienst, den du mir noch weitere sieben Jahre lang leisten sollst!
Und Jakob machte es so und vollendete die Hochzeits-Woche mit dieser. Da gab er ihm Rahel, seine Tochter, zur Frau.
Und Laban gab seiner Tochter Rahel seine Magd Bilha zur Magd.
So ging er auch zu Rahel ein; und er hatte Rahel lieber als Lea. Und er diente ihm noch weitere sieben Jahre lang.

Weil es also nicht Sitte ist, durfte Jakob nicht zuerst die Jüngere nehmen, sondern erst hinterher, und wurde zu weiteren sieben Jahren Dienst verdonnert.
Es waren aber beide Frauen unfruchtbar. Und da nun Jakob nur eine von beiden Frauen liebte, nämlich Rahel, traf Gott die Entscheidung, der ungeliebten Frau einen gewissen Vorteil zu verschaffen. Auch wenn das die Eifersucht zwischen beiden Frauen nur noch mehr anfachen würde. Wir lesen Folgendes in den Versen 31 bis 35:

Als aber der HERR sah, dass Lea verschmäht war, da öffnete er ihren Mutterschoß; Rahel aber war unfruchtbar.
Und Lea wurde schwanger und gebar einen Sohn, dem gab sie den Namen Ruben. Denn sie sprach: Weil der HERR mein Elend angesehen hat, so wird mich nun mein Mann lieb gewinnen!
Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Weil der HERR gehört hat, dass ich verschmäht bin, so hat er mir auch diesen gegeben! Und sie gab ihm den Namen Simeon.
Und sie wurde wieder schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun wird mein Mann mir anhänglich sein, denn ich habe ihm drei Söhne geboren! Darum gab man ihm den Namen Levi.
Und sie wurde noch einmal schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Nun will ich den HERRN preisen! Darum gab sie ihm den Namen Juda; und sie hörte auf mit Gebären.

Die ungeliebte Frau Lea konnte also für Jakob 4 Söhne gebären, während Rahel unfruchtbar blieb. Und dadurch wurden die Dinge sehr chaotisch, denn Rahel wollte diesem Umstand unbedingt irgendwas entgegensetzen. Deswegen entschied sie in ihrer Kleingeistigkeit Folgendes laut Kapitel 30, Vers 1 bis 8:

Als aber Rahel sah, dass sie dem Jakob keine Kinder gebar, wurde sie eifersüchtig auf ihre Schwester und sprach zu Jakob: Schaffe mir Kinder! Wenn nicht, so sterbe ich!
Jakob aber wurde sehr zornig auf Rahel und sprach: Bin ich denn an Gottes Stelle, der dir Leibesfrucht versagt?
Sie aber sprach: Siehe, da ist meine Magd Bilha, gehe zu ihr ein, dass sie in meinen Schoß gebäre und ich doch durch sie Nachkommen erhalte!
Und sie gab ihm ihre Magd Bilha zur Frau, und Jakob ging zu ihr ein.
Bilha aber wurde schwanger und gebar dem Jakob einen Sohn.
Da sprach Rahel: Gott hat mir Recht verschafft und meine Stimme erhört und mir einen Sohn gegeben! Darum gab sie ihm den Namen Dan.
Und Bilha, die Magd Rahels, wurde nochmals schwanger und gebar dem Jakob einen zweiten Sohn.
Da sprach Rahel: Kämpfe Gottes habe ich mit meiner Schwester gekämpft und habe auch gewonnen! Darum gab sie ihm den Namen Naphtali.

Wie man sieht, sollte Jakob auf den Befehl seiner Frau Rahel hin mit der Dienstmagd ins Bett steigen, sodass Rahel sich die Kinder nehmen kann. Dieser Verlauf ist weder heilig noch sonst in irgendeiner Weise vorbildlich. Es ist wiedereinmal menschliche Idiotie, die von Gott nicht befohlen war, aber offenbar geduldet wurde. Und wenn ihr meint, dass dies bereits verrückt ist, dann muss ich euch sagen: Es geht sogar schlimmer. Denn die Frau Lea, welche dem Jakob schon 4 Söhne geboren hatte, zeigte folgende Reaktion laut den Versen 9 bis 13:

Als nun Lea sah, dass sie aufgehört hatte zu gebären, nahm sie ihre Magd Silpa und gab sie Jakob zur Frau.
Und Silpa, Leas Magd, gebar dem Jakob einen Sohn.
Da sprach Lea: Ich habe Glück! Und sie gab ihm den Namen Gad.
Danach gebar Silpa, Leas Magd, dem Jakob einen zweiten Sohn.
Da sprach Lea: Wohl mir! Die Töchter werden mich glücklich preisen! Und sie gab ihm den Namen Asser.

Man merkt an dieser Erzählung eigentlich nur, dass die Menschen zur damaligen Zeit enorm verkorkste Individuen gewesen sind. Lea hat allen Ernstes befohlen, dass Jakob auch mit ihrer eigenen Dienstmagd ins Bett steigen soll, weil er mit der Dienstmagd von Rahel zwei Kinder hatte und sie dagegen ankämpfen wollte. Bei solchem Verhalten kann man sich eigentlich nur noch an den Kopf greifen. Und wir in unserer heutigen Zeit können daraus überhaupt nichts Gutes lernen. Wir können es nur nüchtern als Information hinnehmen, dass die Dinge damals so gewesen sind.

Jedenfalls zeugte Jakob dann zusammen mit Lea noch zwei weitere Söhne, nämlich einmal Issaschar und dann noch Sebulon. Und es geschah auch, dass Lea dem Jakob eine Tochter gebar, und diese bekam den Name Dina. Darüber hinaus lesen wir auch Folgendes in den Versen 22 bis 24;

Aber Gott gedachte an Rahel, und Gott erhörte sie und öffnete ihren Mutterschoß.
Und sie wurde schwanger und gebar einen Sohn und sprach: Gott hat meine Schmach von mir genommen!
Und sie gab ihm den Namen Joseph und sprach: Der HERR wolle mir noch einen Sohn dazugeben!

Somit hatte nun also auch endlich die einzige Frau, die wirklich von Jakob geliebt wurde, einen eigenen Sohn gebären können. Und logischerweise war das dann der Lieblingssohn.

In den weiteren Versen des Kapitels liest man davon, dass der Onkel von Jakob, also Laban, nicht gerade wohlhabend gewesen war, als Jakob ankam. Aber in all den Jahren, die Jakob da war, war alles gesegnet und Jakob hatte sich auch ordentlich um die Tiere gekümmert. Nun wollte Jakob das Wagnis eingehen, wieder nach Hause zurückzukehren, zusammen mit seinen Frauen und Kindern. Aber Laban war knausrig und wollte ihn nicht wirklich gehen lassen, schon gar nicht mit großem Lohn. Da diente Jakob noch länger, um sich einige Tiere als Bezahlung zu verdienen. Und es wurde beschlossen, dass Jakob alle Tiere der Herde bekommen sollte, die geflecktes oder gesprenkeltes Fell haben. Nachdem aber dies beschlossen war, beging Jakob schonwieder einen Betrug, indem er die Tiere manipulierte, sodass der Nachwuchs von den gefleckten und gesprenkelten Tieren zahlreich, gesund und kräftig wurde, die anderen aber nicht. Und deswegen war Laban immer missmutiger und frustrierter gegenüber Jakob.
Schließlich liest man in Kapitel 31 davon, dass Jakob seine Frauen samt den Kindern und den erworbenen Tieren mitnehmen wollte, um ohne vorherige Erlaubnis den Hof von Laban zu verlassen. Und Jakobs Frauen hielten zu ihm, deswegen machten sich alle gemeinsam auf den Weg. Und Rahel hatte ihrem Vater sogar ein Götzenbild von hohem Geldwert geklaut.
Da ging Laban mit seinen Brüdern hin, um Jakob einzuholen. Aber Gott erschien vor Laban und warnte ihn, dass er sich davor hüten soll, mit Jakob anders als freundlich zu reden.

Jedenfalls hat Jakob sich dann erstmal mit Laban gestritten, da Laban ein sehr geiziger Mann war und die harte Arbeit nicht würdigte, welche Jakob insgesamt 20 Jahre lang geleistet hatte. Und letztlich kamen sie zu dem Schluss, dass es für sie künftig besser sei, einander aus dem Weg zu gehen.

Schließlich lesen wir dann Folgendes laut Kapitel 32, Vers 1 bis 7:

Und Laban stand am Morgen früh auf, küsste seine Enkel und seine Töchter und segnete sie; dann ging er und kehrte wieder an seinen Ort zurück.
Jakob aber ging seines Weges; da begegneten ihm Engel Gottes.
Und als er sie sah, sprach Jakob: Das ist das Heerlager Gottes! Und er gab jenem Ort den Namen Mahanajim.
Und Jakob sandte Boten vor sich her zu seinem Bruder Esau ins Land Seir, in das Gebiet von Edom.
Diesen gebot er und sprach: So sollt ihr zu meinem Herrn Esau sagen: So spricht dein Knecht Jakob: Ich bin bei Laban in der Fremde gewesen und habe mich bisher bei ihm aufgehalten,
und ich habe Rinder, Esel und Schafe, Knechte und Mägde erworben; und ich sende nun Boten, um es meinem Herrn zu berichten, damit ich Gnade finde vor deinen Augen!
Und die Boten kehrten wieder zu Jakob zurück und berichteten ihm: Wir sind zu deinem Bruder Esau gekommen; und er zieht dir auch schon entgegen und 400 Mann mit ihm!

Nachdem also Jakob ungefähr 20 Jahre von Esau fern gewesen war, wollte er ihm nun gegenübertreten und Geschenke geben. Aber die Boten, die voraus gesandt waren, kamen wieder und berichteten, dass Esau ihm bereits mit 400 Mann entgegen marschiert. Sonderlich Zuversicht erweckend klingt das nicht. Eher so, als würde Esau einen Rachefeldzug starten.

Einen großen Teil der Reaktion Jakobs lesen wir uns als nächstes durch. Es steht geschrieben in den Versen 8 bis 12:

Da fürchtete sich Jakob sehr, und es wurde ihm angst. Und er teilte das Volk, das bei ihm war, und die Schafe, Rinder und Kamele in zwei Lager;
denn er sprach: Wenn Esau das eine Lager überfällt und es schlägt, so kann doch das übrig gebliebene Lager entkommen!
Und Jakob sprach: Du Gott meines Vaters Abraham und Gott meines Vaters Isaak, HERR, der du zu mir gesagt hast: Kehre wieder in dein Land und zu deiner Verwandtschaft zurück; ich will dir wohltun!
Ich bin zu gering für alle Gnade und Treue, die du an deinem Knecht bewiesen hast! Denn ich hatte nur einen Stab, als ich über diesen Jordan ging, und nun bin ich zu zwei Heerlagern geworden.
Errette mich doch aus der Hand meines Bruders, aus der Hand Esaus; denn ich fürchte ihn; er könnte kommen und mich erschlagen, die Mutter samt den Kindern!

Jakob wandte sich also in seiner Angst an Gott. Und am nächsten Morgen teilte er alle Knechte samt Tieren und Gaben in Gruppen ein, und jede einzelne Gruppe sollte vor ihm her gehen und Esau ankündigen, dass er beschenkt wird. Auf diese Art war Jakob unterwegs, um Esau entgegen zu reisen.

Als nächstes lesen wir von einer Begebenheit, die während der Reise geschah und reichlich ungenau aufgeschrieben wurde. Sie ist so verkorkst aufgeschrieben, dass ich bis zum heutigen Tag keine Ahnung habe, was damit nun wirklich gemeint ist. Es steht geschrieben in den Versen 22 bis 33:

Und das Geschenk zog vor ihm hinüber; er aber blieb in jener Nacht im Lager.
Er stand aber noch in derselben Nacht auf und nahm seine beiden Frauen und seine beiden Mägde samt seinen elf Kindern und überschritt mit ihnen die Furt Jabbok;
und er nahm sie und führte sie über den Fluss und ließ alles, was er hatte, hinübergehen.
Jakob aber blieb allein zurück. Da rang ein Mann mit ihm, bis die Morgenröte anbrach.
Und als dieser sah, dass er ihn nicht bezwingen konnte, da rührte er sein Hüftgelenk an, sodass Jakobs Hüftgelenk verrenkt wurde beim Ringen mit ihm.
Und der Mann sprach: Lass mich gehen; denn die Morgenröte bricht an! Jakob aber sprach: Ich lasse dich nicht, es sei denn, du segnest mich!
Da fragte er ihn: Was ist dein Name? Er antwortete: Jakob!
Da sprach er: Dein Name soll nicht mehr Jakob sein, sondern Israel; denn du hast mit Gott und Menschen gekämpft und hast gewonnen!
Jakob aber bat und sprach: Lass mich doch deinen Namen wissen! Er aber antwortete: Warum fragst du nach meinem Namen? Und er segnete ihn dort.
Jakob aber nannte den Ort Pniel; denn er sprach: Ich habe Gott von Angesicht zu Angesicht gesehen, und meine Seele ist gerettet worden!
Und die Sonne ging ihm auf, als er an Pniel vorüberzog; und er hinkte wegen seiner Hüfte.
Darum essen die Kinder Israels bis zum heutigen Tag die Sehne nicht, die über das Hüftgelenk läuft, weil Er Jakobs Hüftgelenk, die Hüftsehne, angerührt hat.

Bei dieser Erzählung wird wohl so ziemlich jeder Mensch mit einem Fragezeichen über dem Kopf zurückbleiben. Ein Mann hatte einen Ringkampf gegen Jakob ausgefochten, und dann wird gesagt, dass Jakob Gott gesehen und gegen Gott gewonnen hat? Was ist das denn bitte für ein konfuses Gequatsche? Und warum hatte das Wesen, das zu Jakob gekommen war, ein Problem damit, dass das Sonnenlicht sich zeigte und die Morgenröte anbrach? Und wie könnte überhaupt irgendwer davon ausgehen, dass Gott unfähig ist, einen Ringkampf gegen Jakob zu gewinnen?
Irgendetwas stimmt mit diesem Text nicht.

Ich kann euch aber nun auch nicht mit Gewissheit sagen, was wirklich los war an diesem Tag. Ich vermute, dass ein gefallener Engel ankam, um Jakob zu attackieren, damit sich die Prophezeiungen über die Entstehung des Volkes Israel nicht erfüllen, aber der gefallene Engel hatte eine so geringe Kraft, dass er nichtmal einen Ringkampf gegen Jakob gewinnen konnte. Eventuell hat auch Gott bei dem Kampf übernatürlich eingegriffen, um Jakob zu beschützen. Somit war der gefallene Engel machtlos. Und deswegen hat Jakob dann auch gestaunt, weil Gott ihm durch eine Geisteswirkung die Unterstützung gab, die nötig war, um gegen den gefallenen Engel zu bestehen.
Das wäre durchaus möglich.

Und da wir dieses höchst eigenartige Gerede aus dem ersten Buch Mose besprochen haben, wollen wir mal schauen, was nun wirklich geschah als Jakob und Esau aufeinander trafen. Es steht darüber folgendes geschrieben in Kapitel 33, Vers 1 bis 9:

Und Jakob erhob seine Augen und schaute, und siehe, Esau kam heran und 400 Mann mit ihm. Da verteilte er die Kinder auf Lea und auf Rahel und auf die beiden Mägde.
Und er stellte die Mägde mit ihren Kindern voran und Lea mit ihren Kindern danach und Rahel mit Joseph zuletzt.
Er selbst aber ging ihnen voraus und verneigte sich siebenmal zur Erde, bis er nahe zu seinem Bruder kam.
Da lief ihm Esau entgegen, umarmte ihn, fiel ihm um den Hals und küsste ihn; und sie weinten.
Als aber Esau seine Augen erhob, sah er die Frauen und die Kinder und sprach: Gehören diese dir? Er antwortete: Es sind die Kinder, mit denen Gott deinen Knecht begnadigt hat!
Da traten die Mägde herzu samt ihren Kindern und verneigten sich.
Auch Lea kam herbei mit ihren Kindern, und sie verneigten sich; danach kam Joseph mit Rahel herbei, und auch sie verneigten sich.
Und er fragte: Was willst du denn mit jenem ganzen Heer, dem ich begegnet bin? Jakob antwortete: Ich wollte Gnade finden in den Augen meines Herrn!
Esau antwortete: Ich habe genug, mein Bruder; behalte, was du hast!

Trotz der enormen Ärgernisse, die Esau durch Jakob erlebt hatte, entschied er sich an diesem Tag offensichtlich dazu, seinem Zwillingsbruder friedlich gegenüberzutreten.

Es kann sich wohl jeder denken, dass Jakob danach mit einem deutlich leichteren Herz nach Hause reiste als zuvor. Esau war ihm vorausgegangen, und Jakob musste sich erstmal in einer Stadt namens Sukkot niederlassen, damit alle Weidentiere sich ausruhen können. Und als er weiter in Richtung Heimat reiste, kam er auch zu einer Stadt namens Sichem, wo etwas ziemlich Übles passierte. Es steht geschrieben in Kapitel 34, Vers 1 bis 27:

Dina aber, Leas Tochter, die sie dem Jakob geboren hatte, ging aus, um die Töchter des Landes zu sehen.
Als nun Sichem, der Sohn des hewitischen Landesfürsten Hemor, sie sah, nahm er sie und legte sich zu ihr und tat ihr Gewalt an.
Und seine Seele hing an Dina, der Tochter Jakobs, und er gewann das Mädchen lieb und redete ihr zu.
Und Sichem sprach zu seinem Vater Hemor: Nimm mir dieses Mädchen zur Frau!
Jakob aber hatte vernommen, dass man seine Tochter Dina entehrt hatte. Weil aber seine Söhne beim Vieh auf dem Feld waren, schwieg er, bis sie kamen.
Und Hemor, der Vater Sichems, kam zu Jakob, um mit ihm zu reden.
Als aber die Söhne Jakobs dies hörten, kamen sie vom Feld; und die Männer waren schwer beleidigt und sehr entrüstet, dass man eine solche Schandtat an Israel begangen und bei Jakobs Tochter gelegen hatte; denn dies durfte man nicht tun.
Hemor aber redete mit ihnen und sprach: Mein Sohn Sichem hängt an eurer Tochter; gebt sie ihm doch zur Frau!
Verschwägert euch mit uns; gebt uns eure Töchter und nehmt ihr unsere Töchter!
Bleibt bei uns; das Land soll euch offenstehen; siedelt euch an, treibt Handel darin und erwerbt Grundbesitz!
Und Sichem sprach zu ihrem Vater und zu ihren Brüdern: Lasst mich Gnade finden vor euren Augen; was ihr von mir fordert, das will ich geben!
Ihr könnt von mir noch so viel Heiratsgaben und Geschenke verlangen, ich will es geben, sobald ihr es fordert; gebt mir nur das Mädchen zur Frau!
Da antworteten die Söhne Jakobs dem Sichem und seinem Vater Hemor in trügerischer Weise, weil er ihre Schwester Dina entehrt hatte,
und sie sprachen zu ihnen: Wir können das nicht tun, dass wir unsere Schwester einem unbeschnittenen Mann geben; denn das wäre eine Schande für uns;
nur unter einer Bedingung können wir eurem Wunsch entsprechen, dass ihr nämlich werdet wie wir, indem ihr alles, was männlich ist, beschneiden lasst!
Dann wollen wir euch unsere Töchter geben und uns eure Töchter nehmen und mit euch zusammenwohnen und zu einem Volk werden.
Wollt ihr aber nicht auf uns hören, dass ihr euch beschneiden lasst, so nehmen wir unsere Tochter und gehen!
Ihre Rede gefiel Hemor und seinem Sohn Sichem gut;
und der junge Mann zögerte nicht, dies zu tun; denn ihm gefiel die Tochter Jakobs, und er war der Angesehenste vom Haus seines Vaters.
Als nun Hemor und sein Sohn Sichem zum Tor ihrer Stadt kamen, redeten sie mit den Bürgern ihrer Stadt und sprachen:
Diese Leute meinen es gut mit uns; sie sollen im Land wohnen und darin Handel treiben! Hat doch das Land Raum genug für sie. Wir wollen uns ihre Töchter zu Frauen nehmen und ihnen unsere Töchter geben.
Nur das verlangen sie von uns, wenn sie unter uns wohnen und sich mit uns zu einem Volk verschmelzen sollen, dass wir alles, was unter uns männlich ist, beschneiden, gleichwie auch sie beschnitten sind.
Ihre Herden und ihre Habe und all ihr Vieh werden dann uns gehören; lasst uns nur ihrem Wunsch entsprechen, damit sie bei uns bleiben!
Da hörten alle auf Hemor und seinen Sohn Sichem, die im Tor seiner Stadt aus- und eingingen, und alles, was männlich war, wurde beschnitten, alle, die im Tor seiner Stadt aus- und eingingen.
Es geschah aber am dritten Tag, als sie wundkrank waren, da nahmen die beiden Söhne Jakobs, Simeon und Levi, Dinas Brüder, jeder sein Schwert und drangen überraschend in die Stadt ein und brachten alles Männliche um.
Auch Hemor und dessen Sohn Sichem töteten sie mit der Schärfe des Schwertes, und sie holten Dina aus dem Haus Sichems und gingen davon.
Die Söhne Jakobs aber kamen über die Erschlagenen und plünderten die Stadt, weil man ihre Schwester entehrt hatte.

Diese Geschichte ist in jeder Hinsicht brutal, sowohl dadurch, dass die einzige Tochter von Jakob in übelster Weise geschändet wurde, als auch durch die grimmige Racheaktion der Söhne Jakobs. Gott selbst hatte zu dem Geschehenen überhaupt nichts zu sagen, zumindest liest man nicht davon, dass er einen Kommentar abgab.

Ein paar andere Sachen sagte Gott aber zu Jakob, und davon liest man in Kapitel 35. Es steht geschrieben in den Versen 1 bis 12:

Und Gott sprach zu Jakob: Mache dich auf, zieh hinauf nach Bethel und wohne dort und baue dort einen Altar für den Gott, der dir erschienen ist, als du vor deinem Bruder Esau geflohen bist!
Da sprach Jakob zu seinem Haus und zu allen, die bei ihm waren: Tut die fremden Götter von euch weg, die in eurer Mitte sind, und reinigt euch und wechselt eure Kleider!
So wollen wir uns aufmachen und nach Bethel hinaufziehen, dass ich dort einen Altar errichte für den Gott, der mir geantwortet hat zur Zeit meiner Not und der mit mir gewesen ist auf dem Weg, den ich gezogen bin!
Da lieferten sie Jakob alle fremden Götter aus, die in ihren Händen waren, samt den Ringen, die sie an ihren Ohren trugen, und Jakob verbarg sie unter der Terebinthe, die bei Sichem steht.
Danach brachen sie auf; und der Schrecken Gottes fiel auf die umliegenden Städte, sodass sie die Söhne Jakobs nicht verfolgten.
Als nun Jakob, er und das ganze Volk, das bei ihm war, nach Lus kamen – das ist Bethel – das im Land Kanaan liegt,
da baute er dort einen Altar und nannte den Ort »El-Bethel«, weil sich Gott ihm dort geoffenbart hatte, als er vor seinem Bruder floh.
Da starb Debora, die Amme der Rebekka, und wurde unterhalb von Bethel begraben, unter der Eiche, die man Klageeiche nennt.
Und Gott erschien Jakob zum zweiten Mal, seitdem er aus Paddan-Aramm gekommen war, und segnete ihn.
Und Gott sprach zu ihm: Dein Name ist Jakob, aber du sollst nicht mehr Jakob heißen, sondern Israel soll dein Name sein! Und so gab er ihm den Namen Israel.
Und Gott sprach zu ihm: Ich bin Gott, der Allmächtige, sei fruchtbar und mehre dich! Ein Volk und eine Menge von Völkern soll von dir kommen, und Könige sollen aus deinen Lenden hervorgehen;
das Land aber, das ich Abraham und Isaak gegeben habe, das will ich dir und deinem Samen nach dir geben!

Hier geschah es offiziell, und zwar durch den echten lebendigen Gott, dass Jakob in Israel umbenannt wurde und die Verheißung bestätigt bekam, die er schon zuvor gehört hatte. Aber seine Frau Rahel, die nochmal schwanger geworden war, starb bei der Geburt seines zweiten Sohnes, und der Sohn wurde Benjamin genannt.
Somit hatte nun Jakob einen Grund zur Trauer, aber es steht nicht wirklich etwas über diese Trauer geschrieben.
Wir lesen aber davon, dass auch Isaak einige Zeit später starb, und dass Jakob und Esau ihn gemeinsam begruben, was ein Anzeichen dafür ist, dass sie sich wirklich ausgesöhnt hatten, als Jakob wieder zu Hause war.

Und nachdem wir uns nun all dies angeschaut haben, endet das heutige Video über Jakobs Flucht vor Esau.

Danke für's Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

Kommentare

Beliebte Posts aus diesem Blog

Text zu "Bemerkenswerte Zitate vom Buch Henoch"

Text zu "Das Buch Henoch - Die gefallenen Engel und die Nephilim"

Text zu "Bibellehre - Die Jahre der Könige von Juda"