Text zu "Bibellehre - Kapitel 18 im Evangelium des Matthäus"

Link zum Video: https://youtu.be/i09C9lerVcU

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 18 vom Evangelium des Matthäus gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.

Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.

Das erste, was in diesem Kapitel berichtet wird, ist eine Diskussion der Apostel untereinander, wer von ihnen nach Jesus als der Größte zu gelten habe. Wir lesen Folgendes in den Versen 1 bis 4:

Zu jener Stunde traten die Jünger zu Jesus und sprachen: Wer ist wohl der Größte im Reich der Himmel? 
Und Jesus rief ein Kind herbei, stellte es in ihre Mitte 
und sprach: Wahrlich, ich sage euch: Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen! 
Wer nun sich selbst erniedrigt wie dieses Kind, der ist der Größte im Reich der Himmel. 

Die Reaktion von Jesus ist sehr bemerkenswert. Er ruft ein Kind herbei, welches sich demütig benimmt, wie man es an Vers 4 sieht. Es war kein Rabauke, der erstmal ein bisschen frech und aufmüpfig daherkommt, sondern ein Kind, das sich selbst erniedrigt. Und dann erklärt Jesus, dass man sein soll wie ein solches Kind, denn sonst kommt man in das Reich der Himmel nicht hinein. Nun ist für jeden Einzelnen für uns die Frage: Kannst du dich selbst im Herzen so demütigen wie ein Kind in der Nähe von Erwachsenen, die es respektiert? Und kannst du dir in der Nähe deiner eigenen Glaubensgeschwister, sofern vorhanden, derart wenig auf dich selber einbilden, dass dein Verhalten dem des Kindes aus der Erzählung ähnelt?
Jesus betont durch Vers 5 nochmal, wie bedeutsam es ist, eine solche Demut zu haben und auch die Kinder, die solch ein Wesen haben, gut zu behandeln, denn wir lesen:

Und wer ein solches Kind in meinem Namen aufnimmt, der nimmt mich auf.

Man soll also die demütigen Kinder, sofern es solche heute noch gibt, anschauen wie man Jesus anschauen würde. Denn solche seltenen Kinder geben ohne es zu wissen Zeugnis von dem Wesen, das Jesus hat und welches man wertschätzen muss, da der König der Könige niemanden in sein Reich holt, der sich über aufrichtig in Demut wandelnde Personen erheben will. Und man könnte nichts Besseres tun, wenn man ein gutes Werk vollbringen will, als ein notleidendes demütiges Kind bei sich aufzunehmen, denn das zählt so, als hätte man Jesus ins Haus aufgenommen. Diese Moral, die Jesus hier lehrt, ist ernst gemeint. Und glückselig ist, wer sich darauf einlässt und es als etwas Gutes erkennt und es festhält.

Es sollte sich auch von selbst ergeben, dass man Kinder, die von sich aus Sünden verweigern, niemals in die Sünde hineinleiten darf. Dennoch macht Jesus deutlich darauf aufmerksam, was für eine schlechte Idee das wäre, denn Folgendes steht in Vers 6: 

Wer aber einem von diesen Kleinen, die an mich glauben, Anstoß zur Sünde gibt, für den wäre es besser, dass ein großer Mühlstein an seinen Hals gehängt und er in die Tiefe des Meeres versenkt würde. 

Dieser Spruch soll eine Vorstellung darüber geben, was für eine heftige Bestrafung spätestens am Ende der Weltzeit jeder Mensch zu erwarten hat, der ein Kind in die Sünde hineinbringt. Wenn man jemandem einen großen Mühlstein an seinem Hals festketten und ihn zusammen damit ins tiefste Meer werfen würde, dann würde er hilflos ertrinken und zuvor wohl auch völlige Panik haben. Aber diese Behandlung ist harmlos im Vergleich zu dem, was ein Mensch zu erwarten hat, der irgendetwas mit einem Kind tut, wodurch das Kind sündig bzw. einer Sünde teilhaftig wird. Wir dürfen uns darauf verlassen, dass diese Worte sich erfüllen werden.

Ganz allgemein muss man selbst als Jesus-Nachfolger darauf achten, niemals anderen einen Anstoß dazu zu geben, dass sie in Sünde geraten. Auch nicht, wenn man irgendeinen Drang dazu empfindet, dies zu tun, denn es heißt in den Versen 7 bis 9:

Wehe der Welt wegen der Anstöße zur Sünde! Denn es ist zwar notwendig, dass die Anstöße zur Sünde kommen, aber wehe jenem Menschen, durch den der Anstoß zur Sünde kommt! 
Wenn aber deine Hand oder dein Fuß für dich ein Anstoß zur Sünde wird, so haue sie ab und wirf sie von dir! Es ist besser für dich, dass du lahm oder verstümmelt in das Leben eingehst, als dass du zwei Hände oder zwei Füße hast und in das ewige Feuer geworfen wirst. 
Und wenn dein Auge für dich ein Anstoß zur Sünde wird, so reiß es aus und wirf es von dir! Es ist besser für dich, dass du einäugig in das Leben eingehst, als dass du zwei Augen hast und in das höllische Feuer geworfen wirst. 

Es ist gemäß diesen Worten völlig irrelevant, ob du in deiner Hand den Drang spürst, etwas Sündiges zu tun oder etwas zu tun, was andere in die Sünde führt, oder ob du mit deinem Auge etwas gesehen hast, was in die Sünde leitet und du es nun auch zu anderen bringen willst, weil du dich dazu gedrängt fühlst. Man muss es trotzdem unterlassen, denn wer dem Drang nachgibt, der wird in das ewige Feuer geworfen. Da gibt’s keine Diskussionen.

Und zuguterletzt betont Jesus nochmal deutlich, dass wir nicht verächtlich an Kindern handeln dürfen, denn er sagte laut Vers 10:

Seht zu, dass ihr keinen dieser Kleinen verachtet! Denn ich sage euch: Ihre Engel im Himmel schauen allezeit das Angesicht meines Vaters im Himmel. 

Hier sehen wir, wie ernst es ist, dass wir darauf achten, nichts verachtenswertes an irgendeinem Kind zu tun. Die Engel, die auf Kinder achten, stehen Gott besonders nahe. Und ein demütiges Kind, das die Sünde verweigert, verächtlich behandeln zu wollen, ruft sofort die Engel Gottes auf den Plan, die es vor allen anderen Sünden dem Höchsten berichten, um zu wissen, wie sie nun darauf zu reagieren haben. Man braucht aber ganz allgemein bei Kindern auch eine möglichst große Geduld und eine möglichst barmherzige Gesinnung, selbst wenn sie kein stilles Wesen haben. Da Kinder sich in den allermeisten Fällen nicht wehren können und bei ihrem verkorksten Verhalten in den jüngsten Jahren auch oftmals wirklich das notwendige Urteilsvermögen noch gar nicht haben, um ihr böses Tun als solches zu erkennen, müssen wir als die stärkere Partei uns davor hüten, nun schändlich an ihnen zu handeln, nur weil wir es können oder weil wir die Nerven verlieren. Es ist gut, Kinder immer wieder deutlich zurechtzuweisen und ihnen alles wegzunehmen im Rahmen des Familienlebens, was ihnen nicht zusteht. Aber es ist nie gut, ihnen irgendeine körperliche Gewalt anzutun, und es ist nie gut, sie mit Verachtung zu strafen.

Desweiteren wird als nächstes das Gleichnis vom verlorenen Schaf erzählt, welches in Kapitel 15 vom Evangelium des Lukas besser aufgeschrieben ist als hier. Denn hier bei Matthäus liest es sich so, als würde es sich allein auf Kinder beziehen. Wir lesen es uns aber trotzdem mal durch. Folgende Worte stehen in den Versen 11 bis 14:

Denn der Sohn des Menschen ist gekommen, um das Verlorene zu retten.
Was meint ihr? Wenn ein Mensch hundert Schafe hat, und es verirrt sich eines von ihnen, lässt er nicht die neunundneunzig auf den Bergen, geht hin und sucht das verirrte? 
Und wenn es geschieht, dass er es findet, wahrlich, ich sage euch: Er freut sich darüber mehr als über die neunundneunzig, die nicht verirrt waren. 
So ist es auch nicht der Wille eures Vaters im Himmel, dass eines dieser Kleinen verlorengeht.

Ganz allgemein ist hier die Moral erkennbar, dass Jesus das suchen wird, was sich verlaufen hat und seiner Obhut entronnen ist. Manch einer fragt sich vielleicht: Warum hat er ausgerechnet über das eine die größte Freude und nicht über die neunundneunzig, die ihm gar nicht erst Stress machten?
Und die Antwort ist, dass es nur eine kurze Freude ist, weil in dem Moment, wo man das gesuchte Schaf findet, man eine große Erleichterung spürt. Es fällt einem ein sprichwörtlicher Stein vom Herzen, also man hat auf dem Herzen überhaupt kein erdrückendes Gefühl mehr, welches aber vorher da war, als man das Schaf noch nicht gefunden hatte und sich große Sorgen machte, was mit ihm passiert sein könnte und ob es überhaupt noch lebt. Das ist mit der großen Freude gemeint. Denn die neunundneunzig waren ja in Sicherheit gebracht, und deshalb muss man bei ihnen nicht befürchten, dass sie möglicherweise schon tot sind.

Als nächstes gibt Jesus Anweisungen für Menschen, die sich dazu entschlossen haben, als Gemeinde zusammen zu leben. Wenn sich ein Mitglied an dem anderen versündigt hat, durch eine nicht todeswürdige Sünde sozusagen, dann soll man es so abhandeln wie in den Versen 15 bis 17. Es steht geschrieben:

Wenn aber dein Bruder an dir gesündigt hat, so geh hin und weise ihn zurecht unter vier Augen. Hört er auf dich, so hast du deinen Bruder gewonnen. 
Hört er aber nicht, so nimm noch einen oder zwei mit dir, damit jede Sache auf der Aussage von zwei oder drei Zeugen beruht. 
Hört er aber auf diese nicht, so sage es der Gemeinde. Hört er aber auch auf die Gemeinde nicht, so sei er für dich wie ein Heide und ein Zöllner. 

Hierbei wäre es überaus schmerzhaft für den Benachteiligten, an dem sich versündigt wurde, wenn seine Gemeinde nur aus Idioten besteht und sie dem Sünder Recht geben und nicht dem Opfer, oder wenn seine Gemeinde aus Heuchlern besteht, die solche Dinge gar nicht erst hören wollen, damit nicht die ganze freudige Atmosphäre in der Gemeinde kaputtgeht. Letzten Endes führt dich jede Situation, wo niemand empört ist über die Sünde, die gegen dich geschah, genau an den Punkt, der auch von Jesus in Vers 17 erwähnt wird: Sie sollen für dich sein wie Heiden und Zöllner. Also wie Menschen, von denen man sich fernhält, wo man aktiv das Weite sucht und keinerlei Gemeinschaft mehr wünscht. Denn die Heiden klammern aus Gewohnheit an falschen Gottheiten und falschen Geboten und sind daher keine gute Gesellschaft, und die Zöllner versuchen immer nur, den Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Von Derartigem gilt es sich fernzuhalten. Das bringt unser Vorbild Jesus hier deutlich zum Ausdruck. Man kann nur in der Gemeinde bleiben, wenn der Sünder Einsicht zeigt und um Vergebung bittet und wenn die Mitglieder für Gottes Gerechtigkeit eifern.

Als nächstes erhält man noch ein paar außergewöhnliche Zusagen, die merklich für die Zeit nach der Auferstehung angedacht sind, und trotzdem bereits in diesen Tagen von Jesus geäußert wurden. Wir lesen in den Versen 18 bis 20:

Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, das wird im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, das wird im Himmel gelöst sein. 
Weiter sage ich euch: Wenn zwei von euch auf Erden übereinkommen über irgendeine Sache, für die sie bitten wollen, so soll sie ihnen zuteilwerden von meinem Vater im Himmel. 
Denn wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich in ihrer Mitte.

Dieses Binden und Lösen ist Teil eines Befreiungsdienstes, also wenn jemand von Jesus persönlich  dazu ausgesondert wurde, für dämonisch besessene Menschen zu beten, die frei werden sollen. Der Satan hasst es, wenn sein Eigentum beschlagnahmt wird, an dem er sich Anrechte verdiente durch die erfolgreichen Verführungen zur Sünde. Deswegen wird er alles tun was er kann, um die Befreiung zu verhindern. Wenn man in diesen Dingen einen Beitrag zum Gelingen leisten will, so muss man den Vater in Jesu Namen im Gebet darum bitten, dass alle bösen Geister gebunden werden sollen, damit sie die Befreiung nicht verhindern können, und dass der geplagte Mensch losgelöst werden soll aus allen Flüchen, die auf ihn gebracht wurden. Wenn aber einer durch eigenes Verschulden geplagt ist, so muss er selber es widerrufen und Gott um Vergebung bitten für seine Schande, sonst kann er nicht frei werden. Weiterhin ist die Aussage in Vers 19 so gemeint, das zwei Menschen sich abgesprochen haben, für eine Sache zu beten, und dann betet jeder einzeln in einem eigenen Gebet dafür, um die Sache dem Vater vorzutragen. Und in Vers 20 sehen wir, wie Jesus ankündigte, dass er die ihm nach der Auferstehung aus den Toten zufallende macht einsetzen kann und will, um in der Mitte von Menschen zu sein, die aufrichtig um seines Namens willen mit einander Zeit verbringen, besonders wenn sie zu zweit oder zu dritt auf Verkündigungsreise gehen oder sich in einem Haus treffen. Jesus ist offensichtlich kein Freund von Massenveranstaltungen, aber wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind und nicht um des eigenen Namens willen, so sagt er zu, in ihrer Mitte zu erscheinen.

Wenn wir nun die restlichen Verse dieses Kapitels anschauen, fällt schnell auf, dass Jesus ein komplexes Gleichnis vorträgt, nämlich das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht. Dieses Gleichnis ist möglicherweise das wichtigste Gleichnis, welches von Jesus während seiner Zeit auf der Erde geredet wurde, und deswegen habe ich ein extra Video erstellt, welches allein diesem Gleichnis gewidmet ist. Ihr könnt den Link zu diesem Video in der Textbox finden, falls es euch interessiert. Und obwohl dieses Gleichnis schon ein eigenes Video gewidmet bekam, wollen wir es uns trotzdem auch diesmal durchlesen, und es soll grundsätzlich erkennbar gemacht werden. In Vers 21 und 22 erfahren wir zunächst, was der Anlass war, das Gleichnis vorzutragen. Denn dort lesen wir:

Da trat Petrus zu ihm und sprach: Herr, wie oft soll ich meinem Bruder vergeben, der gegen mich sündigt? Bis siebenmal? 
Jesus antwortete ihm: Ich sage dir, nicht bis siebenmal, sondern bis siebzigmalsiebenmal! 

Die ganze Sache ging also damit los, dass Petrus wissen wollte, wie oft er einem Mensch vergeben soll, bevor er ihm Vergebung verweigern darf, wenn danach schonwieder etwas passiert. Und Jesus sagt: Bis siebzigmal siebenmal, also 490 mal. Ich kann mir aber ehrlich gesagt nicht vorstellen, dass irgendwer sich nun hinsetzt und eine Strichliste führt, wie oft er einem bestimmten Mensch schon vergeben hat, damit er weiß, wann das 490ste Mal erreicht ist und er nun endlich Vergebung verweigern darf. Die ganze Art, wie Jesus reagierte, ist sowieso eine starke Andeutung darauf, dass man am besten immer wieder vergeben sollte, ohne ein wirklich überwachtes Limit. Und warum jeder Mensch richtig handelt, wenn er genau dies tut, soll uns durch das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht erläutert werden. Wir lesen darüber folgendes in Vers 23 und 24:

Darum gleicht das Reich der Himmel einem König, der mit seinen Knechten abrechnen wollte. 
Und als er anfing abzurechnen, wurde einer vor ihn gebracht, der war 10.000 Talente schuldig. 

In dem Gleichnis will also ein König an einem Tag Geldschulden bzw. Strafgelder eintreiben von denen, die ihm etwas Entsprechendes schuldig sind. Und es wird einer zu ihm gebracht, dessen Schuld so hoch ist, dass es mit zehntausend Talenten aufgeführt wird. Diese Summe ist an sich unbezahlbar, besonders für einen einfachen Bürger. Und da hat der Bürger nun natürlich ein riesengroßes Problem. Denn wenn er eine so große Geldsumme schuldet, die er beim besten Willen nicht erarbeiten kann, auch wenn er sich noch so sehr anstrengen würde, was soll dann aus ihm werden? Das verheißt nichts Gutes. Und besonders wichtig für uns ist, dass jeder von uns sich selber an der Stelle dieses Knechtes sehen muss, der zehntausend Talente bezahlen soll. Denn wir sind ja Gott etwas schuldig für jedes Mal, für jede Situation einzeln, wo wir eine Sünde verübt haben. Jede Lüge wird einzeln abgerechnet. Jede Hassgedanke wird einzeln abgerechnet. Jede Unzucht wird einzeln abgerechnet, auch wenn sie nur mit den Augen geschah, indem wir Leute lüsternd anschauten. Jede Zauberei wird einzeln angerechnet, und jede Lästerung, und jeder Diebstahl, und so weiter. Und wenn man das alles zusammenrechnet, um die Summe zu bekommen, dann wird jeder von uns in die gleiche Lage kommen wie der Knecht aus dem Gleichnis. Unsere Schuld ist so enorm groß, dass wir sie nicht erstatten können. Wir können das Lösegeld nicht zahlen. Denn Gott erinnert sich an alles. Wir selber haben wohl ganz viele von den Situationen schon längst vergessen, wo wir etwas Gotteslästerliches taten, aber Gott selbst hat es alles dokumentiert. Was machen wir an dem Tag, wo wir aufgefordert werden, unser Strafgeld zu bezahlen? Es ist wirklich bei uns allen so hoch, dass wir es gar nicht ausgleichen könnten, selbst wenn wir große Motivation hätten, es zu versuchen. Und was mit dem Knecht aus dem Gleichnis geschieht, lesen wir in Vers 25, wo es heißt:

Weil er aber nicht bezahlen konnte, befahl sein Herr, ihn und seine Frau und seine Kinder und alles, was er hatte, zu verkaufen und so zu bezahlen. 

Hier sieht man, dass der zahlungsunfähige Knecht inklusive seiner Ehefrau und seines Nachwuchses in die Hände eines Sklaventreibers gegeben werden soll. Das ist auch der Ausgang, den wir zu erwarten haben wegen unserer bestehenden Schuld für all das, womit wir uns bis zum heutigen Tag an Gott versündigten.

In Vers 26 heißt es weiter:

Da warf sich der Knecht nieder, huldigte ihm und sprach: Herr, habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen! 

Diese Äußerung ist schon ziemlich verrückt. Der Knecht in seiner Verzweiflung sagt allen Ernstes. er will es bezahlen. Das kann er doch gar nicht! Es ist eine unerfüllbare Versprechung. Und der König weiß das auch ganz genau. Der sieht den Knecht und weiß: „Der wird es nie schaffen, seine Schuld zu bezahlen!“
Allerdings wirft sich der Knecht nieder vor dem, der Macht darüber hat, was mit ihm geschehen soll, und huldigt ihm. Und er bittet um Geduld bzw. um Erbarmen, praktisch weil er erkennt, dass er genau das unbedingt nötig hat. Das ist ein wichtiges Detail. Es gibt nämlich heutzutage reichlich Christen, die gar nicht begreifen, dass sie dringend Erbarmen nötig haben, weil es ansonsten zum Sklaventreiber geht. Aber welche Entscheidung trifft nun der König aus dem Gleichnis? Er weiß, dass die Schuld zu groß ist, um sie begleichen zu können, daher wäre Geduld haben sinnlos. In Vers 27 lesen wir:

Da erbarmte sich der Herr über diesen Knecht, gab ihn frei und erließ ihm die Schuld. 

Dies ist ein sehr großzügiger Akt, der hier beschrieben wird. Der Herr des Knechtes erlässt ihm die Schuld, sodass er darauf verzichtet, alles zu empfangen, was ihm an Geld zustehen würde. Der Knecht durfte einfach gehen, wohin er wollte und hatte seiner Verpflichtung nicht mehr zu erfüllen, das Strafgeld zu bezahlen. Eine solche Herzensgüte ist außergewöhnlich, beinahe undenkbar, aber bei Gott ist sie möglich. Allerdings hat Gott natürlich nicht nur ein derart gütiges Herz bei seinen eigenen Entscheidungen, sondern wünscht sich auch, dass man eben das Gute, was man von ihm erlebt hat, an andere weiterträgt. Und dies tut der Knecht aus dem Gleichnis überhaupt nicht, denn wir lesen in den Versen 28 bis 30:

Als aber dieser Knecht hinausging, fand er einen Mitknecht, der war ihm 100 Denare schuldig; den ergriff er, würgte ihn und sprach: Bezahle mir, was du schuldig bist! 
Da warf sich ihm sein Mitknecht zu Füßen, bat ihn und sprach: Habe Geduld mit mir, so will ich dir alles bezahlen! 
Er aber wollte nicht, sondern ging hin und warf ihn ins Gefängnis, bis er bezahlt hätte, was er schuldig war. 

Durch diese Verse sieht man deutlich, dass der Knecht voll Bosheit im Herzen war und in einer Situation, wo er etwas zu fordern hatte, komplett anders handelte als sein König. Und dabei war es doch nur eine überschaubare Schuld, die er einzufordern hatte. Bei dieser Schuld war es sehr wahrscheinlich, dass der Schuldner sie erstatten kann, wenn man ihm nur etwas mehr Zeit gewährt. Und während dem Knecht eine unbezahlbare Schuld erlassen worden war und er davor bewahrt wurde, dass er und seine Familie als Sklaven verkauft werden, zeigt dieser Knecht kein Erbarmen mit dem Mann, der ihm eine Kleinigkeit schuldet. Das ist echt heftig. Es wäre auch dann schon ziemlich bedauerlich, wenn es keine Vorgeschichte gegeben hätte. Aber dadurch, dass ein Knecht sich so benimmt, dem selbst eine unbezahlbare Schuld nicht mehr zugerechnet werden sollte, wurde diese Sache endgültig unausstehlich. Und in Vers 31 lesen wir:

Als aber seine Mitknechte sahen, was geschehen war, wurden sie sehr betrübt, kamen und berichteten ihrem Herrn den ganzen Vorfall. 

Diese sogenannten Mitknechte konnten es in ihren Herzen offensichtlich nicht aushalten, was da passiert war, und erzählten es dem König. Und die Reaktion des Königs steht in den Versen 32 bis 34, wo wir lesen:

Da ließ sein Herr ihn kommen und sprach zu ihm: Du böser Knecht! Jene ganze Schuld habe ich dir erlassen, weil du mich batest; 
solltest denn nicht auch du dich über deinen Mitknecht erbarmen, wie ich mich über dich erbarmt habe? 
Und voll Zorn übergab ihn sein Herr den Folterknechten, bis er alles bezahlt hätte, was er ihm schuldig war. 

Man bemerkt ein sehr großes Entsetzen bei dem König des Gleichnisses. Und hier sind jetzt auch wir herausgefordert, denn wir müssen darüber nachdenken, ob wir selber auch Gott zu solch einem großen Entsetzen reizen wollen und ob wir uns darüber im Klaren sind, also wirklich mit eigenem Bewusstsein, was Gott dann mit uns tun wird. Und dabei könnte es rein theoretisch sein, dass der Schuldner, der dem Knecht nur eine kleine Geldsumme schuldete, ein unangenehmer Zeitgenosse war, wo es dem Knecht nun auch egal war, wenn der Typ im Gefängnis landet. Vielleicht war der Schuldner ein regelrechter Vollpfosten, wo man leicht dazu neigt, zu denken, der hat keine Gnade verdient. Aber man muss bedenken, dass nach diesem Detail der König gar nicht fragt. Der König achtete nicht auf den Schuldner mit den 100 Denaren. Der König schaut auf seinen Knecht. Und der König will nicht wissen, ob der Schuldner des Knechtes sympathisch oder unsympathisch, freundlich oder aufbrausend ist. Der König prüft allein, ob sein Knecht genau so barmherzig handelte, wie an ihm gehandelt wurde. Und das ist ganz offensichtlich nicht geschehen, obwohl es doch die reinste Selbstverständlichkeit wäre, allein schon aus Prinzip. Und man sieht an Vers 34, dass deswegen der Knecht des Königs zu den Folterknechten gebracht wurde. Das ist ein noch schlimmerer Zustand als ein Sklavenleben. Denn als Sklave muss man hart arbeiten und sich dann daran genügen lassen, dass man Essen und Unterkunft hat, aber man wird nicht geschlagen, außer mal kurz, wenn man faul ist. Ein Mensch aber, der zu Folterknechten kommt, der erhält täglich Schläge und kann nichts dagegen unternehmen, denn die Schläge kommen ständig. Da wäre es sogar für den Knecht des Königs der geringere Schaden gewesen, samt seiner Familie zum Sklave zu werden, als dass er nun wegen seiner eigenen entsetzlichen Unbarmherzigkeit zu Folterknechten gebracht wurde. Und wir sollten daraus deutlich erkennen, dass die mangelnde Wertschätzung der Gnade, die zuerst geschehen war, eine umso heftigere Strafe hervorbrachte. In Vers 35 gibt Jesus dann selbst noch zu dem Gleichnis folgenden Kommentar ab:

So wird auch mein himmlischer Vater euch behandeln, wenn ihr nicht jeder seinem Bruder von Herzen seine Verfehlungen vergebt.

Dadurch sehen wir, dass im Bezug auf das gerade gelesene Gleichnis nicht Jesus der König ist, sondern Gott ist diesmal der König in diesem Gleichnis. Und Jesus sagt, dass Gott genau so an uns handelt wie dieser König. Deswegen müssen wir uns darüber im Klaren sein, wenn wir die dringend von Gott benötigte Vergebung annehmen, damit wir kein bedrückendes Sklavenleben bekommen, dass wir dabei gleichzeitig die Verpflichtung auf uns selber laden, den anderen Vergebung zu schenken, damit wir nicht etwa so unmoralisch und herzlos wie der Knecht aus dem Gleichnis leben und dann zu Folterknechten gebracht werden.

Das ist soweit alles, was man in diesem Kapitel vorfindet. Was lernen wir nun daraus, und was können wir uns für unsere eigene Nachfolge daraus mitnehmen?
Der Inhalt dieses Kapitels ist ein weiteres Mal gut dazu geeignet, dass wir erkennen, wie kostbar herzliche Demut ist bei Jesus, und dass wir genau danach streben sollen. Und besonders wenn es mal ein demütiges Kind gibt, sollte man es als echter Jesus-Nachfolger eben deshalb respektieren. Wir lernen außerdem durch dieses Kapitel besonders gut, wie schlecht und verwerflich es ist, irgendeinen Mensch dazu anzuspornen, dass er Sünden tut. Da hat man absolut gar nichts Erfreuliches von der Zukunft zu erwarten, wenn man sich erdreistet, Anstöße zur Sünde zu verursachen. Als Jesus-Nachfolger muss einem diese Gewissheit stets in Erinnerung sein, und man muss das eigene Handeln bzw. die eigenen Vorhaben dahin gehend prüfen.
Und ansonsten zeichnet sich dieses Kapitel natürlich besonders dadurch aus, dass man hier das Gleichnis vom unbarmherzigen Knecht findet, denn die anderen Evangelien haben dieses Gleichnis nicht. Und besonders wegen diesem ernsten Gleichnis müssen wir immer kompromisslos und ohne leichtfertig zu werden daran denken, was für eine hohe Bedeutung Vergebung hat und wie viele Schulden wir bei Gott haben, die wir normalerweise alle bezahlen müssten, obwohl das in der Praxis gar nicht machbar ist. Denn Gold und Silber interessieren ihn gar nicht, das gilt bei ihm nichtmal als Zahlungsmittel. Diese Ermahnung muss uns in der Nachfolge stets begleiten.

Und das war’s auch schon mit dem Inhalt dieses Kapitels.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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