Text zu "Bibellehre - Kapitel 26 im Evangelium des Matthäus"

Link zum Video: https://youtu.be/-WkDfkJvK5A

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 26 vom Evangelium des Matthäus gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.

Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.

Nachdem Jesus im vorherigen Kapitel bemerkenswerte Gleichnisse vor seinen Jüngern geredet hatte, geht es mit Folgendem weiter gemäß den Versen 1 und 2:

Und es geschah, als Jesus alle diese Worte beendet hatte, sprach er zu seinen Jüngern: 
Ihr wisst, dass in zwei Tagen das Passah ist; dann wird der Sohn des Menschen ausgeliefert, damit er gekreuzigt werde.

Diese Worte sprach Jesus zu seinen Jüngern ein weiteres Mal in aller Ernsthaftigkeit. Gleichzeitig spielte sich an einem anderen Ort eine Szene ab, die die Jünger nicht mitbekamen, die aber Auswirkungen hatte, denn wir lesen in Vers 3 bis 5:

Da versammelten sich die obersten Priester und die Schriftgelehrten und die Ältesten des Volkes im Hof des Hohenpriesters, der Kajaphas hieß. 
Und sie hielten miteinander Rat, wie sie Jesus mit List ergreifen und töten könnten. 
Sie sprachen aber: Nicht während des Festes, damit kein Aufruhr unter dem Volk entsteht!

Die ganzen religiösen Leiter und Führer des Volkes versammelten sich also auf dem privaten Grundstück eines Mannes aus ihrer Mitte, nämlich Kajaphas, um einen Plan auszuhecken, wie sie Jesus beseitigen könnten. Dabei hatten sie den Anspruch, dass Jesus verschwinden muss, ohne einen Aufruhr im Volk entstehen zu lassen. Das ist ein ziemlich hoher Anspruch, und deswegen mussten sie auch intensiv Ideen austauschen. Dass ihr Vorhaben absolut bösartig und gottlos war, störte sie dabei überhaupt nicht. Wie auch all die anderen Male, als sie die Ermordung von Propheten planten in früheren Jahren.

Jedenfalls lesen wir als nächstes von der Begebenheit, dass Jesus buchstäblich eine Salbung bekam vor seinem Leiden, denn es steht geschrieben in den Versen 6 bis 13:

Als nun Jesus in Bethanien im Haus Simons des Aussätzigen war, 
da trat eine Frau zu ihm mit einer alabasternen Flasche voll kostbaren Salböls und goss es auf sein Haupt, während er zu Tisch saß. 
Als das seine Jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen: Wozu diese Verschwendung? 
Man hätte dieses Salböl doch teuer verkaufen und den Armen geben können! 
Als es aber Jesus bemerkte, sprach er zu ihnen: Warum bekümmert ihr diese Frau? Sie hat doch ein gutes Werk an mir getan! 
Denn die Armen habt ihr allezeit bei euch, mich aber habt ihr nicht allezeit. 
Damit, dass sie dieses Salböl auf meinen Leib goss, hat sie mich zum Begräbnis bereitet. 
Wahrlich, ich sage euch: Wo immer dieses Evangelium verkündigt wird in der ganzen Welt, da wird man auch von dem sprechen, was diese getan hat, zu ihrem Gedenken!

Dieser Text beweist auch, dass die Jünger von Jesus daran gewöhnt waren, allezeit Almosen auszuteilen. Das ist für sie das Normalste der Welt gewesen, und weil Jesus mit sehr kostbarem Salböl gesalbt wurde, meinten sie wohl, es wäre besser gewesen, dieses für Geld zu verkaufen und das Geld den Armen zu geben. Genau das ist ja die Belehrung von Jesus. Und doch sagte Jesus diesmal, weil er kurz vor dem Tod steht, dass es als gutes Werk betrachtet werden soll, was die Frau tut. Man kann jetzt daraus schließen, dass man in Tagen der Trauer keine Almosen erbitten sollte, aber das ist nur mal eine kleine Randbemerkung.

Sobald die Szene mit der Salbung vorbei war, geschah etwas Anderes, wovon wir in den Versen 14 bis 16 erfahren. Dort lesen wir:

Da ging einer der Zwölf namens Judas Ischariot hin zu den obersten Priestern 
und sprach: Was wollt ihr mir geben, wenn ich ihn euch verrate? Und sie setzten ihm 30 Silberlinge fest. 
Und von da an suchte er eine gute Gelegenheit, ihn zu verraten.

Dreißig Silberlinge war in alten Zeiten der gewöhnliche Preis, um einen Sklave zu kaufen. Genau der gleiche Preis wird hier für das Leben für Jesus von den obersten Priestern festgesetzt. Ich hätte das nicht gedacht, dass der Messias, der Retter der Welt, in ihren Augen nicht mehr wert ist als ein einfacher Sklave, aber es zeigt ein weiteres Mal die Verdorbenheit ihres Herzens. Das Schlimmste Detail an dieser Sache ist aber, dass sie überhaupt erst Mordpläne austüfteln wollten.

In den als nächstes folgenden Versen werden wir lesen, was Matthäus über das letzte Passahmahl berichtet. Zuerst lesen wir, auf welche Weise die Vorbereitung geschah. Es steht geschrieben in den Versen 17 bis 19:

Am ersten Tag der ungesäuerten Brote traten die Jünger nun zu Jesus und sprachen zu ihm: Wo willst du, dass wir dir das Passahmahl zu essen bereiten? 
Und er sprach: Geht hin in die Stadt zu dem und dem und sprecht zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist nahe; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Passah halten! 
Und die Jünger machten es, wie Jesus ihnen befohlen hatte, und bereiteten das Passah. 

Es ist wichtig zu beachten, dass Jesus selbst das Passahlamm aß. Durch diesen Fakt wird jeder Mensch als ahnungsloser Spinner überführt, der behauptet, Jesus sei ein Vegetarier gewesen. Es gab aber offensichtlich auch einen Mensch, zu dem die Jünger hingehen mussten und der für Jesus die Räumlichkeiten des Hauses zur Verfügung stellte, damit Jesus das Passahmahl dort abhalten kann, und so wurde alles vorbereitet. Weiterhin lesen wir in den Versen 20 bis 25:

Als es nun Abend geworden war, setzte er sich mit den Zwölfen zu Tisch. 
Und während sie aßen, sprach er: Wahrlich, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten! 
Da wurden sie sehr betrübt, und jeder von ihnen fing an, ihn zu fragen: Herr, doch nicht ich? 
Er antwortete aber und sprach: Der mit mir die Hand in die Schüssel taucht, der wird mich verraten.
Der Sohn des Menschen geht zwar dahin, wie von ihm geschrieben steht; aber wehe jenem Menschen, durch den der Sohn des Menschen verraten wird! Es wäre für jenen Menschen besser, wenn er nicht geboren wäre. 
Da antwortete Judas, der ihn verriet, und sprach: Rabbi, doch nicht ich? Er spricht zu ihm: Du hast es gesagt!

Diese Verse sind sozusagen ein auf das Allernötigste verkürzter Bericht über die Ankündigung des Verrats, der durch Judas Ischariot geschehen würde. Als nächstes wird der neue Bund angekündigt, bei dem die Vergebung anders funktionieren wird als bisher. Denn bis dahin musste man immer ein für den Opferdienst taugliches Tier abgeben, um Sündenschuld loszuwerden, sofern man in Sünde gefallen war und keine Todesstrafe darauf stand, zum Beispiel wenn man sich geweigert hatte, Zeugnis zu geben von einem Verbrechen, das man sah oder wenn man leichtfertig mit den eigenen Lippen etwas geschworen hatte, was man gar nicht einhält. Aber im neuen Bund benötigt man zur Erlangung von Vergebung keine Opfertiere mehr, denn es steht geschrieben in den Versen 26 bis 28:

Als sie nun aßen, nahm Jesus das Brot und sprach den Segen, brach es, gab es den Jüngern und sprach: Nehmt, esst! Das ist mein Leib. 
Und er nahm den Kelch und dankte, gab ihnen denselben und sprach: Trinkt alle daraus! 
Denn das ist mein Blut, das des neuen Bundes, das für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden. 

Es wird also durch diesen Akt an das Blut erinnert, das Jesus vergießen musste, um Sündenvergebung zu ermöglichen, denn er selber war komplett sündlos, und zwar als einziger Mensch in der Menschheitsgeschichte. Kein anderer hat es geschafft, ein ganzes Menschenleben lang immer alles richtig zu machen nach Gottes Definition. Und das Blut des neuen Bundes ermöglicht nicht nur Vergebung für einfache Sünden, sondern kann sogar die Sündenschuld für Übertretungen tilgen, die normalerweise den Tod des Sünders verlangen per Gesetz, weil Jesus sein Leben gab für unseres. Diese Vergebung ist daher kraftvoller als die mögliche Vergebung durch Tierblut.

Eine auch recht interessante Äußerung macht Jesus in Vers 29, wo es heißt:

Ich sage euch aber: Ich werde von jetzt an von diesem Gewächs des Weinstocks nicht mehr trinken bis zu jenem Tag, da ich es neu mit euch trinken werde im Reich meines Vaters!

Im Reich Gottes wird offensichtlich auch essen und trinken möglich sein, nur eben in einer anderen Existenzform. Vermutlich ist da auch die ganze Wahrnehmung anders, wenn man dort etwas essen oder trinken kann. Jesus aber merkt an, dass er jetzt gerade zum letzten Mal ein Getränk in seinem Erdenleben trinkt, das aus Weintrauben gewonnen wird und als Genussmittel gilt. Aber wenn es auch das letzte Mal auf Erden war, so blieb ihm doch noch die Vorfreude auf die Tage im Reich Gottes, wenn dann auch seine Apostel dort bei ihm sein dürfen.

In Vers 30 lesen wir:

Und nachdem sie den Lobgesang gesungen hatten, gingen sie hinaus an den Ölberg. 

Der Lobgesang, der hier erwähnt wird, ist biblisch nicht als Pflicht definiert, sondern es handelt sich um eine von den Juden eingeführte Tradition. Und die eingeführte Tradition sieht so aus, dass man nacheinander die Psalmen 113 bis 118 singen soll anlässlich des Passahfestes. Danach aber machten sie sich auf dem Weg zum Ölberg, das ist ein Ort in der freien Natur, nahe bei Jerusalem, wo Jesus immer übernachtete, denn er wollte nie über Nacht in Jerusalem sein. Jesus wusste aber, dass bald Menschen kommen und ihn gefangen nehmen. Daher lesen wir Folgendes in den Versen 31 bis 35:

Da spricht Jesus zu ihnen: Ihr werdet in dieser Nacht alle an mir Anstoß nehmen; denn es steht geschrieben: »Ich werde den Hirten schlagen, und die Schafe der Herde werden sich zerstreuen«. 
Aber nachdem ich auferweckt worden bin, will ich euch nach Galiläa vorangehen. 
Da antwortete Petrus und sprach zu ihm: Wenn auch alle an dir Anstoß nehmen, so werde doch ich niemals Anstoß nehmen! 
Jesus spricht zu ihm: Wahrlich, ich sage dir: In dieser Nacht, ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen! 
Petrus spricht zu ihm: Und wenn ich auch mit dir sterben müsste, werde ich dich nicht verleugnen! Ebenso sprachen auch alle Jünger.

Dazu muss man vermutlich nicht viel sagen. Die Apostel machen sich zwar Hoffnung, dass sie bis zum allerletzten Moment an der Seite von Jesus bleiben, da sie ja bis zum jetzigen Zeitpunkt auch immer treu waren trotz allen Streitereien und aller Verachtung gegen Jesus von den Menschen dieser Welt, aber es wird letztlich wohl doch nicht klappen. Weiterhin wird berichtet in den Versen 36 bis 38:

Da kommt Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das Gethsemane genannt wird. Und er spricht zu den Jüngern: Setzt euch hier hin, während ich weggehe und dort bete! 
Und er nahm Petrus und die zwei Söhne des Zebedäus mit sich; und er fing an, betrübt zu werden, und ihm graute sehr. 
Da spricht er zu ihnen: Meine Seele ist tief betrübt bis zum Tod. Bleibt hier und wacht mit mir! 

Diese Situation, wo nun alle am Ölberg angekommen sind, ist besonders intensiv. Jesus ist tief betrübt bis in den Tod. Das ist keine Kleinigkeit. Ihm graute sehr, denn er wusste, was mit ihm passieren würde, und musste es trotzdem durchstehen. Und was macht er in dieser Lage, wo er tief betrübt ist bis in den Tod? Er betet zu Gott. Er hatte aber auch die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes beiseite genommen, was man durchaus so verstehen darf, dass diese am treusten waren und wohl noch den größten Glaube hatten. 
Was nun Jesus sprach, als er betete, lesen wir in Vers 39. Dort steht:

Und er ging ein wenig weiter, warf sich auf sein Angesicht, betete und sprach: Mein Vater! Ist es möglich, so gehe dieser Kelch an mir vorüber; doch nicht wie ich will, sondern wie du willst! 

Allzu viele Worte sprach er also nicht, denn wir sollen ja nicht plappern im Gebet, aber die gesprochenen Worte haben es in sich. Jesus wünscht sich in diesem Augenblick nichts so sehr, wie dass die Misshandlung und die Kreuzigung ihm erspart bleiben können. Darum bringt er gegenüber Gott seinen Willen zum Ausdruck, dass dieser sprichwörtliche Kelch, also die Kreuzigung, doch an ihm vorüber gehen soll, also dass es ihm erspart bleibt. Das ist es, was Jesus will. Und obwohl das definitiv sein Wille ist, sagt er zu Gott: Nicht wie ich will, sondern wie du willst. Er ist also bereit, die Kreuzigung trotzdem zu erdulden, wenn Gott sagt, dass es passieren muss. Jesus ist tief betrübt bis in den Tod und ist trotzdem darauf bedacht, den Wille Gottes höher zu achten als seinen eigenen. Das ist unser Vorbild, aber es ist zugegebenermaßen schon eine derart intensive und heftige Treue, dass es schwer wird, als Nachfolger oder Nachfolgerin auf das selbe Level zu kommen. Manche lauwarme Christen würden in solch einer Situation wohl eher im Gebet sagen: „Vater, ich glaube, dass ich diesen Kelch nicht trinken muss, und ich empfange glaubend im Gebet deinen Freispruch. Danke!“
So beten Gottes Feinde, die sich einbilden, Kinder Gottes zu sein. Jesus aber betete, indem er sagte: „Nicht wie ich will, sondern wie du willst!“
Das ist gleichwertig damit, dass er sagt: „Egal wie grausam auch der Schmerz sein wird, und auch wenn ich am liebsten sofort die Flucht ergreifen würde, so ist doch kein Wunsch in meinem Herzen größer als der, dass dein Plan aufgeht, den du ersonnen hast, unabhängig von meinen Gefühlen.“

Jedenfalls schaut Jesus nach diesem ersten Gebet mal kurz nach seinen drei Jüngern, die er als die treusten empfindet, und wir lesen darüber folgendes in Vers 40 und 41:

Und er kommt zu den Jüngern und findet sie schlafend und spricht zu Petrus: Könnt ihr also nicht eine Stunde mit mir wachen? 
Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung kommt! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.

Offensichtlich waren die drei treusten Apostel bereits eingeschlafen. Nun ist die Frage, ob man ihnen das verübeln kann. Jesus war voller Todesangst, und diese Angst hält wach. Aber die Apostel hatten mit ihrem Herzen irgendwie noch gar nicht so richtig begriffen, was passieren wird und wie ernst die Lage ist, deshalb konnten sie schlafen. Und es war gerade tiefste Nacht, darum sie waren unter Garantie sehr müde. Ich glaube, aufgrund der Umstände ist es verzeihlich, das sie einschliefen. Jedenfalls lesen wir in Vers 42: 

Wiederum ging er zum zweiten Mal hin, betete und sprach: Mein Vater, wenn dieser Kelch nicht an mir vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille! 

Hier passiert etwas Bemerkenswertes. Bei den Heuchlern des Glaubens ist es so, wenn sie einmal gebetet haben, damit das Begehren ihres Herzens erfüllt wird, und sie empfangen nichts, dass sie dann beim zweiten Mal Beten noch intensiver auf sich selber schauen und noch dringender ihre eigene Erwartung formulieren. Jesus aber sagt: „Wenn dieser Kelch nicht an mir vorüber gehen kann, ohne dass ich ihn trinke, so geschehe dein Wille!“ Jesus denkt bei dem zweiten Gebet noch stärker an den Willen des Vaters als beim ersten Gebet. Fällt euch das auf? Im ersten Gebet hatte er den Schwerpunkt seines Gebets darauf gelegt, dass der Kelch an ihm vorübergehen soll. Nun aber, beim zweiten Gebet steckt schon ein bisschen die Erkenntnis mit drin, dass es wohl nicht vermeidbar ist, diesen Kelch zu trinken, wenn der Wille des Vaters geschehen soll. Die Hingabe zu dem Willen Gottes, auch wenn es Schmerzen bedeutet, war also beim zweiten Gebet stärker als beim Ersten. Und das, obwohl Jesus kurz vor der Misshandlung und der Kreuzigung stand und sich wirklich nichts Schöneres hätte vorstellen können in diesem Moment, als das Elend zu vermeiden. Das ist wirklich mal eine selbstlose Hingabe zu Gott, wie man sie nur höchst selten findet.

In den Versen 43 bis 46 lesen wir dann folgende Worte:

Und er kommt und findet sie wieder schlafend; denn die Augen waren ihnen schwer geworden. 
Und er ließ sie, ging wieder hin, betete zum dritten Mal und sprach dieselben Worte. 
Dann kommt er zu seinen Jüngern und spricht zu ihnen: Schlaft ihr noch immer und ruht? Siehe, die Stunde ist nahe, und der Sohn des Menschen wird in die Hände der Sünder ausgeliefert. 
Steht auf, lasst uns gehen! Siehe, der mich verrät, ist nahe.

Der Vers 46 ist vielleicht ein wenig verwirrend. Obwohl Jesus schon wusste, dass die Kreuzigung zu Gottes Plan dazugehört, wollte er seine Jünger zum aufstehen bewegen, um mit ihnen den Ort zu verlassen. Es scheint so zu sein, dass Jesus davon ausging, er würde es ja sowieso nicht schaffen, zu fliehen, auch wenn er es versucht, sofern die Kreuzigung wirklich der Wille Gottes ist, aber wenn Gott ihn freilässt, so würde seine Flucht gelingen. Weiterhin steht in den Versen 47 bis 49:

Und während er noch redete, siehe, da kam Judas, einer der Zwölf, und mit ihm eine große Schar mit Schwertern und Stöcken, gesandt von den obersten Priestern und Ältesten des Volkes. 
Der ihn aber verriet, hatte ihnen ein Zeichen gegeben und gesagt: Der, den ich küssen werde, der ist’s, den ergreift! 
Und sogleich trat er zu Jesus und sprach: Sei gegrüßt, Rabbi!, und küsste ihn. 

Dieser Kuss, der hier beschrieben wird, ist ein ganz normaler Begrüßungskuss, wie es in Israel Brauch ist. Die Leute dort sind daran gewöhnt, einander mit Küssen zu begrüßen, auch wenn wir in Deutschland sowas nicht kennen. Diesmal sollte es aber auch ein Zeichen für die ganzen Leute sein, die mit Judas gekommen waren, um zu erkennen, welcher von den ganzen Männern am Ölberg der ist, der gefangen werden muss. Denn es war sehr dunkel und daher war es sehr schwer, Jesus zu erkennen, besonders durch die Augen von Soldaten oder irgendwelchen priesterlichen Knechten. Es musste also einer den Mann markieren, der ihn erkennen kann, auch im Dunkeln.

In den Versen 50 bis 54 lesen wir:

Jesus aber sprach zu ihm: Freund, wozu bist du hier? Da traten sie hinzu, legten Hand an Jesus und nahmen ihn fest. 
Und siehe, einer von denen, die bei Jesus waren, streckte die Hand aus, zog sein Schwert, schlug den Knecht des Hohenpriesters und hieb ihm ein Ohr ab.
Da sprach Jesus zu ihm: Stecke dein Schwert an seinen Platz! Denn alle, die zum Schwert greifen, werden durch das Schwert umkommen! 
Oder meinst du, ich könnte nicht jetzt meinen Vater bitten, und er würde mir mehr als zwölf Legionen Engel schicken? 
Wie würden dann aber die Schriften erfüllt, dass es so kommen muss? 

Das Vertrauen auf Gott ist bei Jesus immernoch so groß, obwohl er gerade gefesselt wird, dass Gott Engel zu seiner Rettung entsenden würde, würde Jesus darum flehen. Besonders wichtig ist es ihm aber, zu verhindern, dass hier jetzt Mord und Totschlag losbricht, nur um die Gefangennahme verhindern zu wollen. Deswegen sagt er zu dem Jünger, er soll das Schwert zurückziehen. Jesus äußert aber auch noch einen kritischen Kommentar gegenüber der Menschenmenge, die ihn festnahm, denn wir lesen in Vers 55 und 56:

In jener Stunde sprach Jesus zu der Volksmenge: Wie gegen einen Räuber seid ihr ausgezogen mit Schwertern und Stöcken, um mich zu fangen! Täglich bin ich bei euch im Tempel gesessen und habe gelehrt, und ihr habt mich nicht ergriffen. 
Das alles aber ist geschehen, damit die Schriften der Propheten erfüllt würden. — Da verließen ihn alle Jünger und flohen.

Dadurch, dass die Gefangennahme in tiefster Nacht passieren musste und nicht mitten am Tag in aller Öffentlichkeit, ist schon sehr stark angedeutet, dass es sich dabei um keinen Akt der Gerechtigkeit handelte, auch wenn sich die religiösen Autoritäten natürlich alle Mühe geben, es so darzustellen.
In den Versen 57 bis 60 steht geschrieben:

Die aber Jesus festgenommen hatten, führten ihn ab zu dem Hohenpriester Kajaphas, wo die Schriftgelehrten und die Ältesten versammelt waren. 
Petrus aber folgte ihnen von ferne bis zum Hof des Hohenpriesters. Und er ging hinein und setzte sich zu den Dienern, um den Ausgang der Sache zu sehen. 
Aber die obersten Priester und die Ältesten und der ganze Hohe Rat suchten ein falsches Zeugnis gegen Jesus, um ihn zu töten. 
Aber sie fanden keines; und obgleich viele falsche Zeugen herzukamen, fanden sie doch keines. 

Ich kann mir zwar kein legitimes Gerichtsverfahren vorstellen, das mitten in der Nacht abgehalten wird, so wie es in dieser Lage passierte, aber offensichtlich wollten die Autoritätspersonen so schnell wie möglich den Tod von Jesus herbeiführen, während sie es aber trotzdem so aussehen lassen wollten, als würde hier lediglich ein gemeingefährlicher Verbrecher eine verdiente Strafe bekommen. Und obwohl falsche Zeugen auftraten, konnten sie keine Worte finden, die ausreichend waren für eine Todesstrafe. Und in Vers 61 lesen wir auch noch:

Zuletzt aber kamen zwei falsche Zeugen und sprachen: Dieser hat gesagt: Ich kann den Tempel Gottes zerstören und ihn in drei Tagen aufbauen! 

Bei dieser Sache ist es ein wenig ärgerlich, dass sie nur im Evangelium des Johannes in Kapitel 2 berichtet wird, als sie passierte. Matthäus hingegen hat sie gar nicht aufgeschrieben. Denn die in Vers 61 lesbare Anklage bezieht sich auf ein Ereignis, das ein ganzes Jahr zurückliegt. Der Dienst von Jesus hatte da gerade erst begonnen und Jesus hatte auch damals schon den Tempel leergeräumt, indem er alle Tiere daraus vertrieb, die im Tempel zum Verkauf angeboten wurden, und alle Stände der Verkäufer und Geldwechsler umwarf. Und die Vorsteher des Tempels kamen empört zu ihm und fragten ihn, was für ein Zeichen er ihnen zeigen will, um diese Unruhestiftung zu rechtfertigen. Da kündigte Jesus seine Auferstehung schon zu diesem Zeitpunkt vor ihnen an, indem er sprach: „Brecht diesen Tempel ab, und in drei Tagen will ich ihn aufrichten!“
Diese Äußerung von ihm wurde von vielen Zeugen gehört und sprach sich im Volk herum. Und jetzt in der gerade behandelten Situation wurden ihm diese Worte im Mund umgedreht. Aber auch das reichte nicht, um ihn des Todes schuldig zu sprechen.

Als nächstes lesen wir die Verse 62 bis 64:

Und der Hohepriester stand auf und sprach zu ihm: Antwortest du nichts auf das, was diese gegen dich aussagen? 
Jesus aber schwieg. Und der Hohepriester begann und sprach zu ihm: Ich beschwöre dich bei dem lebendigen Gott, dass du uns sagst, ob du der Christus bist, der Sohn Gottes! 
Jesus spricht zu ihm: Du hast es gesagt! Überdies sage ich euch: Künftig werdet ihr den Sohn des Menschen sitzen sehen zur Rechten der Macht und kommen auf den Wolken des Himmels! 

Jesus wird also gefragt, ob er der Sohn Gottes und der Messias ist. Und Jesus bestätigt es wahrheitsgemäß und kündigt an, dass der auf den Wolken des Himmels kommen wird, was übrigens schon im Buch des Propheten Daniel in Kapitel sieben an einer Stelle prophezeit wird.
Die Reaktion auf diese Äußerung von Jesus lesen wir in den Versen 65 bis 68:

Da zerriss der Hohepriester seine Kleider und sprach: Er hat gelästert! Was brauchen wir weitere Zeugen? Siehe, nun habt ihr seine Lästerung gehört. 
Was meint ihr? Sie antworteten und sprachen: Er ist des Todes schuldig! 
Da spuckten sie ihm ins Angesicht und schlugen ihn mit Fäusten; andere gaben ihm Backenstreiche
und sprachen: Christus, weissage uns! Wer ist’s, der dich geschlagen hat?

Offensichtlich sehen die anwesenden Autoritätspersonen die Worte von Jesus als eine Lästerung, die schlimm genug ist, um den Tod zu verdienen. Hierbei gilt zu beachten, dass der Messias laut den Schriften ein König ist. Wenn nun Jesus sich selber als Messias bzw. als Christus bezeichnet, dann ist das gleichbedeutend damit, dass er sich selbst zum König ernennt, und eine solche Tat galt laut dem römischen Gesetz als ein Verbrechen, das mit dem Tod bestraft werden musste. Daher haben sie nun ihren Willen nach weltlicher Gesetzgebung erreicht und fangen an, Jesus enorm verächtlich zu behandeln, als wäre er ein falscher Christus.
Erwähnenswert ist vielleicht auch noch, das laut Gottes echtem Gesetz, welches Moses überlieferte, ein Hohepriester eigentlich keine Kleidung zerreißen darf, denn Gott hat es verboten, dass ein Mann in dieser Position sowas tut. Aber das Gesetz Gottes in seiner wahren Bedeutung interessierte die religiösen Autoritäten ja noch nie.

Kommen wir nun zum letzten Abschnitt des Kapitels, wo auch etwas Trauriges berichtet wird. Wir haben ja vorhin schon gelesen, wie Jesus wusste und auch davon sprach, dass Petrus ihn dreimal verleugnen wird. Nun lesen wir folgendes in den Versen 69 bis 75:

Petrus aber saß draußen im Hof. Und eine Magd trat zu ihm und sprach: Auch du warst mit Jesus, dem Galiläer! 
Er aber leugnete vor allen und sprach: Ich weiß nicht, was du sagst! 
Als er dann in den Vorhof hinausging, sah ihn eine andere und sprach zu denen, die dort waren: Auch dieser war mit Jesus, dem Nazarener! 
Und er leugnete nochmals mit einem Schwur: Ich kenne den Menschen nicht! 
Bald darauf aber traten die Umstehenden herzu und sagten zu Petrus: Wahrhaftig, du bist auch einer von ihnen; denn auch deine Sprache verrät dich. 
Da fing er an, sich zu verfluchen und zu schwören: Ich kenne den Menschen nicht! Und sogleich krähte der Hahn. 
Und Petrus erinnerte sich an das Wort Jesu, der zu ihm gesagt hatte: Ehe der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen. Und er ging hinaus und weinte bitterlich.

Aufgrund der Tatsache also, das Petrus an einem Ort war, von dem er wusste, dass er eigentlich gar nicht dort sein darf, nämlich im Vorhof eines der Männer, die gerade Jesus misshandeln, wollte er möglichst unerkannt bleiben, sich bedeckt halten und nicht weiter auffallen, damit er nicht rausgeworfen wird, sondern in Erfahrung bringen kann, was aus Jesus wird. Und zu dem Zweck, sich möglichst bedeckt zu halten, geschah es dann tatsächlich dreimal nacheinander, dass Petrus Jesus verleugnete. Das ist echt dumm gelaufen, und man darf nicht übersehen, dass Petrus wirklich bitterlich weinte, als ihm klar wurde, was hier gerade passiert war. Es brach ihm also wirklich das Herz und geschah völlig unvermittelt. Denn im Herzen war Petrus schon bei Jesus, aber leider hatte Petrus sich schlecht verhalten, weil er die Umstände zu sehr beachtete und sich nicht auf das Wesentliche besinnen konnte in dieser Lage.

Und nun haben wir das Ende dieses Kapitels erreicht. Was lernen wir nun besonders daraus, und was können wir uns für unsere eigene Nachfolge daraus mitnehmen?
Es gibt hier viel Geschichtliches zu lesen, was an sich nicht unbedingt nützlich erscheint zur Belehrung, aber wir können uns auf jeden Fall das Zitat merken, welches Jesus am Ölberg sprach, als der Jünger mit dem Schwert ihn gewaltsam verteidigen wollte. Jesus sagte: Wer zum Schwert greift, wird durch das Schwert umkommen. Ich schätze, dass dadurch das gerechte Wirken Gottes verherrlicht wird, und dass wir selber daher niemals zum Schwert greifen dürfen, weil wir durch dieses Zitat die Ermahnung haben, dass es letzten Endes auf uns zurückfallen wird. Darum ist friedfertiges Verhalten sehr, sehr wichtig, auch in Stresssituationen, wenn man jemand ist, der in Wahrheit Jesus nachfolgt. Ansonsten ist natürlich auch erwähnenswert, dass der neue Bund hier von Jesus selbst definiert wird und man das Fundament dieses durch ihn wirksamen neuen Bundes, der auch schon im Buch des Propheten Jeremia in Kapitel 31 angekündigt wurde, verstehen kann.
Besonders wichtig, auch wenn man es sich nur schwer eingestehen kann, ist das Vorbild, das Jesus hier durch seine Gebete gegeben hat. Er war emotional in heftigster Bedrängung und wünschte sich etwas völlig Anderes als das, was über ihn kommen sollte, und er hat trotzdem gesagt, dass nicht sein Wille geschehen soll. Diese Moral beim Beten brauchen wir selber auch, wenn wir ewiges Leben in Herrlichkeit erben wollen und die Nichtigkeit der jetzigen Welt völlig hinter uns lassen. Das ist ein wichtiger Teil der echten Nachfolge Jesu. Ansonsten sollten wir vielleicht noch durch die dreifache Verleugnung das negative Vorbild erkennen, das durch Petrus entsteht. Er schaute zu sehr auf die Umstände, anstatt seine Angst davor zu überwinden, was mit ihm gemacht wird, wenn er sich zu Jesus bekennt, und ihn trotzdem zu bekennen. Das muss bei uns besser laufen, und wir kriegen das besser hin, wenn wir unseren Sinn auch in der schwierigsten Lage nur darauf fokussieren, wie wichtig Jesus ist und dass wir ihn vor absolut jedem Mensch bekennen müssen, ganz unabhängig von den zu erwartenden Konsequenzen. Egal, wie sehr die Menschen uns dafür verachten oder ob sie uns schlagen oder ob sie uns deswegen als krank bezeichnen werden oder was auch immer. Die ganze Welt ist im Bösen, daher sind solche Erlebnisse nichts Besonderes. Jesus zählt und Gott zählt, denn bei Gott ist nichts Böses, und das ist der einzige Zustand, der sich lohnt, aber in der jetzigen Welt lohnt sich nichts.

Das war soweit alles für dieses Video.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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