Text zu "Bibellehre - Kapitel 2 im Evangelium des Markus"

Link zum Video: https://youtu.be/_ocyQbOGolk

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 2 vom Evangelium des Markus gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.

Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.

Gleich zu Beginn dieses Kapitels erfahren wir von einer Geschichte, die einige sehr bemerkenswerte Details in sich hat. Diese Begebenheit wird auch bei Matthäus in Kapitel 9 und bei Lukas in Kapitel 5 erwähnt. Wir schauen jetzt aber natürlich nur auf das, was Markus berichtet. Im ersten Kapitel wurden wir schon darüber aufgeklärt, dass Jesus sehr schnell sehr bekannt wurde und große Volksmengen zu ihm kamen, sodass er kaum noch Ruhe fand und sich an Orten der Natur aufhielt, denn wäre er zu Hause, würde es bald nur noch von interessierten Menschen wimmeln, die zu seinem Haus kommen, um Heilungsgebete und in seltenen Fällen auch Belehrung zu bekommen. Deshalb musste Jesus, wenn er Ruhe finden wollte, sich von seinem Haus in Kapernaum möglichst fernhalten. Und im aktuellen Kapitel lesen wir folgendes in den Versen 1 bis 4:

Und nach etlichen Tagen ging er wieder nach Kapernaum; und als man hörte, dass er im Haus sei, 
da versammelten sich sogleich viele, sodass kein Platz mehr war, auch nicht draußen bei der Tür; und er verkündigte ihnen das Wort. 
Und etliche kamen zu ihm und brachten einen Gelähmten, der von vier Leuten getragen wurde. 
Und da sie wegen der Menge nicht zu ihm herankommen konnten, deckten sie dort, wo er war, das Dach ab, und nachdem sie es aufgebrochen hatten, ließen sie die Liegematte herab, auf welcher der Gelähmte lag.

Hier sehen wir, dass Jesus ausnahmsweise mal in seinem Haus in Kapernaum gewesen ist. Und wie es zu erwarten war, sammelte sich schnell eine große Volksmenge zu dem Haus, bis nirgends mehr Platz war. Und wie nun alles voller Leute war, kommen einige Männer hinzu, die ihrem gelähmten Freund helfen wollen. Denn sie hoffen darauf, dass Jesus ihn heilen kann, und deshalb wollen sie ihn unbedingt vor Jesus bringen. Die Frage ist nur, wie das gehen soll, wenn eine riesige Volksmenge das Haus belagert und ein Durchkommen unmöglich ist. Daher schaffen sie es lediglich, bis auf das Dach des Hauses zu kommen, aber nicht in das Haus hinein. Und sie entschieden sich in ihrer Verzweiflung dazu, das Dach aufzubrechen, damit ihr gelähmter Freund zu Jesus gebracht werden kann. Nun stellt euch mal vor, ihr selber würdet zu Hause sitzen und auf einmal wird über eurem Kopf die Decke aufgebrochen! Was würdet ihr da wohl sagen? Ich glaube, das wäre nicht unbedingt ein Grund zu heller Freude. 
Die Reaktion von Jesus aber lesen wir in Vers 5, wo geschrieben steht:

Als aber Jesus ihren Glauben sah, sprach er zu dem Gelähmten: Sohn, deine Sünden sind dir vergeben! 

In dieser Reaktion von Jesus ist ausgesprochen viel Barmherzigkeit. Die Leute hatten ihm hier gerade sein ganzes Hausdach zerlegt! Da hätte er Grund zum Schimpfen gehabt, aber stattdessen würdigt er ihre Besorgnis um ihren gelähmten Freund und spricht zu diesem Sohn Abrahams, dass ihm die Sünden vergeben sind. Weiterhin lesen wir in Vers 6 und 7:

Es saßen aber dort etliche von den Schriftgelehrten, die dachten in ihren Herzen: 
Was redet dieser solche Lästerung? Wer kann Sünden vergeben als nur Gott allein? 

Als nun Jesus Vergebung verkündigte, dachten offensichtlich die Schriftgelehrten sofort, dass hier gerade eine Lästerung passiert. Diese Sache darf man nicht unterschätzen, denn in jenen Tagen hatten die Schriftgelehrten einen unfassbar großen Respekt beim Volk. Es wurde zu ihnen aufgeschaut, sie wurden bewundert und man scheute sich allgemein vor ihrem Tadel. Wenn einer den Schriftgelehrten widersprechen würde, so würde er sich dadurch sehr leicht Ärger einhandeln. Die Schriftgelehrten haben jedoch absolut keine Ahnung davon, wie das Reich der Himmel funktioniert, deshalb glauben sie, es könne nur allein Gott Vergebung schenken und sonst keiner. Die Tatsache, dass Gott auch an jemand anderen eine Vollmacht ausstellen kann, Vergebung zu schenken, ist ihnen nicht klar. Denn Jesus hat eine solche Vollmacht für alles ausgestellt bekommen, was er auf der Erde vorfindet unter den Menschen. Man muss nicht Gott sein, um Vergebung entscheiden zu dürfen wegen Sünden, die gegen Gott begangen wurden. Man braucht lediglich eine von Gott übertragene Vollmacht, dies tun zu dürfen. Aber das begreifen die Männer nicht, die ständig vor ihren nutzlosen Lehrbüchern hocken. Nun will aber Jesus ihnen begreiflich machen, dass Gott Vollmachten ausstellen kann und dies auch tat. Daher lesen wir folgendes in den Versen 8 bis 11:

Und sogleich erkannte Jesus in seinem Geist, dass sie so bei sich dachten, und sprach zu ihnen: Warum denkt ihr dies in euren Herzen? 
Was ist leichter, zu dem Gelähmten zu sagen: Dir sind die Sünden vergeben!, oder zu sagen: Steh auf und nimm deine Liegematte und geh umher? 
Damit ihr aber wisst, dass der Sohn des Menschen Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben — sprach er zu dem Gelähmten: 
Ich sage dir, steh auf und nimm deine Liegematte und geh heim! 

Anhand dieser Vorgehensweise beweist nun Jesus, dass er die Vollmacht hat, auf Erden Sünden zu vergeben, auch wenn er nicht Gott ist. Denn wenn der Gelähmte heil wird, so bestätigt es die Vollmacht, wenn er aber krank bleibt, so wird Jesus als Lügner enttarnt. In Vers 12 lesen wir:

Und er stand sogleich auf, nahm seine Liegematte und ging vor aller Augen hinaus, sodass sie alle erstaunten, Gott priesen und sprachen: So etwas haben wir noch nie gesehen!

Sehr schön ist, dass sie sich dieses Ereignis nun wirklich mal zu Herzen nahmen. Sie priesen Gott und staunten. Genau so gehört sich das, und dadurch hat man nun die Gewissheit, dass Jesus den Menschen auf der Erde tatsächlich Sünden vergeben darf auf die Art, die vor Gott rechtskräftig ist und Sündenschuld entfernt.

Von einer anderen Begebenheit lesen wir in den Versen 13 bis 15:

Da ging er wieder an den See hinaus, und die ganze Menge kam zu ihm, und er lehrte sie. 
Und als er vorüberging, sah er Levi, den Sohn des Alphäus, an der Zollstätte sitzen. Und er sprach zu ihm: Folge mir nach! Und er stand auf und folgte ihm. 
Und es geschah, als er in dessen Haus zu Tisch saß, dass auch viele Zöllner und Sünder sich mit Jesus und seinen Jüngern zu Tisch setzten, denn es waren viele, die ihm nachfolgten. 

Hier sieht man, dass Jesus einen Zöllner zur Nachfolge aufrief. Wahrscheinlich war an diesem irgendwas Wichtiges edler als an seinen Kollegen. Und dieser Zöllner reagierte genau so, wie Simon Petrus und Andreas und Jakobus und Johannes reagiert hatten. Er stand auf und folgte ihm nach. Also ganz spontan, ohne groß nachzudenken und ohne zu zögern. Allerdings wurde Jesus auch in das Haus des Zöllners eingeladen und nahm die Einladung an. Es ist wohl erwähnenswert, dass Zöllner deshalb sündige Männer gewesen sind, weil sie in Betrug handelten und habsüchtig waren. Sie sollten nämlich die Zollgelder für das römische Kaiserreich eintreiben, welches in diesen Tagen große Teile der Erde unter seine Kontrolle gebracht hatte, und dabei verlangten die Zöllner von den Bürgern immer einen zu hohen Betrag als Abgabe, damit sie einen Teil davon in die eigene Tasche stecken können. Und wenn ein Bürger sich beschwerte, brauchten sie nur die römischen Soldaten zu rufen, und der Bürger bekam großen Ärger. Deshalb waren die Zöllner nicht nur Sünder, sondern gleichermaßen auch vom Volk gehasst, aus nachvollziehbaren Gründen. Und nun saß Jesus mit derartigen Leuten am selben Tisch und auch mit anderen Arten Sündern. Dies tat Jesus aber nicht, weil er die Nähe solcher Leute allgemein genoss, sondern weil sie den Eindruck erweckten, lernbereit zu sein und Jesus aufmerksam zuhören zu wollen. Denn genau darauf kam es ja an. Wenn Menschen wegen den Worten anfangen würden, ihr ganzes Denken und Handeln zu ändern, um es mehr auf Gottes Maßstäbe auszurichten, dann wäre es ein heilsamer Zustand. Wer aber dies nicht tat, bei dem war es unbedeutend, ob er beliebt oder unbeliebt im Volk war und ob er als Zöllner arbeitete oder als Schriftgelehrter. Denn die Schriftgelehrten bildeten sich viel auf sich selber ein, machten aber selber auch nicht alles richtig. 
Jedenfalls lesen wir folgendes in den Versen 16 und 17:

Und als die Schriftgelehrten und die Pharisäer sahen, dass er mit den Zöllnern und Sündern aß, sprachen sie zu seinen Jüngern: Warum isst und trinkt er mit den Zöllnern und Sündern? 
Als Jesus es hörte, sprach er zu ihnen: Nicht die Starken brauchen den Arzt, sondern die Kranken. Ich bin nicht gekommen, Gerechte zu berufen, sondern Sünder zur Buße.

In diesem Textteil lesen wir das erste Mal im Evangelium des Markus von Pharisäern. Diese sind eine besondere Gruppe von den jüdischen Schriftgelehrten. Sie haben den größten Respekt im Volk, weil ihre Auslegung des jüdischen Glaubens als die Härteste gilt. Allerdings hat das vor Gott überhaupt keinen Nutzen, weil nämlich die Pharisäer nicht Gottes Gesetz ordentlich befolgen, sondern eine eigene Lehre erfunden haben, mit noch mehr Geboten als denen in den Büchern von Moses. Und sie lassen alle glauben, man müsse ihre erfundenen Gebote korrekt einhalten, weil man ansonsten nicht Gott gefällt. Und dabei sind manche Gebote aus ihrer erfundenen Schrift, die angeblich das Gesetz Gottes ergänzen, ein Verstoß gegen Gottes Gesetz. Aber die Pharisäer merken das nicht, denn sie halten sich selber für sehr klug, im Grunde für unfehlbar. Und sie sind auch ganz gescheite und vornehme Leute, die sich bewusst erhaben aufspielen und sich nicht zum niederen Pöbel gesellen. Jesus hingegen hat keine derartige Eitelkeit, sondern sitzt mit Zöllnern und Sündern am Tisch und löst dadurch Anstoß aus, wie man sieht.
Jesus argumentiert hier erstmal damit, dass die Starken keinen Arzt brauchen, also dass praktisch die Gesunden nicht die selben Worte hören müssen wie die, die an Sünde erkrankt sind. Allerdings war ja kein einziger Mensch in seiner Nähe, der ganz ohne Sünde war, nur Jesus selbst konnte das von sich behaupten. Aber auf jeden Fall wussten die Zöllner auch nur wenig von den Worten Gottes und konnten daher gar nicht an sich selbst prüfen, ob ihr Handeln richtig ist bzw. in welche Richtung sie sich entwickeln sollen. Auch in dieser Hinsicht sind sie sowas Ähnliches wie krank, dass ihr Verständnis über Gottes Wort extrem mager ist. Die Schriftgelehrten und Pharisäer hatten aber wohlgemerkt zuerst die Jünger von Jesus gefragt, warum Jesus sich mit Sündern an den selben Tisch setzt, wahrscheinlich um die Jünger gegen Jesus aufzuwiegeln. Das ist definitiv kein Akt der Ehre. Man sollte aber auch ganz allgemein nicht übersehen, wie wichtig die Buße ist. Denn Jesus sagt hier praktisch, dass er nur deshalb überhaupt zu den Menschen kommt. Er will nur Sünder zur lebensrettenden Buße rufen. Es ging ihm nie darum, irgendwen zu loben oder Leute zu bespaßen.

Als nächstes lesen wir von einer anderen Frage mit Spannungspotenzial, die an Jesus gestellt wurde. Es steht geschrieben in Vers 18:

Und die Jünger des Johannes und die der Pharisäer pflegten zu fasten; und sie kamen zu ihm und fragten: Warum fasten die Jünger des Johannes und der Pharisäer, deine Jünger aber fasten nicht? 

Es ist ja bekanntlich so, dass Jesus Jünger hatte, wobei man sehr leicht das Wort Jünger auch mit Schüler übersetzen könnte. Das war aber keine einzigartige Erscheinung, die nur auf Jesus zutraf. Auch Johannes der Täufer hatte Jünger. Und auch die bewunderten Pharisäer, die den Inhalt der Schriften fast auswendig zitieren konnten und sich als besonders prachtvolle Gläubige aufspielten, hatten Jünger, die von ihnen lernen wollten, um so zu sein wie sie. Und hier in dieser Lage lesen wir nun den Bericht, dass die Jünger von anderen Männern zu Jesus kommen und danach fragen, warum die Jünger von Jesus nicht fasten. Das ist beinahe so, wie wenn sie Anstoß daran nehmen, dass sich dem allgemeinen Gruppenzwang nicht gebeugt wird. Denn die Jünger des Johannes fasten, und die Jünger der Pharisäer fasten, und wenn das die anderen alle machen, dann muss es doch gut sein, zumindest in den Augen der Menschheit, und daher entsteht nun ein Streit, weil die Jünger von Jesus nicht fasten. Und es ist zwar so, dass Fasten nichts Schlechtes ist, gleichzeitig ist es aber auch ein Akt, der vor Gott gar nichts gilt, solange man gesetzlos wandelt. Fasten kann Gesetzlosigkeit nicht ausgleichen und es ist besser, die wirklich von Gott kommenden Gebote einzuhalten, als sich den Traditionen zu unterwerfen, weil es alle anderen auch machen. Denn das Fasten war besonders in jenen Tagen Tradition, ganz unabhängig von Gottes Gesetz, wo es nirgends zur Pflicht erklärt wird. 
Die Reaktion von Jesus auf die Frage der fremden Jünger lesen wir in den Versen 19 und 20. Dort steht:

Und Jesus sprach zu ihnen: Können die Hochzeitsgäste fasten, solange der Bräutigam bei ihnen ist? Solange sie den Bräutigam bei sich haben, können sie nicht fasten. 
Es werden aber Tage kommen, da der Bräutigam von ihnen genommen sein wird, und dann, in jenen Tagen, werden sie fasten. 

Jesus nennt hier sich selbst Bräutigam und bezeichnet die an ihn glaubenden Menschen als Hochzeitsgäste. Und wenn jemand eine Hochzeit feiert, dann wäre es eine Unverschämtheit, ausgerechnet an solch einem Tag zu fasten. Fasten wird sehr oft mit Trauern in Verbindung gebracht, aber an einem Tag der Hochzeit sollte man ja fröhlich sein. Und dabei feiert Jesus jetzt im Moment noch keine Hochzeit, aber er spielt wohl auf eine Vorfreude an, die bereits jetzt herrschen kann, wo er gerade in der Welt ist und Leute zu einem Ereignis ruft, das wie ein Hochzeitsfest sein wird, nämlich zum Einzug in das himmlische Jerusalem am Ende der gesamten Weltzeit. Denn Jesus bringt ihnen ja die lang ersehnte richtige Belehrung, die den Mensch für dieses Fest bereitmacht. Und die Tage, in denen die Hochzeitsgäste fasten werden, sind die Tage zwischen der Kreuzigung und der Auferstehung, wo die Jünger zutiefst traurig sein werden, weil Jesus tot ist.

Jesus bringt aber auch zum Ausdruck, dass die Belehrung über die Nutzlosigkeit des traditionellen Fastens wohl leider keine Einsicht bewirken kann bei denen, die in ihren alten stumpfsinnigen Dogmen festhängen. Demgemäß spricht er folgendes Gleichnis in den Versen 21 und 22:

Und niemand näht einen Lappen von neuem Tuch auf ein altes Kleid; sonst löst sein neuer Flicken sich ab vom alten, und der Riss wird schlimmer. 
Und niemand füllt neuen Wein in alte Schläuche, sonst zerreißt der neue Wein die Schläuche, und der Wein wird verschüttet und die Schläuche verderben; sondern neuer Wein soll in neue Schläuche gefüllt werden.

Das alte Kleid steht für den Gedanke, man könnte durch Fasten Gott gefallen. Die alten Schläuche sind Menschen, die an dieser alten, seit jeher nutzlosen Lehre klammern. Die Offenbarung von Jesus, dass man lieber die Sünden verweigern soll, anstatt sich auf das Verweigern von Speise und Getränk viel einzubilden, ist der neue Lappen und der neue Wein. Die neuen Schläuche aber stehen für Menschen, die offen sind für eine Belehrung, die anders ist als der bisherige traditionelle Kram. Diese werden es annehmen, dass man das Fasten einfach unterlassen kann und es vor Gott keinen Unterschied macht, denn man sollte nur fasten, wenn es wirklich der eigene Herzenswunsch ist, unabhängig davon, ob die Mitmenschen positiv oder negativ reagieren, sobald sie es bemerken. Wenn einer fastet, und zwar in richtiger Weise, auch wenn die Menschen ihn dafür keineswegs bewundern und wenn einige Menschen ihn für das Fasten sogar tadeln und verlästern und schmähen, aber er tut es trotzdem als ein Werk für Gott und zum eigenen Glaubenswachstum, so ist dieses Fasten ein großer Segen. Aber das Fasten aus Gruppenzwang und dogmatischer Bindung heraus ist Irrsinn. Jesus gibt sich gar nicht erst Mühe, das alles so deutlich vor den Jüngern des Johannes und den Jüngern der Pharisäer zu erklären, weil er weiß, dass sie daran genau so zerbrechen würden, wie alte Schläuche zerbrechen, die mit neuem Wein gefüllt werden. Sie können es nicht ertragen, wenn sie darauf aufmerksam gemacht werden, dass ihre religiösen Gewohnheiten nichtig sind, daher wäre es eine vergebliche Mühe, ihnen das von Gott kommende offenzulegen.

Da wir nun auch dieses Streitgespräch ausgewertet haben, in das Jesus verwickelt war, müssen wir uns in den Folgeversen mit noch einer weiteren Situation befassen, in der Jesus Anfechtung und Tadel erlebte. Es steht geschrieben in den Versen 23 und 24:

Und es begab sich, dass er am Sabbat durch die Kornfelder ging. Und seine Jünger fingen an, auf dem Weg die Ähren abzustreifen. 
Da sprachen die Pharisäer zu ihm: Sieh doch, warum tun sie am Sabbat, was nicht erlaubt ist? 

Hier soll sich nun also Jesus für seine Jünger verantworten, weil sie etwas tun, was laut der Auslegung der Pharisäer, also der hoch respektierten religiösen Autoritätspersonen, nicht erlaubt ist. Die Jünger haben sehr großen Hunger in dem Augenblick und streifen deshalb eine kleine Menge Ähren mit der Hand ab von einem Weizenfeld, um sie zu essen. Das wird von den Pharisäern als Feldarbeit gewertet und daher von ihnen als Entheiligung des Sabattages betrachtet. Denn der Sabbattag ist der eine Tag in der Woche, wo man vollkommene Ruhe halten soll, wie Gott es geboten hat. Dabei ist es aber wichtig zu wissen, dass der allein wahre Gott, der Gott Abrahams Isaaks und Jakobs, nicht so streng ist wie die Pharisäer, sondern bei einer solchen Kleinigkeit keine Schuld anrechnet. Die religiösen Leute aus dem Judentum wissen das nicht, aber Jesus ist mit diesem Fakt vertraut und daher lesen wir in den Versen 25 und 26:

Und er sprach zu ihnen: Habt ihr nie gelesen, was David tat, als er Mangel litt und er und seine Gefährten Hunger hatten, 
wie er zur Zeit des Hohenpriesters Abjatar in das Haus Gottes hineinging und die Schaubrote aß, die niemand essen darf als nur die Priester, und auch denen davon gab, die bei ihm waren? 

Jesus hat zwar nicht genau diese Worte geredet, die hier lesbar sind, aber er hat tatsächlich das Argument benutzt, das hier dargestellt werden soll. Der Mann David, ein Mann nach dem Herzen Gottes, war auf der Flucht vor König Saul und kam dabei ganz alleine zu einem Priester. Dieser hatte kein gewöhnliches Brot, um David zu helfen, sondern nur heiliges Brot. Und doch bekam David dieses Brot zu essen, weil der Priester nicht mit ansehen wollte, wie David verschmachtet. Der Priester hieß aber eigentlich nicht Abjatar, sondern Achimelech. Abjatar war dessen Sohn. Und Gott sah, wie David das heilige Brot aß, rechnete es ihm aber nicht als Sünde an, um der Barmherzigkeit willen. Und genau dieses Prinzip greift auch, wenn man am Sabbat unterwegs ist und so großen Hunger leidet, dass man es kaum noch aushält und deswegen mit den Händen ein paar Früchte aus der Natur pflückt. Es ist ein winziger Handgriff aus der Notwendigkeit heraus, und sowas darf am Sabbat vorkommen, wenn es wirklich nur mal kurz ist.

Darüber hinaus lesen wir in den letzten beiden Versen des Kapitels noch folgenden Kommentar:

Und er sprach zu ihnen: Der Sabbat wurde um des Menschen willen geschaffen, nicht der Mensch um des Sabbats willen. 
Also ist der Sohn des Menschen Herr auch über den Sabbat.

Wenn Jesus sich selbst als Herr über den Sabbat bezeichnet, dann wird wohl auch unter seine Herrschaft der Sabbat eine Rolle spielen, oder? Jesus sagt hier aber, dass der Sabbat um des Menschen willen gemacht wurde, also damit die Menschen zur Ruhe kommen und sich nicht ständig pausenlos abmühen. Man beachte, dass er nicht sagt, der Tag wäre allein wegen Israel gemacht worden, sondern um des Menschen willen, also praktisch für alle Menschen. Theoretisch könnte Gott den Sabbat auch mit seinen Engeln im Himmel halten, ohne dass Menschen daran teilhaben. Aber wo die Menschen nun einmal da sind, soll es auch ihnen zum Besten dienen. Und der Zweck des Tages ist es, dass die Menschen Erquickung finden, aber nicht, dass der Tag überhaupt eine Daseinsberechtigung hätte, wenn Menschen ihn berücksichtigen. Der Sabbat ist ein Geschenk Gottes für die Menschen, auch wenn er dummerweise fast nie so empfunden wird.

Und nun sind wir mit diesem Kapitel soweit durch. Was lernen wir nun daraus, und was nützt uns der Inhalt dieses Kapitels für unsere eigene Nachfolge?
Ich denke, wir lernen aus diesem Kapitel besonders die wertvolle Lektion, dass jeder Mensch genau so unverständig wie die Pharisäer ist, der ernsthaft glaubt, nur Gott allein könnte wirksam Sünden vergeben und es würde niemals die Vollmacht dazu an irgendwen ausgeteilt werden. Jeder, der so argumentiert, erkennt Gott nicht. Gleichzeitig darf man aber auch keinesfalls in das andere Extrem verfallen und nun glauben, dass man sich die Vollmacht zum Absprechen der Schuld einfach selber nehmen darf nach eigenem Belieben, und dann nach Lust und Laune immer über jeden ausspricht, Gott würde ihm vergeben. Auch das wäre falsch, denn Gott hat die Autorität darüber, ob und inwiefern die Vollmacht zur tatsächlichen Vergebung, die Schuld entfernt, überhaupt ausgeteilt wird. Dieses Detail darf man sich nicht selber aussuchen ohne Gottes Ratschluss. Man kann nur die Verfehlungen vergeben, die gegen einen selber passiert sind, indem man nicht mehr zürnt, aber man darf niemals aus eigener Willkür heraus die Sünden für vergeben erklären, die einer gegen Gott getan hat. Denn wenn man dies täte, ohne zuerst die Vollmacht dafür von Gott erhalten zu haben, so ist man verabscheuungswürdig vor dem Angesicht des allein wahren Gottes, des Vaters von Jesus Christus.
Weiterhin ist das Verhalten von Jesus, wie er sich mit interessierten Menschen aus verachteten Kreisen an den selben Tisch setzte, auch für uns ein gutes Vorbild, dem wir nacheifern sollen. Wenn Jesus mit Zöllnern am Tisch saß, weil sie das Evangelium hören wollen, dann dürfen auch wir selber niemandem die frohe Botschaft von möglicher Errettung in der Ewigkeit vorenthalten, der verrufen oder verhasst ist in der Gesellschaft. Wir sagen es allen, die es hören wollen und kümmern uns nicht um den Ruf der Leute, sobald wir merken, dass sie mit unschuldiger Absicht nach Gott und Jesus fragen.
Wir lernen auch, dass man sich auf das Fasten nicht viel einzubilden braucht und dass es Unsinn wäre, dies irgendwelchen Menschen aufzuzwingen. Das sollten wir fest verinnerlichen. Und natürlich sollten alle, denen es noch nicht bewusst ist, auch den Fakt in ihr Herz aufnehmen, dass winzige, aus der Not entstehende Handgriffe am Sabbat erlaubt sind und den Tag nicht entheiligen. Und auch die Äußerung, dass der Sabbat um des Menschen willen gemacht wurde und nicht der Mensch um des Sabbats willen, ist es wert, in Erinnerung behalten zu werden.

Das ist soweit alles, was es für dieses Video zu sagen gab.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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