Text zu "Bibellehre - Kapitel 11 im Evangelium des Lukas"

Link zum Video: https://youtu.be/3DxEK2ZvRq0

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 11 vom Evangelium des Lukas gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.

Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.

In den ersten vier Versen lesen wir den Bericht,das die Jünger von Jesus lernen wollten, wie man am besten beten soll. Es steht geschrieben:

Und es begab sich, dass er an einem Ort im Gebet war; und als er aufhörte, sprach einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie auch Johannes seine Jünger lehrte! 
Da sprach er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Unser Vater, der du bist im Himmel, geheiligt werde dein Name! Dein Reich komme! Dein Wille geschehe wie im Himmel, so auch auf Erden.
Gib uns täglich unser nötiges Brot! 
Und vergib uns unsere Sünden, denn auch wir vergeben jedem, der uns etwas schuldig ist! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!

Dieser Text hat sehr große Ähnlichkeit mit den Worten vom sechsten Kapitel im Evangelium des Matthäus, aber es fehlt hier der abschließende Teil, nämlich die Worte „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit!“
In jenen Tagen gehörten diese Dinge Gott allein, aber mittlerweile hat sich Jesus als würdig erwiesen, das alles zu empfangen und besitzt es auch, um es nach Gottes Wohlgefallen einzusetzen.
In den Folgeversen lesen wir noch einige Worte, mit denen Jesus seine Jünger zum Beten ermutigt, sofern sie wirklich eine Not haben. Es steht geschrieben in den Versen 5 bis 8:

Und er sprach zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hätte und ginge zu ihm um Mitternacht und spräche zu ihm: Freund, leihe mir drei Brote, 
denn mein Freund ist von der Reise zu mir gekommen, und ich habe nichts, was ich ihm vorsetzen kann! 
und jener würde von innen antworten und sagen: Mache mir keine Mühe! Die Türe ist schon verschlossen, und meine Kinder sind bei mir in der Kammer; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben! 
Ich sage euch: Wenn er auch nicht deswegen aufstehen und ihm etwas geben wird, weil er sein Freund ist, so wird er doch um seiner Unverschämtheit willen aufstehen und ihm geben, so viel er braucht. 

Dieses Gleichnis hat damit zu tun, dass auf einen guten Freund ja Verlass ist. Und ein guter Freund hat auch an sich selber den Anspruch, zuverlässig zu sein und für eigene Freunde da sein zu wollen. Und deswegen wird so jemand, wenn er in einem wichtigen Moment Hilfe verweigerte, ein schlechtes Gewissen haben. Und er wird sich dafür schämen, nicht geholfen zu haben, als es nötig war. Und deswegen beginnt der gute Freund dann eigenständig damit, im Nachhinein doch noch das zu geben, was benötigt wird. Und Jesus ermutigt uns dazu, mit genau diesen Augen auf Gott zu schauen. Wir dürfen als gehorsame Gläubige von Gott erwarten, dass er wie ein zuverlässiger Freund ist, und wenn wir in der Not etwas erbitten und bekommen es nicht sofort, dann wird Gott es uns nachreichen, weil es ihm ein schlechtes Gewissen bereitet, wenn er uns im Mangel zurückließ.

Im Zusammenhang mit der Gewissheit, dass Gott die Leidenden nicht ignoriert, wenn sie wegen Mangel zu ihm rufen, sagte Jesus auch laut den Versen 9 und 10:

Und ich sage euch: Bittet, so wird euch gegeben; sucht, so werdet ihr finden; klopft an, so wird euch aufgetan! 
Denn jeder, der bittet, empfängt; und wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird aufgetan. 

Solange man nicht den üblen Fehler macht, diese Verse so zu interpretieren, dass man absolut alles haben dürfte, was man begehrt, sondern erkennt, dass hier den in Not befindlichen Menschen Hoffnung gemacht wird, kann man durchaus diese Verse im Herzen behalten. Zumindest wenn man nicht in die Not geraten ist durch eigenen Mutwillen und eigene Unverschämtheit, sondern durch unerwartete schlimme Wendungen, die man nicht wirklich selbst zu verantworten hat.
Und es ist auch so, wenn man Gott bittet, dass dann nichts Böses zu einem kommen wird, sollte man um etwas Gutes gebeten haben. Denn ein paar Menschen gibt es vereinzelt auf Erden, die sagen: „Ich will nicht bitten, weil ich befürchte, es könnte dadurch etwas Dämonisches eingeladen werden!“
Sowas passiert aber nur bei dem, der auf Menschen Hoffnung setzt. Zu dem könnten, wenn er einem falschen Apostel vertraut, böse Geister kommen. Wer hingegen den allein wahren Gott sucht, den Vater von Jesus Christus, zu dem kommt nichts Böses. Deswegen sagte Jesus laut den Versen 11 bis 13:

Welcher Vater unter euch wird seinem Sohn einen Stein geben, wenn er ihn um Brot bittet? Oder wenn er ihn um einen Fisch bittet, gibt er ihm statt des Fisches eine Schlange? 
Oder auch wenn er um ein Ei bittet, wird er ihm einen Skorpion geben? 
Wenn nun ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gute Gaben zu geben versteht, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten!

In Vers 13 sagt Jesus den Menschen ins Gesicht, dass sie böse sind. Und das ist so. Das ist keine Stichelei und auch kein überstürzter Kommentar, sondern es ist ein Fakt. Die Menschen sind böse. Auch die, welche ihm gerade zuhören. Jesus redet ihnen nicht ein, dass sie gut wären, nur weil sie ihm gerade ein offenes Ohr leihen. Denn das ist kein Maßstab. Es kommt nie auf das Hören an, sondern auf das Anwenden mit fester Entschlossenheit aus der eigenen Herzensüberzeugung heraus. Aber viele hören nur, ohne es tun zu wollen, und schwelgen lieber in böser Lust, die sie selber nicht für böse halten. Darum trifft es zu, was Jesus sagt. Sie sind böse. Und wir selber sind auch nicht besser, besonders so lange wir nicht in völliger Buße leben. Aber Gott hasst das Böse, daher wäre es die beste Idee aller Zeiten, dass jeder von uns das in sich selbst wohnende Böse verwirft und abweist. Und kein Mensch darf sich die Illusion bauen, dass er seit jeher überhaupt nichts Böses in sich hätte. Denn wenn man gar nicht erst eingesteht, dass etwas da ist, dann kann man es auch niemals rauswerfen.
Wichtig ist aber natürlich, obwohl die Menschen zweifelsohne böse sind, dass sie verwunderlicherweise trotzdem in der großen Mehrheit der Fälle noch genug Erbarmen im Herzen haben, um ihren Kindern gute Speise zu geben, wenn die Kinder Hunger haben und um gute Speise bitten. Da ist man dann im Normalfall nicht so herzlos, dass man ihnen die Essensreste von vor zwei Tagen zum Fraß vorwirft oder ihnen absichtlich eine schädliche Speise gibt, sondern man gibt ihnen etwas, wovon man die Zuversicht hat, dass es ihren Hunger stillt und ihre Gesundheit nicht völlig ruinieren wird. Und das ist an sich schon bemerkenswert, dass Wesen, die an sich eigentlich schon ziemlich böse sind, doch die Überzeugung in sich haben, Gutes geben zu wollen, wenn die eigenen Kinder Gutes erbitten. Das ist sogar etwas, worauf man sich bei vielen Menschen blind verlassen kann, also dass die genau so handeln werden. Sie geben dem eigenen Nachwuchs Gutes, obwohl sie böse sind. Gott aber ist nicht böse, sondern gut, und zwar als Einziger. Deswegen sagt Jesus zu uns, dass wir doch mit völligem Vertrauen erwarten dürfen, von Gott etwas Gutes zu empfangen, wenn wir bitten. Denn wenn jemand sich vor bösen Menschen scheut und sagt: „Bei dem sollte man lieber zurückhaltend sein, der gibt einem bestimmt nichts Gutes, wenn man bittet!“, dann wäre das nachvollziehbar. Bei Gott aber wäre es völlig unbegreiflich, wie man auf solche Gedanken kommen könnte. Und laut Lukas sollte es in diesem Moment, wo Jesus dies sagte, spezifisch um den Heiligen Geist gehen. Das heißt: Jesus soll zugesichert haben, wenn ein Mensch von Gott erbittet, mit dem Heiligen Geist erfüllt zu werden, dass man dann sicher sein kann, den echten Heiligen Geist zu bekommen und nicht etwa einen Dämon empfängt. Also sofern man wirklich den allein wahren, von Ewigkeit her lebendigen Gott bittet, und nicht so blöd ist, irgendwelche falschen Gottheiten oder Engel oder sonstiges anzurufen, oder sich auf die verhängnisvollen Gebete von falschen Aposteln zu verlassen, die sich benehmen wie Wölfe im Schafspelz. Ich sage euch: Prüft zuerst die Früchte eines Verkündigers, bevor ihr euch von ihm die Hand auflegen lasst oder irgendwelches Gebet erbittet! Und das Klügste, was man überhaupt tun kann, ist sowieso, dass man sich direkt an Gott wendet. Erfahrungsgemäß ist es aber auch so, wenn Menschen Gott darum bitten, den Heiligen Geist zu bekommen, dass dabei manchmal gar nichts passiert. Denn wenn Gott gibt, so gibt er Gutes, aber er kann sich auch völlig weigern, irgendwas zu geben. Diese Verweigerung ist dann immer dem Umstand geschuldet, dass ein Mensch voller Heuchelei ist, oder dass Widerspenstigkeit im Herzen wohnt. Denn wer ein Heuchler ist, der lässt den Heiligen Geist nicht als Werkzeug zur Anleitung vom Himmel ins Leben, sondern um private Ziele zu verwirklichen. Und wer widerspenstig ist, der würde, wenn der Heilige Geist in ihm wäre, jeden einzelnen Impuls ignorieren und aufgrund seiner Eigensinnigkeit absichtlich weiter sündig leben. Und wer dies tut, der bekommt gar nicht erst dieses Geschenk, da es verschwendet werden würde. Und wer den Heiligen Geist bekam, aber dann bestimmte Sünden einfach nicht aufgeben will, trotz mehrmaliger Ermahnung durch das Wirken des selben Geistes, der wird vom Heiligen Geist wieder verlassen. Und meistens erleiden diese Menschen dann das sehr tragische Ende, dass ein Lügengeist in sie kommt, der sie an ein völlig falsches Evangelium gläubig macht. Solche Leute rufen dann immernoch Tag für Tag den Name Jesus umher, aber ihre Reden sind an sich völlig gottlos, geprägt von Selbsterhöhung, Habgier, Leichtfertigkeit und Halsstarrigkeit, indem sie immer wieder die ewig gleichen schrägen Äußerungen vom Stapel lassen, die absolut niemanden heiligen, der sich darauf einlassen will.

Allerdings gibt es bei Lukas, wie auch bei Matthäus und Markus ein Zeugnis darüber, dass Jesus die Unterstellung hören musste, er selbst kann den Dämonen nur deshalb gebieten, auszufahren aus Geplagten, weil Jesus selber von einem hohen Dämonenfürst besessen sei. Wie Jesus darauf reagierte, werden wir in den nächsten Versen entdecken. Es steht geschrieben in Vers 14 bis 18:

Und er trieb einen Dämon aus, und der war stumm. Es geschah aber, nachdem der Dämon ausgefahren war, redete der Stumme. Und die Volksmenge verwunderte sich. 
Aber etliche von ihnen sprachen: Durch Beelzebul, den Obersten der Dämonen, treibt er die Dämonen aus! 
Und andere versuchten ihn und verlangten von ihm ein Zeichen aus dem Himmel. 
Er aber, da er ihre Gedanken kannte, sprach zu ihnen: Jedes Reich, das mit sich selbst uneins ist, wird verwüstet, und ein Haus, das gegen sich selbst ist, fällt. 
Wenn aber auch der Satan mit sich selbst uneins ist, wie kann sein Reich bestehen? Ihr sagt ja, ich treibe die Dämonen durch Beelzebul aus.

Hier betont Jesus erstmal, dass der Satan nicht sein eigenes Reich vernichten wird. Das ist wichtig, um die Vorgänge im Geistlichen besser zu verstehen. Der Satan kann ein Fürstentum gegen ein Anderes austauschen, er kann schwächere durch stärkere ersetzen, aber er wird niemals den Befehl erteilen, dass eines seiner Fürstentümer ein anderes vernichten soll. Und er wird auch niemals gebieten, dass eines seiner Fürstentümer aus dem Mensch ausfahren soll, damit der Mensch frei wird, denn der Satan wird davon angetrieben, die Menschen durch Betörung in den Tod zu führen. Der Satan will immer den Tod der Menschen verursachen, und zu genau diesem Zweck arbeiten auch seine Fürstentümer. Weiterhin lesen wir in Vers 19:

Wenn ich aber die Dämonen durch Beelzebul austreibe, durch wen treiben eure Söhne sie aus? Darum werden sie eure Richter sein. 

Hier spielt Jesus darauf an, dass es auch jüdische Beschwörer gab, welche durch die Gegend zogen und sich bemühen, Dämonen auszutreiben. Diese Leute waren oft verwandt mit religiösen Leitern aus den jüdischen Gemeinden. Und wenn es stimmen würde, dass das austreiben von Dämonen nur durch andere Dämonen funktioniert, dann würde es ja bedeuten, dass auch alle jüdischen Beschwörer, die sowas tun, von Beelzebul besessen sind. Denn diese Logik müsste man dann nicht nur auf Jesus anwenden, sondern auch auf diese Leute. Weil aber diese Leute zu einem gewissen Teil nicht in Besessenheit handeln, wird man sie auch in Gottes Gericht als Zeugen bestellen und sie werden gefragt, wie die Austreibungen funktionierten. Und anhand ihres Zeugnisses, dass es mit Beelzebul nichts zu tun hat, werden alle Lästerer, die sowas behaupteten, als Übeltäter überführt.

In Vers 20 sagt Jesus folgendes:

Wenn ich aber die Dämonen durch den Finger Gottes austreibe, so ist ja das Reich Gottes zu euch gekommen! 

Hier will nun Jesus darauf aufmerksam machen, wie die von ihm bewirkten Austreibungen wirklich funktionieren. Und zwar durch eine starke von Gott befohlene Geistwirkung, die hier als der Finger Gottes umschrieben wird. Da nun aber Gottes Wille offenbar wird durch diese Ereignisse, sollte man als rationaler Mensch sofort mit dem Lästern aufhören und lieber mit Dankbarkeit auf die Dämonenaustreibungen reagieren. Und die Menschen, die nun Jesus Unterstellungen machten, hielten sich selber wohl für ganz besonders schlau, aber sie haben nicht wirklich schlau gehandelt. Als nächstes sagt Jesus laut Vers 21 und 22:

Wenn der Starke bewaffnet seinen Hof bewacht, so bleibt sein Besitztum in Frieden. 
Wenn aber der, welcher stärker ist als er, über ihn kommt und ihn überwindet, so nimmt er ihm seine Waffenrüstung, auf die er sich verließ, und verteilt seine Beute. 

Hier ist nun die Rede davon, in sinnbildlichem Stil, dass der Starke eine Waffenrüstung hat. Dies spielt darauf an, dass die Dämonen, wenn sie in dem Mensch Wohnung genommen haben, ihre Anwesenheit rechtmäßig verteidigen können durch die Anrechte, die sie gesammelt haben. Denn wenn ein Mensch einen Gräuel verübt, dann bekommt das dazugehörige dämonische Fürstentum ein Anrecht an dem Mensch, der dies tat. Jesus aber baut die Grundlage für sofortige und restlose Vergebung, die auch dann möglich ist, wenn ein Mensch allerlei Gräuel verübte und es doch bereut. Und sein Recht, Vergebung zu bewirken, hat eine noch größere Kraft als die gesammelten Anrechte der Dämonen. Deswegen hat Jesus auf die Art geredet, wie man es in diesen beiden Versen liest.
Weiterhin steht geschrieben in Vers 23:

Wer nicht mit mir ist, der ist gegen mich; und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut!

Durch diese Worte will Jesus zum Ausdruck bringen, dass jeder, der nicht unter seinem Name Wunder tut bzw. nicht um seines Namens willen predigt, automatisch ein Mensch ist, der dem Königreich von Jesus Christus Hindernisse in den Weg stellt. Auch diese Rede hat mit Vorgängen im Geistlichen zu tun, die man mit den Augen des fleischernen Körpers nicht wahrnehmen kann.

Wo Jesus aber gerade dabei ist, von Problemen mit Dämonen zu reden, äußert er auch noch eine einschlägig wichtige Warnung, denn wir lesen in Vers 24:

Wenn der unreine Geist von dem Menschen ausgefahren ist, so durchzieht er wasserlose Gegenden und sucht Ruhe. Und da er sie nicht findet, spricht er: Ich will zurückkehren in mein Haus, aus dem ich weggegangen bin. 

Auch durch diese Worte kann man, wenn man der Wahrheit in die Augen sehen will, ein besseres Verständnis dafür bekommen, was eigentlich abgeht. Die Dämonen landen nicht in der Hölle, wenn sie ausgetrieben wurden, sondern sie ziehen voll Unbehagen durch die Gegend, denn sie dürfen die Erde nicht verlassen. Und sie suchen nach Ruhe, wenn sie ausgetrieben wurden. Aber es gelingt ihnen nicht, zur Ruhe zu kommen, da sie von Wahnsinn geplagt sind. Und deswegen entwickeln sie sehr schnell das Bedürfnis, dass sie wieder in einem menschlichen Körper wohnen wollen. Das ist dann ihr größtes Begehren. Und welcher Mensch würde sich da mehr anbieten als der, in welchem sie schonmal waren? Die Dämonen brauchen ja durch Sünde entstandene Anrechte, um im Körper zu sein. Und bei dem Mensch, in dem sie schonmal waren, kennen sie die Persönlichkeit und die Schwächen. Sie wissen genau, wie sie diesen Mensch anpacken und was sie ihm einflüstern müssen, damit er wieder sündigt. Deswegen geht ein ausgetriebener Dämon zuerst mal zu dem Mensch zurück, von dem er ausgetrieben wurde. Weiterhin sagte Jesus laut Vers 25:

Und wenn er kommt, findet er es gesäubert und geschmückt. 

Nach einer ordentlichen Austreibung, die von Gott befohlen war aus Gnade, wird der Mensch innerlich gereinigt. All das von dem Dämon angerichtete Verderben im Körper wird geheilt. Und dann, wenn der Dämon zu dem Mensch zurückkehren will, sieht er diesen Zustand der Reinheit. Und das gefällt dem Dämon gar nicht. Er will lieber in einem verdorbenen, schmutzigen und entehrten Tempel wohnen, damit er sich wohlfühlt. Allerdings wäre das für ihn alleine ein Haufen Arbeit, sowas zu bewerkstelligen, und deswegen erklärte Jesus folgendes laut Vers 26:

Dann geht er hin und nimmt sieben andere Geister mit sich, die bösartiger sind als er selbst, und sie ziehen ein und wohnen dort, und es wird der letzte Zustand dieses Menschen schlimmer als der erste. 

Da es also dem einen Dämon zu schwierig wäre, den verdorbenen Zustand nochmal zu erreichen, der vor der Austreibung geherrscht hatte, wird er noch andere böse Geister mitbringen, die schlimmer sind als er, und sie kommen auch alle mit. Und die werden sogar alle dorthin dürfen, weil nämlich die Schuld, die ein Mensch auf sich lädt, wenn er nach dem Geschehen von riesengroßer und unverdienter Barmherzigkeit erneut einen Gräuel verübt, um ein vielfaches schwerer wiegt als die alte. Diese riesige Schuld, die dadurch kommt, dass der Mensch nicht nur Gräuel verübt, sondern obendrein auch noch die Gnade Gottes mit Füßen getreten und keinerlei Anerkennung für Gottes gütiges Handeln übrig hatte, rechtfertigt dann auch den Einzug der noch schlimmeren Geister. Dies ist das Ende, das der Mensch sich zuzieht, der nach der Austreibung und Heilung schonwieder Gräuel verübt. Und aus genau diesem Grund sage ich euch: So spektakulär es auch sein mag, wenn man Dämonen austreiben kann in Jesu Namen - denkt lieber zweimal darüber nach, ob ihr das wirklich tun wollt. Denn wenn ihr dies tut bei einer Person, die gar keine Motivation im Herzen hat, Gottes Gebote einzuhalten, dann verhelft ihr dieser Person auf lange Sicht zu einer noch viel heftigeren Plage als bisher. Solche Leute sind weniger schlimm dran, wenn man sie einfach in ihrer Plage lässt, als wenn an ihnen eine Befreiung geschah und sie sich danach durch erneutes Sündigen etwas Extremeres zuziehen. Wenn ein Mensch nicht glauben will, dass Gottes Gebote entscheidend sind, weil er lieber ungläubig bzw. andersgläubig lebt, so ist es die am wenigsten unheilvolle Maßnahme, wenn man sich einfach von ihm abwendet und gar nichts von Wunderzeichen erzählt.
Jedenfalls hat Jesus hier ja wirklich ein paar bemerkenswerte und auch überaus bedeutsame Dinge erklärt. Während er aber all dies sagte, wurde nebenbei offensichtlich, dass die anwesende Volksmenge maximal mit halbem Ohr hinhörte, denn es steht geschrieben in Vers 27:

Es geschah aber, als er dies redete, da erhob eine Frau aus der Volksmenge die Stimme und sprach zu ihm: Glückselig ist der Leib, der dich getragen hat, und die Brüste, die du gesogen hast! 

Diese Frau sollte sich für ihr Verhalten eigentlich schämen. Sie macht einen völlig zusammenhangslosen Zwischenruf. Sie unterbricht dadurch Jesus in seiner Rede und verleiht dem Ausdruck, was mit Gott nichts zu tun hat, nämlich den eitlen Gedanken ihres eigenen Herzens in fleischlicher Gesinnung. Die hat gemerkt, dass Jesus sich tapfer verteidigt gegen die Anschuldigungen der Leute, die ihm böse Unterstellungen machen, und weil sie erlebt, dass Jesus in solch großer Besonnenheit reden kann, denkt sie sich: „Das wäre doch mal was, wenn dieser Mensch mein Sohn wäre!“
Sie konzentriert sich nicht im Entferntesten auf den Inhalt der Belehrung, sondern sie versinkt völlig in fleischlichen Denkmustern. Und dann äußert sie einen solchen Ruf, um auf sich aufmerksam zu machen und das verkorkste Denken ihres Herzens zum Ausdruck zu bringen, weil sie glaubt, es wäre relevant. Dieser unqualifizierte Zwischenruf zeigt wirklich, dass Jesus keine aufmerksam zuhörenden Leute vor sich hatte, sondern eher Menschen, die sich bei allem, was sie hören, immer nur in Träumereien ziehen ließen und den eigenen Gedanken nachjagten, so als sei der gerade stattfindende Irrsinn in ihrem Kopf bedeutsamer als die Worte des Sohnes Gottes. Und es bleibt wirklich zu hoffen, dass wir, wenn wir Jesus-Nachfolger bzw. Jesus-Nachfolgerinnen sind, nicht etwa dem selben Irrsinn verfallen, beim Anhören wichtiger Belehrungen einfach in irgendwelche belanglosen Gedanken abzudriften, die mit weltlichem Kram zu tun haben und unsere eigene Eitelkeit widerspiegeln.
Nun wollen wir aber auch mal schauen, was Jesus zu diesem komplett überflüssigen und von Ignoranz zeugenden Zwischenruf zu sagen hatte. Es steht geschrieben in Vers 28:

Er aber sprach: Glückselig sind vielmehr die, die Gottes Wort hören und es bewahren!

Jesus versucht also sofort, von dem nichtigen Gefasel wieder auf das Wort Gottes umzulenken. Kein Mensch ist glückselig, nur weil er irgendeine fleischliche Verwandtschaft mit Jesus hatte. Dieses Detail ist komplett irrelevant. Jesus lässt uns aber wissen, wer die wirklich glückseligen Menschen sind. Es sind die, die Gottes Wort hören und bewahren. Das soll unser Fokus sein.

Weiterhin lesen wir folgende Worte in den Versen 29 und 30:

Als aber die Volksmenge sich haufenweise herzudrängte, fing er an zu sagen: Dies ist ein böses Geschlecht! Es fordert ein Zeichen; aber es wird ihm kein Zeichen gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. 
Denn gleichwie Jona den Niniviten ein Zeichen war, so wird es auch der Sohn des Menschen diesem Geschlecht sein. 

Es wird auch im Evangelium des Matthäus in Kapitel 12 berichtet, dass Jesus derartige Worte gesprochen hat. Dabei meint Jesus seine bevorstehende Auferstehung, wenn er vom Zeichen des Propheten Jona redet. Denn Jona war in dem Bauch eines riesigen Fisches gelandet und dann lebendig daraus hervorgekommen. Und die Leute, die Jona sahen, wie er aus dem Fisch hervorkam, die deuteten das als ein Zeichen von Gott und hörten deswegen auch bedingungslos auf die Worte, die Jona zu verkündigen hatte. Und Jesus muss nach der Kreuzigung begraben werden, aber dann auch wieder aus dem Grab hervorkommen, was ein so außergewöhnliches Zeichen ist, dass dies definitiv nicht normal ist, sondern allein von Gott gewirkt werden könnte. Und deswegen soll die Auferstehung aus den Toten das ultimative Zeichen sein, welches bestätigt, dass man bedingungslos auf die Worte von Jesus hören muss und dass man dem Plan Gottes widersteht, sollte man trotz dieses großen Zeichens immernoch an Jesus zweifeln.

Als nächstes werden wir die Verse 31 und 32 lesen. Dort steht:

Die Königin des Südens wird im Gericht auftreten gegen die Männer dieses Geschlechts und sie verurteilen; denn sie kam vom Ende der Erde, um die Weisheit Salomos zu hören; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Salomo! 
Die Männer von Ninive werden im Gericht auftreten gegen dieses Geschlecht und werden es verurteilen; denn sie taten Buße auf die Verkündigung des Jona hin; und siehe, hier ist einer, der größer ist als Jona!

Hier nennt Jesus Ereignisse, wo Menschen mit Glaube reagiert haben, obwohl sie theoretisch mit dem Gott Israels gar nichts zu tun hatten. Sie waren betroffen, obwohl es nicht zu erwarten war, dass Gottes Worte bei diesen Leuten ins Herz treffen. Das ist der Glaube, der nötig ist. Die Königin des Südens lebte zur Zeit von Salomo und reiste den unfassbar weiten Weg von ihrem Heimatland bis nach Jerusalem, was extrem beschwerlich war, nur damit sie die Worte der Weisheit hören kann, die Salomo redet. Die hat weder Kosten noch Mühe gescheut, um zu hören, was dieser König zu sagen hat, der von dem allein wahren Gott, dem Gott Abrahams Isaaks und Jakobs mit Weisheit ausgefüllt worden war. 
Und die Männer von Ninive haben auf eine hebräischen Mann gehört, nämlich auf Jona, obwohl sie selbst aus einem Heidenvolk kamen. Dies hielt sie nicht davon ab, vollständig Buße zu tun auf die Warnungen hin, die Jona ausrief. Es kann also am Ende in Gottes Gericht niemand so tun, als hätten niemals irgendwelche Menschen auf Erden gelebt, die Glaube hatten, sondern es wird reichlich Zeugenaussagen geben von Leuten, die alle ihre eigene Geschichte erzählen, warum und unter welchen Umständen sie die Verkündigungen ernstnahmen, die von dem allein wahren Gott gegeben waren. Aber die Menschen, die jetzt gerade vor Jesus stehen, sind widerspenstig, eigensinnig und weitesgehend uninteressiert an Buße. Und dabei gehören sie zu Israel und sollten aus diesem Grund mit besonders hoher Aufmerksamkeit zuhören und mit Dankbarkeit reagieren – sie tun es aber nicht. Deswegen hat Jesus diese Worte in erster Linie als schwere Ermahnung geäußert, die sie sich lieber zu Herzen nehmen sollten, denn in dem Weltgericht Gottes am Ende aller Zeiten wird keine einzige Seele entkommen, weder Menschen noch Engel.

Als nächstes wird ein kurzes Gleichnis berichtet, mit welchem Jesus darauf anspielt, dass die gute Belehrung, die sie von ihm hören, in ihnen Raum gewinnen muss und aus ihnen heraus strahlen soll wie Licht. Denn man wird es ihnen ansehen, wenn sie die Worte glauben, weil sie dann ganz anders unterwegs sein werden als die Widerspenstigen. Sie werden im Vergleich zu denen, die die gesunde Lehre ablehnen, fast schon wie Lichter aussehen, und dabei ist es auch vom Himmel gewollt, dass sie in einer Menschenmenge wegen dieser Eigenschaft auffallen. Darum lesen wir in den Versen 33 bis 36:

Niemand aber zündet ein Licht an und setzt es an einen verborgenen Ort, auch nicht unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter, damit die Hereinkommenden den Schein sehen. 
Das Auge ist die Leuchte des Leibes. Wenn nun dein Auge lauter ist, so ist auch dein ganzer Leib licht; wenn es aber böse ist, so ist auch dein Leib finster. 
So habe nun Acht, dass das Licht in dir nicht Finsternis ist! 
Wenn nun dein ganzer Leib licht ist, sodass er keinen finsteren Teil mehr hat, so wird er ganz hell sein, wie wenn das Licht mit seinem Strahl dich erleuchtet.

Man könnte durchaus soweit gehen, zu sagen, dass gemäß diesen Versen ein Mensch, der geläutert wird durch die persönliche Nachfolge Jesu und das Anwenden der Gebote, irgendwann ein Antlitz bekommen wird, das ein bisschen so aussieht, als würde dieser Mensch erstrahlen wie Licht.

Was aber auch enorm interessant ist, ist der Bericht im letzten Abschnitt dieses Kapitels. Jesus war von Pharisäern zu einem Mittagsmahl eingeladen und machte sich dort sehr schnell sehr unbeliebt, da er die überflüssigen Dogmen nicht einhielt, die die Pharisäer sich selbst ausgedacht hatten. Das bezieht sich besonders auf das Menschengebot, dass man sich vor dem Essen unbedingt die Hände zu waschen hat, da man laut den Pharisäern sonst als unrein gilt. Es steht geschrieben in den Versen 37 und 38:

Und während er redete, bat ihn ein gewisser Pharisäer, bei ihm zu Mittag zu essen. Und er ging hinein und setzte sich zu Tisch. 
Der Pharisäer aber verwunderte sich, als er sah, dass er sich vor dem Mittagsmahl nicht gewaschen hatte. 

Dieser Moment muss einzigartig gewesen sein. Die hoch angesehenen und ganz gescheiten Autoritäten legen höchsten Wert darauf, dass man sich vor dem Essen die Hände wäscht, und Jesus setzt sich einfach hin und beginnt zu essen. Das ist ja völlig unanständig! Da tritt man doch in ein Fettnäpfchen und macht sich unbeliebt vor den Leuten! 
Aber Jesus hat das ganz bewusst getan, um den von Gott kommenden Standpunkt zu vertreten, dass die Menschen sich mit ihren selbst erfundenen Gottesdiensten und scheinklugen Reinigungslehren eigentlich nur lächerlich machen vor dem Angesicht des allein wahren Gottes. Am lächerlichsten ist es aber, wenn sie so belanglose Dinge wie das Händewaschen mit übertriebener Genauigkeit praktizieren, während sie das, was wirklich von Belang ist, nämlich die im Gesetz befohlenen Dinge, heimlich übertreten. Genau das ist nämlich bei den religiösen Menschen ständig passiert. Und deswegen reagiert Jesus auf den ausgelösten Anstoß wegen dem unterlassenen Händewaschen folgendermaßen laut Vers 39 bis 41:

Da sprach der Herr zu ihm: Nun, ihr Pharisäer, ihr reinigt das Äußere des Bechers und der Schüssel, euer Inneres aber ist voll Raub und Bosheit. 
Ihr Toren! Hat nicht der, welcher das Äußere schuf, auch das Innere gemacht? 
Gebt nur von dem, was darin ist, Almosen, siehe, so ist euch alles rein! 

Hier schimpft nun Jesus darüber, dass die Pharisäer sich nach außen hin immer als rein darstellen, obwohl sie heimlich Bosheit im Herzen haben. Sie berauben die Menschen durch das Verlangen von üppigen Abgaben, die angeblich für Gott sind, denn sie reißen sich alles selber unter den Nagel. Und wenn ihnen ein öffentlich auftretender Mann nicht in den Kram passt, verschwören sie sich gegen ihn und nutzen ihren Einfluss in der Gesellschaft, um ihn verschwinden zu lassen, und stellen das dann auch noch als Gerechtigkeit dar. Wenn diese Dinge bereinigt werden würden, dann wäre das viel mehr wert. Und von dem Schöpfer, der das Innere gemacht hat, sollen sie Almosen geben. Das heißt: Sie sollen endlich mal damit anfangen, das wahre Wort Gottes an das Volk auszuteilen, so wie es wirklich in der Thora und in den Prophetenbüchern auffindbar ist. Denn anstatt dies zu tun, haben sie die jüdischen Menschen ständig nur mit ihren eigenen Lehren überhäuft, und das tun sie übrigens auch heute noch. Würden sie aber endlich mal das wahre Wort Gottes predigen, auf welches sie theoretisch schon die ganze Zeit lang Zugriff haben durch das Vorhandensein der Schriften, dann würden sie durch derartige Taten viel eher als rein erscheinen vor dem Angesicht Gottes. Ihre ständigen Waschungen hingegen bewirken gar nichts.

Jesus ist aber mit diesem Tadel noch lange nicht fertig, sondern er kommt erst so richtig in Fahrt, da ihm das Handeln der Pharisäer extremst auf die Nerven geht, welches geistlich bewertet durch und durch verabscheuungswürdig ist und so gut wie gar nichts mit Gott zu tun hat. Daher lesen wir in Vers 42:

Aber wehe euch Pharisäern, dass ihr die Minze und die Raute und alles Gemüse verzehntet und das Recht und die Liebe Gottes umgeht! Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen. 

Hier schimpft Jesus über das profitgierige und lieblose Verhalten der Pharisäer. Sie sind übertrieben kleinlich, wenn es darum geht, Abgaben von den Menschen zu erheben, aber wenn es um Dinge geht, die ganz besonders stark dem Wesen Gottes nachempfunden sind, nämlich wahre Gerechtigkeit und wahre Liebe gemäß dem Geist, dann lässt ihre Genauigkeit stark zu wünschen übrig. Und sie selber sehen nichtmal ein Problem dahinter, dass sie sich so aufführen. Jesus will mit seinen Worten darauf hinaus, dass beides große Wichtigkeit hat. Das Austeilen des Zehnten an den Tempel ist wichtig, zumindest solange ein von Gott erwählter Tempel auf Erden existiert, und auch die Liebe, die das Wesen Gottes nachvollziehbar macht, ist überaus bedeutsam und nicht zu vernachlässigen. Man muss beides beachten und kann nicht einfach aussortieren, was einem am besten gefällt. Deshalb sagte er: Dieses sollte man tun und jenes nicht lassen. Weiterhin lesen wir in Vers 43:

Wehe euch Pharisäern, dass ihr den ersten Sitz in den Synagogen und die Begrüßungen auf den Märkten liebt! 

Hier werden die Pharisäer nun mit einem Weheruf getadelt, weil sie ihre hoch angesehene Stellung nur zu dem Zweck haben wollen, dass alle Menschen vor ihnen Hochachtung bekommen und sie mit Vorzug behandeln. Und dabei wird doch immer behauptet, ihre Auslegung sei die strengste und Gott wohlgefälligste und es ginge völlig um Gottesfurcht. Wie kann es dann sein, dass diese Männer irgendwie gar nicht auf Gott konzentriert sind, sondern nur darauf, es möglichst viel zu genießen, wie sie von naiven Menschen bewundert werden? Im Grunde genommen müssen sie sich dafür schämen, und zwar zutiefst. Denn keiner, der Ehre vor Menschen sucht, bekommt Ehre vor Gott.

In Vers 44 lesen wir:

Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler, dass ihr wie die unkenntlich gewordenen Gräber seid, über welche die Leute dahingehen, ohne es zu wissen! 

Diese Aussage von Jesus spielt ganz besonders stark darauf an, dass die Pharisäer dem einfachen Volk ständig etwas vorspielen, und ihre Schauspielerei ist so gekonnt, dass das Volk gar nicht bemerkt, wie es ohne Unterlass an der Nase herumgeführt und falsch über Gott belehrt wird, sondern das Volk ist überzeugt, wunderbar angeleitet zu sein und dankbar sein zu müssen für die großartigen Pharisäer, die extra ein ganz kompliziertes und scheinbar geistlich wertvolles Studium abgeschlossen haben, nur um ihnen Anleitung geben zu können. Das Volk kauft ihnen diese Masche ab und durchschaut ihr falsches Spiel gar nicht. Eigentlich sind die Wege der Pharisäer gefährlich für die Seele, und es wohnt auch eine skrupellose Bereitschaft in ihren Herzen, jeden Mensch aus dem Weg zu räumen, der sich nicht unterwirft. Solch eine Eigenschaft ist an sich einfach nur böse. Aber weil die Pharisäer sich immer selbst so erhaben darstellen, begreift das Volk gar nicht, mit wem es da eigentlich konfrontiert ist.

Darüber hinaus steht folgendes geschrieben in den Versen 45 und 46:

Da antwortete einer der Gesetzesgelehrten und sprach zu ihm: Meister, mit diesen Worten schmähst du auch uns! 
Er aber sprach: Wehe auch euch Gesetzesgelehrten! Denn ihr ladet den Menschen unerträgliche Bürden auf, und ihr selbst rührt die Bürden nicht mit einem Finger an. 

Hier bin ich mir nicht sicher, ob der Begriff „Gesetzesgelehrte“ die richtige Übersetzung ist. Wenn nämlich jemand allein das Gesetz richtig lehren würde, das Moses von Gott überliefert hat, dann wäre das keine schwere und unerträgliche Bürde, sondern der reinste Segen. Die Vorgehensweise, den Menschen viel zu viele Vorgaben zu machen, ist eigentlich genau das, was das Handeln der Pharisäer beschreibt, weil sie mit ihrer „Überlieferung der Alten“, also mit der Talmud, eine noch viel größere Anzahl Gebote aufgestellt haben, als es aus der Thora hervorgeht. Das ist die unerträgliche Bürde.
Ganz wichtig zu erkennen ist hier aber, welches Verhalten Jesus im Kern kritisiert. Er schimpft berechtigterweise darüber, dass die Gesetzesgelehrten immer nur den Leuten vom Volk sagen, was zu leisten ist, aber sie selber rühren keinen Finger. Leute herumkommandieren können sie gut, aber selber etwas befolgen ist bei ihnen undenkbar. Und dieses Verhalten ist die reinste Schande, wenn man immer nur anderen Befehle gibt und niemals seine eigenen Worte einhält. Jeder, der sagen will, wie etwas richtig ist, der ist automatisch verpflichtet, selbst mit gutem Beispiel voranzugehen. Aber genau das haben viele von diesen Leuten nichtmal im Ansatz getan.

Als nächstes regt sich Jesus besonders stark darüber auf, dass es religiöse Autoritäten waren, die die Ermordung der echten Propheten in vielen Fällen organisiert haben bzw. halfen, es zu vertuschen, und dass die jetzt gerade vor ihm sitzenden Schriftgelehrten und sonstigen Führer keinen Deut besser sind, da sie genau so tiefe Bosheit in ihren Herzen haben. Es steht geschrieben in den Versen 47 bis 51:

Wehe euch, dass ihr die Grabmäler der Propheten baut! Eure Väter aber haben sie getötet. 
So bestätigt ihr also die Taten eurer Väter und habt Wohlgefallen daran; denn jene haben sie getötet, ihr aber baut ihre Grabmäler. 
Darum hat auch die Weisheit Gottes gesprochen: Ich will Propheten und Apostel zu ihnen senden, und sie werden etliche von ihnen töten und verfolgen, 
damit von diesem Geschlecht das Blut aller Propheten gefordert werde, das seit Grundlegung der Welt vergossen worden ist, 
vom Blut Abels an bis zum Blut des Zacharias, der zwischen dem Altar und dem Tempel umkam. Ja, ich sage euch, es wird gefordert werden von diesem Geschlecht! 

Jesus sagt durch diese Worte praktisch aus, dass es schon seit dem Beginn der Menschheit ständig nur so läuft, dass die von Zorn und Niedertracht angetriebenen Menschen die nach Gerechtigkeit strebenden Leute bekämpfen und töten. Das ist der böse Weltlauf. Gott aber wird es nicht ewig ungerichtet lassen. Es wird ein Tag der Abrechnung kommen.
Man sollte sich aber auch darüber bewusst sein, dass die Anschuldigung mit den gebauten Grabmälern, auch wenn die Botschaft dahinter wirklich von Gott kommt, extrem aus der Reihe tanzt. Denn die Menschen von dieser Welt sagen dabei sofort: „Wie kann dieser Jesus nur behaupten, wir würden die Gräber bauen, um die Morde zu bestätigen? Der spinnt doch! Wir bauen die Gräber, um das Andenken der Propheten zu ehren und ihre Namen nicht in Vergessenheit geraten zu lassen! Das ist eine edle Absicht, die uns viel Mühe kostet! Und dann kommt dieser Schwätzer aus Nazareth daher und macht uns solche Unterstellungen! Der erdreistet sich, uns zu richten, weil er unser Handeln nicht versteht! Was der sagt, ist überhaupt nicht von Gott!“
So hätten definitiv die Menschen von dieser Welt reagiert in ihrem stolzen Ego, wenn sie bereits in diesem Augenblick die Gelegenheit zur Reaktion gehabt hätten.
Allerdings sprach Jesus laut Vers 52 erst noch einen weiteren Tadel, und dieser ist gemäß diesem Kapitel das Letzte, was Jesus als scharfe und zutreffende Kritik geäußert hat. Es steht geschrieben:

Wehe euch Gesetzesgelehrten, denn ihr habt den Schlüssel der Erkenntnis weggenommen! Ihr selbst seid nicht hineingegangen, und die, welche hineingehen wollten, habt ihr daran gehindert! 

Hier bringt Jesus nun sein großes Entsetzen über die Tatsache zum Ausdruck, dass die Leute, die Zugriff auf die Schriften hatten, was damals nur einem geringen Personenkreis ermöglicht war, einerseits selber keinen Bock hatten, die Gebote Gottes zu befolgen, und andererseits auch niemanden verständig werden ließen, der ehrliches Interesse bekundete. Und eigentlich ist genau das der aller abscheulichste Teil dieses Problems, dass man absichtlich die Menschen, die ehrlich an Gottes Wegen interessiert waren, leer ausgehen ließ, weil man keine Lust zum Lehren hatte, oder weil man verdrehte Belehrungen und gotteslästerliche Moralvorstellungen als Ersatz verbreitete. Dadurch wurden möglicherweise Menschenseelen verdorben, die unter anderen Umständen mit so großem Gehorsam auf die Wahrheit reagiert hätten, dass es zu ihrer Errettung geführt hätte. Allerdings muss man auch dazu sagen, dass Gott allezeit die Herzen prüft und dass er immer Wege findet, um denen die Wahrheit zukommen zu lassen, die wirklich den echten Gott suchen. Das sollte man dabei auch beachten, damit man sich nicht die überflüssige Frage stellt, warum Gott einen solchen Zustand überhaupt zugelassen hat. Denn wir dürfen uns sicher sein, dass Gott niemals einen mit aller Kraft nach der Wahrheit suchenden Mensch ignorieren wird, sondern er ignoriert nur die Halbherzigen.

Und da die Pharisäer und Schriftgelehrten nun all diese Worte gehört haben, müssen sie wohl innerlich vor Wut kochen. Wenn Jesus in einer Kneipe gesessen hätte und den Stammgästen der Kneipe mal so richtig die Meinung gesagt hätte über ihre verkehrten Wege, dann hätte es da vermutlich in kürzester Zeit eine ausgiebige Kneipenschlägerei gegeben. Da Jesus sich aber im vornehmen Haus eines hoch angesehenen Schriftgelehrten aus der Mitte der Pharisäer befindet, ist natürlich keine Kneipenschlägerei entbrannt, sondern die Pharisäer setzen sich auf eine Art zur Wehr, die in ihren Kreisen als würdevoll gilt, aber trotzdem ein purer Ausdruck von Verachtung und Aggression ist. Wir lesen in den Versen 53 und 54:

Und als er dies zu ihnen sagte, fingen die Schriftgelehrten und Pharisäer an, ihm hart zuzusetzen und ihn über vieles auszufragen, 
wobei sie ihm auflauerten und versuchten, etwas aus seinem Mund aufzufangen, damit sie ihn verklagen könnten.

Da also die Pharisäer keine Primitivlinge sein wollen, haben sie Jesus nicht etwa windelweich geprügelt, sondern sie haben all ihrer Kenntnisse und Gedanken gesammelt und ihn damit bedrängt, um irgendwelche schändlichen Aussagen aus seinem Mund herauszubekommen, durch welche Jesus als Gesetzesbrecher oder Gottverächter dastehen würde. Zu diesem Zweck haben sie ihm viele möglichst komplizierte und raffinierte Fragen gestellt, deren Inhalt uns leider nicht näher vor Augen geführt wird. Da sie aber versuchen wollten, ein auf Vernunft basierendes Argument gegen Jesus zu finden, blieben ihre Anstrengungen ohne Erfolg, denn Jesus kannte auf Jede Frage eine gute Reaktion.

Und nun haben wir es geschafft, auch bei diesem Kapitel am Ende anzukommen. Was lernen wir nun daraus, und was können wir uns daraus mitnehmen für die eigene Nachfolge?

Ich würde sagen, wir lernen besonders aus diesem Kapitel, dass Jesus uns aufklären will, wie wir uns auf Gottes Hilfe in der Not verlassen dürfen, selbst wenn wir manchmal etwas länger warten müssen, nämlich so lange, bis unser Vater im Himmel sich dafür schämt, uns bisher trotz der Not nicht geholfen zu haben, obwohl wir ihn baten. Darüber hinaus ist dieses Kapitel eines von denen, durch welche man ein besseres Verständnis über die Vorgänge im Unsichtbaren bekommt, wenn man sich in die Aussagen von Jesus hineinvertieft und sie begreift. 
Ansonsten ist dieses Kapitel eigentlich nur ein weiteres Zeugnis von Streitgesprächen, in die Jesus hineingezogen war und bei welchen er teilweise sehr rücksichtslos die Wahrheit ausgesprochen hat und all die Heuchelei von den religiösen Leitern bloßstellte, denn Jesus lässt keinen Heuchler auf Erden einfach gewähren. Es brauchte sich damals keiner einzubilden, und es soll sich auch heute keiner einbilden, dass der echte Jesus Christus Heuchelei in seinem Volk ignorieren würde. Und vielleicht kann uns dieses Kapitel dazu ermutigen, weil Jesus sich nicht vor offenen Gesprächen mit Heuchlern scheute, dass auch wir selbst als Jesus-Nachfolger ohne Furcht den Heuchlern ins Gesicht sagen sollen, worin der Unterschied zwischen ihrem Verhalten und aufrichtiger Gottesfurcht besteht. Wir sollten nicht unentwegt schweigen, nur um eine vermeintlich harmonische Atmosphäre zu bewahren, denn so hat Jesus nie gehandelt. Allerdings gilt natürlich auch zu beachten, dass Jesus den Willen Gottes tat in jeder Hinsicht, gemäß dem Gesetz Mose und der Anleitung im Geist. Wenn wir das nicht auch von uns behaupten können, sollten wir erstmal uns selbst tadeln, bevor wir die Heuchler konfrontieren, die sich durch ihren lauwarmen Wandel gerechtfertigt fühlen und doch ins Verderben laufen.

Das war es nun mit dem elften Kapitel vom Evangelium des Lukas.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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