Text zu "Bibellehre - Kapitel 15 im Evangelium des Lukas"
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Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 15 vom Evangelium des Lukas gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.
Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.
Dieses ganze Kapitel ist vollgepackt mit Gleichnissen, die uns aufzeigen sollen, dass Gott uns grundsätzlich schon für wichtig hält und wir ihm eigentlich am Herzen liegen, obwohl wir ständig vor ihm weglaufen, seine Gebote sinnloserweise verachten und bei unserem irrsinnigen Umhergetriebensein in dieser Welt erwarten, irgendwo anders als bei ihm etwas Besseres zu finden. Zuerst erzählt Jesus ein Gleichnis, wo ein Schaf aus der Herde eines guten Hirten ausbricht und wegläuft, und deshalb wird der Hirte voll Sorge und macht sich auf die Suche nach dem Schaf. Welchen Anlass aber Jesus hatte, um dieses Gleichnis überhaupt vorzutragen, lernen wir durch die Verse 1 und 2. Dort steht:
Es pflegten sich ihm aber alle Zöllner und Sünder zu nahen, um ihn zu hören.
Und die Pharisäer und die Schriftgelehrten murrten und sprachen: Dieser nimmt Sünder an und isst mit ihnen!
Hier sitzt Jesus also mit Menschen am Tisch, die als Abschaum der Gesellschaft gelten und die auch sündige Dinge tun, aus Gewohnheit und aus Prinzip, und von denen man daher nicht wirklich irgendwas Gutes zu erwarten hat. Warum Jesus sich trotzdem zu denen setzt, erklärt er wie gesagt durch das Gleichnis vom verlorenen Schaf. Es steht geschrieben in den Versen 3 und 4:
Er sagte aber zu ihnen dieses Gleichnis und sprach:
Welcher Mensch unter euch, der hundert Schafe hat und eines von ihnen verliert, lässt nicht die neunundneunzig in der Wildnis und geht dem verlorenen nach, bis er es findet?
Durch diese Verse hat man von Jesus die Begründung, warum er bei den Zöllnern sitzt. Es könnte sein, dass einer von den Menschen, die eigentlich ihm angehören müssten, verloren durch die Welt gelaufen ist und dann bei den Zöllnern landete und in deren Mitte auf Annahme stieß, weswegen er selbst auch zu einem Zöllner wurde. Aber er gehört dort eigentlich nicht hin, sondern er gehört zu Jesus, darum will Jesus ihn aus dieser Mitte heraus rufen. Denn bei einem Schaf, das hinaus in die Wildnis gelaufen ist, könnte es ja im Zweifelsfall auch passieren, dass es auf eine Horde Wildschweine trifft und diese es in ihrer Mitte wohnen lassen. Aber es ist trotzdem ein verloren gegangenes Schaf. Es gehört eigentlich in die Schafshürde. Und es würde dem Schaf dort auch besser gehen als in der Mitte der Wildschweine, denn die leben ganz anders, als es für das Schaf angemessen ist. Wenn aber der gute Hirte sein Schaf unbedingt wiederhaben will, dann muss er überall suchen. Er muss an jeden Ort gehen, wo theoretisch das Schaf sein könnte, damit er keine Möglichkeit auslässt, um es zu finden. Und so ist es auch, wenn Jesus seine verlorenen Schafe sammeln will, also die Menschen, die zu ihm gehören. Er sucht überall nach ihnen. Denn ein jedes Schaf, das aus der Hürde eines guten Hirten ausgebrochen ist, das wird sich an die Stimme des Hirten erinnern. Es wird die Stimme wahrnehmen, und das wird etwas in dem Schaf auslösen. Es wird in dem Schaf die Sehnsucht erwecken, wieder zurück zu dem Hirte zu gehen, und es wird das Schaf erinnern an das, was es verloren hat, jetzt, wo es an einem fremden Ort wohnt, in der Mitte von denen, die irgendwie ganz anders drauf sind als es selbst. Und Jesus ist wirklich ein guter Hirte, darum sucht er mit großem Eifer überall. Ein schlechter Hirte hingegen, der würde nur mal eine kurze Runde in der näheren Umgebung drehen und danach die Suche aufgeben, weil er keine Lust mehr hat. Dadurch unterscheidet sich der schlechte Hirte von den guten, dass der schlechte Hirte sein verlorenes Schaf kaum sucht, wenn es verschwunden ist und keiner weiß, wo es sich befindet.
Weiterhin lesen wir in den Versen 5 und 6:
Und wenn er es gefunden hat, nimmt er es auf seine Schulter mit Freuden;
und wenn er nach Hause kommt, ruft er die Freunde und Nachbarn zusammen und spricht zu ihnen: Freut euch mit mir; denn ich habe mein Schaf gefunden, das verloren war!
Die hier beschriebene Freude ist wohlgemerkt keine andauernde Freude, die jahrelang herrscht, sondern es ist eine besondere Freude für den Moment, weil nämlich eine sehr große Erleichterung aufkommt in dem Moment, wo der besorgte Hirte tatsächlich das Schaf findet. Dann hat endlich das bedrückende Suchen ein Ende. Vorbei ist dann das viele ruhelose Umherwandern und die Gedanken im Kopf, was alles für schreckliche Dinge mit dem Schaf passieren könnten und ob es vielleicht schon lange tot ist.
Und ich muss nun auch mal ein paar Worte äußern, die sicherlich schwer anzunehmen, aber doch wahrhaftig sind. Einige Menschen fragen beim Lesen dieser Verse: „Warum hat der Hirte keinerlei Freude darüber, dass die neunundneunzig in der Schafhürde bleiben und gar nicht erst rausgehen?“
Ich muss an dieser Stelle darauf hinweisen, dass wir als Jesus-Nachfolger und Jesus-Nachfolgerinnen in gar keiner Weise die Aufgabe haben, gierig danach zu sein, dass wir möglichst viel Lob bekommen und unsere Anwesenheit gefeiert wird. Solch eitler Unsinn verdirbt das Herz! Es macht stolz und eigensinnig. Wir haben schon lange etwas Besseres als die Menschen dieser Welt, wenn wir besiegeltes Eigentum von Jesus Christus sind und stets in seiner Nähe bleiben. Es ist völlig egal, ob irgendwer im Himmel uns feiert! Auch wenn das nicht passiert, ist unser Zustand um ein vielfaches besser als der des Menschen, der sich all den verderblichen Lüsten und Betrügereien dieser Welt hingegeben hat. Darum muss jeder Mensch sich fragen, worum es ihm eigentlich wirklich geht, wenn er danach giert, gelobt und gefeiert zu werden. Solche Bedürfnisse sind nicht geistlich.
Und ansonsten kann ich dazu nur sagen, dass der gute Hirte durchaus Freude im Herzen hat wegen den Schafen, die alle in der Hürde bleiben, aber es ist eine stille Freude, eine Geborgenheit, wegen welcher man nicht jeden Tag eine Party feiert, aber die man doch genießt. Und da das Leben der Schafe nicht bedroht ist, so lange sie dicht bei dem Hirte bleiben, zu dem sie gehören, muss man sich auch um sie keine Sorgen machen, aber bei einem entlaufenen Schaf hat man ständig Sorge, dass es vielleicht von einem Wolf zerrissen wurde, obwohl man doch eigentlich alle Schafe in Sicherheit wissen will.
Jedenfalls lesen wir noch als ergänzende Bemerkung von Jesus folgendes in Vers 7:
Ich sage euch, so wird auch Freude sein im Himmel über einen Sünder, der Buße tut, mehr als über neunundneunzig Gerechte, die keine Buße brauchen!
Hier sehen wir also, worauf es ankommt. Wenn jemand aufrichtig Buße tut, indem ihm seine bisherigen Verfehlungen leidtun und er sein ganzes Denken nur noch darauf ausrichtet, die Gebote Gottes ab jetzt wirklich so einzuhalten, wie Gott es will, dann ist er vergleichbar mit einem Schaf, das in die Schafhürde zurückgetragen wird. Und wer weiß, ob es nicht auch unter den Zöllnern wenigstens einen einzigen Mensch gibt, der so reagieren wird?
Durch das zweite Gleichnis deutet Jesus an, dass für ihn jeder Mensch als ein kostbarer Schatz gilt, der sich für sein Reich und natürlich auch die Gebote seines Gottes entschieden hat. Und wenn so einer sich dann doch irgendwo versteckt, weil der Standard ihm plötzlich nicht mehr angenehm schien, dann spricht Jesus darüber folgendes Gleichnis in den Versen 8 bis 10:
Oder welche Frau, die zehn Drachmen hat, zündet nicht, wenn sie eine Drachme verliert, ein Licht an und kehrt das Haus und sucht mit Fleiß, bis sie sie findet?
Und wenn sie sie gefunden hat, ruft sie die Freundinnen und die Nachbarinnen zusammen und spricht: Freut euch mit mir; denn ich habe die Drachme gefunden, die ich verloren hatte!
Ich sage euch, so ist auch Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.
Der maßgebliche Unterschied zwischen dem Gleichnis von dem verlorenen Schaf und der verlorenen Drachme ist wohl nicht nur der, dass eine Drachme eine ganz besonders wertvolle Münze ist und daher Jesus auch den Wert der Gläubigen dadurch besonders betont, sondern auch das Detail, dass hier im eigenen Haus gesucht wird mit großem Fleiß.
Man kann es sich so vorstellen, dass bei dem Gleichnis mit dem verlorenen Schaf ein Mensch angesprochen werden soll, der in einem gläubigen Haus aufgewachsen ist, aber irgendwie nie so richtig damit klarkam, nichts begreifen konnte und dann einfach die Flucht ergriff. Letztlich wird er aber von Jesus gerufen und es wird alles genau erklärt, was er in der Kindheit nie begriffen hatte, damit er richtig im Glaube leben kann, und dann lässt er sich darauf ein, weil Jesus persönlich ihn ruft und nicht die Eltern, die aus welchem Grund auch immer untauglich sind, ihr Kind richtig zu belehren. Und das trifft diesen Mensch dann so sehr ins Herz, dass er sich holen lässt zur Buße. Bei dem zweiten Gleichnis mit der Drachme ist es so, dass sich die ganze Zeit das Wertvolle im Inneren des eigenen Hauses befindet, weswegen hier ein Mensch gemeint ist, der schonmal lebendigen Glaube gelebt hatte, aber dann matt wurde, obwohl er genau weiß, worauf es ankommt. Und er wird neu von Jesus gefunden und entscheidet sich, es nochmal mit Jesus zu versuchen, aber diesmal ernsthaft und ohne sich eine Zeit später wieder zu verstecken.
Jesus sitzt ja aber gerade mit Pharisäern und Zöllnern am Tisch und hat wegen dem Nörgeln der Pharisäer angefangen, die Gleichnisse zu reden. Und dabei ist es ganz besonders wichtig, zu bedenken, dass die, welche schon selbst die Gebote kennen, nicht neidisch oder hochnäsig sein sollen, wenn auch andere es lernen wollen, sondern dass es für sie genau so eine Freude sein soll wie für Gott, denn je mehr Leute gerettet werden, desto besser ist es. Und besonders deshalb, aber auch um die besondere Liebe zu den gläubigen Menschen zu beschreiben, hat Jesus auch noch das Gleichnis vom verlorenen Sohn erzählt. Es stet geschrieben in den Versen 11 bis 13:
Und er sprach: Ein Mensch hatte zwei Söhne.
Und der jüngere von ihnen sprach zum Vater: Gib mir den Teil des Vermögens, der mir zufällt, Vater! Und er teilte ihnen das Gut.
Und nicht lange danach packte der jüngere Sohn alles zusammen und reiste in ein fernes Land, und dort verschleuderte er sein Vermögen mit ausschweifendem Leben.
Diese Reaktion des jüngeren Sohnes muss für den liebevollen Vater ein Schock gewesen sein. Er hat bestimmt aus eben dem Grund die Güter ausgeteilt, weil er wollte, dass die beiden Söhne deshalb zu Hause bleiben, da sie ja nun allen Grund haben, glücklich zu sein bei so viel Großzügigkeit. Und was macht der jüngere Sohn? Er packt alles zusammen und haut ab! Also das ist wirklich eine ziemliche Respektlosigkeit und besonders ein Beweis fehlender Liebe, wenn der Vater ihm immer nur Gutes getan hat und er trotzdem einfach den Vater verlässt. Es ist schäbig. Aber die Liebe im Herzen dieses Vaters ist so groß, dass er diesem Sohn hinterher trauert. Und wir bekommen hier auch gar keinen eindeutigen Anlass genannt für den Abgang. Wer weiß, vielleicht hat der jüngere Sohn bei sich selbst gesagt: „Die großartige Versorgung im Haus meines Vaters ist ja schön und gut, aber ich mag die Hausregeln nicht! Er erlaubt mir Dinge nicht, die ich ausprobieren will, denn ich glaube, dass diese mich noch mehr erfüllen würden, aber er nennt es böse.“
Wenn wir Vers 13 berücksichtigen, dann kann eigentlich nur das der Grund sein. Denn das Erste, was dieser jüngere Sohn tat, als er von zu Hause abgehauen war, war ein ausschweifendes Treiben. Das heißt: Er hat sich berauscht und sich mit Alkohol zugeschüttet, er hat lauter fette Partys in der Welt gefeiert, er hat mit Frauen herumgehurt und hat sein ganzes Geld für überflüssigen Besitz verprasst. Er hat ein Leben in Schande geführt, und das sind alles Tätigkeiten, die ihm zu Hause ganz sicher verboten waren. Jedoch lesen wir kein einziges Wort davon, dass er dadurch glücklicher geworden sei, diese verbotenen Dinge zu tun. Da verwundert sich gewiss manch ein weltlich verwurzelter Mensch, der selbst auch in solchen Dingen schwelgen will und sich etwas davon erhofft. Aber jeder darf sich ermahnt fühlen, dass bereits durch dieses Gleichnis indirekt angedeutet wird, was für eine unbeschreibliche Dummheit es ist, ein ausschweifendes Leben zu erwägen, weil es niemals das Glück beschert, dem man hinterherjagt. Es nützt nichts. Und bezüglich dem abtrünnigen Sohn lesen wir in Vers 14:
Nachdem er aber alles aufgebraucht hatte, kam eine gewaltige Hungersnot über jenes Land, und auch er fing an, Mangel zu leiden.
Hier sehen wir also, dass der Sohn wirklich bis zu äußersten Grenze seines Vermögens gegangen war. Und dann fiel ihm plötzlich auf, dass die Dinge ja doch nicht so einfach sind, wie er sich das vorgestellt hatte. Das Geld war dahin, er konnte sich nicht mehr versorgen, und außerdem kam zu allem Unheil auch noch eine Hungersnot über das ferne Land, in dem er sich aufhielt. Wie hat er nun reagiert?
Im Allgemeinen entspricht es nicht der Natur des Menschen, zu sagen: „Okay, ich habe einen schweren Fehler gemacht!“, sondern viel eher tickt der Mensch so, dass er dickköpfig der Meinung ist, trotzdem im Recht zu sein und schon irgendwie alleine durchzukommen und sich nicht eingestehen zu müssen, dass er alles verbockt hat. So ist es auch mit diesem Sohn, daher lesen wir in Vers 15 und 16:
Da ging er hin und hängte sich an einen Bürger jenes Landes; der schickte ihn auf seine Äcker, die Schweine zu hüten.
Und er begehrte, seinen Bauch zu füllen mit den Schoten, welche die Schweine fraßen; und niemand gab sie ihm.
Der Mensch suchte sich also eine Anstellung und musste als Hirte für die Schweine arbeiten. Aber der Lohn war derart schlecht, dass es nichtmal für das tägliche Brot reichte. Und er lebte dort auch nicht unter der Anleitung eines Mannes, der es gut mit ihm meint. Denn sonst wäre er ja anständig bezahlt worden. Aber wegen dem großen Elend in dem Land, von welchem ihm sein Vater bestimmt früher schonmal gesagt hatte, dass man dort nichts Gutes findet, war er jetzt so heftig von Hunger geplagt, das er sogar den Versuch unternahm, die Schoten zu essen, die im Schweinetrog waren. Das ist ja wirklich ekelhaft, und niemand, der genug Brot hat und bei klarem Verstand ist, würde das freiwillig machen. Die Schweine selber stören sich natürlich nicht an den Schoten, denn die kennen es nicht anders, aber der Sohn kommt aus einem liebevollen Elternhaus. Der weiß, wie es ist, ein gutes Brot zum Essen zu haben, und jetzt ist man derart unbarmherzig zu ihm, dass man ihm das Essen der Schoten, was ja schon eine übelste Zumutung ist, nichtmal erlauben will. Die Schweine werden besser versorgt als er. Und an diesem Punkt war er dann so heftig gedemütigt, dass er endlich einsah, wie schlimm das Unheil eigentlich ist, welches er sich selber eingebrockt hat. Daher lesen wir in den Versen 17 bis 19:
Er kam aber zu sich selbst und sprach: Wie viele Tagelöhner meines Vaters haben Brot im Überfluss, ich aber verderbe vor Hunger!
Ich will mich aufmachen und zu meinem Vater gehen und zu ihm sagen: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir,
und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen; mache mich zu einem deiner Tagelöhner!
Bei dieser Sache bleibt es dann immer abzuwarten, ob auf solche Worte auch entsprechende Taten folgen oder ob es sich nur um einen toll klingenden Vorsatz handelt, der dann aber doch nicht ausgeführt wird. Auf jeden Fall erkennen wir aber an den Worten, wie deutlich der Sohn nun den Unterschied zu spüren bekam, ob er bei seinem Vater ist oder bei Fremden, denn sogar den Tagelöhnern im Haus seines Vaters, die ja weit weniger gelten als der leibeigene Sohn, ging es immernoch besser, als der Sohn es erlebte in diesem fremden Land. Und deshalb setzte der Sohn auch sein Vorhaben wahrhaftig in die Tat um und wir lesen folgendes in den Versen 20 und 21:
Und er machte sich auf und ging zu seinem Vater. Als er aber noch fern war, sah ihn sein Vater und hatte Erbarmen; und er lief, fiel ihm um den Hals und küsste ihn.
Der Sohn aber sprach zu ihm: Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir, und ich bin nicht mehr wert, dein Sohn zu heißen!
Hier sehen wir nun das außergewöhnliche Ereignis bei der Rückkehr des Sohnes. Der Vater rennt ihm entgegen und fällt ihm um den Hals. Wahrscheinlich hat der Vater, als er seinen ausgehungerten und elendigen Sohn ankommen sah, nicht nur großes Erbarmen gehabt aus eben diesem Grund, dass es immerhin sein Sohn ist, der da verschmachtete, sondern er wird sich wohl auch denken: „Jetzt, wo er so viel Mangel sah, hat er vermutlich seine Lektion gelernt!“
Und dann demütigt sich der Sohn sogar noch. Und zwar richtig tief. Er sagt, dass er es nicht mehr wert ist, als Sohn zu gelten. Eine solche Demut und Einsicht ist doch traumhaft! Genau das ist es, was er in diesem Moment begreifen musste. Und er hat es nicht gesagt, weil man ihm Vorhaltungen machte, sondern er kam von selbst darauf, und er hat es von Herzen ehrlich gemeint. Eine solche Demut ist ein wunderbarer Zustand, und daher reagiert der Vater auch mit einer noch viel größeren Freude. Wir lesen darüber folgendes in den Versen 22 bis 24:
Aber der Vater sprach zu seinen Knechten: Bringt das beste Festgewand her und zieht es ihm an, und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an die Füße;
und bringt das gemästete Kalb her und schlachtet es; und lasst uns essen und fröhlich sein!
Denn dieser mein Sohn war tot und ist wieder lebendig geworden; und er war verloren und ist wiedergefunden worden. Und sie fingen an, fröhlich zu sein.
Hier wird jetzt wirklich ein großes Fest veranstaltet. Und man merkt deutlich, dass der Vater schon geglaubt hatte, sein Sohn würde sowieso sterben oder schon tot sein bei all dem sinnlosen und auch gefährlichen Zeug, das er in seinem ausschweifenden Leben treibt. Und der Sohn hätte vermutlich auch nicht mehr allzu lange durchgehalten nach allem, was passierte.
Jesus macht durch diese Verse besonders darauf aufmerksam, was für eine große Freude es im Himmel ist, wenn aufrichtige Demut im Herz eines Menschen entsteht. Aber das ist nicht sein einziger Fokus, sondern er will ja auch die Pharisäer ermahnen, dass sie sich genau so freuen sollten wie man sich im Himmel freut, wenn Menschen einsichtig werden, obwohl ihre Werke den Tod zur Folge haben müssten. Daher lesen wir als Fortführung des Gleichnisses folgende Worte in den Versen 25 bis 28:
Aber sein älterer Sohn war auf dem Feld; und als er heimkam und sich dem Haus näherte, hörte er Musik und Tanz.
Und er rief einen der Knechte herbei und erkundigte sich, was das sei.
Der sprach zu ihm: Dein Bruder ist gekommen, und dein Vater hat das gemästete Kalb geschlachtet, weil er ihn gesund wiedererhalten hat!
Da wurde er zornig und wollte nicht hineingehen. Sein Vater nun ging hinaus und redete ihm zu.
Diese Gedanken kann man sehr leicht nachvollziehen, oder? Da verschwendet einer das ganze Erbe mit Ausschweifungen der widerlichsten Art, und dann feiert der Vater für diese Person ein großes Fest. Natürlich ist man da erstmal entsetzt. Aber der ältere Sohn hatte gar nicht verstanden, aus welchem Anlass der Vater das fest feierte. Das tat der Vater doch nicht, weil er die Tatsache bejubelt, dass der Sohn übelste Schandtaten begangen hatte. Er tat es aus der Freude darüber, dass der Sohn noch lebt, obwohl er locker hätte sterben können in all dem sinnlosen Treiben. Und natürlich ging dann auch der Vater auf den älteren Sohn zu, um das zu erwähnen. Man merkt an diesem Gleichnis, dass es immer wieder der Vater ist, der auf die Kinder zugeht. Wir erfahren über die Unterhaltung zwischen dem Vater und dem älteren Sohn noch folgendes in den Versen 29 bis 32:
Er aber antwortete und sprach zum Vater: Siehe, so viele Jahre diene ich dir und habe nie dein Gebot übertreten; und mir hast du nie einen Bock gegeben, damit ich mit meinen Freunden fröhlich sein kann.
Nun aber, da dieser dein Sohn gekommen ist, der dein Gut mit Huren vergeudet hat, hast du für ihn das gemästete Kalb geschlachtet!
Er aber sprach zu ihm: Mein Sohn, du bist allezeit bei mir, und alles, was mein ist, das ist dein.
Du solltest aber fröhlich sein und dich freuen; denn dieser dein Bruder war tot und ist wieder lebendig geworden, und er war verloren und ist wiedergefunden worden!
Hier beschwert sich nun also der Sohn ausführlicher, und der Vater will ihm gut zureden. Es ist auch bemerkenswert, dass wir jetzt praktisch schon am Ende des Kapitels angekommen sind. Das Gleichnis ist durch ein solches offenes Ende in den Raum gestellt und Jesus hat auch ansonsten überhaupt keine Deutung oder Ermahnung mehr abzugeben. Um aber noch ein bisschen mehr aus diesem bedeutsamen Gleichnis vom verlorenen Sohn rauszuholen, möchte ich allgemein noch etwas darüber sagen.
Die Hauptbotschaft in diesem Gleichnis ist offensichtlich, wie bedingungslos und unendlich die göttliche Liebe eigentlich ist. Denn die beiden Söhne stehen für Kinder Gottes, der Vater steht diesmal für Jesus, also im Rahmen des Gleichnisses vom verlorenen Sohn. Denn Gott, der im Himmel ist, wird hier ja als spezielle Autorität erwähnt, an der sich der jüngere Sohn versündigt hat, zusätzlich dazu, dass er seinen Vater enttäuschte.
Sollte es nun geschehen, dass ein Mensch, der Jesus schon kennt, eine für sich selbst schädliche Entscheidung getroffen hat, indem er von Jesus abfällig wurde und wieder zurück in die Welt gegangen ist, um nutzlose weltliche Gelüste zu begehren, dann wäre es falsch, wenn dieser Mensch auf ewig als ein Ausgestoßener gilt. Denn das einzige, was Jesus sich von ganzem Herzen wünscht, ist, dass dieser Mensch, der in die Irre geht, wieder zu ihm zurückfindet, bevor dieser Mensch stirbt. Und Jesus liebt jeden von den seinen so sehr, dass er uns nichtmal vollmeckern wird, wenn wir ohne es besser zu wissen eine hirnrissige Entscheidung getroffen haben, aber es bereuen und wieder zu ihm zurück wollen, weil es uns bei Jesus besser geht als in den Sümpfen des weltlichen Lebens.
Der ältere Sohn aber, der sich beschwert über die Reaktion des Vaters, der steht für einen gläubigen Mann, welcher der Meinung ist, ein einmal abgefallener Mensch aus der Gemeinde darf nie wieder zurück in die Gemeinde gelassen werden, und falls doch, so wäre es kein Grund zur Freude. Das ist falsch. Wenn wir zu Jesus gehören, aber einer von uns verlässt Jesus plötzlich, weil er den Eindruck hat, ihm würde irgendwas fehlen und er müsse Erfüllung in der Welt suchen, dann ist das für den Rest der Gemeinde ein Grund zur großen Besorgnis. Denn wir sollen doch alle gerettet werden, nicht nur ein paar von uns. Wir befinden uns nicht in einem Wettstreit, in dem nur einer von uns gewinnt, sondern wir haben einen Kampf, bei dem jeder einzelne von uns den selben Siegespreis erhalten kann, und erhalten soll.
Das Beste, was wir tun können, ist, dass wir uns gegenseitig dabei helfen, den versprochenen Preis zu gewinnen.
Lasst uns aber mal noch ein bisschen mehr die sozialen Aspekte des Gleichnisses beleuchten!
Der jüngere Sohn hat höchstwahrscheinlich bereits vor seiner Abreise die Warnung gehört, dass man in der Welt da draußen nichts Gutes findet.
Nun ist es aber die eine Sache, das gesagt zu bekommen, und eine ganz andere, es auch wirklich zu glauben und als Tatsache anzuerkennen.
Vielleicht wollte der Sohn nicht glauben, dass es sich wirklich so verhält, und er wird wohl auch enorm neugierig auf die Welt gewesen sein.
Und ich kann persönlich bezeugen, dass ich schon sehr viele Menschen gesehen habe, deren Denken und Fühlen leider auf diese Art funktioniert. Sie sind der Meinung, irgendwas zu verpassen, wovon sie glauben, es würde sich lohnen. Sie tun bedenkliche Dinge, weil sie davon irgendeine Art Erfüllung erwarten und nehmen mahnende Worte nicht ernst. Und ich habe viele gesehen, die dadurch ins Verderben gelaufen sind und sehr würdelose Situationen und Lebenslagen verkraften mussten, in denen sie sich gewiss unwohl gefühlt haben. Dann aber wurde es nach einer Zeit wieder hoffnungsvoller, weil sie aus den schlechten Situationen herausfanden, in die sie mehr oder weniger unkontrolliert hineingeschlittert waren. Die eigentliche Tragik besteht dann aber darin, dass diese Menschen zwar eingestanden haben, dass sie etwas falsch machten, aber sie schämten sich nicht dafür, sondern waren froh über das Verderben, das ihnen passiert war. Und würde nun einer ihrer alten Freunde aus ihrem früheren Leben an sie heran treten, so würde er sie mit Erfolg nocheinmal in genau das gleiche Verderben hineinziehen, und das ganze Elend würde sich wiederholen.
In dem Gleichnis hingegen sehen wir, dass es bei einem Kind Gottes anders funktioniert. Denn der jüngere Sohn hatte zwar all das getan, was ihm zu Hause nicht erlaubt war, nämlich verschwenderisch leben und mit Frauen herum huren, aber er kam zu Besinnung und durchschaute es, dass sein Leben eigentlich nur total den Bach unter ging, seit er sein Zuhause verlassen hatte. Und er schämte sich zutiefst. Er empfand so große Reue, dass er sich selbst unwürdig fühlte, überhaupt noch ein vollwertiges Mitglied in der Nähe seines Vaters zu sein. Aber weil er kapiert hatte, dass es ihm zu Hause viel besser ging als in dieser unbarmherzigen Welt, in der er von niemandem geliebt wurde und Hunger leiden musste, da wollte er einfach nur zurück zu seinem Vater, egal unter welchen Umständen, selbst wenn er weniger wert wäre als ein Tagelöhner.
Und wir wissen ja, dass eigentlich Gott unser Vater im Himmel ist, aber im aktuellen Gleichnis ist speziell davon die Rede, dass ein jemand zurückkehrt in die gute Gemeinschaft, die er törichterweise verlassen hatte, und wir haben Gemeinschaft mit Jesus, weil er uns so sehr liebt, dass er uns mit seinem komplett unschuldigen Blut erkauft hat. Und auch die Vaterfigur aus dem heutigen Gleichnis hat vermutlich einen Gott über sich, auf den gehört werden muss, deswegen sagt der Sohn nicht: „Vater, ich habe gegen dich gesündigt, der du im Himmel wohnst", sondern er sagt: „Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir", er fühlt sich also gegenüber zwei Autoritäten schuldig, von denen eine größer ist als die andere.
Jedenfalls wäre es ein sehr wünschenswerter Verlauf, nachdem ein Mensch schon den ärgerlichen Fehler gemacht hat, in dieser verlogenen und auf Vergänglichkeit basierenden Welt Fülle zu suchen, dass er danach wenigstens aufgrund der gemachten Erfahrung keine Lust mehr hat, in den Lüsten der Welt zu schwelgen, sondern dass er wieder nach Hause zurück kommt, zu Jesus, der mit offenen Armen wartet.
Es ist auch mal interessant, darüber nachzudenken, wie sich der jüngere Sohn gefühlt haben muss, als er demütig zurück nach Hause kam und von seinem Vater liebevoll umarmt wurde. Was mag ihm da wohl durch den Kopf gegangen sein?
War er erleichtert, dass sein Vater ihn immernoch annimmt? Oder hat er sich geschämt, weil sein Vater ihn viel besser behandelt, als er es verdient? Oder kam in ihm das Gefühl hoch, wie sehr er seinen Vater eigentlich die ganze Zeit vermisst hatte, und er wurde von einer Mischung aus Traurigkeit und Freude überwältigt? Man weiß es nicht, da leider dieses Detail nicht erzählt wird.
Jedenfalls ist es bestimmt in irgendeiner Weise beeindruckend gewesen, dass sein Vater auf ausgerechnet diese Weise reagiert hat. Der Sohn hätte wohl eher damit gerechnet, sich endlose Vorträge von seinem Vater anhören zu müssen, wenn er zu Hause ist.
Ich denke aber, dass der jüngere Sohn im Nachhinein sehr froh darüber war, von seinem Vater wieder angenommen zu werden, trotz der schlechten Entscheidungen, die der jüngere Sohn getroffen hatte.
Lasst uns nunmal ein bisschen über den Vater aus dem Gleichnis nachdenken! Es ist an sich schon eine außergewöhnliche Geste, dass der Vater den Söhnen das Erbe austeilt, weil der jüngere Sohn es verlangt. Nur ein liebevolles Wesen würde das tun. Ein stolzes oder verbittertes Wesen hätte stattdessen gesagt: „Sag mal spinnst du? Ich bin noch nichtmal gestorben, und trotzdem machst du dir schon Gedanken über die Güter, die dir zustehen?! Tickst du noch ganz richtig?“
Wenn jemand noch zu den Lebzeiten eines Menschen verlangt, dessen Erbe erhalten zu dürfen, kann das sehr schnell als eine üble Unverschämtheit aufgefasst werden. Aber der liebevolle Vater machte dem Sohn null Vorwürfe. Er wollte dem Sohn gerne geben, was der Sohn sich wünscht, eben aus Liebe, darum teilte er beiden Söhnen das Erbe aus, wie es gerecht ist.
Man könnte nun meinen, der Vater würde erwarten, dass seine Söhne dadurch zufriedengestellt sind, wenn ihnen viele Güter ausgeteilt wurden. Aber stattdessen geht der jüngere Sohn einfach in die Ferne und lässt sein Zuhause und seine Familie zurück. Das wäre ein Schock für viele Eltern. Wenn du dir dein Leben lang Mühe gegeben hast, dafür zu sorgen, dass deine Kinder glücklich sein können und alles bekommen, wonach ihr Herz sich sehnt, aber dann läuft ein Kind einfach von zu Hause weg, was denkst du dann?
Ist man da nicht in seinem eigenen Herzen zutiefst erschüttert und fragt sich, was man falsch gemacht hat?
Und umso schwerer wird die Situation, wenn man weiß, wie viel Verderben auf der Erde wohnt und was alles mit dem Sohn passieren kann, der von zu Hause weggegangen ist. Er könnte von Räubern überfallen werden, oder von falschen Freunden ausgenommen werden. Er könnte sich irgendwelche schlimmen Krankheiten einfangen bei dem, was er tut. Er könnte der Armut verfallen und elendig verhungern, oder er könnte aufgrund seiner Armut selber auch zu einem Verbrecher werden, um so seinen Lebensunterhalt zu finanzieren. Oder er könnte an Menschen geraten, die ihn herzlos behandeln und ihm immer nur das Nötigste geben, weil sie sich nicht um ihn kümmern, sondern immer nur um sich selbst. Oder vielleicht wird der Sohn in einen schlimmen Unfall verwickelt und stirbt, oder er experimentiert mit irgendwelchen gefährlichen Dingen herum und verliert dabei irgendwann sein Leben. Es gibt unzählige Varianten, was schief laufen könnte, wenn der Sohn sein sicheres Zuhause verlässt und in diese gefallene Welt hinaus zieht. Am schlimmsten wäre es aber, wenn er dabei seine Seele verliert.
Könnt ihr euch vorstellen, wie einem liebevollen Vater zumute sein würde, wenn sowas passiert? Wenn der geliebte Sohn einfach von zu Hause weggelaufen ist, mitten ins Ungewisse?
Er würde bestimmt vor lauter Sorge um seinen Sohn nie mehr lachen können, er würde jeden Tag ein beschwertes Herz haben und sich immer nur fragen, wo sein Sohn jetzt wohl gerade ist und ob es ihm gut geht.
Ein stolzer oder verbitterter Vater hingegen müsste mit solchen erdrückenden Gefühlen nicht fertig werden. Der würde sich höchstens darüber ärgern, dass er seinen Söhnen das Erbe ausgeteilt hat, und er würde sich über sich selbst ärgern, weil nun sein Sohn einfach gegangen ist, um das Erbe für nichtigen Mist zu verschleudern. Und er würde einen Groll gegen seinen Sohn hegen und ihn am liebsten nie wieder sehen wollen, weil er von seinem Sohn so sehr enttäuscht wurde, und weil der Sohn so undankbar ist für all das Gute, das ihm zu Hause widerfuhr.
Aber der Vater, von dem wir in dem Gleichnis lesen, der ist weder stolz noch verbittert. Er liebt seinen Sohn. Er schaut wahrscheinlich jeden Tag bei der Arbeit auf dem Feld hinaus in die Ferne, um zu schauen, ob vielleicht sein Sohn wieder zurück nach Hause kommt. Und dann wird es Abend, aber es war wieder ein Tag, an dem er nicht zurück gekommen war. Ich weiß nicht, ob ihr euch das vorstellen könnt, wie einem dabei zumute ist, wenn man einen Mensch von Herzen liebt, und man muss ihm dabei zusehen, wie dieser Mensch sich von einem selbst entfernt, weil ihn seine ungesunde Neugier in die Ferne zieht, in der es außer Elend und Enttäuschung nichts Erwähnenswertes zu finden gibt.
Wie gerne würde man doch den Sohn vor allem bewahren, was er sich selber antun wird. Aber man kann es nicht, weil man weiß, dass er maximal durch eigene Erfahrungen zur Einsicht kommen wird, aber nicht durch mahnende Worte. Mit solchen Gefühlen und Gedanken ist der Vater konfrontiert, seit dem Tag, an dem der Sohn seine Sachen gepackt und sein Zuhause verlassen hatte.
An dem Tag, als der jüngere Sohn gebrochen nach Hause kam, ist der Vater ihm aus genau diesem Grund entgegen gerannt und hat ihn umarmt, weil er seinen Sohn die ganze Zeit bitterlich vermisst hatte und Angst hatte, dass dem Sohn irgendwas Schlimmes zustoßen würde.
So würde auch Jesus sich fühlen, wenn einer von uns ihn verlassen würde. Er hätte wahrscheinlich Angst um uns.
All die Gründe, die einen Vater dazu verleiten könnten, seinen Sohn zu beschimpfen, zu maßregeln oder abzuweisen, die sind dem Vater aus diesem Gleichnis egal. Für ihn gibt es einfach nur die Freude, seinen Sohn wiederzusehen, denn er hatte schon angefangen zu glauben, dass er ihn niemals wiedersehen würde.
Und es gibt kaum etwas, was einen Mensch so sehr erschüttert, wie einen geliebten Mensch gehen lassen zu müssen, der wahrscheinlich niemals wiederkommen wird.
Könnt ihr euch vorstellen, wie riesengroß die Erleichterung des Vaters gewesen sein muss an dem Tag, als dann eben doch sein Sohn am Horizont auftauchte? Was kümmert ihn dann noch der Unsinn, der mal passiert ist? Die Hauptsache ist, dass er sein geliebtes Kind zurückbekommen hat.
Natürlich würde ein stolzer oder verbitterter Vater all das ganz anders betrachten. Der hätte gewiss keine Freudentränen in den Augen, wenn er seinen Sohn zurückkehren sieht, denn er würde an die Enttäuschung denken, die ihm der Sohn beschert hatte. Der würde sich vermutlich nur denken: „Was hat mein Sohn mir bloß angetan?“
Er wäre egoistisch, denn er würde nur seine eigenen Gefühle und Gedankengänge sehen, so als müsste sein Sohn ihm genügen und dürfte nicht selbst Gefühle haben.
Ein stolzer oder verbitterter Vater würde den Sohn entweder wegjagen, oder ihn nur mit Groll im Herzen wiederaufnehmen und ihm eine sehr demütigende Arbeit auferlegen, um ihn auf diese Weise zu bestrafen. Und er würde vermutlich sehr oft meckern wegen dem, was der Sohn getan hatte. Wie er einfach das Erbe verschwendet hatte und ihm sein Zuhause egal war, so lange in dem fremden Land alles halbwegs gut ging, aber jetzt, wo es dann doch nicht mehr läuft, kommt er plötzlich wieder angekrochen.
Aber all diese Gedanken sind schlecht, und derartige Aussagen würde ein liebevoller Vater seinem Sohn nicht an den Kopf werfen.
Was aber auch interessant zu untersuchen ist, das ist folgende Frage: Wie muss sich der Vater wohl fühlen, als sein älterer Sohn sich weigert, die Rückkehr des jüngeren Sohnes zu feiern?
Und was geht dem Vater durch den Kopf, als der Sohn sich darüber beschwert, dass für den verlorenen Sohn das gemästete Kalb geschlachtet wurde? Denn ein gemästetes Kalb zu schlachten war damals immer ein besonderer Festakt, das hat man nur zu speziellen Anlässen getan.
Jedenfalls hat der Vater es vermutlich schade gefunden, dass der ältere Sohn so entsetzt war und fast schon neidisch reagiert hat. Der Vater hat bestimmt gemerkt, dass der ältere Sohn sich ungerecht behandelt fühlte, da er vermutlich erwartete, ihm würde größere Ehre gegeben werden, weil er nicht von zu Hause weggelaufen war. Aber die Liebe Gottes funktioniert nicht auf diese Weise, dass man aufhört jemanden zu lieben, den man vorher schon geliebt hat. Die Liebe Gottes kennt kein Ende. Deswegen muss es bestimmt für Gott wie auch für Jesus unermesslich schmerzhaft sein, wenn sie sehen, wie ein Mensch in die Hölle fällt, trotz aller Versuche, ihn zu retten. Denn nahezu jeder Mensch bekommt in seinem Leben mindestens eine Gelegenheit, um Jesus kennenzulernen. Die jenigen aber, die nie von ihm hören konnten, bei denen vermute ich, dass sie auch nicht für dieses Detail verurteilt werden können, ihn nicht angenommen zu haben. Und wenn ein Mensch nicht verurteilt werden kann, dann wird ihm auch keine Strafe auferlegt, oder?
Jedenfalls würde ich selbst ehrlich gesagt auch nicht dabei sein wollen, wenn Menschen in die Hölle fallen. Bei Menschen, die wirklich grausame Dinge getan haben, wäre es nicht erschütternd, zu sehen, wie die in die Hölle fallen. Aber wenn ein Mensch sein ganzes Leben lang verloren umhergetaumelt ist, und sich nie dazu überwinden konnte, sich auf Jesus einzulassen, obwohl der Mensch ein gütiges Herz hatte, und nur deswegen muss er dann entsprechend dem Wort Gottes in die Hölle geworfen werden, weil Todesschuld auf ihm ist – das wäre schrecklich, sowas mit ansehen zu müssen.
Und es stellt sich die Frage, wie der ältere Sohn sich wohl gefühlt hätte, wenn die Nachricht gekommen wäre, dass der jüngere Sohn verstorben ist. Für den Vater wäre dieser Moment sicherlich eine Qual gewesen, er wäre gewiss in Tränen ausgebrochen und hätte sich nicht trösten lassen.
Und er sah bestimmt, dass das bei seinem älteren Sohn anders war, dass der ältere Sohn nicht die gleiche Liebe in sich selbst hatte, die ihm der Vater vorlebte. Aber auch hier verurteilt der Vater nicht seinen Sohn, er versucht einfach nur, ihm eine liebevollere Sicht der Dinge anzubieten. Denn dadurch, dass der jüngere Sohn gebrochen und ausgehungert nach Hause zurück kam, hatte der ältere Sohn die Bestätigung, dass es die richtige Entscheidung war, seinen Vater nicht zu verlassen. Aber es spielt bei Liebe auch die Fähigkeit eine Rolle, Mitleid zu empfinden, und der ältere Sohn hatte kein Mitleid damit, was mit seinem Bruder passiert war, sondern er dachte auch nur an seine eigenen Gefühle. Und das ist nicht gut genug. Natürlich haben auch die eigenen Gefühle eines Menschen Bedeutung! Aber man darf auf keinen Fall in den ekelhaften Zustand verfallen, allein die eigenen Gefühle zu beachten.
Jetzt haben wir also schon ein bisschen was bei dem älteren Sohn analysiert, und dem Vater war es bestimmt von Anfang an ein Wunsch, dass beide seiner Söhne auch selbst den liebevollen Wandel verinnerlichen, den er ihnen vorlebte, aber es schien bei beiden noch nicht geklappt zu haben. Denn der jüngere Sohn wäre gar nicht erst von zu Hause weggegangen, wenn er in Liebe gewandelt wäre, weil er es nicht hätte aushalten können, seinem Vater so viel Herzschmerz zu bereiten, und weil es ihm genug gewesen wäre, bei seinem Vater zu sein. Die Begierden der Welt wären dann gar nicht erst für ihn interessant geworden.
Der ältere Sohn ist zwar bei seinem Vater geblieben, aber es schien eher ein Pflichtgefühl zu sein, das ihn dazu motiviert. Auch seine Liebe ist nicht vollkommen, weil er ansonsten Mitleid mit seinem Vater gehabt hätte, als der jüngere Sohn seine Sachen gepackt hatte. Und er hätte auch selbst Sorge um seinen Bruder gehabt und hätte sich gefreut, als dieser zurück nach Hause kam, aber stattdessen schien ihn diese glückliche Wendung ziemlich kalt zu lassen. Es wäre auch interessant zu wissen, welche Gedanken und Gefühle der ältere Sohn hatte, als sein jüngerer Bruder die Sachen packte und außer Landes reiste. Ich vermute, dass er derjenige war, der davon enttäuscht war und deshalb Verbitterung in seinem Inneren groß werden ließ. Und diese Verbitterung ist vermutlich der Grund, warum er sich dann nicht über die Rückkehr freuen konnte und sich darüber geärgert hat, dass der Vater sogar ein Freudenfest veranstaltete.
An dieser Stelle ist das Wichtigste gesagt, denke ich mal. Lasst uns die Sache nochmal kurz zusammen fassen! Diese Dinge sind es, die wir von allem lernen können, was wir im Gleichnis des verlorenen Sohnes von Jesus erzählt bekommen:
Der Vater ist unser Vorbild. Sein Wandel in Liebe, den wir von ihm sehen, ist außergewöhnlich gut. Ich denke, genau das meint Jesus damit, wenn er in der Bergpredigt sagt, dass wir vollkommen sein sollen.
Der Vater aus dem Gleichnis gibt uns eine sehr aufheiternde Botschaft und gleichzeitig ist er ein inspirierendes Beispiel. Die gute Botschaft lautet: Wenn du zu Jesus gehört hast, aber du hast ihn verlassen, weil du der Meinung warst, irgendwo in der Welt etwas Besseres zu finden, dann hasst Jesus dich nicht, sondern er wartet die ganze Zeit mit großem Herzschmerz darauf, dass du wieder zu ihm kommst, denn er liebt dich immernoch. Das ist die gute Botschaft, dass Jesus uns nicht hassen wird, wenn wir zu ihm zurückkommen, sondern dass er sehr große Freude haben wird, wenn wir doch noch zu der Einsicht kommen, dass es keinen Besseren gibt, nach dessen Nähe man sich sehnen kann.
Und das inspirierende Beispiel besteht darin, dass der Vater des Gleichnisses jemandem mit offenen Armen begegnet ist, von dem er einst bitter enttäuscht wurde. Das sollten wir auch so machen. Wenn uns ein Mensch bitter enttäuscht hat, aber dann kommt er wieder an, und er bereut sein Verhalten und will Frieden schließen, dann sollten wir das auf jeden Fall so annehmen und auch froh darüber sein, dass die Sache ein positives Ende genommen hat. Denn wenn wir bedenken, dass Liebe das größte Ideal ist, so ist es im Sinne der Liebe immer positiv, wenn man das vergangene Schlechte vergisst und gemeinsam in eine bessere Zukunft startet, weil jeder seine Fehler eingesehen hat und sie nicht mehr machen will. Besser geht es in so einer Lage eigentlich gar nicht.
Von dem jüngeren Sohn, der sein Zuhause verlässt, lernen wir, dass es Menschen gibt, die sich leider von ihrer Neugier leiten lassen, und die erst ihre eigenen schmerzhaften Erfahrungen machen müssen, bevor sie zu der Einsicht kommen, dass alle mahnenden Worte wirklich die Wahrheit sind. Und es tut im Herzen immer weh, loslassen zu müssen, oder zuzulassen, dass ein unwissender Mensch einen Fehler macht. Aber manchmal kann man es nicht erzwingen, dass sowas verhindert wird, sondern man kann nur dafür beten, dass es ein gutes Ende mit diesem Mensch nehmen wird, bei dem, wofür der Mensch sich entschieden hat. Denn der jüngere Sohn hätte sich sein Vorhaben nicht ausreden lassen, hätte man mit ihm diskutiert. Er wollte unbedingt die Nichtigkeiten der Welt erforschen, weil er es durch seinen Mangel an Verständnis für unwahrscheinlich hielt, dass es sich tatsächlich um Nichtigkeiten handelt. Diesen Tick haben viele Menschen, und auch wenn man es selbst besser weiß, muss man einen Mensch eben manchmal eine Erfahrung machen lassen, die er ganz alleine erwählt, obwohl es absehbar ist, dass nichts Gutes dabei heraus kommen wird.
Durch den älteren Sohn lernen wir, dass wir uns nicht aufregen sollten, wenn jemand anderes in die Welt geht, aber wir selbst sind Jesus treu geblieben. Dadurch, dass wir Jesus treu sind, geht es uns besser als jemandem, der sich mit Rausch und Ausschweifung beschäftigt, denn all dies lockt nur Dämonen an, und selbst wenn es am Anfang spannende Gefühle sind, so wird es hinterher nichts Anderes als Unheil nach sich ziehen, und dieses wird immer größer mit der Zeit. Dann gehen die Neugierigen zugrunde, während wir wohlbehütet bei Jesus waren.
Deswegen ist der ältere Sohn ein schlechtes Beispiel, wenn er sich übertrieben aufregt und fast schon neidisch redet, und die Dinge, die er falsch gemacht hat, die sollten wir hingegen richtig machen. Da stellt sich natürlich auch die Frage, ob wir das Gute, was wir haben, überhaupt als etwas Gutes wahrnehmen. Sind wir fähig, zufrieden zu sein mit dem, was uns dank unserer Zugehörigkeit zu Jesus an Gutem zur Verfügung steht? Oder sind wir etwa so beschränkt, dass wir es gar nicht zu schätzen wissen? Dass wir das Positive gar nicht als solches wahrnehmen und gar nicht froh darüber sind, was uns alles für abscheuliche Szenen erspart bleiben durch unser Wohnen in dem behüteten Haus? Da könnte man ruhig mal drüber nachdenken.
Ganz allgemein lernen wir aus dem Kapitel insgesamt, wie wichtig Buße ist, denn bei allen drei Gleichnissen hat Jesus Buße erwähnt. Wer wirklich Buße tut, ist wie einer, der wiedergefunden wird. Das können wir uns für unsere Nachfolge als zusätzliche Ermahnung mitnehmen, damit wir niemals vergessen, wie wichtig die Buße ist. Aber ebenso hilft uns dieses Kapitel dabei, die beherzte und fürsorgliche Seite von Jesus kennenzulernen, welche man ja niemals unterschätzen darf, auch wenn es noch lange nicht alles ist, was es über Jesus zu sagen gibt. Und da Jesus allezeit den Willen Gottes tat und sich bemühte, durch sein eigenes Verhalten Gottes Herz erkennbar zu machen, dürfen wir davon ausgehen, dass die grundlegende Herzenshaltung von Gott, unserem Vater im Himmel, auch eine große Ähnlichkeit hat mit dem, was wir hier lesen, auch wenn er doch schon recht streng ist mit dem Ausführen von Gerichten.
Und ich möchte dieses Video noch mit einer besonderen Bemerkung abschließen, die hoffentlich den Menschen ins Herz fällt! Der verlorene Sohn aus dem Gleichnis hat sein zu Hause verlassen, um irgendwo hinzugehen, wo die Hausregeln seines Vaters nicht gelten, sondern die Regeln anderer Menschen, oder teils auch die eigenen Regeln. Aber in dem Moment, wo er sich dazu entschied, zurück nach Hause zu gehen, ist für ihn auch klar gewesen, dass er dann wieder anfangen muss, die Hausregeln seines Vaters einzuhalten. Denn er hätte nicht im Haus bleiben können, wenn er zwar die Vorzüge des Hauses begehrt, aber die Hausregeln nicht beachtet. So ist es auch mit allen anderen Menschen, die jemals gelebt haben und leben werden.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein.
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