Text zu "Bibellehre - Kapitel 8 im Evangelium des Lukas"
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Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!
Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 8 vom Evangelium des Lukas gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten, denn der Inhalt soll in diesem Video dargelegt werden.
Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.
In den ersten Versen erfahren wir zunächst etwas darüber, wie viel Unterstützung Jesus und seine Apostel von Frauen bekamen, die Jesus nachfolgten. Wir lesen in den Versen 1 bis 3:
Und es geschah danach, dass er von Stadt zu Stadt und von Dorf zu Dorf zog, wobei er das Evangelium vom Reich Gottes verkündigte; und die Zwölf waren mit ihm,
und auch etliche Frauen, die von bösen Geistern und Krankheiten geheilt worden waren: Maria, genannt Magdalena, von der sieben Dämonen ausgefahren waren,
und Johanna, die Frau Chusas, eines Verwalters des Herodes, und Susanna und viele andere, die ihm dienten mit ihrer Habe.
Allgemein kann man den Inhalt dieser Verse nur nüchtern zur Kenntnis nehmen, also dass Jesus wieder viel umher reiste und seine Apostel bei ihm waren und dass auch Frauen sich mit um die Versorgung kümmerten.
In den nächsten Versen berichtet Lukas, wie Jesus ein besonderes Gleichnis vortrug. Es steht geschrieben in den Versen 4 bis 8:
Als nun eine große Menge zusammenkam und sie aus den Städten zu ihm zogen, sprach er in einem Gleichnis:
Der Sämann ging aus, um seinen Samen zu säen. Und als er säte, fiel etliches an den Weg und wurde zertreten, und die Vögel des Himmels fraßen es auf.
Und anderes fiel auf den Felsen; und als es aufwuchs, verdorrte es, weil es keine Feuchtigkeit hatte.
Und anderes fiel mitten unter die Dornen; und die Dornen, die mit ihm aufwuchsen, erstickten es.
Und anderes fiel auf das gute Erdreich und wuchs auf und brachte hundertfältige Frucht. Und als er das sagte, rief er: Wer Ohren hat zu hören, der höre!
Wenn man in Erinnerung hat, dass bei Markus in Kapitel 4 und bei Matthäus in Kapitel 13 auch dieses Gleichnis vorkommt, und man hat ihre Länge ungefähr vor Augen, dann sieht man, dass Lukas praktisch nur eine Kurzversion des Gleichnisses aufführt. Man sieht aber an dem Gleichnis, dass jemand Saat ausstreut und verschiedene Verläufe passieren, die an sich bedauerlich sind, außer dort, wo hundertfältig Früchte entstehen. Es geht also in diesem Gleichnis um verhindertes Wachstum, um verhindertes Reifwerden. Daraus kann man durchaus eine Deutung ableiten, wenn man sich mal ein wenig anstrengen würde.
Allerdings war eine solche Anstrengung von den Jüngern bereits zu viel erwartet, denn wir lesen in den Versen 9 und 10:
Da fragten ihn seine Jünger und sprachen: Was bedeutet wohl dieses Gleichnis?
Er aber sprach: Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Reiches Gottes zu erkennen, den anderen aber in Gleichnissen, damit sie sehen und doch nicht sehen und hören und doch nicht verstehen.
Demnach haben die Jünger gar nicht erst den Versuch unternommen, eine Deutung abzugeben, und laut Lukas hat Jesus dann auch ohne große Umschweife angefangen, es auszulegen. Daher lesen wir folgendes in den Versen 11 bis 15:
Das Gleichnis aber bedeutet dies: Der Same ist das Wort Gottes.
Die am Weg sind die, welche es hören; danach kommt der Teufel und nimmt das Wort von ihren Herzen weg, damit sie nicht zum Glauben gelangen und gerettet werden.
Die aber auf dem Felsen sind die, welche das Wort, wenn sie es hören, mit Freuden aufnehmen; aber sie haben keine Wurzel; sie glauben nur eine Zeit lang, und zur Zeit der Versuchung fallen sie ab.
Was aber unter die Dornen fiel, das sind die, welche es gehört haben; aber sie gehen hin und werden von Sorgen und Reichtum und Vergnügungen des Lebens erstickt und bringen die Frucht nicht zur Reife.
Das in dem guten Erdreich aber sind die, welche das Wort, das sie gehört haben, in einem feinen und guten Herzen behalten und Frucht bringen in standhaftem Ausharren.
Diese Auslegung kann man ruhig mal zum Anlass nehmen, um sich selbst zu prüfen. Denn wenn wir hier davon lesen, dass der Teufel im Spiel ist, um das Wort Gottes im Mensch zu verderben, dann kann man anhand aller beschriebenen Dinge abschätzen, ob der Teufel auch das eigene Herz schon verdorben hat. Besonders erstaunlich formuliert ist ja der Zustand von dem guten Erdreich. Laut Lukas hat Jesus gesagt, dass man das Wort in einem feinen und guten Herz behält. Das ist es letztlich, worauf es ankommt. Ist unser Herz fein und gut? Wenn das nicht auf uns zutrifft, dann müssen wir im Zweifelsfall befürchten, dass wir nicht fähig sein werden, standhaft auszuharren. Es geht nur, wenn man ein feines und gutes Herz hat. Und darum sollte man das eigene Herz durchforschen und nachschauen, in welchem Zustand es sich befindet. Und wir lesen durch diese Auslegung schon einiges, was raus muss, falls es drin sein sollte, denn andernfalls werden wir keine Früchte hervorbringen, die reif sind. Ein jeder Mensch, der die echte Nachfolge angetreten hat, sollte den Zustand erreichen, dass er im Herzen frei wird von allen genannten Belastungen. Man sollte das Herz befreien von Desinteresse, also dass man sagt: „Wenn mir die Belehrung zu ungreifbar wirkt, dann höre ich nicht darauf und suche mir lieber etwas Angenehmeres!“
Stattdessen braucht man den Wunsch, Dinge zu begreifen, die aus Gott sind, auch wenn es vielleicht etwas länger dauert und zunächst ungewöhnlich anmutet. Und das eigene Herz muss auch befreit werden von Launenhaftigkeit, und besonders von Angst. Angst vor Bedrängnis soll es nicht mehr geben, sondern vielmehr die Bereitschaft, tapfer die Bedrängnis auszuhalten um des Namens Jesus willen. Und ebenso muss es einem im Herzen ein liebenswerter Gedanke sein, jemand zu werden, der nicht nach Lust und Laune handelt, sondern Lust widersteht und Lustlosigkeit nicht als ständige Ausrede benutzt, um den Glaube zu vernachlässigen, sondern der sogar dann tiefer eintaucht in die Wahrheit, wenn er zwar keine Lust hat, aber genug Kraft und Zeit. Und man darf keinesfalls sich selbst betäuben oder denkfaul sein, denn dann erkennt man Versuchungen nicht. Versuchungen erkennt man nur, wenn man wach ist und genau durchdenkt, was gerade passiert, und das ist die einzige Möglichkeit, Versuchungen zu identifizieren und zu überwinden. Dabei darf man auch nie den Fehler machen, einer Versuchung absichtlich nachzugeben, weil es ein Freund ist, durch den sie kommt, da man den Freund nicht enttäuschen will. Wenn dein eigener Freund oder deine eigene Freundin dich in Versuchung bringt, so stoße dir lieber deine Freunde vor den Kopf, als gegen das Gesetz des allein wahren Gottes zu sündigen! Denn ein guter Eindruck bei Freunden gibt dir kein ewiges Leben, sondern allein die echte Nachfolge Jesu. Und ebenso muss unser Herz freigemacht werden von Sorgen, von Reichtum und von dem Jagen nach Vergnügungen. Wenn du dich mit Vergnügungen ablenkst, wird dein Glaube nicht reif. Wenn du an weltlichem Wohlstand klammerst, wird dein Glaube nicht reif. Wenn du dir ständig nur Gedanken machst, was wohl in der kommenden Zeit Schlimmes passieren wird, dann kann dein Glaube ebenfalls nicht reif werden. Deswegen darf gar nichts davon in deinem Herz wohnen. Denn wenn es in deinem Herz wohnt, investierst du darin deine Zeit, weil dich dein Herz dazu bewegt. Aber für die Ewigkeit hat es überhaupt keinen Wert, wenn du jeden Tag nur darüber nachdenkst, wie du deinen Reichtum noch weiter vergrößern kannst, oder wie du dich heute am angenehmsten vergnügen kannst, oder wie viele Vorkehrungen für die Zukunft du heute treffen kannst. Das alles hat in den Herzen von Jesus-Nachfolgern und Jesus-Nachfolgerinnen nichts zu suchen. Was in unseren Herzen wohnen soll, ist der Versuch, Gottes Werk zu verstehen und den Charakter von Jesus fest zu verinnerlichen. Gottesfürchtige Dankbarkeit und einsichtige Weisheit gehören in unser Herz hinein, damit es rein wird.
Da nun aber Jesus den Jüngern dieses Gleichnis ausgelegt hat und sie dadurch ein größeres Verständnis haben als die allgemeine Volksmenge, macht Jesus auch darauf aufmerksam, dass dieses Wissen ihnen anvertraut wird, weil sie es in angemessener Weise weitertragen sollen, um ihr Umfeld damit zu bereichern. Deswegen lesen wir in den Versen 16 bis 18:
Niemand aber, der ein Licht anzündet, bedeckt es mit einem Gefäß oder stellt es unter ein Bett, sondern er setzt es auf einen Leuchter, damit die, welche hereinkommen, das Licht sehen.
Denn nichts ist verborgen, das nicht offenbar werden wird, und nichts ist geheim, das nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.
So habt nun Acht, wie ihr hört! Denn wer hat, dem wird gegeben; und wer nicht hat, von dem wird auch das genommen werden, was er zu haben meint.
An Vers 18 sieht man auch deutlich, wie Jesus ankündigt: Wem Erkenntnisse gegeben werden, die aus Gott sind, aber er gibt sie nicht im Rahmen seiner Möglichkeiten weiter, dem werden sie geistlich wieder weggenommen, und er wird als Unverständiger zurückbleiben.
In den Versen 19 bis 21 lesen wir dann folgendes:
Es kamen aber seine Mutter und seine Brüder zu ihm, und sie konnten wegen der Volksmenge nicht zu ihm gelangen.
Und man berichtete es ihm und sagte: Deine Mutter und deine Brüder stehen draußen und wollen dich sehen!
Er aber antwortete und sprach zu ihnen: Meine Mutter und meine Brüder sind die, welche das Wort Gottes hören und es tun!
Hier zeigt sich Jesus sehr abgeneigt, weil er weiß, dass seine Mutter samt den leiblichen Brüdern gekommen ist, um ihn zu ergreifen und ihn wegzuholen von der Volksmenge. Das wird hier zwar nicht spezifisch erwähnt, ist aber trotzdem die Wahrheit. Und der Ausspruch von Jesus ist etwas, was uns ins Herz fallen sollte. Wir dürfen uns als die Familie von Jesus betrachten, sofern wir das Wort Gottes hören und es tun, und in gleicher Weise sind für uns auch all die Menschen Brüder und Schwestern, die selbst ebenfalls das Wort Gottes hören und es tun. Wenn aber jemand das Wort Gottes nur hört, es aber nicht tut, oder wenn jemand es weder hören noch tun will, so braucht uns dieser Mensch nicht als Familie zu gelten und darf definitiv auch Jesus nicht als Familienmitglied festhalten.
Im nächsten Teil lesen wir einen Bericht darüber, wie sich die Jünger von Jesus verhalten haben, als durch großes Unwetter eine lebensgefährliche Situation aufkam. Es steht geschrieben in den Versen 22 bis 25:
Und es geschah an einem der Tage, dass er und seine Jünger in ein Schiff stiegen; und er sprach zu ihnen: Lasst uns ans andere Ufer des Sees fahren! Und sie fuhren ab.
Auf der Fahrt aber schlief er ein. Da fiel ein Sturmwind auf den See, und das Schiff füllte sich, und sie waren in Gefahr.
Da traten sie hinzu, weckten ihn auf und sprachen: Meister, Meister, wir kommen um! Er aber stand auf und befahl dem Wind und den Wasserwogen; und sie legten sich, und es wurde still.
Da sprach er zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie aber fürchteten und verwunderten sich und sprachen zueinander: Wer ist denn dieser, dass er auch den Winden und dem Wasser befiehlt und sie ihm gehorsam sind?
Wichtig zu verstehen ist, warum Jesus sie fragte: „Wo ist euer Glaube?“ Denn Jesus hatte ja eigentlich geschlafen. Und wir dürfen davon ausgehen, dass Jesus nicht eingeschlafen wäre, wenn die Situation zu schwierig war, als dass die Jünger es ohne seiner Hilfe hätten bewältigen können. Das Problem lag aber dabei, dass die Jünger gar nicht erst nach Gott fragten und nicht eine einzige Sekunde davon ausgingen, es wäre in dieser Gefahrensituation gut, zu Gott zu beten. Das ist der Grund, warum sie Jesus wachrüttelten. Weil sie nicht Gottes Hilfe wollten, sondern lieber wissen wollten, was Jesus tut. Hätten sie aber Glaube an Gott gehabt, hätten sie einfach zu ihm geschrien, wären errettet worden und Jesus hätte in Ruhe geschlafen. Denn Jesus war garantiert sehr erschöpft von den vielen Verkündigungen vor den großen Volksmengen, die sich sehr oft an ihn heran drängelten und ihm kaum Freiraum ließen. Und sogar das Schlafen war schon für Jesus ein seltenes Ereignis geworden, weil irgendwie immer Leute da waren, die etwas von ihm wollten. Und nun, als er mal während der Seefahrt eine Gelegenheit finden wollte, um sich auszuruhen, hatte es auch wieder nicht geklappt, weil die Jünger etwas wollten. Wir selbst können uns da ruhig mal die Frage stellen, die da lautet: „Wenn wir persönlich in diesem Moment mit Jesus auf dem Schiff gewesen wären, hätten wir dann zu Gott gerufen? Oder wären wir ebenfalls so ungläubig gewesen, dass wir Jesus wachrütteln, damit sein Glaube uns zur Hilfe wird?
Ich kann euch jedenfalls versichern, dass in Gottes Gericht niemand als unschuldig zählt, wenn er immer nur auf die Taten eines anderen Mannes schaute, der größeren Glaube hatte als er selbst. Und man erkennt unweigerlich, dass die persönliche Suche der Jünger nach Gott nun nicht allzu groß war, da sie lieber auf einen Mensch vertrauen wollten als auf den heiligen, allmächtigen Schöpfer. Da können sie noch froh sein, dass es ein echter Mann Gottes und zufällig auch der Messias war, den sie in ihrer direkten Nähe hatten. Denn bei sehr vielen Menschen in der jetzigen Welt läuft es so, dass sie ebenfalls allein einem Mensch nachlaufen würden und nicht Gott suchen wollen, aber sie geraten dabei oftmals nicht an einen echten Mann Gottes, sondern an falsche Propheten oder verkehrte Lehrer, die ihnen Blödsinn beibringen und sie in der Finsternis umhertappen lassen. Da aber heutzutage Jesus eine überaus mächtige Position von Gott erhalten hat, ist es allemal besser, dass die Menschen wenigstens Jesus suchen, wenn sie schon an Gott kein ehrliches Interesse haben, weil sie mit seiner Heiligkeit nichts anfangen können. Aber auch wenn man Jesus nachfolgt, muss einem mehr und mehr das Herz aufgehen für die Heiligkeit des Vaters von Jesus Christus. Und in dem gerade gelesenen Bericht konnte Jesus ja auch nur deshalb das Wetter bedrohen, weil er zuvor selbst zu seinem Vater gebetet hatte. Hätte Jesus nämlich aus Überheblichkeit etwas gerufen, dann wäre das Wetter stürmisch geblieben.
Als aber Jesus mit seinen Jüngern an dem Ufer ankam, wohin sie wollten, da hatten sie eine ziemlich erschreckende Begegnung. Folgendes lesen wir darüber in den Versen 26 bis 28:
Und sie fuhren in das Gebiet der Gadarener, das Galiläa gegenüberliegt.
Und als er ans Land gestiegen war, kam ihm ein Besessener aus der Stadt entgegen, der seit langer Zeit Dämonen hatte und keine Kleider mehr trug und sich auch in keinem Haus aufhielt, sondern in den Gräbern.
Als er aber Jesus sah, schrie er, warf sich vor ihm nieder und sprach mit lauter Stimme: Was habe ich mit dir zu tun, Jesus, du Sohn Gottes, des Höchsten? Ich bitte dich, quäle mich nicht!
Hier hatte nun Jesus eine Begegnung mit einem von übelsten Dämonen besessenen Mann. Und dieser Mann galt als gemeingefährlich, da er sehr aggressives und unberechenbares Verhalten zeigte. Als der Mann aber zu Jesus kam, übernahmen die bösen Geister in ihm die völlige Kontrolle. Und der oberste Dämon von allen Dämonen, die in dem Mann waren, fragte Jesus, ob Jesus da ist, um ihn zu quälen. Diese Frage spielt darauf an, dass am Ende aller Zeiten der Satan in den ewigen Feuer- und Schwefelsee geworfen wird, und auch alles, was ihm angehört, das wird mit ihm in den ewigen Feuer- und Schwefelsee geworfen und ewig gequält. Da nun die Rettung allein durch Jesus möglich ist, wird Jesus an diesem Prozess beteiligt sein, darüber zu entscheiden, wer die ewige Qual erbt. Und hier hat nun der Geist die Befürchtung, dass sich an Gottes Plänen etwas geändert haben könnte und dass der Dämon bereits jetzt in den ewigen Feuer- und Schwefelsee geworfen werden soll, obwohl die Zeit für den Satan, die Gott ihm gewährte, noch nicht abgelaufen ist.
In Vers 29 wird noch ein bisschen näher beschrieben, wie gefährlich das Verhalten des besessenen Mannes normalerweise immer war, denn wir lesen dort:
Denn Er hatte dem unreinen Geist geboten, von dem Menschen auszufahren; denn der hatte ihn schon lange Zeit in seiner Gewalt, und man hatte ihn mit Ketten gebunden und mit Fußfesseln verwahrt, aber er zerriss die Fesseln und wurde von dem Dämon in die Einöde getrieben.
An diesem Vers sieht man gut, was für eine Kraft der Besessene hatte. Man hatte ihn schon gefesselt, aber er konnte die Fesseln zerreißen. Weiterhin heißt es in Vers 30 und 31:
Jesus aber fragte ihn und sprach: Wie heißt du? Er sprach: Legion! Denn viele Dämonen waren in ihn gefahren.
Und er bat ihn, er möge ihnen nicht befehlen, in den Abgrund zu fahren.
Als der Dämon nach seinem Name gefragt wird, bezeichnet er sich selbst als Legion, weil er viele untergebene Dämonen hat, die mit ihm in dem Körper Wohnung genommen haben. Es ist allgemein interessant, aber auch ein wenig befremdlich, dass Dämonen verschiedenen Namen haben. Denn wenn hier ein Dämon den Name Legion hat, könnte man auch fragen: Wie heißen denn die ganzen anderen?
Aber vielleicht ist man bei manchen Dingen auch besser damit bedient, sie nicht zu wissen. Man muss übrigens davon ausgehen, dass der Dämon in Vers 31 versucht, Jesus in eine Falle zu locken. Denn Jesus hatte gesagt, dass Gott bei jedem das Maß ansetzt, was man selber angesetzt hat. Wenn nun also Jesus befehlen würde, dass der böse Geist in den Abgrund geworfen wird, obwohl Jesus eigentlich noch gar nicht zum Königtum über alle Gewalten und Fürstentümer erhöht ist, dann ist die Befürchtung realistisch, dass er selber genau das gleiche Gericht verdienen würde als Reaktion darauf, dass er ein Gericht beschloss, wo ihm die nötige Autorität nicht gegeben war. Das ist für uns als Jesus-Nachfolger noch wichtiger als für Jesus, weil nämlich uns selber niemand jemals die Vollmacht gab, Dämonen in den Abgrund schicken zu dürfen. Wir dürfen ihnen gebieten, aus Leuten auszufahren, wenn sie manifestiert sind, aber wir dürfen ihnen nicht sagen, dass sie in die ewige Qual gehen sollen.
Wie nun diese Sache weiter verlief, lesen wir in den Versen 32 bis 34. Es steht geschrieben:
Es war aber dort eine große Schweineherde an dem Berg zur Weide, und sie baten ihn, dass er ihnen erlaube, in jene zu fahren. Und er erlaubte es ihnen.
Da fuhren die Dämonen von dem Menschen aus und fuhren in die Schweine, und die Herde stürzte sich den Abhang hinunter in den See und ertrank.
Als aber die Hirten sahen, was geschehen war, flohen sie und gingen hin und verkündeten es in der Stadt und auf dem Land.
Die Dämonen wollten offensichtlich lieber in die Schweine einfahren, als ziellos durch die Gegend zu schwirren, und letztlich begingen die Schweine dann Selbstmord, als die Dämonen in ihnen waren. Am traumatischsten war dies gewiss für die Hirten, die nicht nur einen finanziellen Schaden davon trugen, sondern gewiss auch sehr erschraken über dieses doch schon ziemlich bizarre Schauspiel, das da direkt vor ihren Augen geschah. Und deshalb liefen sie weg und erzählten allen Leuten in den umliegenden Gegenden, was sie gesehen hatten. Da aber die Menschen, die es hörten, nicht unbedingt fähig waren, sich das in Gedanken vorzustellen, wollten sie persönlich zu der Stelle gehen und nachschauen, was dort los ist. Wir lesen darüber folgendes in den Versen 35 bis 37:
Da gingen sie hinaus, um zu sehen, was geschehen war, und kamen zu Jesus und fanden den Menschen, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bekleidet und vernünftig zu den Füßen Jesu sitzen, und sie fürchteten sich.
Die aber, welche es gesehen hatten, erzählten ihnen auch, wie der Besessene gerettet worden war.
Da bat ihn die ganze Volksmenge aus der umliegenden Gegend der Gadarener, von ihnen wegzugehen; denn es hatte sie eine große Furcht ergriffen. Er aber stieg in das Schiff und kehrte zurück.
Jeder Mensch, der in der Umgebung wohnte, kannte gewiss den Besessenen, dem man nicht zu nahe treten konnte, ohne dass man ausgiebige Gewalttaten zu befürchten hatte. Und genau diesen Mann sehen sie jetzt, wie er ganz friedlich und lieb zu den Füßen von Jesus sitzt. Was mag ihnen da wohl durch den Kopf gegangen sein? Noch nie war irgendjemand von ihnen fähig, den Besessenen zu bändigen, und jetzt sitzt er plötzlich ganz zahm vor einem jüdischen Mann und lauscht dessen Worten. Ich glaube, das machte die Leute zunächst sprachlos, und es konnte sich bestimmt auch keiner erklären, wie sowas überhaupt möglich ist. Als aber die Hirten alles erzählten, was passiert war, gruselten sich die Leute offenbar und wollten nur noch, dass Jesus ihr Gebiet verlässt. Als kleines Schlusswort aus diesem Bericht lesen wir noch in den Versen 38 und 39:
Der Mann aber, von dem die Dämonen ausgefahren waren, bat ihn, dass er bei ihm bleiben dürfe. Aber Jesus entließ ihn und sprach:
Kehre zurück in dein Haus und erzähle, was Gott dir Großes getan hat! Und er ging und verkündigte in der ganzen Stadt, was Jesus ihm Großes getan hatte.
Es ist ein wenig schade, wenn der Mann die Aufgabe bekam, von der großen Tat Gottes zu reden, dass er laut der Formulierung von Lukas stattdessen über Jesus redete. Eigentlich wollte er ja bei Jesus bleiben, aber es ist sehr stark davon auszugehen, dass dieser Mann ein Heide war und es daher noch nicht die richtige Zeit für ihn war, um die Nachfolge zu beginnen, denn Jesus war zuerst wegen Israel gekommen.
Von weiteren großen Wundern Gottes, die durch Jesus gewirkt wurden, lesen wir im letzten Abschnitt des Kapitels. In den Versen 40 bis 42 steht geschrieben:
Als Jesus zurückkam, geschah es, dass ihn die Volksmenge freudig empfing; denn sie warteten alle auf ihn.
Und siehe, es kam ein Mann namens Jairus, der war ein Oberster der Synagoge; und er warf sich Jesus zu Füßen und bat ihn, in sein Haus zu kommen.
Denn er hatte eine einzige Tochter von etwa zwölf Jahren, und diese lag im Sterben. Als er aber hinging, bedrängte ihn die Volksmenge.
Hier hatte sich also ein Oberster der Synagoge vor Jesus kleingemacht. Eigentlich hatte man genau das normalerweise überhaupt nicht von Leuten zu erwarten, die im jüdischen Volk Autorität haben, andererseits erkennt man im Leben sehr bald, wie die Menschen ticken. Je größer ihre Not ist, desto schneller neigen sie dazu, sich niederzuwerfen, wenn sie Hilfe erhoffen. Darum ist das Niederwerfen eines Menschen, der in einer Dringlichkeit handelt, auch weit weniger wert als das Niederwerfen eines Menschen, dem es gut geht und der es dennoch freiwillig tut. Wir dürfen aber auch nicht vergessen, dass dieses Niederwerfen keine Anbetung bedeutet, sondern eine Verehrung wie wenn man sich vor einem König erniedrigt. Und dem Vorsteher der Synagoge blieb in seiner Not streng genommen gar nichts Anderes mehr übrig, denn seine einzige Tochter lag im Sterben. Jesus hatte sich auch überzeugen lassen, für den man zu beten und mit ihm hinzugehen. Und man sollte nicht übersehen, dass die Menschen sich alle an Jesus herandrängelten. Ich bin mir nicht sicher, ob man sich in solch einem Zustand wohlfühlt, aber für Jesus war das zu jener Zeit der Alltag.
In den Versen 43 bis 46 lesen wir dann:
Und eine Frau, die seit zwölf Jahren den Blutfluss gehabt und all ihr Gut an die Ärzte gewandt hatte, aber von keinem geheilt werden konnte,
trat von hinten herzu und rührte den Saum seines Gewandes an; und auf der Stelle kam ihr Blutfluss zum Stehen.
Und Jesus fragte: Wer hat mich angerührt? Als es nun alle bestritten, sprachen Petrus und die mit ihm waren: Meister, die Volksmenge drückt und drängt dich, und du sprichst: Wer hat mich angerührt?
Jesus aber sprach: Es hat mich jemand angerührt; denn ich habe erkannt, wie eine Kraft von mir ausging!
Hier haben wir nun also die Geschichte einer Frau, die zwölf Jahre lang unter einem unaufhörlichen Blutfluss gelitten hatte und bei keinem Arzt Hilfe fand. Diese setzte ihre ganze Hoffnung auf Jesus, traute sich aber nicht, ihn direkt zu fragen, sondern rührte ihn heimlich an in der Hoffnung, dass es ihr Heilung beschert. Und ihr Versuch, dies heimlich zu tun, war zuerst von ziemlich großem Erfolg gekrönt. Denn Jesus merkte nur, wie ohne seinen Willen eine Kraft von ihm ausging und versuchte nun, die verantwortliche Person zu finden, aber jeder stritt es ab. Erleichtert wurde die Suche von Jesus aber dadurch, dass die Frau dann doch noch die Entscheidung traf, sich als die Verantwortliche zu erkennen zu geben. Daher lesen wir in den Versen 47 und 48:
Als nun die Frau sah, dass sie nicht unbemerkt geblieben war, kam sie zitternd, fiel vor ihm nieder und erzählte ihm vor dem ganzen Volk, aus welchem Grund sie ihn angerührt hatte und wie sie auf der Stelle gesund geworden war.
Er aber sprach zu ihr: Sei getrost, meine Tochter! Dein Glaube hat dich gerettet; geh hin in Frieden!
Hierbei gilt es zu beachten, dass diese Frau nicht wirklich die Tochter von Jesus war, in keiner Weise. Es ist nur allgemein eine Redensart, dass man manchmal andere Menschen als Sohn oder Tochter anspricht, besonders als jüdischer Lehrer bzw. Priester, ohne dass dahinter eine ernstzunehmende Aussage steckt. Was hingegen von Ernsthaftigkeit geprägt ist, das ist die Zusicherung über den rettenden Glaube, den die Frau hat. Denn sie fiel vor Jesus nieder und war von so großer Ehrfurcht erfüllt, dass sie sogar zitterte. Das ist eine deutlich bessere Demut als bei einigen anderen Leuten von Israel, die sich stattdessen lieber über Jesus aufregten oder ihn sogar verlästerten. Und schließlich hat Jesus die Frau in Frieden ihres Weges gehen lassen.
Als nächstes betrachten wir die Verse 49 und 50. Dort steht:
Während er noch redet, kommt jemand vom Synagogenvorsteher und spricht zu ihm: Deine Tochter ist gestorben; bemühe den Meister nicht!
Da es aber Jesus hörte, antwortete er ihm und sprach: Fürchte dich nicht; glaube nur, so wird sie gerettet werden!
Hier ist nun also eine Situation entstanden, wo es so aussieht, als wäre schon alles verloren. Aber Jesus hatte höchstwahrscheinlich die deutliche Zusage, dass diese Tochter leben wird, und deshalb wäre es das Ungünstigste überhaupt, wenn nun dieser Mensch, dessen Tochter starb, den Mut verliert. Und so sagte Jesus zu ihm, dass er sich nicht fürchten muss. In Vers 51 lesen wir dann:
Und als er in das Haus kam, ließ er niemand hineingehen als Petrus und Jakobus und Johannes sowie den Vater und die Mutter des Kindes.
Hier ist es schon gewissermaßen bemerkenswert, dass Jesus irgendwie nur die Menschen mit ins Haus nehmen will, bei denen es überhaupt sowas wie Glaube im Herzen geben könnte, also die Eltern und drei von seinen zwölf Aposteln. Und schließlich lesen wir folgendes in den Versen 52 bis 56:
Sie weinten aber alle und beklagten sie. Er aber sprach: Weint nicht! Sie ist nicht gestorben, sondern sie schläft.
Und sie lachten ihn aus, weil sie wussten, dass sie gestorben war.
Er aber trieb sie alle hinaus und ergriff ihre Hand und rief: Kind, steh auf!
Und ihr Geist kehrte zurück, und sie stand augenblicklich auf; und er befahl, ihr zu essen zu geben.
Und ihre Eltern gerieten außer sich; er aber gebot ihnen, niemand zu sagen, was geschehen war.
Offensichtlich nahm diese Sache ein erfreuliches Ende, denn der Geist der verstorbenen Tochter kehrte zurück. Wenn also Jesus auch zuerst ausgelacht wurde, so erwies er sich dennoch sehr schnell als wahrhaftig. Allerdings wollte Jesus auch, dass sich die Kunde von diesem Ereignis nicht ausbreitet. Damit wollte er wahrscheinlich vermeiden, dass eine noch größere Anzahl Menschen sich an ihn herandrängeln würde, als es bereits jetzt der Fall war.
Und nun sind wir mit diesem Kapitel fertig.
Was lernen wir daraus, und was können wir uns für unsere eigene Nachfolge daraus mitnehmen?
Ich glaube, man lernt noch am ehesten aus diesem Kapitel, dass kein Wunder für Gott zu großartig war, um es in der Nähe von Jesus zu tun, sondern dass Gott wirklich durch gewaltige Kraftwirkungen immer wieder deutlich bestätigte, dass er nah bei Jesus ist und man daher Jesus lieber ernstnehmen sollte. Allerdings finden wir in diesem Kapitel nicht wirklich irgendwelche Zeugnisse davon, dass das ganze Volk nun gläubig wurde, sondern höchstens Einzelpersonen. Und diese Erkenntnis kann uns vielleicht auch in unserer eigenen Nachfolge trösten, wenn wir das Ausbleiben von Glaube bei den Menschen bemerken. Denn wenn all die großen Dinge, die Gott in der Nähe von Jesus tat, nicht überzeugend für die Mehrheit der Menschen war, dann wäre es auch heutzutage vergeblich, wenn Gott großartige Dinge geschehen lässt, denn die heute lebenden Menschen sind genau so halsstarrig wie damals. Sie bilden sich viel ein auf ihre tollen Lehrbücher, ihre ausgeklügelten Philosophien, ihre fortschrittliche Technologie und ihre großartigen Schulen, aber moralisch und bezüglich dem Zustand ihres Herzens sind sie immernoch so kaputt, wie sie es auch damals schon waren. Denn ich glaube nicht, dass ich zu weit gehe, wenn ich sage: Wer eine gewaltige Dämonenaustreibung, die Stillung eines Unwetters, das Heilen einer zwölf Jahre lang geplagten Frau und die Auferweckung eines verstorbenen Mädchens immernoch nicht zum Anlass nimmt, um Jesus als Messias anzuerkennen und das ganze Leben nur noch auf Gottes Gesetz auszurichten, so wie Jesus es erklärte, bei dem wäre auch jede weitere Bemühung sinnlos. Und darum weiß man, dass es genug ist, einfach nur das zu tun, wozu man im Geist geleitet wird, und nicht eigensinnig auf die Straßen raus zu gehen und so viel wie nur möglich für Leute zu beten, denn der Effekt wäre sowieso keiner, der dem Reich der Himmel würdig ist. Denn es gab immer und gibt immer wieder Leute, die Wunder sehen und doch ungläubig leben.
Das war nun alles für dieses Video.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!
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