Text zu "Bibellehre - Kapitel 7 im Evangelium des Johannes"

Link zum Video: https://youtu.be/casmDT5y-rY

Hallo Leute und willkommen bei dem Kanal, der dem Licht der Welt gewidmet ist!

Dieses Video ist für alle interessierten Menschen gemacht worden, die schonmal das Kapitel 7 vom Evangelium des Johannes gelesen haben, aber es nicht so wirklich verstehen konnten. Denn besonders beim Evangelium des Johannes ist es wirklich kein Wunder, wenn man die Worte liest und dann hinterher nur noch mit viel Verwunderung vor der Bibel sitzt, da es in diesem Schriftstück zahlreiche Verse gibt, in denen geistliche Rede vorkommt und die mit weltlichem Denken unmöglich zu begreifen sind. Ich werde aber mein Bestes tun, um die Worte so zu eröffnen, dass auch jeder Mensch, der mit himmlischem Denken überhaupt nicht vertraut ist, es verstehen kann, wenn er wirklich aufmerksam zuhört.

Wir werden uns nun die Verse dieses Kapitels anschauen, und ich benutze dabei die Worte, die man gemäß der Schlachter 2000 Bibelübersetzung vorfindet auf der Internetseite bibleserver.com.

Wir steigen direkt ein in die Worte dieses Kapitels und lesen folgendes in Vers 1:

Und danach zog Jesus in Galiläa umher; denn er wollte nicht in Judäa umherziehen, weil die Juden ihn zu töten suchten. 

Durch diesen Vers sollen wir besonders daran erinnert werden, dass in Jerusalem eine Strafanzeige gegen Jesus vorlag und er dort als gesuchter Verbrecher galt. Wie es dazu kam, haben wir in Kapitel 5 erfahren, nämlich dass er am Sabbattag für die Heilung eines Menschen betete, und dies wurde von den religiösen Autoritäten als Arbeit und somit als Entheiligung des Sabbattages gewertet. Und aufgrund der Tatsache, dass Jesus nun in Jerusalem ein gesuchter Verbrecher war, hielt er sich natürlich von dort fern, und er wollte nichtmal das Land Judäa betreten. Weiterhin lesen wir in Vers 2:

Es war aber das Laubhüttenfest der Juden nahe. 

Dieser Umstand machte alles ein bisschen kompliziert. Die Leute feierten das Laubhüttenfest sowieso nicht mehr richtig, sondern es war nur noch eine kulturelle Veranstaltung mit halbherziger Berücksichtigung der Schriften, aber trotzdem wollte Jesus an den Festen gerne teilnehmen. Doch wie sollte das gehen? Er galt ja als Übeltäter, der des Todes schuldig ist in den Augen der dortigen Autoritäten. Und das wusste nicht nur Jesus, sondern so ziemlich alle Menschen, die ihn kannten, wussten das auch von ihm, dass er in Jerusalem wie ein Verbrecher gesucht wird. Wenn also Jesus zum Fest gehen würde, dann sollte er sich lieber bemühen, diesmal nicht allzu viel Aufsehen zu erregen.

Als nächstes betrachten wir die Verse 3 bis 5. Dort steht:

Da sprachen seine Brüder zu ihm: Brich doch auf von hier und zieh nach Judäa, damit auch deine Jünger die Werke sehen können, die du tust! 
Denn niemand tut etwas im Verborgenen und sucht zugleich öffentlich bekannt zu sein. Wenn du diese Dinge tust, so offenbare dich der Welt! 
Denn auch seine Brüder glaubten nicht an ihn. 

Hierbei ist natürlich die Bemerkung in Vers 5 besonders wichtig. Die leiblichen Brüder, mit denen Jesus aufgewachsen war in seinem Elternhaus, glaubten nicht an ihn. Das heißt: Sie hatten absolut keinen Respekt davor, dass er der Messias und Sohn Gottes ist. Und sie nahmen auch seine Belehrungen niemals ernst in diesen Tagen. Und auch sie wussten mit Sicherheit, dass Jesus in Jerusalem ein gesuchter Verbrecher ist, den die Autoritäten festnehmen wollen, um ihn höchstwahrhscheinlich zu Tode zu steinigen. Da stellt sich nun schon ein bisschen die Frage, warum ausgerechnet diese Brüder so versessen darauf sind, Jesus dazu zu reizen, dass er sich öffentlich zeigen soll in Jerusalem. Sie wissen ganz genau, dass er ein gesuchter Verbrecher ist, und wollen ihn trotzdem überreden, sich ganz unbekümmert vor allen dortigen Leuten zu zeigen. Das verheißt nichts Gutes und man kann durchaus daraus schlussfolgern, dass diese Brüder etwas Böses im Schilde führen. Auch Jesus merkt das sofort und daher lesen wir folgende Reaktion von ihm in den Versen 6 bis 8:

Da spricht Jesus zu ihnen: Meine Zeit ist noch nicht da; aber eure Zeit ist immer bereit. 
Die Welt kann euch nicht hassen, mich aber hasst sie; denn ich bezeuge von ihr, dass ihre Werke böse sind. 
Geht ihr hinauf zu diesem Fest; ich gehe noch nicht zu diesem Fest hinauf, denn meine Zeit ist noch nicht erfüllt. 

Jesus war gegenüber diesen Brüdern merklich abgeneigt, auch wenn sie weltlich zu seiner Familie zählten. Und der Spruch aus Vers 7 ist hierbei ganz besonders bemerkenswert. Die Welt hasst Jesus, weil Jesus ihr bezeugt, dass ihre Werke böse sind. Das ist nicht nur bei Jesus so, sondern ich kann euch garantieren, wenn wir anfangen, das Böse in dieser Welt offen anzusprechen und zu tadeln, dass wir dann ebenfalls gehasst werden. Wir werden genau den selben Hass ertragen müssen, den Jesus ertragen musste, weil er sich nicht an dem heuchlerischen Gefasel über Fortschritt und dem aufgesetzten Fröhlichsein beteiligte, während alle schlimmen Dinge einfach ausgeblendet werden. Jesus hat offen angesprochen, was ihm alles auffiel an Bösartigkeit in allen Schichten der Zivilisation, auch wenn die Menschen es nicht hören und nicht wahrhaben wollen, weil sie sich ja unwohl fühlen mit dem Eingeständnis, an einem bösen Ort zu leben und obendrein Böses in sich selbst zu haben, denn sie wollen ja lieber gesagt bekommen, sie wären gut, völlig unabhängig davon, ob man das nach einer deutlichen Überprüfung wirklich so sagen könnte. Außerdem hat Jesus ständig zu Buße aufgerufen. Wie viele Menschen gibt es heutzutage, die das ebenfalls tun? Wer es aber tut, der wird gehasst.

Jedenfalls wollte Jesus, dass seine sogenannte Familie ohne ihn zum Laubhüttenfest nach Jerusalem geht, daher lesen wir auch noch in Vers 9:

Und als er dies zu ihnen gesagt hatte, blieb er in Galiläa.

Wie man sieht, brachte die Unterhaltung das Ergebnis hervor, dass die Familie von Jesus letztlich ohne ihn zum Fest reiste. Allerdings wollte Jesus doch schon gerne beim Fest dabei sein, nur eben möglichst heimlich, damit er nicht gefangen und getötet wird wegen seiner angeblichen Sabbatschändung, die in den Augen der Menschen vorlag, obwohl Jesus aus Gottes Sicht überhaupt nichts falsch gemacht hatte. Denn Jesus fände es wohl doch irgendwie zu schade, das Fest zu verpassen, und genauso dürfen wir locker davon ausgehen, dass es zu Gottes Plan gehörte, wenn Jesus dorthin ging. In Vers 10 lesen wir darüber folgendes:

Nachdem aber seine Brüder hinaufgegangen waren, ging auch er hinauf zum Fest, nicht öffentlich, sondern wie im Verborgenen. 

An diesen Worten merkt man, dass Jesus wirklich darum bemüht war, sich bedeckt zu halten. Und es war allgemein im Volk bekannt, dass Jesus ein gesuchter Verbrecher ist. Viele Menschen in Jerusalem hatten das in Erinnerung. Und auch die Autoritäten des Ortes hatten keineswegs vergessen, was Jesus getan hatte, daher lesen wir in den Versen 11 bis 13:

Da suchten ihn die Juden während des Festes und sprachen: Wo ist er? 
Und es gab viel Gemurmel seinetwegen unter der Volksmenge. Etliche sagten: Er ist gut!, andere aber sprachen: Nein, sondern er verführt die Leute! 
Doch redete niemand freimütig über ihn, aus Furcht vor den Juden. 

Durch diese Verse bekommen wir einen klaren Eindruck von der Atmosphäre bei dem Fest. Manche Leute waren überzeugt, Jesus sei ein Verführer, andere hielten ihn für einen Mann mit aufrichtiger Rede. Aber wenn die Leute über Jesus redeten, konnten sie es sozusagen nur mit vorgehaltener Hand tun, damit sie keinen Ärger mit den jüdischen Autoritäten riskieren. Und die Autoritäten haben sogar Befragungen im Volk durchgeführt. Sie eiferten sehr dafür, Jesus zu ergreifen und hinzurichten wegen der angeblichen Sabbatschändung. Das sind die Zustände, die bei diesem Laubhüttenfest herrschten. Die Behörden ließen Jesus suchen, um ihn zu verhaften, und die Leute im Volk mussten sich davor fürchten, auch nur den Name Jesus laut auszusprechen. Und inmitten dieses Elends hielt Jesus sich mehrere Tage verborgen, und man fand ihn nicht.

Wir werden aber merken, dass Jesus nicht alle acht Tage des Laubhüttenfestes verborgen blieb, denn es steht geschrieben in Vers 14:

Als aber das Fest schon zur Hälfte verflossen war, ging Jesus in den Tempel hinauf und lehrte. 

Dieses Verhalten ist ziemlich extrem, nicht wahr? Jesus ist ein gesuchter Verbrecher, den die jüdischen Autoritäten ergreifen wollen, und trotzdem geht er nach vier Tagen hin zum Tempel und predigt öffentlich. Das hat Jesus garantiert nur deshalb getan, weil Gott es befahl. Aber man braucht auch eine gehörige Portion Mut dazu, wenn man unter solchen Umständen einen derartigen Befehl Gottes ausführen soll. Wir wissen zwar nicht, wie lange das dauerte, als Jesus im Tempel lehrte, aber wir können an den nächsten Versen erkennen, dass die jüdischen Autoritäten, die gerade vor Ort waren, ihn nicht sofort ergreifen und töten wollten, sondern dass sie erstmal seinen Worten lauschten, denn wir lesen in den Versen 15 bis 17:

Und die Juden verwunderten sich und sprachen: Woher kennt dieser die Schriften? Er hat doch nicht studiert! 
Jesus antwortete ihnen und sprach: Meine Lehre ist nicht von mir, sondern von dem, der mich gesandt hat. 
Wenn jemand seinen Willen tun will, wird er erkennen, ob diese Lehre von Gott ist, oder ob ich aus mir selbst rede. 

An Vers 15 sehen wir deutlich, dass die Juden verwundert waren, weil Jesus genau so reden konnte, wie es den Schriften entspricht, obwohl er sie niemals studiert hatte. Das konnten die kaum begreifen, wie sowas geht. Und Jesus erklärt es ihnen. Er sagt, dass er nicht seine eigene Lehre redet, die er sich ausgedacht hat. Und er betont, dass die Menschen, die ein ehrliches Interesse daran haben, Gottes Wille zu tun, auch beim Hören der Worte einschätzen können, ob das von Gott kommt oder ob es aus dem eigenen Ego kommt. Jesus betont in Vers 17 deutlich, dass er nicht aus sich selbst redet, sondern aus Gott. Er will nicht Belehrungen breit tragen, die er selbst ersonnen hat. Es geht Jesus nur darum, dass er Gottes Wort weitersagt, denn wenn er reden würde, was ihm selber gefällt, so wäre es nichts wert, weil es darin Details geben würde, die Gott widersprechen. Und dieses Vorbild, das Jesus hier gibt, ist auch sehr wichtig für jeden Jesus-Nachfolger und jede Jesus-Nachfolgerin. Auch wir selbst müssen uns die größte Mühe geben, immer nur das zu sagen, was Gott gesagt hat, und nicht das zu reden, was wir persönlich gerade für besonders schön oder wichtig halten. Wenn wir uns aus unserer Fantasie heraus eigene Worte zusammenbasteln, dann ist die Gefahr wirklich groß, dass wir dabei ohne es zu merken gegen Gott reden. Und das ist dann ein echtes Problem. In dem Moment zählt es auch gar nicht mehr, ob wir gute Absichten verfolgten. Sobald wir falsche Tatsachen umher rufen oder Sünde verharmlosen oder sonst irgendwas verkünden, was für Gott ein Ärgernis ist, sind wir nicht mehr seine Kinder. Jesus hat das genau gewusst, aber haben auch wir es schon begriffen?
Man muss dazu auch eingestehen, dass die Leute, die selbst ausgesuchte Worte verbreiten, sowieso keinen Eifer für Gott in sich brennen haben, sondern viel lieber versuchen wollen, bekannt und berühmt zu werden. Deswegen sagt auch Jesus in Vers 18:

Wer aus sich selbst redet, der sucht seine eigene Ehre; wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, der ist wahrhaftig, und keine Ungerechtigkeit ist in ihm. 

Diesen Fakt sollte man allezeit bedenken. Wenn jemand nicht seine eigene Ehre sucht, sondern nur will, dass Gott Ehre empfängt, dann achtet er eben wegen diesem Wunsch besonders darauf, nur Gottes Worte zu reden und keine eigenen. Dabei muss man bedenken, dass man immer dann, wenn man Gottes echte Worte redet, sowieso keine Ehre bekommt, sondern sehr viel Widerstand und Verlästerung von Menschen, die sich nicht sagen lassen wollen, dass sie Sünder sind und aufhören müssen mit ihrem widerlichen Verhalten. Wer das redet, was Gott will, macht sich immer unbeliebt. Wer aber bei großen Menschenmengen beliebt wird durch das, was er redet, der wird wohl höchstwahrscheinlich nicht aus Gott reden, sondern um die eigene Ehre aufzuwerten.

Da nun aber Jesus mit jüdischen Autoritäten im Gespräch ist, nutzt er diese Gelegenheit, um ihr ungerechtes Handeln anzusprechen, nämlich dass sie ihn als Sabbatschänder hinrichten wollen, obwohl er gar kein Sabbatschänder ist. Demgemäß lesen wir folgendes in Vers 19:

Hat nicht Moses euch das Gesetz gegeben? Und doch tut keiner von euch das Gesetz. Warum sucht ihr mich zu töten? 

Durch diese Worte will Jesus nicht nur die Absicht der Autoritäten tadeln, ihn zu töten, sondern gibt ihnen auch zu verstehen, dass sie das Gesetz gar nicht richtig anwenden, da sie es bisher nicht begriffen haben. Und wenn das Gesetz zwar vorhanden ist, aber keiner hat es begriffen, dann ist es merklich nutzlos.
Und obwohl wir wissen, dass die Menschen nur mit Furcht über Jesus reden konnten und dass Leute durch die Menge gegangen waren, die Befragungen durchführen, um Jesus zu finden und zu ergreifen, lesen wir folgende Reaktionen von den Menschen in Vers 20:

Die Menge antwortete und sprach: Du hast einen Dämon! Wer sucht dich zu töten? 

Diese Reaktion ist abartig. Es ist wirklich nicht zu fassen, was für eine ekelhafte und unverschämte Heuchelei hier passiert. Jeder weiß, dass Jesus des Todes schuldig ist laut Ansicht der jüdischen Autoritäten. Und trotzdem tun die hier so, als wäre doch alles in Ordnung und als würde es niemanden geben, der ihn töten will. Es ist sogar noch schlimmer. Sie unterstellen ihm ernsthaft, dass er einen Dämon hat. Damit drücken sie aus, Jesus würde unter Verfolgungswahn leiden und es gäbe doch gar niemanden, der ihn ergreifen will. Die tun so, als wäre er krank und würde sich grundlos verfolgt fühlen, obwohl sie ganz genau wissen, dass die Behörden eine Strafanzeige gegen ihn erlassen haben und man ihn festnehmen will. Was für verdorbene Herzen sind das, die diese Menschen haben? Wie kann man auf solch eine schändliche Art reagieren und jemandem unterstellen, dass er von einem Dämon besessen ist, obwohl man ganz genau weiß, dass er als gesuchter Verbrecher gilt? Diese Worte zeigen wirklich, was für Menschen das waren, vor denen Jesus stand – ein böses und verkehrtes Geschlecht.

Da es aber offiziell völlig klar und allen bekannt ist, dass Jesus ein gesuchter Mann ist und dass er wegen einer angeblichen Sabbatschändung angezeigt wurde, will Jesus gar nicht auf die boshafte Bemerkung der Leute eingehen, sondern beginnt, dem Gesetz Mose gemäß den Fall auszuwerten, der bezüglich seiner Anzeige vorliegt, denn wir lesen in den Versen 21 bis 24:

Jesus antwortete und sprach zu ihnen: Ein Werk habe ich getan, und ihr alle verwundert euch. 
Darum sage ich euch: Moses hat euch die Beschneidung gegeben (nicht dass sie von Moses kommt, sondern von den Vätern), und ihr beschneidet den Menschen am Sabbat. 
Wenn ein Mensch am Sabbat die Beschneidung empfängt, damit das Gesetz Mose nicht übertreten wird, was zürnt ihr mir denn, dass ich den ganzen Menschen am Sabbat gesund gemacht habe? 
Richtet nicht nach dem Augenschein, sondern fällt ein gerechtes Urteil!

Leider ist es von diesen bösen Kreaturen zu viel verlangt, nicht nach dem Augenschein zu richten, sondern ein gerechtes Urteil zu sprechen, denn sie sind ständig so unterwegs, dass sie überstürzt und mit ungezügelter Bereitschaft, anderen zu schaden, Urteile sprechen. Und besonders wenn es gegen jemanden geht, der allgemein verhasst ist, dann neigen sie ja umso schneller dazu, die Rechtsbestimmungen zu ignorieren und einfach Strafen zu verhängen, weil es ihnen keineswegs leidtut um den angeklagten Mensch.
Die Worte von Jesus sind aber wahrhaftig und offenbaren seine Unschuld aus himmlischer Sicht. Denn es stet im Gesetz Gottes, welches Moses überliefert hat, dass jeder, der ins Haus Abrahams geboren wurde oder für Geld in Abrahams Haus eingekauft wurde, beschnitten werden muss am achten Tag nach der Geburt. Das ist ein Befehl Gottes, und dieser Befehl muss ausgeführt werden bei allen, die unter diese Bedingungen fallen. Deswegen machen die Juden das. Und wenn der achte Tag nach der Geburt eines Knaben ausgerechnet ein Sabbattag ist, dann beschneiden sie den Knabe trotzdem, weil es ein Befehl Gottes ist, den sie ausführen wollen. Und dieses Handeln ist richtig. Man muss wirklich am achten Tag alle Nachkommen beschneiden, die in Abrahams Haus sind. Aber dieses Ausführen des Befehls ist doch theoretisch Arbeit, oder? Das heißt: Rein theoretisch könnten die übertrieben strengen Autoritäten sich hinstellen und das jetzt ebenfalls zur Schande erklären. Denn wer am Sabbat eine Beschneidung vollzieht, der hat doch am Sabbat gearbeitet, oder nicht? Aber warum werden die, die das tun, nicht zu Tode gesteinigt? Sie haben schließlich, wenn man die menschliche Theorie anwenden würde, durch Arbeit am Sabbat den heiligen Ruhetag Gottes geschändet. Und doch steinigt man niemanden zu Tode, der am Sabbat einen Knaben beschnitten hat. Und das tut man wie gesagt aus dem Grund nicht, dass die Beschneidung am achten Tag ein Befehl Gottes ist, der ausgeführt werden muss. Denn dadurch, dass man einfach nur gehorsam handelt, ist man gewiss ohne Schuld, auch wenn die Beschneidung am Sabbat vollzogen wird. Und bei Jesus ist es genau die gleiche Angelegenheit mit der Heilung am Sabbat. Jesus hat den 38 Jahre in Schmerzen liegenden Mensch nicht geheilt, weil er selber es wollte oder weil irgendein Mensch ihn dazu überredet hätte, sondern Jesus hat das allein deshalb getan, weil es ihm von Gott befohlen wurde. Gott hat gesagt: „Bete für die Heilung dieses Mannes!“, und dann hat Jesus nicht weiter nachgefragt und hat für ihn gebetet, und dadurch machte Gott diesen Mann gesund, auch wenn Sabbat war. Der Anteil von Jesus war allein der, gehorsam gehandelt zu haben, als ein Befehl Gottes erging. Und wenn man am Sabbat neugeborene Knaben beschneiden darf, weil man Gottes Befehl nicht ignorieren will, dann muss es auch straffrei bleiben, wenn Jesus am Sabbat für eine Heilung gebetet hat, weil er den Befehl Gottes nicht ignorieren wollte. Dies ist die gerechte Einschätzung der ganzen Sache, in die Jesus verwickelt war, als die jüdischen Autoritäten ihn zu Unrecht töten wollten wegen angeblicher Sabbatschändung.

Weiterhin gestaltet sich die Situation so, dass die Leute im Tempel Jesus zuhören und irgendwie gar nicht wissen, was sie noch zu allem sagen sollen. Und es kamen noch zusätzliche Leute in den Tempel, die sich verwunderten, dass Jesus dort ist und frei vor allen anwesenden Menschen redet. Folgendes lesen wir darüber in den Versen 25 bis 27:

Da sprachen etliche von Jerusalem: Ist das nicht der, den sie zu töten suchen? 
Und siehe, er redet öffentlich, und sie sagen ihm nichts. Haben etwa die Obersten wirklich erkannt, dass dieser in Wahrheit der Christus ist? 
Doch von diesem wissen wir, woher er ist; wenn aber der Christus kommt, so wird niemand wissen, woher er ist. 

Durch diese Verse wird die Verwunderung der neu hinzugekommenen Leute gut erkennbar. Sie rätseln darüber, wie es sein kann, dass der todeswürdige Verbrecher hier einfach öffentlich vor den Menschen steht und die ergreifen ihn gar nicht, sondern hören ihm aufmerksam zu. Dieser Anblick hat die neu hinzugekommenen Leute merklich überfordert. Es ist an sich schon sehr erstaunlich, was Jesus sich traut und dass es auch funktioniert, also dass er einfach frei vor den Leuten predigt, obwohl eine Anzeige gegen ihn vorliegt. Jedenfalls sind die neu hinzugekommenen Menschen davon überzeugt, Jesus könnte nicht der Messias sein, weil von dem Messias niemand ein Bewusstsein darüber haben wird, woher er kommt. Allerdings ist ja genau das der Fall, denn diese Menschen haben wirklich nichtmal im Ansatz begriffen, woher Jesus kommt. Die denken, er wäre nur ein einfacher Zimmermann aus Nazareth und sonst nichts. Aber die eigentliche Herkunft von Jesus ist eine andere. Deswegen lesen wir in den Versen 28 und 29:

Da rief Jesus, während er im Tempel lehrte, und sprach: Ja, ihr kennt mich und wisst, woher ich bin! Und doch bin ich nicht von mir selbst gekommen, sondern der ist wahrhaftig, der mich gesandt hat, den ihr nicht kennt. 
Ich aber kenne ihn, weil ich von ihm bin, und er hat mich gesandt. 

Durch diese Worte spielt Jesus darauf an, dass die Menschen zwar wissen, woher er weltlich kommt, also dass er in Nazareth aufwuchs und seine Eltern Joseph und Maria heißen und wie viele Brüder und Schwestern er hat und wie alt er ist und welchen Beruf er gelernt hat, aber das sind alles nur Details, die nicht so wichtig sind wie das Detail, in welcher Beziehung Jesus zu Gott steht. Genau darauf müssten sie achten, aber das tun sie nicht, sondern sie fühlen sich auf die Füße getreten, darum lesen wir in Vers 30:

Da suchten sie ihn zu ergreifen; aber niemand legte Hand an ihn, denn seine Stunde war noch nicht gekommen. 

Hier sieht man, dass sie ein starkes Begehren in ihren Herzen hatten, Jesus zu ergreifen, aber trotzdem taten sie es noch nicht. Irgendwas schien sie trotz aller Frustration davon abzuhalten. Es wird wohl hauptsächlich damit zu tun haben, dass sie die Reaktion der hinzugekommenen Volksmenge fürchteten, denn sie wollten ja keinen Aufruhr verursachen. Wir werden nämlich an Vers 31 merken, dass das Volk so langsam dazu neigte, ihn als Messias zu sehen, denn dort steht:

Viele aber aus der Volksmenge glaubten an ihn und sprachen: Wenn der Christus kommt, wird er wohl mehr Zeichen tun als die, welche dieser getan hat? 

Diese Mentalität hätte das Volk bestimmt dazu motiviert, den Autoritäten zu widerstehen, wenn Jesus ergriffen werden soll. Und das Argument, das sie bringen, ist ein sehr wichtiges. Der Messias Jesus hat außergewöhnliche Wunderzeichen bewirken können, und es ist aus ihrer Sicht nicht davon auszugehen, dass man eine so große Anzahl Wunder und eine so extreme Stärke der Wunder bei jemand anderem nochmal erleben wird. Vielleicht ist dieser Gedanke auch für uns heutzutage viel realistischer, als es uns lieb ist. Man kann zwar anhand der Apostelgeschichte nachvollziehen, dass auch durch die Apostel nach der Himmelfahrt Jesu dann teils sehr zahlreiche Wunder geschahen, aber es war dennoch nicht die gleiche Intensität wie bei Jesus selbst. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass die Apostel, wie es bei fast allen Menschen passiert, am Anfang voll brennendem Glaube waren, aber dann matt wurden mit der Zeit. Und wer ermattet, bei dem passieren auch weniger Wunder.
Auf jeden Fall hatte sich aber eine grundlegende Offenheit gegenüber Jesus in den Herzen vieler Menschen eingestellt. Und die Autoritäten konnten das absolut gar nicht gebrauchen. Wenn das Volk Jesus offiziell als Messias anerkennen würde, dann wäre das wirklich das Allerletzte, was die Schriftgelehrten und Pharisäer und alle sonstigen jüdischen Autoritäten wollen. Daher lesen wir folgendes in Vers 32:

Die Pharisäer hörten, dass die Menge diese Dinge über ihn murmelte; darum sandten die Pharisäer und die obersten Priester Diener ab, um ihn zu ergreifen. 

Diese Situation kann man sich ein bisschen so vorstellen, wie wenn es Spitzel im Volk gegeben hat, die nur dazu unterwegs waren, um für die Pharisäer Informationen zu sammeln. Und als diese sahen, dass das Volk beginnt, an Jesus zu hängen, gingen sie sofort zu den Pharisäern und berichteten, was da im Tempel geschieht. Und da dies den Pharisäern völlig zuwider ist, weil keiner von ihnen an Jesus glauben will, um nichts auf der Welt, senden sie einige Männer ab mit dem eindeutigen Befehl, Jesus zu ergreifen und zu ihnen zu bringen. Und diese Männer sind dann auch losgelaufen und zum Tempel gegangen, um den Befehl auszuführen, den sie von den Pharisäern bekommen hatten. Als sie aber im Tempel waren und Jesus es bemerkte, dass sie ihn ergreifen wollen, da reagierte er mit bemerkenswerten Worten, denn wir lesen in den Versen 33 und 34

Da sprach Jesus zu ihnen: Noch eine kleine Zeit bin ich bei euch, und dann gehe ich hin zu dem, der mich gesandt hat. 
Ihr werdet mich suchen und nicht finden; und wo ich bin, dorthin könnt ihr nicht kommen. 

Hier hat Jesus seine Himmelfahrt nach der Auferstehung angekündigt, aber die vor ihm stehenden Menschen haben natürlich absolut keine Ahnung, dass er sowas damit meint. Deswegen lesen wir folgendes in Vers 35 und 36:

Da sprachen die Juden untereinander: Wohin will er denn gehen, dass wir ihn nicht finden sollen? Will er etwa zu den unter den Griechen Zerstreuten gehen und die Griechen lehren? 
Was ist das für ein Wort, das er sprach: Ihr werdet mich suchen und nicht finden, und wo ich bin, dorthin könnt ihr nicht kommen?

Wie man sieht, geraten die Männer reichlich in Verwirrung. Und sie vergessen sogar, dass sie doch eigentlich den Auftrag haben, Jesus zu ergreifen. Denn zu diesem Zweck waren sie ursprünglich in den Tempel gekommen, jetzt aber beraten sie einander darüber, was Jesus eigentlich meint, wenn er zu ihnen sagt, dass sie ihn suchen und nicht finden werden, wenn er hingegangen ist.

Etwas Anderes lesen wir in den Versen 37 und 38. Dort steht:

Aber am letzten, dem großen Tag des Festes stand Jesus auf, rief und sprach: Wenn jemand dürstet, der komme zu mir und trinke! 
Wer an mich glaubt, wie die Schrift gesagt hat, aus seinem Leib werden Ströme lebendigen Wassers fließen. 

Hier sehen wir, dass Jesus Zugriff auf das lebendige Wasser hat. Er kann es den Menschen geben, wenn sie danach dürsten, und er betont, dass man an ihn glauben muss, wie es die Schrift gesagt hat. In jenen Tagen gab es aber nur die Schriften des Alten Testaments, denn die vom Neuen mussten erst noch geschrieben werden. Man erkennt daran, welch eine Relevanz das Alte Testament hat, und es gibt dort ja nicht nur die gleiche Lehre, die Jesus vorträgt, an bestimmten Stellen zu finden, sondern auch Weissagungen über ihn. Wenn jemand anders an Jesus glaubt als wie es aus der Schrift hervorgeht, oder wenn jemand ganz allgemein gar kein Interesse daran hat, die Schrift zu begreifen, dann wird dieser Mensch niemals das lebendige Wasser bekommen. Man kann nur echte Weisheit haben, wenn man sich von Jesus die Schriften erklären lässt und sie dann auch genau so glaubt, wie sie wirklich gemeint sind, und sich nicht auf die kreativen Deutungen der Menschen von dieser Welt verlässt, denn dabei wird viel geredet, was spontan erstmal plausibel klingt, aber trotzdem völliger Unsinn ist. 
In Vers 39 lesen wir noch einen Kommentar von dem Autor Johannes. Es steht geschrieben:

Das sagte er aber von dem Geist, den die empfangen sollten, welche an ihn glauben; denn der Heilige Geist war noch nicht da, weil Jesus noch nicht verherrlicht war.

Johannes hat zwar Recht damit, dass der Heilige Geist noch nicht da war, also dass er noch nicht auf die ganze Erde ausgeschüttet war, weil vor der Verherrlichung von Jesus nur allein Gott entscheiden durfte, wer diesen Geist bekommt, und Gott ist wählerischer als Jesus, aber wenn Johannes hier sagt, Jesus hätte durch das lebendige Wasser den Heiligen Geist angekündigt, dann stimmt das nicht. Es ist eine Fehleinschätzung vom Autor. Das lebendige Wasser ist die aus Gott stammende Weisheit. Diese hatte Jesus bekommen und wollte sie auch an andere weitergeben.
Als aber die Menschen hörten, dass Jesus die Leute lebendiges Wasser trinken lässt, sodass auch aus ihnen selbst lebendiges Wasser fließt, nämlich wenn sie ebenfalls die Weisheit verbreiten unter anderen, da war es für die Menschen ein Rätsel. Sie wussten nicht, was dieser Ausspruch bedeutet, aber sie merkten langsam wirklich, dass hier etwas Besonderes passiert, daher lesen wir auch in den nächsten Versen etwas über die Reaktionen im Volk. Es steht geschrieben in den Versen 40 bis 44:

Viele nun aus der Volksmenge sagten, als sie das Wort hörten: Dieser ist wahrhaftig der Prophet. 
Andere sprachen: Dieser ist der Christus! Andere aber sagten: Kommt der Christus denn aus Galiläa? 
Sagt nicht die Schrift, dass der Christus aus dem Samen Davids kommt und aus dem Dorf Bethlehem, wo David war? 
Es entstand nun seinetwegen eine Spaltung unter der Volksmenge. 
Und etliche von ihnen wollten ihn ergreifen, doch legte niemand Hand an ihn. 

Hierbei muss man bedenken, dass fast alle Menschen keine Ahnung hatten von dem korrekten Geburtsort Jesu. Denn Jesus war in Bethlehem zur Welt gekommen, was man im Evangelium des Lukas in Kapitel 2 lernt, und dort erkennt man auch, dass seine Eltern nur zu Besuch in Betlehem verweilten, als die Geburt geschah. Dennoch ist dies locker ausreichend als Erfüllung der Prophezeiung, dass der Messias in Betlehem geboren wird. Und wenn die Leute dies nicht wissen und meinen, Jesus wäre vielleicht in Nazareth geboren worden, dann ist es klar, dass sie keinen Glaube an die messianische Bedeutung von Jesus haben können. Und doch merken wir, dass einige sagten, sie halten ihn für den von Moses angekündigten Prophet oder für den Christus, also den Messias. Andere hingegen spielten mit dem Gedanke, Jesus zu ergreifen, weil sie ihn für einen Schwätzer hielten. Und doch tat dies keiner, auch nicht die Männer, die extra deshalb von den Pharisäern zum Tempel geschickt worden waren, weil Jesus ergriffen werden sollte.
Wir lesen nämlich folgendes in Vers 45:

Nun kamen die Diener zu den obersten Priestern und Pharisäern zurück, und diese sprachen zu ihnen: Warum habt ihr ihn nicht gebracht? 

Die obersten Priester und Pharisäer waren schon ein bisschen entsetzt, als diese Männer ohne Jesus ankamen. Und die Antwort der Männer lesen wir in Vers 46. Dort steht:

Die Diener antworteten: Nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mensch! 

Die Männer waren offensichtlich hin und weg von allem, was sie gehört hatten, als sie Jesus im Tempel begegnet waren. Da hatten sie sogar ihre Aufgabe vergessen, Jesus zu ergreifen. Die verbitterten und niederträchtigen Pharisäer aber, die um jeden Preis daran glauben wollen, Jesus wäre nicht von Gott und würde nur die Menschen verführen, reagieren darauf mit einer entsprechenden Schelte, denn wir lesen in den Versen 47 bis 49:

Da antworteten ihnen die Pharisäer: Seid auch ihr verführt worden? 
Glaubt auch einer von den Obersten oder von den Pharisäern an ihn? 
Aber dieser Pöbel, der das Gesetz nicht kennt, der ist unter dem Fluch! 

Dieser Text gibt uns einen unerwartet tiefen, aber auch erschütternden Eindruck davon, wie sozusagen das politische Klima in Jerusalem gewesen ist in diesen Tagen. Jeder, der gerne Jesus zuhörte, galt als verfluchter Pöbel in den Augen der jüdischen Autoritäten. Das ist hart. Und es war schon absehbar, dass dies nicht mehr lange gut geht, wenn auf den Messias mit solch einer Niedertracht geschaut wurde, und auch auf alle, die ihm zuhören. 
Man sollte auch unbedingt beachten, dass der Pharisäer hier das Volk als Pöbel bezeichnet, weil es das Gesetz nicht kennt. Das ist besonders schäbig, weil nämlich er als Pharisäer die Aufgabe hatte, an genau diesem Zustand etwas zu ändern. Wäre er seiner Verantwortung gerecht geworden, dann hätte das Volk Ahnung vom Gesetz. Er und seine Kollegen waren doch diejenigen, deren oberste Priorität es hätte sein müssen, den Menschen die ganze Schrift nahezubringen. Aber anstatt dies zu tun, wollten sie lieber ihre eigene Herrlichkeit bewundern und sich über den verfluchten Pöbel auslassen, der das Gesetz nicht kennt. Das schrecklichste Detail ist aber jenes, dass die Pharisäer das Gesetz Gottes selber auch nicht begriffen haben und sich trotzdem wie etwas Besseres fühlen. Sie kennen zwar die Worte, die geschrieben stehen, aber deren Bedeutung haben sie nie begriffen. Darum sind sie keinen Deut besser als die Leute, die sie hier als Pöbel bezeichnen, weil auch sie selber genau wie das einfache Volk das Gesetz Gottes nicht richtig einhalten. Und sie wollen hier auch das Volk als Pöbel bezeichnen, weil das Volk sich nicht genau so benimmt wie die Obersten. Denn die Obersten haben sich alle miteinander abgesprochen und beschlossen, dass keiner von ihnen an Jesus glauben wird, egal was passiert, und diese irrsinnige Halsstarrigkeit wird von ihnen als Weisheit empfunden. Das Volk aber, weil es nicht genau die gleiche trotzige Haltung hat, sondern Jesus zuhört, wird als Pöbel bezeichnet, wobei es aber eigentlich gerade deswegen für sie größere Hoffnung gibt als für die jüdischen Autoritäten. Zumindest aus himmlischer Sicht. Und allgemein ist es verabscheuungswürdig, wenn Leute ihren Wert und den Wert der anderen nur davon abhängig machen, wie gut sich dem Gruppenzwang gebeugt wird.

Es gab aber tatsächlich einen einzigen Mensch in der Mitte der Pharisäer, der die sinnlosen Hassgedanken gegen Jesus, die hier gerade offenbar wurden, ein wenig zerstreuen wollte, denn wir lesen in Vers 50 und 51:

Da spricht zu ihnen Nikodemus, der bei Nacht zu ihm gekommen war, und der einer der Ihren war:
Richtet unser Gesetz einen Menschen, es sei denn, man habe ihn zuvor selbst gehört und erkannt, was er tut? 

Diese Worte sind sehr bemerkenswert. Wenn die Pharisäer immer so viel vom Gesetz reden, dann sollten sie am besten auch entsprechend dem Gesetz handeln. Und im Gesetz Gottes wird die Moral offenbar, wenn eine Anklage vorliegt, dass man dann eifrig nachforschen und den Fall genau untersuchen muss und erst jemanden bestrafen darf, wenn die Sache feststeht, also dass wirklich ein Gräuel geschehen ist. Dies will Nikodemus hier bewirken, also dass die hasserfüllten Pharisäer, die seine Kollegen sind, vielleicht einfach mal bei Jesus sitzen sollten, um sich alles anzuhören, und dann sollten sie in Ruhe einschätzen, ob er glaubwürdig oder unglaubwürdig ist. Nikodemus argumentiert damit merklich in die Richtung, dass Jesus ja vielleicht auch unschuldig sein könnte. Und welche Reaktion er darauf erntete, lesen wir in Vers 52, wo es heißt:

Sie antworteten und sprachen zu ihm: Bist du etwa auch aus Galiläa? Forsche nach und sieh: Kein Prophet ist aus Galiläa hervorgegangen! 

Hier wird Nikodemus sofort mit Worten attackiert, weil er im Ansatz etwas gesagt hat, was die Gruppe nicht hören will. Dieses typische Verhalten menschlicher Schande, das in Gruppen immer entsteht, machte sehr schnell offenbar, dass es zwecklos sein würde, für Jesus zu sprechen in dieser Vereinigung, und man musste aufpassen, dass man dann nicht etwa selber Zorn abbekommt, wenn man auch nur im Geringsten für Jesus Partei ergreift. So verhielten sich die Dinge, als da ein Mensch in die von Religionen beherrschten Orte ging, der eine bessere Auslegung der Schriften verkündigte, die ihren Traditionen widersprach, wobei er aber nicht seine eigenen Erfindungen redete, sondern allein das,was Gott ihm beigebracht hatte. Jesus hatte dies getan und verursachte dabei nicht wirklich etwas Anderes als Feindseligkeit bei den Autoritäten.

Im letzten Vers des Kapitels lesen wir nur noch eine kurze Anmerkung, denn dort steht:

Und so ging jeder in sein Haus.

Man sieht daran, dass Nikodemus keinen Streit begann, sondern dass sie alle auseinandergingen, weil es für den aktuellen Tag genug sein sollte.

Da wir nun das Ende dieses Kapitels erreicht haben, bleibt auch dieses Mal die Frage: Was lernen wir daraus? Und was können wir uns besonders für unsere eigene Nachfolge daraus mitnehmen?

Wir lernen aus diesem Kapitel, dass das Auftreten von Jesus in Jerusalem ziemlich viel Verunsicherung und auch Spaltung und Frustration bewirkte. Man sieht bereits am Inhalt dieses Kapitels deutlich, wie angefochten die Tatsache war, dass Jesus der Messias Israels ist. Ebenso sehen wir an diesem Kapitel auch, wie sehr die Pharisäer darauf aus waren, jeden Glaube an Jesus zu zerstören, der im Volk entstehen könnte, weil sie die Kontrolle über das Volk nicht verlieren wollten. Und dabei sorgten sie sich gar nicht um das Wohl des Volkes, sondern wir sehen an diesem Kapitel ohne Zweifel, dass die obersten Priester und Pharisäer die Menschen des Volkes nur als den verfluchten Pöbel betrachteten, den es an der kurzen Leine zu halten gilt.
Was wir für unsere eigene Nachfolge aus diesem Kapitel lernen können, ist, dass wir allezeit der Anleitung gehorsam sein sollten, die uns auf Gottes Befehl hin zuteil wird, selbst dann, wenn wir irgendwo als gesuchte Verbrecher gelten würden. Wir sollten trotzdem diesen Ort besuchen, weil Gott es befiehlt. Denn in dem Moment, wo Gott geplant hat, dass du einen Ort besuchen wirst, selbst wenn die dortigen Leute Mordgedanken gegen dich hegen könnten, kannst du sicher sein, dass dort nicht wirklich etwas einschlägig Schlimmes passieren wird. Jesus war ein gesuchter Verbrecher in Jerusalem und hat sich trotzdem auf den Befehl Gottes hin in der Öffentlichkeit gezeigt und die Wahrheit verkündigt. Und wir haben mehrfach gelesen, dass kein einziger ihn ergriffen hat, obwohl man genau das erwarten musste. Das heißt: Wenn Gott will, dass wir irgendwo predigen, dann werden wir auch dort predigen, und es wird nicht aufgehalten werden. Die einzigen Momente, die aufgehalten werden können, sind eben die, wo wir nicht um Gottes willen einen Ort besuchen, sondern aus unserer eigenen Herzenslust heraus, weil wir uns groß aufspielen wollen oder die Bewunderung anderer genießen wollen. Sobald wir dies tun, obwohl Gott uns nichts dergleichen befohlen hat, wäre es kein Wunder, wenn schlimme Szenarien passieren würden. Wer aber auf Gottes Befehl hin losgeht, um die Wahrheit zu sagen, sofern er denn die Wahrheit kennt, der wird unangetastet bleiben, weil er sich komplett in Gottes Wille bewegt, denn Gott ist viel zu mächtig, als dass irgendwer gegen seinen Wille auftreten könnte, um uns zu schaden.

Und nun endet auch dieses Video.
Danke für’s Zuhören und bis zum nächsten Mal! Mögen der Frieden und die Liebe von Jesus Christus mit euch sein!

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